Rollover Kosten für Rohstoff Futures berechnen
Hallo zusammen,
gibt es Erfahrungswerte, wie hoch Rollover-Costs im Rohstoffbereich sind?
Üblich ist ja im Regelfall das Investment bzw. Hedging des Futures mit dem nächsten Fälligkeitstermin aufgrund der hohen Liquidität.
Wenn ich im Vorfeld weiß, dass ich mich z.B. für 12 Monate mit einem Ölfuture hedgen will, sollte ich also den Future mit dem nächsten Fälligkeitstermin nehmen und dann 11 bzw. 12 mal überrollen. Aufgrund des Contangos werden dabei Kosten entstehen - so viel ist klar.
Wenn also Gott und die Welt im Regelfall in den nächsten Future investiert ist, muss es ja Erfahrungswerte geben, die zeigen, dass das Überrollen günstiger ist als das Investment in den Future, dessen Fälligkeit erst in 12 Monaten ist. Oder?
Herzlichen Dank und beste Grüße
Ben
Eigentlich sollte das beides gleichwertig sein. Es gibt ja in der Regel kein long oder short Bias bei einzelnen Kontrakten (ausser wenn die Abitragemöglihckeiten erschöpft sind, weil es nicht genug Material für die aktuelle Lieferung gibt oder auf der anderen Seite die Lager voll sind und nicht eingelagert werden kann). Insofern sollten sie normalerweise fair gepreist sein, sonst gebe es ja eine Strategie, mit der man Geld machen könnte. Insofern kann es höchsten sein, dass in späteren Kontrakten kein Handel ist bzw. dort ein brauchbarer Bid/Ask Spread vorhanden ist. Dann wäre der halbe Spread aber der Preis den du suchst. Dez 2011 Ölfutures sind aber momentan liquide mit kleinem Spread. Beim Brent ist der aktuelle und der 12 Monatskontrakt auf dem selben Preis. Da die Zinsen niedrig sind, gibt es ja auch kaum Finanzierungskosten. Beim WestTexas ist der aktuelle niedriger, vermutlich sind die Lager dort voll, oder die Produktion zur Leiferung am Hub wird im nächsten Jahr knapper erwartet (weniger Produktion, mehr Verbrauch, was auch immer).
@ New_Ben [#1]
Vorweg:
Wenn Du einen 2012-Januar-Kontrakt kaufst, weißt Du, was zu bezahlen ist !
Im Gegensatz dazu kann Dir niemand genau vorhersagen, wie hoch die monatlichen Rollkosten oder die Rollerträge über ein Jahr sind.
Die nachfolgende Terminkurve für Rohöl habe ich gerade von Onvista kopiert:
Hier siehst Du, dass für Rohöl in den Kontrakten des nächsten Jahres eine Contango-Situation besteht.
Wenn Du also Short-hedgen willst (d. h. Du bist Ölscheich und verkaufst Öl), dann ist es sinnvoll monatlich zu rollen. Du machst ja dann Rollgewinne !
(Beachte, dass der Preisunterschied zwischen Januar und Februar 2011 viel größer ist als zwischen Januar und Februar 2012).
Wenn Du aber Long-hedgen willst (d. h. Du bist Deutscher und frierst im Moment und ärgerst Dich über den Ölpreis) machst Du gegenwärtig Rollverluste. Wenn Du glaubst, dass sich diese Terminkurve nicht wesentlich ändern dürfte ist es sinnvoller sein sich gleich mit dem endgültigen Kontrakt einzudecken.
Im Großen ist das ähnlich:
Beim Goldmann-Sachs Commodity-Index stellen die Rollerträge einen wesentlicher Anteil der Gesamtperformance dar.
D. h. Der Index läuft besser, wenn die darin enthaltenen Rohstoffe in Backwardation notieren.
Deshalb liegt ja der Schwerpunkt beim GSCI bei Öl und anderen schwierig zu lagernden Rohstoffen.
Diese Abbildung zeigt z. B. die Entwicklung des Spotpreises von Rohöl und darüber
die Entwicklung bei "Kollateralisierter" Anlage. D. h. hier ist der Mehrertrag wesentlich durch die Rollgewinne erzielt worden.