peterg
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12 Jahre 6 Monate

Saisonalität: Funktionieren die traditionellen Muster noch ?

aus:

http://www.pfgbest.com/services/research/blogs/grain-report.asp

"...The key to survival and then prosperity for agricultural businesses such as farmers, feeders, processors and grain exporters is understanding the monthly trading patterns of these funds and avoid what used to be traditional seasonal selling of grain and understand fund seasonals . Traditional hedging patterns no longer work. ..."

Geschrieben von peterg am
peterg
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12 Jahre 6 Monate

Schade, dass bisher niemand etwas zu diesem Thema beitragen wollte.
Ich probier´s nochmal das anzustoßen:

W-C oder C-W

Es ist allgemein bekannt, dass erfolgreiche Handelsstrategien in großem Rahmen erkannt, ihre Gültigkeit verlieren.
Die Verfügbarkeit von Agrargütern ist saisonal abhängig.
Diese saisonalen Preismuster sind allgemein bekannt.
Welchen Stellenwert haben diese dann heute noch ?
Im konkreten Fall (Mais-Weizen-Spread) ist z. B. allgemein bekannt, dass Weizenkurse über den Winter saisonal rückläufig sein sollten.
Demgegenüber sollte Mais nach der Ernte im Spätherbst gemäß saisonaler Muster ansteigen.
Daraus ergibt sich die allgemeine, saisonal begründete Handelsempfehlung:
Kaufe Mais und verkaufe Weizen Anfang des Jahres.
Das Moore-Institut hat aufgrund statistischer Auswertungen sogar genaue Einstiegstage festgelegt (3.1.2011).

Wie erfolgreich wird heuer (2011) diese Strategie (C-W) sein ?

1. Szenario:
Dieser Spread wird in großem Stil eingegangen und gemäß der saisonalen Trends und der "Prophezeiungen" steigt er an.

2. Szenario:
Gegenwärtig sind 93% der von Hedge-Fonds gehaltenen Maiskontrakte Longkontrakte.
Die Fonds kennen ihre Moore-Tabellen und warten auf Anleger im C-W-Spread um ihre Longengagements reduzieren zu können.
Gleichzeitig haben diese Fonds, aber auch Commercials die Weizen verarbeiten auf den 3.1.2011 gewartet um sich mit Weizen-Longkontrakten einzudecken.

Vielleicht hat jemand eine Meinung zum Thema (noch bevor wir die weitere Entwicklung dieses Spreads beobachten können).

Myrrdin
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ peterg [#2]

Meine Meinung zu diesem Spread habe ich unter "Erfolgreicher Spread Handel" geäußert. Ich werde - ein Einstiegssignal vorausgesetzt - den CH-WH kaufen.

Die Seasonals funktionieren meines Erachtens noch, und am angeführten Beispiel lässt sich das auch deutlich machen. Auch in den letzten fünf jahren war dieser Spread erfolgreich, obwohl auch damals alle wussten, was MRCI veröffentlicht. Ich halte nichts vom blinden Nachtraden der MRCI-Vorschläge, und auch MRCI warnt hiervor. Aber als eines der möglichen Kriterien für eine Handelsentscheidung sind sie meines Erachtens hilfreich. Natürlich müssen auch die Fundamentals im Rahmen des Üblichen liegen, der bisherige Kursverlauf mit den Seasonals halbwegs übereinstimmen sowie ein Einstiegssignal vorhanden sein.

Auch die CoT-Daten können eine Hilfe für einen erfolgreichen Trade darstellen. Allerdings meines Erachtens nicht in dem Sinne, dass gekauft wird, wenn die Commercials wieder einmal extrem long sind. Die Fonds können immer noch mehr kaufen. Extreme Positionen sind allerdings ein Zeichen, dass es sehr weit gehen kan, wenn es losgeht. Es bedarf a ber weiterer Einsiegssignale in einen Trade. Beispiel: Beim Live Cattle wird seit Monaten spekuliert, dass die Fonds ihre Positionen abbauen und die Preis steil abwärts gehen. Bis heute ist das nicht passiert.

Zusammengefasst: Meines Erachtens funktionieren die Seasonals noch und könen erfolgreich gehandelt werden, wenn hier auch nicht die spektakulären Gewinne winken. 4 Beispiele für potentielle Einstiege im Januar finden sich unter "Erfolgreicher Spread Handel" (MRCI macht für den Januar 15 Vorschläge). Ein blindes Nachtraden der MRCI-Empfehlngen wird wohl nicht zum Erfolg führen.

Noch eine Anmerkung: Meine positiven Erfahrungen kommen vor allem aus dem Bereich der Grains, Meats und Softs. Über Währungen, Indices und Metals kann ich weniger sagen.

Mit besten Grüßen, Myrrdin

peterg
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Sonst keine weiteren Meinungen zum Thema ?
Es gibt doch Mehrere hier, die sich mit Saisonalität befassen.

Vielleicht noch etwas zum Anstoßen.
Leider beschränkt sich der Disaggregated COT-Bericht auf ca. viereinhalb Jahre.
Über diese, zugegeben beschränkte Zeit habe ich mal die Jahresdurchschnitte (wöchentliche Erfassung von Anfang Januar bis Ende Dezember=52 Wochen)grafisch dargestellt:
-Mittelwert der SWAP-Dealer
-Kurs
-Hedge Pressure (*1000 nur zur besseren Darstellung)
-Nettoposition der Spekulanten (= negativer Mittelwert der Producer)

peterg
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Komisch, es scheint, dass Myrrdin und ich die Einzigen sind, die dieses Thema interessiert.

Ich hatte in den letzten Tagen etwas Zeit und habe die Saisonalitäten der wichtigsten Agrargüter (C, W, S an der CME gehandelt) nochmals selbst genauer überprüft.
Gemäß dem Motto, traue keiner Statistik ... !
Anbei die Grafik für Weizen:

Bild entfernt.

Zunächst zur Erklärung:
-Die dicke blaue Linie bezieht sich auf den Weizenpreis des Frontmonates (wöchentlich immer Dienstags erfasst) der letzten 5 Jahre.
-Die dünne blaue Linie bezieht sich auf die Nettopositionierung der Producer (im Disaggregated COT-Bericht Futures und Options) der letzten vier Jahre (mehr historische Daten stehen nicht zur Verfügung).
Die Nettopositionen wurden mit -1 multipliziert. Somit sollten Sie in etwas der Nettopositionierung der Spekulanten entsprechen (ist zugegeben diskutabel, z. B. die Nonreportables wurden nicht berücksichtigt aber gibt m. E. eine gute Annäherung).

Es wurden die Kursverläufe je Jahr (2006, 2007, 2008, 2009, 2010) genommen und daraus jährliche "Saisonalkurven" derart gebildet, dass der Jahreshöchstkurs dem Wert "1" und der Jahrestiefstkurs dem Wert "0" entspricht. Aus diesen quasi relativen jährlichen Kursverläufen wurde dann der Mittelwert gebildet, den ihr als Saisonal-Chart abgebildet seht.
Zwischenfrage: Ist bei dieser Berechnung irgendetwas falsch ? Moore erklärt ja in seinem Buch nicht detailliert seine Art der Berechnung. Diese sollte aber übereinstimmen.

Auffällig ist, dass das saisonale Jahrestief bei Chicago-Weizen nun deutlich vor der eigentlichen Erntezeit liegt (zwischen Ende März und Mitte April). Dies stimmt überein mit dem Jahrestief der von den Spekulanten gehaltenen Positionen.
Im Verhältnis zu längerfristigen Saisonalcharts (-Moore) bzw. älteren Saisonalcharts, scheint es also so, dass sich das Jahrestief bei Weizen zeitlich vorverlagert hat.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ peterg [#5]
Inhaltlich habe ich mich nie damit beschäftigt, methodisch finde ich es schon interessant.

"Ist bei dieser Berechnung irgendetwas falsch ?"

Ich würde das für sinnvoll halten unter der Bedingung, daß die absoluten Preisänderungen pro Jahr (Deine 1 minus Deine 0) ungefähr in der gleichen Größenordnung liegen. Wenn sie zu sehr von einander abweichen, dann nicht mehr.

Warum legst Du nicht den Preis am 1.1. als 100% fest, und mittelst dann über die prozentualen Kurvenverläufe? Qualitativ müßte etwas sehr ähnliches heraus kommen, aber es ist einfacher auszurechnen/zu programmieren. Quantitativ kommt nicht ganz dasselbe heraus, weil bei Deiner Methode alle jährlichen Preisschwankungen auf 100% "aufgeblasen" werden, bei der von mir vorgeschlagenen nicht.

Gambler59
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Wheat adjustierter Endlosfuture; Durchschnitt der letzten 10 Jahre; gerechnet wie Asamat vorschlägt; komme auch auf das Ergebnis wie peterg,

März/April schwächste Monate

Wheat Januar Februar März April Mai Juni Juli 2000 1% -1% 0% -2% 2% -2% -3% 891.75 899.5 890.5 893.75 874.25 894.25 879 2001 -1% -1% -3% 2% -2% -2% 3% 850.75 844.25 835.75 814 831 814.75 795 2002 0% -2% 1% -3% 2% 3% 3% 801.75 798.75 782.75 791.75 768.75 782.25 805.75 2003 -1% -1% -2% -1% 5% -2% 5% 807.5 803 795.75 780 773.75 815.25 795 2004 1% -1% 2% -3% -3% -3% -4% 838.75 850.75 846 863.25 836.25 808.25 781.5 2005 -2% 7% -2% -2% 1% -2% -1% 716 699.5 745.5 731.25 716.25 722 710.75 2006 1% 4% -5% 0% 5% -2% 0% 686.25 690.25 716.5 683.25 680.5 715.5 701.5 2007 -4% 1% -7% 6% 3% 9% 4% 765.25 731.75 736.75 686.75 729.5 751 815.25 2008 4% 13% -5% -12% -4% 8% -7% 1054.5 1099 1238.5 1175.5 1039.5 1000 1080.25 2009 -5% -8% 2% -1% 15% -16% -2% 786.75 744 684.75 696 687.25 788 663 2010 -11% 6% -12% 8% -8% 1% 36% 616.25 548.75 579 510.5 549.5 504.25 510 Durchschnitt -2% 2% -3% -1% 1% -1% 0% Erfolgsquote 60% 50% 70% 60% 60% 60% August September Oktober NovemberDezember 0% 0% -1% 0% 1% 854 857.75 854.5 844.25 845 -1% -2% 3% -2% 0% 815.5 811.25 793 815.25 802.25 3% 3% 1% -3% -6% 827.75 853.75 880.25 886 862.25 2% -2% 1% 3% -3% 833 852.75 832 841.25 868.5 -1% -2% 1% -4% 1% 748.25 742.5 726.5 736.25 709.75 -3% 3% -4% -2% 3% 707 686.5 709.5 680.25 667.75 1% 3% 5% 2% -3% 703 707 727.75 767.75 785.75 15% 17% -12% 5% 0% 848.25 972 1135.5 1004.5 1055 -1% -12% -16% 1% 7% 1005.25 998 876.75 733 737.25 -9% -7% 7% 13% -7% 650.5 593.5 552.25 589 663.5 691.25 1% 0% -2% 1% -1% 40% 40% 50% 40%
Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ peterg [#2]

Ich hätte - ohne Ahnung von den grains zu haben - Peters Szenario 2 zugestimmt. Nämlich daß man aus allgemein bekannten Fakten zwar eine Meinung, aber nichts systematisch Profitables, keinen Edge, ableiten kann.

@ Myrrdin [#3]

Um so erstaunter bin ich, was ich bei Dir lese. Aus welchem Grund sollte man in einem Markt, in dem Profis agieren, mit so einfachen Dingen Geld verdienen können?

peterg
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#6]

Ich wollte mich etwas an den Moore Grafiken orientieren, dort werden saisonale Jahrescharts gezeigt, die zwischen 0 und 100 schwanken.
Zur Berechnung habe ich die folgende Formel verwendet:
(aktueller Kurs - Jahrestiefstkurs) / (Jahreshöchstkurs - Jahrestiefskurs)
Damit habe ich dann immer Kurven zwische 0 und 1.
Damit erscheint mir die weitere Bildung eines Durchschnittes auch sinnvoll um einen "durchschnittlichen" saisonalen Verlauf zu bekommen.

Wenn man die absoluten Kurswerte oder prozentuale Kurswertentwicklung nimmt, kriegt man, fürchte ich, bei Extremanstiegen wie z. B. 2007/2008 eine Verfälschung des Mittelwertes. Vor allem dann, wenn man nur wenige Stichproben bzw. Jahre (5-Jahresdurchschnitt) untersucht.
Aber genau darum ging es mir, zu schauen ob der Einfluss der Fonds, der ja in den letzten Jahren stetig zugenommen hat Veränderungen der saisonalen Entwicklung zur Folge hat

@ Gambler59 [#7]
Die Ergebnisse kann ich mit meinen Daten gut nachvollziehen.
Engere Zeitrahmen als ein Monat für die Entwicklung z. B. eines Jahrestiefs kann man daraus allerdings nicht ersehen.
(Bei mir meist auch nicht).
Aber ich denke, dazu müssen dann andere Instrumente (fundamental/technisch) benutzt werden.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ peterg [#9]

"... bei Extremanstiegen ... eine Verfälschung des Mittelwertes ..."

Das ist meines Erachtens ein springender Punkt. Zwei Überlegungen fallen mir dazu ein:

1) Es ist keine Verfälschung sondern real. Wenn man das gehandelt hätte, hätte man das in seinem Ergebnis gesehen. Eine Aussage über Saison-Trends kann man daraus nicht schließen, das ist richtig. Aber was nützen Saison-Trends der Größenordnung x, wenn man so ein Ding der Größe 10x willkürlich ausschließt?

2) Es ist legitim, soetwas nach eigenem Ermessen auszuschließen. Z.B. weil man es als nicht nützlich für die saisonale Analyse einstuft, oder als nicht nützlich weil es sich in dieser Form nicht wiederholen wird. Dann sollte man es aber gar nicht verwenden. Es verwenden, aber eine Methode suchen, die den Effekt klein rechnet, damit er die anderen nicht stört, scheint mir nicht sinnvoll.

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#10]

Wenn ich gegenüber Ausreißern unempfindlicher werden möchte, arbeite ich mit Median bzw Quantilen. http://de.wikipedia.org/wiki/Median

Viele Grüße

peterg
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Vielen Dank allerseits:
Eurere Informationen sind wirklich sehr interessant und geben, mir wertvolle Hinweise.
Seht selbst:
Besonders interessant finde ich die Unterschiede bei den verschiedenen Auswertungsarten in der 17. und 37. Woche.
Mit eueren Vorschlägen (Prozentuale Auswertung, Median) fällt z. B. ein regelmäßiger, saisonaler Anstieg bei Weizen von der 36-37. Woche auf.
Dieser ist in den letzten 5 Jahren zwar von Jahr zu Jahr unterschiedlich ausgeprägt aber sogar im Jahr 2009 vorhanden.
Der wäre mir allein mit meiner Kurve so nicht aufgefallen.

Myrrdin
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#8]

Auf Deine Frage nach dem Grund kann ich Dir keine Antwort geben, die interessiert mich auch nicht wirklich.

Ein blindes Nachtraden aller saisonalen Handelsvorschläge von MRCI führt auf die Dauer nicht zu Gewinnen - davor warnt selbst der Hersteller der Daten.

Mit einer Vorauswahl der Trades nach Saisonalität und Durchführung verschiedener Prüfungen vor dem Einstieg (Einstiegssignal, akzeptabler Stopp, Übereinstimmen des Charts der vergangenen Monate mit dem saisonalen Durchschnitt, Fundamentals, COT etc.) mache ich regelmäßige, wenn auch nicht wirklich spektakuläre, Gewinne ohne signifikante Drawdowns.

Mit besten Grüßen, Myrrdin

Myrrdin
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ peterg [#5]

Einen wesentlichen Unterschied macht Moore, und den halte ich bei den nur begrenzt lagerfähigen Rohstoffen (vor allem bei den Fleischmärkten)für wesentlich. Herr Ebert hat dieses Thema vor kurzem an anderer Stelle ebenfalls angesprochen.

Moore macht die Auswertung für jeden einzelnen Kontrakt (= Termin), und während sich hieraus bei den Währungen und auch den Metallen keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Kontrakten ergeben, sind die bei den Fleischmärkten schon signifikant. (Sonst könnte man ja mit saisonalen intra-market Spreads kein Geld verdienen ...)

Myrrdin

peterg
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Myrrdin [#14]

Ich denke das ist für Mais Weizen oder Soja nicht von wesentlicher Bedeutung.
Ich habe für meine Wochenkurse immer die Dienstagsschlusskurse des Frontmonates verwendet.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ peterg [#12]
Schickes Bild, Du arbeitest schnell.

Man darf sich aber nicht davon täuschen lassen, daß man hier 4x dieselben Daten sieht. Man neigt dazu den vierfachen Peek in den Kurven als Bestätigung überzubewerten, weil man gewöhnlich von einander unabhängige Daten in einem Diagramm darstellt. Ich würde genau ansehen, woher dieser (scheinbare?) Effekt kommt, und ob er evtl statistisch signifikant ist.

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SPOMI
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ peterg [#5]

vorverlagerte Trends:

auch mir und Kollegen, die sich die MRCI Daten ansehen, ist aufgefallen, dass die empfohlenen Trades quasi nach vorne Rutschen. es kann sein, dass hier ein gewisser Lerneffekt im Markt sichtbar wird. ich habe dazu keine Untersuchung im strengen Sinn angestellt, aber beim Blättern in den charts fällt das auf.

Gruss SPOMI

Gambler59
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Ist der Betrachtungszeitraum von 5 Jahren ausreichend, um abgesichert von Saisonalitäten zu reden?

Lassen sich die Erkenntnisse fundamental begründen?

Ich bin mal hingegangen und habe die Erkenntnisse aus den 10 Jahresdurchschnittswerten (siehe oben) auf Jahre vor 2000 angewendet. Ich war erstaunt/enttäuscht über die hohe Fehlerquote. In nur ganz wenigen Märkten konnte ich beständige Saisonalität feststellen.

peterg
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Gambler59 [#18]

In den letzten 10-15 Jahren wurden Rohstoffe als neue Anlageklasse im großen Stil von verschiedensten Fondklassen entdeckt.
Das hat zu wesentlichen Änderungen geführt (Kontraktbestand, Volatilität, Saisonalität). Gerade deshalb ist m. E. ein Untersuchungszeitraum von, sagen wir 5-10 Jahren sinnvoll um diese neuen Veränderungen zu erfassen.

Aber außerdem, ehrlich gesagt, existieren beim Disaggregated-COT-Bericht nur Datenreihen für die letzten 4,5 Jahre.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Gambler59 [#18]
"Ist der Betrachtungszeitraum von 5 Jahren ausreichend, um abgesichert von Saisonalitäten zu reden?"

Natürlich nicht, ganz richtig. Die Statistik ist lausig.

Und nun? Mehr Daten gibt es halt nicht. Also muß man sehen, was man damit macht.

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#20]
Am besten man wartet noch 15 Jahre :)

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ peterg [#12]
Ich versuche, Deine gelbe Kurve mit meinen Daten zu erzeugen, aber es gelingt mir nicht. Ich mache etwas falsch, finde aber den Fehler nicht. Könntest Du bitte Deine Daten für KW25 der Jahre 2005 - 2010 nennen? Das würde mir vielleicht helfen, den Fehler einzugrenzen. Danke.

peterg
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#22]

Hallo Asamat,

so ein Mist, Du hast tatsächlich recht !

Ich hatte mir die historischen Dienstags-Schlusskurse (wegen COT-Report) der letzten 2,5 Jahre (2008-2010) über eine Tabelle bei Onvista auf der folgenden Seite besorgt:
http://www.onvista.de/rohstoffe/kursliste.html?ID_NOTATION=24877950&RANGE=24M
Pi mal Daumen sah der daraus sich ergebende Weizenchart korrekt aus.
Die früheren Schlusskurse habe ich mir aus den jeweiligen Charts der Frontmonatsfutures des Chartbuches geholt (recht mühsam).
Aufgrund Deines Tipps habe ich das Ganze jetzt nochmals verglichen und bemerkt, dass tatsächlich manche Werte in der Tabelle von Onvista falsch sind. Dabei geht es nicht nur um ein paar Cent.
Die historischen Kursdaten bei Onvista zumindest für Chicago-Weizen sind also nicht korrekt !
Vielleicht ist das für den einen oder anderen Leser auch interessant zu wissen. Mich ärgert´s maßlos.
Als Strafarbeit habe ich jetzt die letzten 2,5 Jahre über die Charts im Chartbuch aktualisiert.
Ich gehe davon aus, dass diese Daten des Chartbuches korrekt sind (nicht ernst nehmen Herr Ebert !)

Anbei jetzt nochmals die nachkorrigierten Charts.
Sie verlaufen natürlich etwas anders.
Diese müssten jetzt in etwa so aussehen wie Dein Ergebnis.
Bitte gib mir gleich Bescheid, wenn immer noch irgendwo ein größerer Hund begraben ist.

Bild entfernt.

Bild entfernt.

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Hier die Grafik zum Weizen - Mais - Spread Juli 2011, wobei der Spread 'positiv' dargestellt ist.

Bild entfernt.

Am 03.01.11 lag der Spread bei 210.

@ peterg [#4]

Gibt es zeitlich und kurzlich ein Ausstiegs-Ziel ?

Schöne Grüsse, Richard Ebert

peterg
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Was ich anbieten kann ist das:

Bild entfernt.

Der saisonale Kurstrend der letzten 5 Jahre (immer Frontmonate Dienstags erfasst)
bzw. Spekulantenpositionen der letzten 4 Jahre.

Zu beachten dabei:
1. Es wurden Schlusskurse immer Dienstags und nicht Freitags erfasst.
2. Stimmen die Daten ?
(Ich habe sie aus dem Chartbuch. Es könnte immer noch der eine oder andere Wert falsch abgeschrieben worden sein, im wesentlichen sollten die Werte aber korrekt sein).
3. Die Kurven beziehen sich nur auf die Frontmonate, nicht auf die Juli-Kontrakte. Dies sollte bei gut lagerbaren Gütern des gleichen Erntejahres eigentlich keinen großen Unterschied machen.

Es wäre interessant die aktuellen saisonalen Charts dieses W-C-Spreads von Moore zu sehen. Könnte vielleicht jemand der Moore abonniert hat zum Vergleich dieses Diagramm hier einstellen ?

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Ich weiß sehr wenig von Spreads. Bin aber lernwillig. Hätte vielleicht einer der Profis hier Lust, mir (und vielleicht auch anderen) ein wenig die Grundlagen zu erklären? Z.B.
- wie handelt man eigentlich Spreads,
- wie kann man sich dem Thema nähern,
- womit kann man einfach und vielleicht mit geringerem Risiko anfangen,
- wie bestimmt man Kandidaten mit positiver Aussicht?
Wie interpretiert man eine Kurve wie #25? Was sagt mir die blaue Spread-Linie in #24, außer daß sie mal hoch und mal runter geht?

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ peterg [#12]

Besonders interessant finde ich die Unterschiede bei den verschiedenen Auswertungsarten in der 17. und 37. Woche.
Mit eueren Vorschlägen (Prozentuale Auswertung, Median) fällt z. B. ein regelmäßiger, saisonaler Anstieg bei Weizen von der 36-37. Woche auf.
Dieser ist in den letzten 5 Jahren zwar von Jahr zu Jahr unterschiedlich ausgeprägt aber sogar im Jahr 2009 vorhanden.
Der wäre mir allein mit meiner Kurve so nicht aufgefallen.

Wenn ich mir die roten Charts im Chartbuch ansehe, die den in die Zukunft übertragenen vergangenen Durchschnittswert von x Jahren zeigen, kann ich den regelmäßigen saisonalen Anstieg von der 36. auf die 37. Woche nicht erkennen. Im Gegenteil, in der Woche bis 16. September geht es im Durchschnitt abwärts. Dabei halte ich eine Mindestberechnung von 10 Jahren für erforderlich:

Bild entfernt.

Hier zum Vergleich die saisonale Entwicklung des Weizen Kassapreises der letzten 10 Jahre:

Bild entfernt.

Die Frage ist, welche Werte sollen zur Analyse verwendet werden:

- Kassapreise ? (die sind nicht handelbar)

- Adjustet Kurse ? (die sind am Agrarmarkt kaum zu analysieren und bergen viele Fehlerquellen)

- Rote Kurse = einfache Durchschnittswerte ?

Schöne Grüsse, Richard Ebert

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Richard Ebert [#27]

"- Adjustet Kurse ? (die sind am Agrarmarkt kaum zu analysieren und bergen viele Fehlerquellen)"

Können Sie das näher ausführen? Was ist das Problem mit adjustierten Futures-Preisen speziell in Agrarmärkten ?

Myrrdin
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#26]

Zunächst einmal sorry für die späte Antwort - war vergangen Woche dienstlich unterwegs.

Hauptvorteil des Handelns von Spreads ist es für mich, dass ich unerwünschte Einflüsse auf die Kurse teilweise herausfiltern kann.

Beispiel: Ich handle häufig Grains und befasse mich mit den Produktionsmengen und den Abnahmemengen sowie den Einflüssen darauf (Wetter, Anbau- und Erntezyklen etc.) Da ich die Grains in den USA handle, wird deren Preis stark vom Wert des USD in Relation zu den anderen Währungen beeinflusst. Bei den Währungen bin ich aber kein Experte. Mein Eindruck ist, dass diese von viel mehr Einflussgrößen behandelt werden als die Grains und so schwerer zu prognostizieren sind.

Wenn ich nunmehr Corn oder Wheat outright handle, wird deren Preis vom Dollarkurs in Bewegung gebracht, auch wenn sich die Fundamentals überhaupt nicht verändert haben.

Wenn ich hingegen einen Corn - Wheat-Spread handle, wird der Einfluss des Dollars weitgehend herausgefiltert, da ja beide Grains vom Dollar in die gleiche Richtung beeinflusst werden.

Weiters vergrößert sich die Anzahl der Handelsmöglichkeiten. Insbesondere bei den schwer lagerbaren Meats sind die einzelnen Termine sehr unabhängig voneinander, sodass sich hier auch für Intracommodity-Spreads (= Calendar Spreads) immer wieder gute Möglichkeiten ergeben.

Für manche Trader liegt ein weitere Vorteil darin, dass die Margin für Spreads in vielen Fällen niedriger ist. Bei sehr kleinen Accounts mag das eine Rolle spielen. (Ob diese überhaupt profitabel sein können, ist eine andere Frage.)

Wie man Spreads handelt ? Im wesentlichen wie Outrights, allerdings gibt es Einschränkungen. Zunächst einmal erlauben viele Broker nicht alle Orderarten, die für Outrights möglich sind. Manche Spreads sind nur als 2 Einzelorders einzugeben, was Limit- oder Stop-Orders unmöglich macht. (Sofern man nicht 24 Stunden am Tag vor dem Bildschirm sitzen möchte.) Das funktioniert aber bei den großen Brokern für die gängigen Spreads ganz gut. Chart-Freunde tun sich schwerer, weil es meines Wissens nur End of day-Charts gibt. Intraday-Chart sind kaum möglich, da die beiden Legs eines Spreads nicht immer gleichzeitig einen Fill bekommen und so ein Kurs definiert wird. (Falls jemand einen Weg oder eine Quelle gefunden hat - das würde mich sehr interessieren.)
Daraus folgt, dass Spreads eher über längere Zeiträume und nicht intraday gehandelt werden.

Wie bestimmt man Kandidaten mit positiver Aussicht ? Ist wohl nicht anders als bei Outrights - hier gibt es viele Wege. Ich neige eher dem fundamentalen Lager zu. Das heißt ich orientiere mich an der Angebots- und Nachfrage-Situation und an der Saisonalität. Automatismus für diese Art zu handeln ist mir noch keiner begegnet, der erfolgreich ist. Ich schau mir jeden Trade einzeln an. An anderer Stelle in diesem Forum habe ich kürzlich Beispiele beschrieben.

Soviel für heute.

Mit besten Grüßen, Myrrdin

peterg
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Richard Ebert [#27]

Ich hatte ja schon darauf hingewiesen, dass die in #12 erstellten Charts auf nicht korrekten Daten von Onvista basieren.
Das tut mir, wie gesagt leid.
Ich hatte in #23 darauf hingewiesen und nachkorrigierte Charts eingestellt.
Asamat hatte mich darauf hingewiesen und wollte analoge Berechnungen machen.
Asamat, hast Du analoge Charts erstellt ? Sehen diese jetzt in etwa vergleichbar aus ?

In der 2. Kurve in #23 (Kurvenvergleich 5-Jahresdurchschnitte, Weizen) fallen Hochpunkte in der 38. Woche beim normalen Durchschnitt (Magenta), beim Median (Blau) und beim prozentualen Chart (Gelb) auf. In meinem "adaptierten Chart (dunkelblau) ist dieser Punkt weniger auffällig.
Sicher kann man das (38. KW) nicht als Handelsanleitung nehmen. Man wird zu gegebener Zeit die individuelle Situation (fundamental, COT-Bericht) zusätzlich berücksichtigen müssen.

Ich habe Kursdaten über 5 Jahre und COT-Daten der Spekulanten über einen Zeitraum von 4,5 Jahren zur Auswertung zur Verfügung.
Weiter zurückliegende Daten der Disaggregated COT-Berichte gibt es nicht. Leider stellt die CFTC keine weiter zurückreichenden Daten zur Verfügung. Ein ähnliches Problem gab es ja bereits vor ein paar Jahren bei der Einführung der CIT-Daten des COT-Berichtes im Supplement. Dass mehr historische Daten nicht zur Verfügung stehen ist schade, trägt zu Verschwörungstheorien bei, aber es ist halt mal so.

Mir ging es in #1 grundsätzlich um die Frage, ob die althergebrachten Saisonalmuster im Zeitalter massiver Investitionen von Fonds im Rohstoffsektor noch Gültigkeit haben.
Dazu halte ich es für sehr wichtig die normalen Kursdaten mit den Longengagements der Fonds zu vergleichen.
Im ersten Chart in #23 ist das für Weizen im Rahmen meiner Möglichkeiten dargestellt.
Ich möchte hier nur vielleicht auf zwei Punkte hinweisen:
1. In der 38. KW steigen saisonal die Kurse der letzten 5 Jahre (= dicker blauer Chart) zwar an, gleichzeitig sinken die Longpositionen der Spekulanten (=dünner blauer Chart). Das wäre für mich zumindest ein Warnhinweis für eine Longpositionierung in dieser Zeit.
2. Das Jahrestief liegt sowohl bei den Kursen als auch bei den Positionen der Spekulanten so ca. zwischen 28.3. und 25.4.
Ähnliches sieht man auch im roten Chart über 10 Jahre in #27. Hier liegt das Jahrestief Ende April.
Kann man hier noch von einem "Erntetief" bei Weizen sprechen ?
Wenn man saisonalcharts über einen noch längeren Zeitraum (15 Jahre) nimmt, dann scheint das Jahrestief zur Jahresmitte nach vorne zu rücken. Also in Richtung der tatsächlichen Erntezeit von US-Weizen.
Anbei ein Chart von Moore:

Bild entfernt.

Es stellt sich dann die Frage, wieviel Jahre man bei einer saisonalen Betrachtung berücksichtigen soll.
Ich denke, da sich in den letzten ca. 10 Jahren die Fondaktivitäten so extrem vergrößert haben, wären 10 Jahre oK. 5 Jahre sind natürlich nicht statistisch verwertbar, hier kann evtl. nur ein Trend unter Berücksichtigung der Einzeljahre gegeben werden.
Andererseits sind saisonale Charts die 15 Jahre und mehr berücksichtigen m. E. von fraglichem Wert, da sich wie gesagt in den letzten Jahren die Spekulantenpositionen deutlich verändert haben.

Kassapreise sind in diesem Zusammenhang m. E. nicht brauchbar.
Ich habe die Frontmonatskurse ohne Adjustierungen gewählt, weil hier besonders viele Fonds aktiv sind.
Bei gut lagerbaren Gütern, glaube ich, ist das legitim zur Ermittlung eines saisonalen Verlaufes.

Für Tipps, Hinweise, Bemerkungen wäre ich sehr dankbar.

1tillen
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ peterg [#30]

Unter

http://www.cotpricecharts.com/commitmentscurrent/

findest du CoT Data ab 2002.

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