Societe Generale / Jerome Kerviel: Fast 5 Millarden Euro Verlust

Die französische Bank hat offensichtlich eine gute Risikokontrolle installiert. Händler könne heimlich, still und leise Future-Positionen aufbauen, die 4,9 Mrd Verlust einspielen. Nick Leeson läßt grüßen.

Bloomberg meldet: The bank found out last weekend that a trader in Paris had secretly set up positions that will cost the company 4.9 billion euros before tax, Societe Generale said in an e-mailed statement today. The trader, who wasn't identified, went beyond permitted limits on futures linked to European stock indexes.

``It's an enormous number,'' said Jean-Paul Pierret, a strategist at Dexia Securities France.

Geschrieben von wuelle am
xforce
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12 Jahre 10 Monate

@ Sebastian [#30]

Zu den 140.000 kamen sicherlich nochmal ein paar 100.000 von anderen Banken dazu...

Unwahrscheinlich, denn das würde das Open Interest deutlich übersteigen. 140.000 Kontrakte lassen sich nich mal eben zum Frühstück kaufen und abends wieder glattstellen, müssen somit also als OI gezählt werden. Genauso unwahrscheinlich ist es das ein Trader ca zwei Drittel des gesamten FDAX OI hält. Auch gibt es keine Hinweise auf ein deutlich höheres OI gegenüber "normal". Eine Position von 140.000 zusätzlichen Kontrakten würde da auffallen. Abgesehen davon wer hat denn die Gegenposition dazu?

Welcher Journalist hat eigentlich die Anzahl von 140.000 FDAXen ins Gespräch gebracht? Aber lasst euch durch mich nicht von euren Spekulationen abbringen. Schönes Wochenende an alle.

xforce over and out

F
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12 Jahre 10 Monate

.....wie ist so etwas möglich ?

Der Mann ist 30 Jahre alt. Welche Erfahrung hat so jemand im Futures-Geschäft ?

Eine Zeit lang ging es gut und er wurde einfach gesagt überheblich.

Vielleicht träumte er sogar davon, wie er den Vorstand der Bank mit riesigen Gewinnen überraschen würde und das er vom Vorstand hochgelobt wahrscheinlich auf der Titelseite der Mitarbeiterzeitung abgebildet werden würde.

Diesen Fall sollte definitiv ein Psychologe untersuchen.

Der Mann hat meiner Meinung nach aus purer Angst gehandelt. Die letzten Wochen müssen Höllenqualen für ihn gewesen sein.

Aber anstatt den Verantwortlichen bei SocGen rechtzeitig "reinen Wein" einzuschenken, hoffte er immer noch auf Besserung der eingegangenen Positionen.

Nur, sie wurden nicht besser, sondern noch schlimmer.

Der Teufelskreis ist damit also geschlossen.

Sein Fehler war, nicht zu erkennen, dass er sich ab einem gewissen Punkt strafbar macht, nömlich genau dann, wenn er die schiefen Positionen zu verheimlichen versucht.

In den Medien hört man auch zu diesem Thema viel Mist von Leuten, die wiederum keine Ahnung von der Praxis dieses Geschäfts haben.

5 Milliarden minus ? Was ist daran so schwer zu erklären ? Einige tausend DAX Futures Long in einem abstürzenden Markt und da sind die - 5 Milliard.....

Viele Grüsse

Franjo

autokor
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12 Jahre 10 Monate

Franjo hat es wohl richtig beschrieben. War wohl bei den meisten Finanzskandalen nicht viel anders . Eine Wette ging schief. Schnell unter dem Teppich versteckt damit der Chef nichts mitbekommt. Und gehofft es geht wieder aufwärts mit der Position. Und wenn nicht muss man das ganze verdoppeln.

Interessant ist eher wie oft ähnlich geartete Sachen "gut" gehen und somit nie in den Medien auftauchen. Ich vermute in 9 von zehn Fällen klappt nämlich das "verdoppeln" irgendwann und die ganze Sache löst sich im Nichts auf . In einem Fall gibts halt dann das fat tail. Das fette Ende....

Grüsse

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pullPUSH
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12 Jahre 10 Monate

@ Paljusevic, Franjo [#33]

"Die letzten Wochen müssen Höllenqualen für ihn gewesen sein."

Naja - wenn einer denn Mum hat solch eine Hausnummer aufzuziehen dann muss er auch einen Account Balance von -5.000.000.000 ertragen können.

Was wäre eigentlich passiert wenn seine Rechnung aufgegangen wäre? Nunja Fragen über Fragen - schöne Story!

Gast

Für mich ist es unbegreiflich, wie so eine Position dem Riskmanagement nicht auffallen kann. Scheinbuchungen hin oder her, was ist mit den Margin Calls ? Da helfen auch interne Scheinbuchungen nichts. Ich kann mir nicht vorstellen, das die augenblickliche Schilderung der Situation die absolute Wahrheit ist. Vielleicht ging seine grundsätzliche Strategie eine Zeitlang auf und es wurde von seinen Vorgesetzten stillschweigend geduldet. Und als diese dadurch "mit im Boot" waren, haben alle auf eine Wendung zum Guten gehofft. Und dann kam er halt- der schlimmste anzunehmende Ernstfall.

drekhead
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12 Jahre 10 Monate

Ich finde die Geschichte noch nicht ganz plausibel.

Mal auf Basis der Gerüchte nachgerechnet:
Es heisst, er ist ungefähr bei 8000 Punkten long gegangen - zumindest hiess es, er sei bis Dezember short und im Gewinn gewesen und hätte dann die Position gedreht.

Das absolute Tief lag beim FDAX bei so rund 6400, rechen wir mal mit 1500 Punkten vom Top zum Low.

Man hätte mit einer Position dieser Grösse maximal 1500 Punkte * 25 EUR/Punkt * 140000 = 5,25 Milliarden EUR verzocken können, sofern man exakt zum Low alles glattgestellt hätte.

Fraglich bleibt, wie die SocGen es beim Schliessen der Position von Montag den 21. Jan bis Mittwoch den 23. Jan dann geschafft hat, trotzdem auf knapp unter 5 Milliarden Verlust zu kommen.

Passt doch irgendwie nicht, oder?

Weiteres Problem bei der Geschichte: Das Open Interest im FDAX lag - willkürlich rausgepickt - am 04. Jan bei 206000 und am 15. Jan bei 240000 Kontrakten. Da wären dann ausser der SocGen also nicht mehr viele Marktteilnehmer Long gewesen.

Naja, jetzt wo der Kerl verhaftet wurde, werden vielleicht weitere Details veröffentlicht.

IngoM
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12 Jahre 10 Monate

die BILDungszeitung schreibt im Artikel "Der Bank-Betrüger, Er zockte mit 50 Mrd. Euro!" folgendes:

Der schüchterne Aktienhändler, kein großes Licht im Studium, nahm nie Urlaub, verdiente verhältnismäßig wenig: 100.000 Euro im Jahr

ich finde, 100.000 Euro sind viel. Und das OHNE sehr gute Studiumsnoten? Zahlen die Banken das einfach so?

Ein studierter Softwareentwickler hat ein oft langwieriges und schwieriges Informatikstudium und muss in seinem Job permanent lernen, oft sogar auch zusätzlich die eigene Freizeit zur Weiterbildung nutzen mit entsprechender Beeinträchtigung der Lebensqualität. Selbst SAP Consultants als Spitzenverdiener der Branche verdienen im Schnitt laut Computerwoche nur duchschnittlich 63000 Euro (bei Festanstellung), und dieses Gehalt spiegelt die Knappheit am Markt und die sehr hohe Reisetätigkeit wieder (oft 4 Tage die Woche vor Ort beim Kunden tätig mit Übernachtung im Hotel).

Nachtrag: Rodeonrw wird jetzt sicher sagen. Selber Schuld, es zwingt einen ja keinen dazu, Softwareentwickler zu werden! Die Gehälter muss der Markt festlegen usw.

Absolut richtig, da würde ich Rodeo total zustimmen. Ich frage vielmehr rein aus Interesse und auch nicht (!) aus Neid: Zahlen die Banken so einfach 100.000 Euro? (zumal das offenbar ja als nicht viel wahrgenommen wird)

IngoM
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

Laut FTD stieg Kerviel 2000 bei der SocGen ein und arbeitete bis 2006 im Back Office. Erst 2006 bekam er als einer von wenigen Backofficekräften eine Stelle im Eigenhandel. Seine Kenntnisse aus dem Backoffice soll er genutzt haben, um unentdeckt weit größere Finanzwetten einzugehen.

http://www.ftd.de/koepfe/whoiswho/:Kopf%20Tages%20J%E9r%F4me%20Kerviel%20Der%20Milliarden%20Euro%20Mann/307965.html

Doringo
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12 Jahre 10 Monate

Das Bauernopfer der Societe General (denn wer glaubt schon, daß man 5 Mrd.
EUR heimlich vom Lehrling veruntreut werden können) soll 140 000 FDAX long
gewesen sein. Für einen Verlust von 4,9 Mrd. EUR müßte er dabei aber 1400
Punkte gegen sich mitgenommen haben. Unwahrscheinlich, bescheuerte Lügen,
hirnrissige Verdummung. Natürlich haben die Bosse mit ihren Spatzengehirnen
auf eine fette Mega-Hausse gesetzt und sich verzockt.

140 000 FDAX long ist nicht die Größenordnung vom Lehrling. Und eine Benutzer
der Eingabe-Terminals kann auch nicht die Software ändern, soviel zum Thema
"hat alle Kontroll-Mechanismen umgangen".

Gast

@ drekhead [#37]

zu den reinen bestehenden "MinusPunkten" kommen beim Ordern in großen Positionen immer noch die eigenen temporären "Zusatzpositionen", welche sich zum eigenen Verlust addieren können...

z.B. ich stelle 1000FDAX mit einem Limit Short, dann "muss"/"sollte" ich es schaffen den Markt etwas anzufüttern in dem ich das Orderbuch und nochmal zusätzliche 100FDAX LONG MARKET ausführen lasse.
So ist der Preis schomal da wo mein Limit ist, und sodass jetzt andere "meine" eigentlichen Kontrakte abbekommen können. Zumindest 500, also die erste Hälfte der "BigOrder" könnte/sollte man wenn es klappt so zu noch akzeptablen Preis loswerden.
Wenn es auch hier schief geht, sitzt man stat auf 1000FDAX jetzt auf 1200 und hat dazu noch einen schlechteren Gesamteinstandspreis...

Ist ein heisses Spiel, aber letztendlich genau das wofür die Systeme und Jungs am Orderdesk eigentlich da sind und bezahlt werden. Die Entscheidung über die "große Richtung" und die Größe der Zielpositionen fällt in diesen Dimensionen selten am Orderdesk.

Die harmlosesete Erklärung wären ein paar Patzer des Mannes beim managen großer Orders, da kann sich über die Zeit auf viel "Zusatzärger" anhäufen. Wenn er da nicht seine Missgeschicke anfangs zugegeben hat, hat er eventuell auf den Auftrag zu einer Gegenposition gehofft und wurde somit temporär zum "MarketMaker" mit verdeckter "Eigenposition".

Egal, letztendlich alles Spekulation, freuen wir uns in ein paar Jahren auf ein Buch und einen Film, dann kann man uns vielleicht etwas mehr sagen... ;)

aureleus.b
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

was ist daran so schlimm, wenn jemand 90% des Jahresgewinns verzockt....
ist mir 2001 auch gelungen.....;-)))

und Abertausenden gings noch viel schlimmer....;-))

gautama2
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12 Jahre 10 Monate

@ aureleus.b [#42]

Du hast aber kein fremdes Geld verzockt. Wer den Gewinn seines Arbeitgebers verzockt schädigt nicht nur sich selbst.
Jedenfalls ist jetzt mal eine Marke gesetzt worden. Wenn andere Banken weitere Subprime Verluste tarnen wollen, dann können sie einfach mal nen kleinen Agestellten schmieren, dass er den Sündenbock für 2-3 Mrd. spielt. Das regt keinen mehr auf, denn es war ja schon mal viel mehr.
Vielleicht wurde Kerviel auch nur gekauft, um Subprimeverluste zu kaschieren. Der hat sich vielleicht gesagt, dass er damit mehr Geld verdienen kann, als wenn er weiter ein paar Jährchen am Desk vertrödelt. Wenn er tatsächlich nicht der Begabteste war, kann das ein guter Deal für ihn gewesen sein. In ein paar Jährchen dann noch Film und Buch und man hat ausgesorgt.

autokor
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12 Jahre 10 Monate

@ TimeTrade [#41]

Das nennt sich "Gaming" und wird zum Beispiel im Aktienhandel rege genutzt . Du kannst fast immer davon ausgehen dass irgendjemand versucht pegged orders ( Orders die immer mit dem best bid/ask gehen) Richtung Mitte des Bid/Ask Spreads zu ziehen um sie dort zu füllen. Meistens werden die Lockorders sehr klein gehalten um zu grosse fills auf der falschen Seite zu vermeiden. Allerdings wird die Grösse der Lockorders auch von den meisten Buyside Algos erfasst um sich nicht austricksen zu lassen. Für das Gaming kommen nur Eigenhändler und Hedgefonds in Frage. Im normalen Fondsgeschäft kann man sich schlecht nur eine Seite beschaffen und hat dann in der Umsatzliste noch gefüllte Lockvögel auf der anderen Seite.

Diese Lockorders sind meist auch kein schlechtes Indiz für eine grössere Size in der Gegenrichtung

Grüsse

Doringo
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

Bin jetzt nur gespannt, wie Ackermann die Lügengeschichte von SOCIÉTÉ GÉNÉRALE noch Toppen kann. Von wegen ein kleiner Bankangestellter des Hauses versiebt so nebenbei, völlig Unbemerkt 5 Milliarden Euro.
„Die Putzfrau einer Zeitarbeiterfirma, aktivierte beim Versuch ein Staubkorn von der „Entertaste „ zu entfernen eine gigantische Kauforder aus. Dadurch erlitt die Deutsche Bank 5 Milliarden Verluste. Die Deutsche Bank kann da nix für. Schuld ist ein kleiner Angestellter, der vergas seinen Computer auszuschalten. Einfach vergessen auf „Start „ danach „ Ausschalten „ zu drücken.
Einfach so, mir nix, dir nix 5 Milliarden futsch.
f

Gast

@ autokor [#44]

:) solches "Gaming" zum Glück nicht meine Spielwiese, aber aus meinen Auftragsanalysen (er)kenne ich mittlerweile verschiedenen gute Algo-Löungen sowohl für Buy- als auch für Sell-Side. Je nachdem wie auf ein paar Lockorders reagiert wird, empfehlen diese Systeme dann bestimmte eigene Mechanismen für die "zur Zeit" optimale Umsetzung einer BigOrder oder die mögliche Nutzung von Mitnahmeeffekten.

Wie gesagt, ich kenne nur die Analysesysteme, die Umsetzung erfolgt meines Wissens auch heute noch meist manuell im Orderdesk des beauftragten Brokers oder am eigenen elektronischen Desk des Fonds.
Im Aktienmarkt ist das sicher verbreiteter, aber seit die vielen "Zerti" und CFD Anbieter im Markt so gross geworden sind, haben die öfter wie das Problem, abundzu ihre (Kunden)Positionen auch extern real abzusichern. Zwei "bekannte" setzen hier eine derzeit erkennbare Orderlogik ein, welche man "mitnutzen" kann.

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Ob sich die "5Mrd" überhaupt so oder anders erklären lassen... da denke ich einfach nicht darüber nach:)

Envelo
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12 Jahre 10 Monate

Hätte die Société Générale nicht mit noch stärker gehebelten Derivaten in die Gegenrichtung spekulieren können um die Verluste aus der Liquidation ihrer Riesenposition einzudämmen?

aureleus.b
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12 Jahre 10 Monate

Rätseln um Motive des Händlers

Jérôme Kerviel habe unerlaubte Gewinne erzielt, was er durch Verluste zudecken wollte, glaubt der Société-Générale-Chef

Der Standard, Paris (28.01.08) - Die französische Finanzpolizei hat am Sonntag den zweiten Tag in Folge den Börsenhändler vernommen, der für Verluste in Höhe von fast fünf Milliarden Euro bei der Großbank Société Générale (SG) verantwortlich sein soll. Der 31-jährige Jérôme Kerviel habe sich am Samstag den Behörden gestellt und verhalte sich kooperativ, erklärte Staatsanwalt Jean-Michel Aldebert. Heute, Montag, soll Kerviel einem Richter vorgeführt werden.

Vollmachten überschritten

Ein Rätsel ist weiter das Motiv des Traders. Nach Angaben von "SocGén", wie die Bank in Paris genannt wird, habe er sich durch seine betrügerischen Geschäfte vermutlich nicht persönlich bereichert. Eine bemerkenswerte Erklärung, wie es zu den Megaverlusten kam, bot SG-Chef Daniel Bouton in einem Zeitungsinterview: Demnach habe Kerviel seine Vollmachten überschritten und mit seinen Geschäften mehr Geld eingenommen als ihm zugeordnet gewesen sei. Nur darum habe er versucht, durch vorsätzliche Verluste seinen Überschuss abzubauen, was bis zum 21. Jänner gutgegangen sei. Erst der größte Kurseinbruch seit dem 11. September 2001 habe dann "aus dieser traurigen Angelegenheit eine griechische Tragödie" gemacht.

Die Aufdeckung des Skandals hatte ein Beben ausgelöst und die Frage aufgeworfen, ob der Broker tatsächlich völlig eigenständig gehandelt hatte. Einige Analysten vermuteten außerdem, die SG habe den Zwischenfall mit ihrem Handeln noch verschlimmert. "Das ist absurd", sagte dazu Bouton. Jeder könne sich ausrechnen, inwieweit die französische Bank an Entwicklungen der internationalen Finanzmärkte der vergangenen Tagen beteiligt gewesen sei.

Der Milliardenskandal könnte ein maßgeblicher Auslöser der weltweiten Verluste auf den Märkten gewesen sein. Kerviel soll gigantische Wetten in Höhe von bis zu 50 Mrd. Euro auf einen Anstieg der Indizes Euro Stoxx 50, Dax und FTSE aufgebaut haben, berichteten die "Herald Tribute", "Der Spiegel" und das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Händlerkreise.

Alarmsignale

Der Dax habe bis 18. Jänner 600 Punkte verloren, Kerviel damit vermutlich zwei Mrd. Euro, spekulieren Insider. Zu diesem Zeitpunkt könnten Verlust und Überschreitung des Handelslimits der deutschen Niederlassung des Finanzdienstleisters Newedge aufgefallen sein, die für die SG Eurex-Geschäfte abwickelt. Angeblich erhielten die Bankenchefs Alarmsignale aus Deutschland. Panisch hätten sie alle Positionen des SG-Händlers liquidiert, mitten hinein in die einbrechenden Märkte. Das habe sowohl die Verluste der SG vergrößert als auch den Börsenrutsch in eine Lawine verwandelt.

Kerviels hochriskante Geschäfte seien am 18. Jänner vom System der SG entdeckt worden, sagte Bouton. Am 20. Jänner sei das Management über das gesamte Ausmaß des Problems informiert worden. Als einen Tag später die Finanzmärkte in Asien und Europa kollabiert seien, "hatte das einen katastrophalen Effekt".

In einer fünfseitigen Stellungnahme weist die SocGén die Spekulation zurück, dass sie die Märkte zum Absturz gebracht hätte. Die Positionen des Händlers von 50 Mrd. Euro seien im Laufe von drei Tagen auf kontrollierte Art abgebaut worden, was zu dem bekanntgewordenen Fünf-Milliarden-Verlust geführt habe.

dhp05
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ Envelo [#47]

so einfach könnte es das gemeine Gemüt sich machen, UND so einfach kann es sich das gegenteilig gemeine Gemüt sich auch machen.

Bankengeschäft ist durch Definition über fristenkonkruenz festgelegt. Diesem Prinzip ist alles unterworfen. (Nebensatz: wenn die Rechnerei manchmal nicht funktioniert = zu einem Stichtag unrund läuft, darf die bspw. jwlg. NB angerufen werden)

Wenn wir jetzt noch wgennehmen, was in vielen Beitragen, ohne das ich sie gelesen hätte, der normaltrader denkt: Clearing Members ( bspw. der Eurex )würden über margin handeln. NEIN. Der letzte Fuzzi von der societe wird über normale long/short abgleiche erfasst.

Einer Börse kommen die BIG Player nur unter als eine +/- minus bilanz, dass die eigenes oder auch durchgerichtes Geschäft ihrer Kunden im Verhältnis ihres eigenkapitals auch durchstehen können.

Ein "Betrug" könnte nur folgendermassen stattfinden: (Ich betone kindliches Modell, aber immer noch besser als Verschwörer oder Einzeltäterstrategie):

1. Eine abtg (eher nicht eine Einzelperson) bekommt den Auftrag, gegen bankinterne, verpflichtete Aktienkäufer eine Absicherungsstrategie zu fahren!

2. Diese Abteilung ist einem Erfolgsmodell auch unterworfen. UND die kommt dann in einer historischen Situation darauf nichts zu tun, weil sie glaubt eben jetzt nichts tun zu müssen.

Einfach: Mein Job wäre, den Aktien-long-Jäger (weil der das einfach auf Grund vertrag tun muß) abzusichern. Und ich käme darauf, denn muß ich jetz gar nicht absichern, weil ich für mich auch festgestellt habe "es kann nur nach oben gehen"! Dann haben wir eine Situation, in der jemand durch NICHTS-TUN chaos bereiten kann.

Hab es mal zzur sensibiliesung rausgelaassen: Durch Nichtstun kann so ne "verzwickte Situation" entstehen. Also nicht automatisch, weil wie otto-normal sich vvrdoppeln unter Wasser sich vorstellt, sondern eben durch nichtstun!

ABER: Das Nichstun wird eine Stufe weiteroben zugelassen. HALLO! wer in der Welt lebt, möge sich bitte melden, wenn er das Gegenteil erfahren hat.

Meine Meinung: In einer gutstrukturierten Bank gibt es nichts, was im Eigenhandel hinterher erst unter den Teppich gekehrt werden müßte, als bankinternes Versäumniß!

Praktisch: Wenn jetz ein (denkender) Händler wie select bis hierher mitgelesen hat: Ausgeführt habe ich meinen Gedanken nicht,um für mich festelgete Richtung zu präferieren!

Andersherum: Wenn mich eurx, und dort tape-reading noch interessieren würde, wüßte ich jetzt ob an der socgen geschichte kollportagemäßig irgendetwas dran iat.

Mich interessiert sie nicht. Nur insofern: Hier hab ich durchdachtes noch nicht gehört!

dansmo
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ dhp05 [#49]

"Andersherum: Wenn mich eurx, und dort tape-reading noch interessieren würde, wüßte ich jetzt ob an der socgen geschichte kollportagemäßig irgendetwas dran iat."

Für mich ist an der Geschichte was dran. Was Montag und vor allem Dienstag im FDAX abging war nicht mehr feierlich.
Als ich Donnerstag Morgen von der SocGen hörte, war das für mich relativ schnell der Aha-Effekt für Montag und Dienstag.

scorpion260
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

Ich lese gerade auf Bloomberg, daß dieser kleine Händler 50 Milliarden Dollar an offenen Posi hatte. Na klar doch. Ein kleiner Händler der untersten Schublade, der im Jahr weniger verdient als ich, darf mit solchen Summen bei der SocGen spielen. Mit welchen Summen dürfen denn dann die "großen" Händler dort spielen?!;-)).
Das klingt wirklich nach Vertuschung der übelsten Art.
Damit ist diese Aktie für mich für die nächsten Jahre keinen Kauf wert, bei so einem Scheiß Management.

dansmo
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ scorpion260 [#51]

"darf mit solchen Summen bei der SocGen spielen."

Darf? Wie kommst du darauf?

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ dansmo [#52]

Wer es nicht verhindert, der erlaubt es. Dass es in dem Bereich erhöhten Wachsamkeitsbedarf gibt, ist ja seit Leeson klar. Es sieht aber so aus, als ob da eher halbherzig verbessert wurde. Zumindest sollte man keinen handeln lassen, der die Kontrollmechanismen in- und auswendig kennt. Insofern darf.

Driehaus
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

"Die Anwälte von Jérôme Kerviel unterstrichen erneut, ihr Klient habe sich nicht bereichern wollen, sondern "im Interesse der Bank gehandelt". Sein einziges Ziel sei es gewesen, der Bank große Gewinne einzubringen, berichtet die Zeitung "Le Parisien" am Montag unter Berufung auf die Rechtsbeistände des 31-Jährigen."

Es ist doch immer wieder erstaunlich, was Anwälte vorgeben, selbst zu glauben.

Driehaus
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ aureleus.b [#42]

Der war gut :-)

Gast

SocGen accused of smokescreen after loss - FT
By Martin Arnold in London and Peggy Hollinger and
John O’Doherty in Paris
Lawyers for Jérôme Kerviel, the French trader accused
by Société Générale of massive fraud, hit back at the
bank on Sunday, accusing it of creating a
“smokescreen” to divert attention from other losses.
The lawyers insisted that Mr Kerviel “did not commit
any dishonest act, nor embezzle a single cent, and he
in no way benefited from the bank’s funds”.
Elisabeth Meyer and Christian Charrière-Bournazel told
Agence France Presse that SocGen wanted to “raise a
smokescreen that would distract the public’s attention
from far more substantial losses that it had made in
recent months, notably in the unbelievable subprime
affair”.
They also said that the timing of the bank’s decision to
close positions relating to Mr Kerviel’s trading and the
manner it executed these trades “itself provoked the
losses of €4.5bn”. The lawyers also claimed that Mr
Kerviel’s trading was in profit to the tune of €1.5bn
($2.2bn, £1.1bn) at December 31.
SocGen declined to comment on the lawyers’
allegations. However, the bank is standing by its
original statement, according to a person close to the
bank.
Earlier, SocGen revealed more about how Mr Kerviel
concealed trades as it sought to dispel growing
scepticism about its initial version of events that the
bank said had led to it suffering €4.9bn of losses.
The bank said Mr Kerviel – a 31-year-old junior trader
on its European equities arbitrage team who gave
himself up to police on Saturday and was still being
held for questioning last night – committed an
“exceptional fraud”.
It described how the alleged rogue trader created
“fictitious operations” that were registered in SocGen’s
systems “but did not actually correspond to any
economic reality”.
Though he was only supposed to buy futures – bets on
the direction of European markets – if they were
covered by a hedge – a similar position limiting any
loss – he used other people’s access codes and
“falsified documents” to create fake hedges, leaving the
bank exposed to the full downside.
SocGen said he had evaded detection for almost a
year by only choosing “very specific operations with no
cash movements or margin call and which did not
require immediate confirmation” and by constantly
switching between different types of instrument.
By January 18, when he was finally caught, he had
positions worth €30bn on the Euro Stoxx, an index of
Europe’s biggest companies, €18bn on Germany’s Dax
and €2bn on the UK’s FTSE.
SocGen said he seemed to have been acting alone
and to not have profited from his actions, but it
promised to say more after completing an internal
audit.
Nicolas Sarkozy, France’s president, is expected to
raise the question of tightening risk controls in the
world’s banking system when he meets the UK,
German and Italian heads of government in London
tomorrow.
The French Banking Commission will this afternoon
hold its first meeting to examine the fraud as its own
investigation gets under way. The government and the
French stock market authority will be present and the
discussions will contribute to the contents of a report
to be prepared by the finance ministry for François
Fillon, prime minister.

(Quelle: Marex Press Report, 28th January 2008)

Gast

Société Générale

Stecken Russen hinter dem Bankenskandal?

Der wegen Milliardenverlusten der Bank Société Générale beschuldigte Börsenhändler Jérôme Kerviel erhebt schwere Vorwürfe gegen die Bankmanager. Er habe nicht betrogen und der Bank zunächst Gewinne beschert, sagte der 31-Jährige. Jetzt tauchen neue Gerüchte auf: Hinter dem Finanz-Desaster könnte ein Russen-Komplott stecken.

Der wegen Betrugsverdachts festgenommene französische Börsenhändler Jérôme Kerviel (31) erhebt seinerseits schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber, die Großbank Société Générale in Paris. Die Bank hatte vor wenigen Tagen einen Verlust durch Börsenspekulationen bekannt gegeben, der mittlerweile leicht nach unten korrigiert mit 4,82 Milliarden Euro beziffert wird. Das Unternehmen hat Kerviel angezeigt, weil sie in ihm den betrügerischen Urheber vermutet.

Er habe selbst nicht betrogen und keinen einzigen Cent abgezweigt, ließ der Beschuldigte über seine Anwälte erklären. Die Bank habe nach Aufdeckung seiner riskanten Terminkontrakte selbst sehr hohe Verluste herbeigeführt, zitierte die Zeitung „Le Figaro“ die Anwälte. Dahinter stecke der Versuch der Bank, die eigenen Verluste der vergangenen Monate zu verschleiern. Die Bank habe die Risikopositionen in Höhe von 50 Milliarden Euro „überstürzt und unter anormalen Bedingungen liquidiert“, erklärten die Anwälte. Die Juristen warfen der Bank vor, „erheblich substanziellere Verluste“ hinter einem „Rauchvorhang“ verbergen zu wollen.

Gerüchte über Russen-Komplett gegen Société Générale

Konzernchef Daniel Bouton wies die Vorwürfe der Verteidiger zurück. Strittig ist unter Experten, ob der Händler allein handelte. Dies haben Bouton und jetzt Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde gesagt. Französische Medien berichteten von Gerüchten, wonach Kerviel an einem russischen Komplott gegen die französische Bank mitgewirkt haben soll. Auch dies ist nach Angaben des Bankchefs nicht wahr: Es sei nichts an dem Gerücht, Kerviel habe „die Société Générale zum Nutzen einer russischen Bank sprengen“ wollen, sagte Bouton im Rundfunk.

Das Pariser Unternehmen ist bei der Rosbank eingestiegen. Die zweitgrößte Bank Frankreichs will den zweitgrößten russischen Bankkonzern bis zum 11. Februar übernehmen. Die Société Générale habe trotz der Verluste „ausreichend Geld, das zu bezahlen“, sagte Bouton. Den Schaden durch den mutmaßlichen Betrug verglich er mit einem „fahrlässig ausgelösten Großbrand“ in einem Industriebetrieb.

Die Anwälte Kerviels zeichnen ein anderes Bild: Bis Ende 2007 habe Kerviel mit seinen Termingeschäften der Bank einen Gewinn eingebracht. „Die Bezeichnung Betrüger ist vollkommen fehl am Platz“, sagte sein Anwalt Christian Charriere-Bournazel dem Sender Europe-1. Die Eröffnung eines Verfahrens sei „wahrscheinlich“, sagte Charriere-Bournazel. Er rechnete damit, dass Kerviel nach seinem Verhör, das laut französischen Gesetzen mit bis zu 48 Stunden in Polizeigewahrsam verbunden sein darf, wieder freigelassen wird.

Kerviel: Bis Ende 2007 1,4 Milliarden Gewinn gemacht

Kerviel sollte für die Bank Arbitrage-Geschäfte auf dem Markt für Indexoptionen tätigen. Um die kleinen Ertragsdifferenzen gewinnbringend zu nutzen, musste er große Aufträge vergeben. Die Risiken sollte er mit Gegengeschäften klein halten. Weil die Bank nur die Nettorisiken prüfte und Kerviel den Beschuldigungen zufolge echte Risiken mit Scheingeschäften buchtechnisch ausglich, konnte er die Kontrolleure in der Bank lange täuschen. Der Händler gibt lediglich Manipulationen zu, um die Überschreitung seiner Risikogrenzen zu verbergen. Kerviel erklärte der Staatsanwaltschaft dem „Figaro“ zufolge, seine umstrittenen Geschäfte auf die Börsenindizes Dax, EuroStoxx und den britischen Leitindex FTSE hätten zur Jahreswende mit 1,4 Milliarden Euro in der Gewinnzone gelegen. Er habe die langfristigen Positionen im Laufe des ersten Halbjahres 2008 abstoßen wollen.

Reaktion der Bank verursachte Großteil der Verluste

Die Bank hatte dies nach Aufdecken der Risiken binnen drei Tagen getan und damit ausgerechnet am „schwarzen Montag“, dem 21. Januar, begonnen. Nach Aussage der Société Générale waren die Positionen am Freitag zuvor ins Defizit gefallen. Dem „Figaro“ sagte Bankchef Bouton, bis zum Abend des 18. Januar seien die Verluste zunächst von null auf 1,4 Milliarden Euro angewachsen. Demnach verursachte die Reaktion der Bank während des weltweiten Börsencrashs den Großteil ihrer Verluste von über 4,8 Milliarden Euro.

Die Aktien der Société Générale befinden sich inzwischen wieder auf Sturzflug. Auslöser war die Aussage der Regierung, sie werde die Bank vor einer feindlichen Übernahme schützen. Bis zum Vormittag des 28. Januar fiel das Papier um rund 7,4 Prozent auf 68,41 Euro. Die Citigroup senkte ihr Kursziel für die Aktie von 130 auf 65 Euro.

( Quelle: http://www.welt.de/finanzen/article1605414/Steckt_hinter_dem_Bankenskandal_ein_Russen-Komplott.html )

IngoM
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

1,4 Mrd EUR im Plus klingt zunächst gut, ist aber nicht sonderlich toll, wenn zugleich die Positionsgrösse rund 30 Mrd. EUR ist.

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ goso [#57]

Ich denke auch, dass die Bank beim Auflösen der Position unprofessionell war.
Einfach die großen Orders reinhauen war doof.
Die haben sich von der Größenordnung überwältigen lassen und sind in Panik geraten.

Hatte ich hier schon vermutet @ gautama2 [#7]
Schätze der Vorstand versteht nicht viel vom Traden.

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ IngoM [#58]

Aber da kann es doch auch nicht stimmen, dass er nicht profitiert hätte.
Muss sich einen netten Bonus für 1,4 Mrd. Gewinn geben, selbst wenn er nur 10% seiner Gewinne sichtbar gelassen hätte.

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

An Société Générale wachsen Zweifel
Nach dem Milliardenverlust bei Société Générale nehmen die Ungereimtheiten zu: So soll dem Skandalhändler Jérôme Kerviel für 2007 ein Rekordbonus versprochen worden sein. Zudem hat die Terminbörse Eurex die Franzosen bereits frühzeitig gewarnt.

Die französische Großbank Société Générale (SocGen) gerät zunehmend in die Kritik. Nach dem am Donnerstag bekannt gegebenen Milliardenverlust in Höhe von 4,9 Mrd. Euro schob das Kredithaus die Schuld auf den 31-jährigen Optionshändler Jérôme Kerviel. Jetzt wachsen die Zweifel an dieser Geschichte.

So soll Kerviel laut der Tageszeitung "Le Monde" für 2007 ein Bonus von 300.000 Euro in Aussicht gestellt worden sein. Kerviel habe das Angebot abgelehnt und eine Verdopplung dieser Summe gefordert, soll der Händler den französischen Behörden erzählt haben. Das widerspräche dem, was SocGen vergangene Woche erzählt hat. Das Management bezifferte Kerviels Entlohnung auf 100.000 Euro inklusive Bonus und begründete das damit, dass er nur einfache Absicherungsgeschäfte getätigt habe.

Zudem sorgt eine zweite Information für Verwirrung. Demnach war das SocGen-Management bereits Monate vorher auf Kerviel aufmerksam gemacht worden. Die deutsch-schweizerische Terminbörse Eurex soll nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft bereits im November 2007 vor fraglichen Positionen Kerviels gewarnt haben. Dies habe die Untersuchung ergeben, sagte der Pariser Staatsanwalt Jean-Claude Marin am Montag. Die Bank habe Kerviel darauf angesprochen. Der Händler habe aber ein gefälschtes Dokument vorgelegt, das eine Abdeckung der Risiken vorgetäuscht habe.
Hunderttausende Geschäfte abgewickelt

Am Sonntagabend hatte SocGen erstmals Einzelheiten des Milliardenbetrugs durch einen ihrer Händler offen gelegt. Den Angaben zufolge hat der beschuldigte Kerviel Positionen im Wert von etwa 50 Mrd. Euro aufgebaut und durch fiktive Transaktionen verborgen. Die Kontrollmechanismen seien umgangen worden. Der Händler habe Hunderttausende verborgene Geschäfte abgewickelt und dafür Absicherungen vorgetäuscht, so dass Verluste dem Anschein nach ausgeglichen worden seien.

SocGen entdeckte die Positionen den Angaben zufolge am Freitag, 18. Januar, und wickelte sie in der Woche darauf am Montag, Dienstag und Mittwoch ab. An dem Montag war es in Europa zu einem Börsencrash gekommen, der erst durch eine überraschende und ungewöhnlich hohe Zinssenkung der US-Notenbank am Dienstag gebremst wurde.

Kerviel - ein Einzeltäter?

Die Aufdeckung des Skandals hatte in der Finanzwelt die Frage aufgeworfen, ob der Broker eigenständig gehandelt hatte - davon geht Wirtschaftsministerin Lagarde jedoch aus. Es gebe gegenwärtig keinen Grund zu glauben, dass Kerviel nicht alleine verantwortlich sei. Gegen den Beschuldigten wird vermutlich am Montag ein vorläufiges Ermittlungsverfahren eingeleitet. Am Samstag war der Händler in Untersuchungshaft genommen und 48 Stunden vernommen worden.

Auch Notenbankchef Noyer steht in der Kritik

Ebenfalls in der Kritik steht der Chef der französischen Notenbank, Christian Noyer. Er gab in einem Radiointerview zu, dass er die Politik erst Tage später über den Skandal bei SocGen aufgeklärt habe. Er sei am Sonntag, den 20. Januar, informiert worden und habe der Regierung erst am Mittwoch darüber berichtet. "Ich stand vor einer schweren Entscheidung. Die Positionen waren riesig, dementsprechend groß war die Gefahr, wenn sich die Information im Markt verbreitet hätte." Premierminister Francois Fillon hatte die Bank vergangene Woche heftig für ihre Informationspolitik kritisiert.

Keine Übernahmediskussion

Die französische Politik versucht derweil, Spekulationen über eine feindliche Übernahme von SocGen zu zerstreuen. Die Bank stehe nicht unter Zwang, mit einem anderen Institut zu fusionieren, sagte Wirtschaftsministerin Christine Lagarde am Montag dem Sender France 2. Der Milliardenverlust hatte frühere Spekulationen wieder neu entfacht, das Geldhaus könne von BNP Paribas übernommen werden, der größten börsennotierten Bank des Landes.
Bouton: Rücktritt nicht vom Tisch

Unterdessen erklärte SocGen-Chef Daniel Bouton, sein Rücktritts-Angebot liege weiter auf dem Tisch und der Verwaltungsrat könne zu gegebener Zeit darüber erneut entscheiden. Bouton hatte bereits in der Vorwoche gesagt, er habe im Zuge des Vorfalls seinen Rücktritt angeboten, der Verwaltungsrat habe dies aber abgelehnt.

Kerviel erhob derweil schwere Vorwürfe gegen die Bank. Er selbst habe nicht betrogen und keinen einzigen Cent abgezweigt, sagte er über seine Anwälte. Dagegen habe die Bank nach Aufdeckung seiner riskanten Terminkontrakte die Positionen "überhastet" geschlossen und dadurch sehr hohe Verluste herbeigeführt. Dahinter stecke der Versuch der Société Générale, die eigenen Verluste der vergangenen Monate zu verschleiern. Bis Ende Juli habe Kerviel mit seinen Termingeschäften der Bank einen Gewinn von 1,5 Mrd. Euro eingebracht. "Die Bezeichnung 'Betrüger' ist vollkommen fehl am Platz", sagte sein Anwalt Christian Charrière-Bournazel am Montag dem Sender Europe-1.

Die Aktien der Pariser Bank stehen seit Bekanntgabe des Betrugs unter Druck. Am Montagmittag notierten die Papiere der Bank mit rund 7,3 Prozent im Minus bei 68,50 Euro.

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