Orangensaft: Temperaturen sorgen für Kaufhysterie
Eiger Europe, Zürich (06.01.10) – Seit Wochen scheinen sich die Händler für das tiefgefrorene Orangensaftkonzentrat (FCOJ) von der Käuferseiteentschieden zu haben. Seit gut vier Wochen steigen die Notierungen für diesen Markt kontinuierlich und haben, mit der gestrigen Bewegung, ein 18-Monatshoch erreicht. Seit Juli 2008 wurde der OJ nicht mehr so hoch gehandelt und dies hat einen bestimmten Grund. Ab November decken sich viele Spekulanten mit Orangensaft-Longpositionen ein und spekulieren auf mögliche Frostschäden in den Hauptanbaugebieten in Florida. Allein die Positionierung verursacht in der Regel einen Preisanstieg. Dieses Jahr gab es ebenfalls keine Ausnahme und bereits ab Oktober konnte dieser Markt die 1.00 Dollar Marke knacken und dieses Niveau wurde danach nicht mehr unterboten. Die erste Bewegung verdanken wir den Spekulanten und ihre Positionierungen. Als es dann tatsächlich im Dezember in Florida kalt wurde, stiegen weitere Spekulanten in den Markt hinein und drückten ihn weiter nach oben. Nun sind die Temperaturen in Zentralflorida gefährlich nahe am Gefrierpunkt angelangt, so dass eine regelrechte Hysterie ausgebrochen ist. Jeder scheint auf dem Orangensaft aufmerksam geworden zu sein, die Medien reden vom Risiko einer Erntevernichtung durch den Frost (sogar das Schweizerfernsehen berichtete darüber) und alle wollen die Chance nicht verpassen. Weil dieser Markt noch nicht für den grossen Ansturm vorbereitet ist, verursachen die Käufe massive Preisanstiege, wie spätestens gestern gesehen. Obwohl noch keine Meldungen von Ernteschäden bekannt sind und die Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt sind (in der Nacht), reagierte dieser Markt sehr heftig und erreichte im Verlaufe des gestrigen Tages die maximale Tageslimite, die 10 Cents pro Pfund beträgt. Bei 143.55 Cents pro Pfund war also Schluss für gestern und es wurden nur noch Verkaufsaufträge angenommen. Trotz dieser Massnahme ging nichts mehr und der Markt löste sich von der Limite nicht mehr.
Der Kaufdruck ist dermassen gross, dass einige Aufträge nicht ausgeführt werden konnten. Weil der Druck so gross ist, hat die ICENYBOT (die Börse für Soft-Commodities) entschieden, diese Tageslimite für den heutigen Tag auf 20 Cents pro Pfund zu verdoppeln; eine übliche Massnahme in solchen Fällen.
Alle Augen der Marktteilnehmer richten sich weiterhin auf die Wetterprognosen für Florida, Louisiana und Texas...dort wo sich die wichtigsten Orangenplantagen befinden. Orangen sind bekanntlich sehr kälteempfindlich und gehen bei einer Temperatur von 27° F (minus 2.77°C) für mehr als drei Stunden kaputt. Bisher hat es noch nirgendwo gereicht, so dass auch keine Schäden passiert sind. Für die Nacht auf Donnerstag könnte aber die Temperatur, laut Wetterexperten, doch unter 27°F fallen, so dass die Gefahr von Ernteschäden steigt. Aus diesem Grund ist das Interesse an einer OJ-Longposition noch sehr gross.
Die Masse hat diesen Markt entdeckt und treibt den Markt weiter nach oben. Die meisten Laien vergessen aber, dass die Orangenproduzenten spezielle Tricks haben, um leicht frostende Temperaturen wirkungsvoll zu bekämpfen. Durch Bewässerung der Felder können sie einen künstlichen Nebel verursachen, der die Orangen vor einem nächtlichen Frost schützt. Die meisten Produzenten organisieren sich, um ihre Felder in der Nacht auf Donnerstag zu bewässern.
Wenn die Temperatur lediglich ein paar Grad unter Null fällt, so sollte es zu keinen Ernteschäden kommen und der Orangensaftpreis wieder zurückfallen. Wenn es aber wesentlich kälter wird, dann drohen massive Ernteverluste. Niemand weiss bis jetzt, wie kalt es in Florida werden wird. Die Meteorologen erwarten aber am Wochenende eine neue Kältewelle, die sich vom Norden nach Süden bewegt. Es kann also auf beiden Richtungen spekuliert werden, je nach Temperatur. Auf jedem Fall erwarten wir heftige Preisschwankungen in den nächsten Tagen.
(Quelle: www2.eiger-europe.ch)
@ Richard Ebert [#1]
Kaufhysterie?
Der Autor hat wohl noch nie Orangensaft gehandelt.
Vieleicht kann Herr Ebert einen Chart einstellen der Hysterie zeigt.
Tagelanges LIMIT UP ohne Möglichkeit für den Verkäufer die Position zu schliessen. Das ist Hysterie bzw. Panik. Das was hier läuft ist doch Kinderkram.
@ benedikt54 [#2]
Limitbewegung in beide Richtungen deutet eher auf das zeitliche Ende einer Hysterie.
Gruss SPOMI
@ benedikt54 [#2]
Panik ?
Das ist Ansichtssache. Wenn der Dax an einem Tag 200 Punkte fällt, sage ich 'aha' und das war's dann schon. Andere handeln panisch und die Fernsehsender liefern eine Sondersendung nach der anderen.
Die folgende Grafik zeigt drei Sondersituationen:
- Im Januar 1977 kam es zu 10 Limit Up Bewegungen, Short Futures konnten nicht mehr eingedeckt werden. Ein Hedge über Optionen ist in solchen Fällen möglich, aber oft teuer (selbst habe ich damit keine Erfahrung).
- Im September 1977 kam es zu 5 Limit Bewegungen. Grund zu dieser Jahres vermutlich neue Ernteschätzungen.
- Am letzten Handelstag im November 1977. Der lange Balken entstand vermutlich durch eine 'Market' Eindeckung einer Shortposition, jedenfalls wurde ein einzelner Kontrakt zu 220 Cent gehandelt. Ob das Panik war oder ein fehlendes Verständnis im OJ Handel, wird vielleicht der Käufer wissen.
Durch eine professionelle und gründliche Vorbereitung im Rohstoff Handel sollten Panik Reaktionen ausgeschlossen werden können. Wer nicht lernen will, muss Lehrgeld an der Börse abliefern.
@ Richard Ebert [#4]
Klasse Beitrag. Danke.
@ Richard Ebert [#4]
Am letzten Handelstag im November 1977. Der lange Balken entstand vermutlich durch eine 'Market' Eindeckung einer Shortposition, jedenfalls wurde ein einzelner Kontrakt zu 220 Cent gehandelt. Ob das Panik war oder ein fehlendes Verständnis im OJ Handel, wird vielleicht der Käufer wissen.
Mir fehlt offen Gestanden auch das Verständnis für den OH Handel. Das Optionen auf den Kassahandel abgestellt sind ist klar und das Sie auch dann gehandelt werden wenn der FUTURE LIMIT UP ist.
Warum wurde das DAILY LIMIT an diesem Tag ausgesetzt? Wird ab dem FND das Limit ausgesetzt?
Kann das jemand beantworten?
Kälte bedroht Ernte - Floridas Zitrusbauern "beten"
Von Tobias Bayer
Financial Times Deutschland, FTD (09.01.10) - Eisige Temperaturen haben die USA, Europa und Asien im Griff. Besonders groß ist die Angst in Florida. Die dortigen Bauern bangen um ihre Orangen und Grapefruits, an der Terminbörse schießt der Preis nach oben. Auch Garnelenzüchter zittern.
(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/rohstoffe/:kaelte-bedroht-ernte-floridas-zitrusbauern-beten/50058201.html)
Eiger Europa, Zürich (11.01.10) – Die Orangesaft Futures haben ihren Aufwärtstrend ungebrochen fortgesetzt und haben einmal mehr mit plus 10 Cents die obere Tageslimite erreicht. Der Schlusskurs am Freitagabend war bei 151.15.
Es gab grosse Bedenken im Markt, dass eine arktische Front über die Anbaugebiete von Florida zieht, und die Orangen dadurch gefrieren könnten. Siebzig Prozent der amerikanischen Orangenproduktion stammen aus Florida. In der letzten Woche hat der März Kontrakt ein Plus von 17 % verzeichnet.
Die Handelslimite ist ab heute erhöht worden und beträgt plus/minus 20 Cents. Dies erfolgt jeweils, wenn die ersten drei Kontraktdaten mit Limit up oder Limit down schliessen.
Bisher haben die Orangen in Florida noch keine Frostschäden erlitten, aber mit den niedrigen Temperaturen die zur Zeit herrschen, könnte es durchaus sein, dass die Früchte einen erheblichen Schaden aufweisen. Zudem schätzt das amerikanische Landwirtschaftsdepartement die Ernteaussichten mit 135 Millionen 90-Pfund Boxen, was einem Rückgang um 17 % entspricht und die zweitschlechteste Ernte innerhalb der letzten zehn Jahre wäre.
Die kälteste Nacht erwarten die Wetterfrösche für Sonntag/Montag. Die erwartete Temperatur wird mit ca. 18 – 25 Fahrenheit angegeben. Generell wird ab einer Temperatur unter 27 Fahrenheit (entspricht ca. minus 2.7) mit Frostschäden gerechnet, falls diese länger als drei Stunden andauern.
Der Markt rechnet damit, dass wir die Höchststände noch nicht erreicht haben. Bis jetzt sind Preise für Orangen im Supermarkt noch nicht angehoben worden, falls es zu Ernteschäden kommen sollte, wird ein Preisanstieg auch dort erwartet.
Für die kommenden Tage wird mit wärmerem Wetter gerechnet. Falls die Früchte diese Nacht gut überstehen, könnte es durchaus zu heftigen Kurskorrekturen kommen. Es ist auf jeden Fall mit hohen Kursausschlägen zu rechnen, wenn der Handel heute um 14 00 Uhr beginnt.
(Quelle: www2.eiger-europe.ch)
fructidor.com (12.01.10) - Das kalte Wetter trifft auch den Südosten der U.S. Dies wirkt sich auf die Obst- und Gemüsepreise aus. Die Orangenernte in Florida wird sicherlich beeinträchtigt sien und die Preise von Orangensaft werden in die Höhe gehen.
Florida ist, als zweiter Erzeuger von Orangen hinter Brasilien, ein echter Preisindikator für Orangenkonzentrat. Gestern, sind die Temperaturen sogar im Süden von Orlando unter 0°C gefallen, was ungewöhnlich ist. Die Orangen, die Erntesaison haben, könnten an den Bäumen gefrieren, was die Ernte zerstören würde.
Die Orangenernte war bereits mit Verringerungen von 20% aufgrund von kleineren Anbauflächen, eines zerstörerischen Insekts vorhergesagt und die Kälte wird es nicht besser machen - ganz im Gegenteil!
Seit Februar haben sich die Preise bereits verdoppelt. Die Preise, die neu verhandelt werden sollten, könnten dieses Jahr bald höher als 30% sein.
(Quelle: fructidor.com)
Florida: Citruserzeuger erwarten Verlust durch Frost zwischen 10 und 12 Prozent
Fruchthandel.de (18.01.10) - Nachdem Citrusproduzenten in Florida in der ersten Januarhälfte massiv unter einer Kältewelle mit mehrstündigen Minustemperaturen gelitten haben, hat nun der Gouverneur des Sonnenstaates, Charlie Crist, sich an das US-Landwirtschaftsministerium USDA um Hilfe gewandt.
In einem Brief fordert er, die Schäden durch die Fröste in weiten Teilen des Landes den landwirtschaftlichen Notstand auszurufen. Neben den Gemüseerzeugern sind Zeitungsberichten zufolge auch Citrusplantagen betroffen.
(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.fruchthandel.de/index.php?id=news-anzeigen&news_id=12816&pid=120)
Orangensaft und Bauholz werden immer teurer
Von Christof Leisinger
Frankfurter Allgemeine Zeitung, FAZ (09.02.10) - Die Preisentwicklung an den Energie- und Rohstoffmärkten ist noch ausgeprägter als in anderen Bereichen. Das lässt sich darauf zurückführen, dass immer mehr spekulative Anleger in relativ engen Märkten mit Finanzinstrumenten mit „großen Hebeln“ operieren. Das heißt, sie benötigen nur vergleichsweise wenig Eigenkapital, um die Preise in Bewegung bringen zu können. Bewegung jedoch brauchen sie, um Erträge erwirtschaften und ausweisen zu können, da Rohstoffe und Edelmetalle weder Kupons noch Dividenden abwerfen.
(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.faz.net/s/Rub58BA8E456DE64F1890E34F4803239F4D/Doc~E1CD986A6C99543A4AB5FFB8A22C8AB21~ATpl~Ecommon~Sspezial.html)
Im Laufe des Dezembers ergibt sich häufig die Gelegenheit, Orangensaft zu verkaufen.
MRCI empfielt den Verkauf gemäß der Saisonalität in den vergangenen 15 Jahren für den 19.12. Der optimale Zeitpunkt schwankt naturgemäß von Jahr zu Jahr.
Ich verkaufe hier nur Optionen - OJ ist doch sehr volatil. Ich schaue mir die Mai-Optionen (z. B. 150er Puts für ca. 7 Punkte) an, die kaum teurer sind als die März-Optionen.
Gibt es hier jemanden, der einen Beitrag aus fundamentaler Sicht leisten kann ? Habe leider kaum Daten gefunden.
Mit besten Grüßen, Myrrdin
Hallo,
hier ein interessanter Link für fundamentale Neuigkeiten bei FCOJ:
http://news.tradingcharts.com/futures/headlines/Orange_Juice.html
Ansonsten natürlich auch bei futuresource.com
Gruß
@ Myrrdin [#12]
Der rote Kursverlauf entspricht der durchschnittlichen Kursänderung für Mai Orangensaft der vergangenen 15 Jahre.
Gibt es auf http://www.chartbuch.de für alle Terminmärkte.
Schöne Grüsse, Richard Ebert