Privatinsolvenz: Letzter Ausweg oder goldener Fallschirm?
Im "Daytrading Thread - Täglicher Händlertreff zum Intraday Tageshandel"
http://www.terminmarktwelt.de/cgi-bin/nforum.pl?ST=15660&CP=0&F=47
schrieb gautama2 in Posting #2695:
Ich sehe oft genug bei meinen Schuldnern aufgrund dieser Entschuldungsmethode in die Röhre, das Risiko kann man getrost eingehen. Wenn es aufgeht ist man ein gemachter Mann
Ist "gemachter Mann" so gemeint, daß er mehr gewinnen könnte als lediglich seine Entschuldung?
Kann er beispielweise Vermögenswerte über die sechs Jahre hinausretten, ohne daß das Gericht davon Wind kriegt und ihm die Insolvenz verwehrt?
@ Livetour [#1]
Nein, er meint, dass er ruhig Aktien auf Pump kaufen kann, denn wenn es daneben geht, dann ist er seine daraus entstandenen Schulden nach 7 Jahren los und wenn es funktioniert, also der Hebel voll mit den steigenden Aktien mitgenommen werden kann, dann ist er ein gemachter Mann, also hat einen Haufen Kohle gemacht.
Nix mit illegal etc.
@ gautama2 [#2]
Die Bank lässt das niemals zu, wenn die Aktien unter den Beleihungswert fallen wird verkauft.
Es sei denn durch einen Crash lassen sich die Aktien nur noch mit einem Verlust verkaufen und die Bank bleibt auf den Miesen sitzen.
Dann kann aber auch der Aktionär nichts mehr rüberretten.
Anders bei Schuldnern die ihre Vermögenswerte übertragen haben. Hier gelten die Fristen von 2 Jahren für Immobilien.
Dananch bleibt man auf seinen Forderungen sitzen, während der Schuldner mit dem Cabrio der Frau mehrmals am Tag an einem vorüber fährt.
@ benedikt54 [#3]
Die Aktien werden verkauft oder weitere Sicherheiten eingefordert.
Ich meinte nur, wenn man sich über beide Ohren verschuldet, weil man denkt man hat am Boden fett eingedeckt, dann kann einen das schlimmstenfalls 6 Jahre Knäckebrot und bei Mc Donalds arbeiten kosten. Danach kann man wieder loslegen und Börsenbücher schreiben ("Wie ich die Krise überlebte") oder man hat den Boden erwischt, lebt in Saus und Braus und schreibt dann Börsenbücher "Mit Krisen reich werden - Die nächste kommt bestimmt".
@ gautama2 [#4]
Okay, ich dachte schon, das Privatinsolvenzrecht würde da irgendwelche Spielräume bieten, die von Betroffenen auch schon leidenschaftlich genutzt werden. Die Zwei-Jahres-Frist für Vermögensverschiebungen ist mir bekannt.
@ benedikt54 [#3]
während der Schuldner mit dem Cabrio der Frau mehrmals am Tag an einem vorüber fährt.
Hoffentlich entspringt dieses plastische Bild keiner persönlichen Erfahrung...
Einer meiner Kunden hatte stets "Angst" Futures mit Minimalmargin zu handeln, weil man da ja theoretisch unbegrenzt verlieren kann, also ein permanentes Risiko trägt. (Stops, Broker die Positionen schließen,... geht zu 99,9999..% gut, aber wenn Börse "mal zu" und falsche Richtung, dann unabwendbar grosses "Problem")
Auf die Geschichte mit der so möglichen Privatinsolvenz wollte er es nicht ankommen lassen, also hat er eine haftungsbeschränkte Kapitalgesellschaft zum Handeln gegründet. Er zahlt jetzt zwar sogar etwas mehr Steuern und hat Verwaltungs-/Bilanzkosten... trotzdem schläft er nun ruhig, weil notfalls ja wirklich nur maximal das weg ist, mit dem er (die Firma:) handelt.
Also das mit dem "goldenen Insolvenzfallschirm" ist keine besondere Sache, Unternehmer haben das schon immer als Möglichkeit gehabt (und genutzt).