Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Rohöl: Spekulativen Handel aussetzen ?

Schranken für Öl-Spekulanten

Financial Times Deutschland, FTD (12.06.09) - Grund für den jüngsten Anstieg des Ölpreises ist nicht etwa ein Aufschwung der Wirtschaft, sondern reine Spekulation. Um die einzudämmen braucht es vor allem mehr Transparenz.

Wer glaubte, die Zeit der Spekulationsblasen wäre erst einmal vorbei, hat nicht mit dem Ölmarkt gerechnet. Binnen einem halben Jahr ist der Ölpreis wieder von rezessionsbedingten 34 $ je Fass auf 72 $ am Donnerstag gestiegen.

(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.ftd.de/meinung/kommentare/:Leitartikel-Schranken-f%FCr-%D6l-Spekulanten/525989.html)

Bild entfernt.

Geschrieben von Richard Ebert am
rodeonrwdeo
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12 Jahre 9 Monate

"Spekulativen Handel aussetzen?"

Wer soll denn bestimmen wenn der Handel spekulativ ist?

Vielleicht diejenigen, die die Geldmenge in den letzten Jahren so gut unter Kontrolle hatten, dass sich keine Blasen bilden konnten?

das ist ja lächerlich!

F
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Preisbeschränkungen haben noch nie funktioniert.

Es wird Sommer. Die Urlaubssaison beginnt in vielen Ländern wieder.

Mit welchem Treibstoff fahren die meisten Autos denn ?

Was ist so verwunderlich an den steigenden Öl-Notierungen ?

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ rodeonrwdeo [#2]

Jeder Handel, der nicht dem rein physikalischen Austausch von Waren zwischen Produzent und Verbraucher dient ist spekulativ und selbst dann kann es Spekulation sein.
Also schließt der Herr Us Senator die Börsen und jeder geht wieder selber zum Bauern seines Vertrauens und kauft direkt beim Scheich den Sprit.
Ja, das ist super, das hat was, das ist ein echter Fortschritt für die Menschheit.

Manch ein Politiker wäre bestens bedient, wenn er kurz vor Öffnung der Mundhöhle wenigstens mal 10 Minuten in Wikipedia gucken würde.
http://de.wikipedia.org/wiki/Handel
Und jede Äußerung eines Politikers, die rein spekulativ nur auf den Fang von Wählerstimmen oder zur Erhöhung der Popularität bei den weniger Wissenden gerichtet ist, sollte ebenfalls verboten sein.

peterg
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Da juckt es mich jetzt doch meinen Senf dazu zu geben:

Zunächst eine Frage an all diejenigen, die sich grenzenlose Freiheit des Handels auf die Fahne schreiben:
Haben Sie sich im letzten Jahr nicht geärgert, als Sie für eine Tankfüllung so viel bezahlen mussten ?

Selbstverständlich kann man fundamentale Aspekte für die Anstiege im Energiesektor anführen.
Während für den letzten Preisanstieg 2008 im Energiesektor immer Knappheit von Diesel und Derivaten als wichtiger Faktor angeführt wurde gilt dasselbe jetzt für Benzin.
Siehe hierzu:
"Special Report: Oil. Diesel Dominance and Demand Destruction"
von J. Kingston
Platts Reports
sowie:
http://tonto.eia.doe.gov/oog/info/twip/twip.asp
(Man hatte damals aufgrund der Derivateknappheit in den Raffinerien den Raffinierungsprozess zu Gunsten von Diesel verändert. D. h. prozentual wird mehr Diesel und weniger Benzin produziert.)

Aber sind diese fundamentalen Aspekte wirklich für das Ausmaß der Anstiege im Rohstoff-Energiesektor entscheidend verantwortlich.
Der bekannte Energie-Rohstoffanalyst St. Schork hat kürzlich sehr plakativ über die gegenwärtige Situation geschrieben:
"The demand is in the toilet".

Den "Wikipedia-Enthusiasten" sei empfohlen sich vielleicht dort auch einmal über die CFTC und deren Ursprünge zu informieren.
Und bedenken Sie:
Die Statistiken zum Energiesektor sind noch wesentlich dürftiger als die CFTC-Statistiken z. B. zu den Getreidemärkten.

Der Goldmarkt kann m. E. hinsichtlich seiner Intransparenz durchaus mit dem Energiemarkt verglichen werden.
Siehe:
http://www.terminmarktwelt.de/cgi-bin/nforum.pl?ST=142401&CP=0&F=47

Aber zurück zum Öl:
Ein wesentliches Problem im Futuremarkt ist m. E. dass Marktteilnehmer, die als "Commercials" eingestuft sind diese Vorteile (keine Beschränkung der Kontraktanzahl) zu spekulativen Zwecken missbrauchen.
Damit ist es diesen Marktteilnehmern möglich auch große Futuremärkte (Öl, Gold) zu manipulieren.
Zur Erinnerung: Commercials sollen an den Futuremärkten ihr Risiko absichern, und nicht spekulieren.
Wird hier exzessiv spekuliert, so kann dies zu Verzerrungen z. B. derart führen, dass der Cashpreis und Futurepreis am Ende der Kontraktlaufzeit sich nicht mehr ausreichend annähern (siehe Weizen). Dies wiederum kann, nebenbei erwähnt eine Katastrophe für echte Commercials (z. B. Bauern) bedeuten.
Die CFTC, welche ja gegründet worden war um derartige Marktmanipulationen zu unterbinden muss sich fragen lassen, warum manche Marktteilnehmer (z. B. Banken) im gegenwärtigen Maße als Commercials agieren dürfen.
Welche "Commercial"-Interessen treibt z. B. Banken wie Citigroup oder Morgan Stanley dazu riesige Öltanker zu chartern, diese mit Öl vollzupumpen und liegen zu lassen ?
Welche Risiken müssen mit derartigen Praktiken abgesichert werden ?

Also:
Eine Handelsaussetzung ist m. E. gar nicht notwendig und sinnvoll.
Aber ich bin davon überzeigt, das der Futurehandel auch dann noch liquide bleibt wenn, als Commercials eingestuften Marktteilnehmern das Spekulieren erschwert wird.
Ob man das will, ist eine andere, eine politische Frage.

Gruß

peterg

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ peterg [#5]

a) Welcher von den beiden Teilnehmern eines Futures-Geschäftes ist denn Deiner Meinung nach der Spekulant: der, der kauft, oder der, der verkauft? Wieso nur einer von beiden?

b) Wieso meint irgend jemand (vornehmlich Politiker), daß sie einen "richtigen" Preis kennen würden? Denn nur, wenn man besser als der Markt weiß, was der "angemessene" Preis ist, kann man ja sagen, selbiger wäre zu hoch oder nach oben durch Spekulation verzerrt.

c) Es gibt genauso viel Kontrakte, die auf fallende Preise setzen. Als der Preis bei 40 war, war das bestimmt ungesund für unser langfristiges Wohlergehen (wegen daraus folgender mangelnder Investition). Ich habe aber nicht wahrgenommen, daß sich dabei einer der Herren Politiker (oder Du) über die bösen Spekulanten geäußert hat, die ja nun offenbar den Preis nach unten verzerren.

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Wir alle haben in den letzten 20 Jahren gelernt, daß man Preisblasen nur im Nachhinein mit Sicherheit als solche erkennen kann. Welcher Preis "richtig" ist, dafür gibt es - bei allen Fehlern und Übertreibungen - keinen besseren Findungsmechanismus als den Markt.

Börsenteilnehmer lernen schmerzhaft, nicht schlauer sein zu wollen als der Markt. Die, die überleben, haben das intus. Leider gibt es bei Politikern kein ähnliches Korrektiv, da sie ja ihre Meinung, es besser als der Markt zu wissen, im Gegensatz zu Marktteilnehmern nicht mit Geld untermauern müssen.

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Asamat [#6]

"im Gegensatz zu Marktteilnehmern nicht mit Geld untermauern müssen."
Jedenfalls nicht mit eigenem Geld.

F
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Zunächst eine Frage an all diejenigen, die sich grenzenlose Freiheit des Handels auf die Fahne schreiben:
Haben Sie sich im letzten Jahr nicht geärgert, als Sie für eine Tankfüllung so viel bezahlen mussten ?

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Wissen Sie, woran ich denke, wenn ich die steigenden Preise sehe ?

Nicht an die Rohöl-Händler oder die vermeintlich gierigen Produzenten. Nein. Die machen nur ihren Job und sollen für ihr Produkt ruhig den erzielbaren Preis verlangen.

Das gilt übrigens für alle Rohstoffe. Weshalb sollten die Produzenten den Preis subventionieren ?

Nein, ich denke an die unaufhöhrlich laufenden Geldpressen und die ausufernde Staatsverschuldung in den USA, die eine solche globale Inflationierung erst ermöglichen.

Aber es ist ja offiziell alles in Butter und die Inflation ist auf dem niedrigsten Punkt seit weiss ich wieviel Jahren.....

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SPOMI
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ peterg [#5]

Das Problem sind wahrscheinlich die wirklich grossen Handelsteilnehmer.

Nach CFTC COT ist die Konzentration des Open Interest auf 4 bzw 8 Teilnehmer sowohl long, short wie netto oft bei 50%. Auch wenn diese entgegengesetzte Interessen haben spielen alle anderen mittleren und kleinen Markteilnehmer 2 Klassen tiefer. Damit wohl wenig Einfluss auf die langfrsitige Trendrichtung. Für mich schaut das aus wie wenn die Commodities in eisernen Lungen atmen. Der Derivatehandel läuft über 20 -30 grosse Broker/Banken. der Rest ist fast zu vernachlässigen.

Grüsse ohne böse Hintergedanken SPOMI

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