Soros über CDS

http://dealbook.blogs.nytimes.com/2009/06/12/soros-says-default-swaps-should-be-outlawed/

Der Vergleich gefällt - Lebensversicherung auf jemanden abschließen und zugleich die Lizenz zum Töten besitzen.

Franjo, was meinst Du?

Geschrieben von JRM am
F
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12 Jahre 9 Monate

Der Vergleich ist doch ziemlich sarkastisch und unseriös.

Ein Default-Swap Käufer sichert sich gegen einen möglichen Risikofall ab. Tritt dieser ein, wird dieses Risiko entschädigt. Dass die Entschädigungssumme dann höher sein kann, als das ursprünglich versicherte Gut ist doch oftmals der Fall.

CDS waren meines Erachtens schlicht und einfach dem Risiko entsprechend falsch gepreist.

Die Prämien hätten von Beginn an viel höher sein müssen. Das alle Welt davon ausgeht, man habe es mit guten Schuldnern zu tun und daher die Risikoprämien niedrig waren, hat sich Jahre später gerächt.

Das ist aber einzig und allein die Dummheit der Verkäufer gewesen, die nicht fähig waren über ihren kurzfristigen zeitlichen Tellerrand hinaus in die Zukunft zu schauen.

Anderes Beispiel:

Der Weizen anbauende Landwirt will seine kommende Ernte mit einem garantierten Preis verkaufen.

Gut das es die Terminbörse gibt.

Dort kann er seine Ernte im Voraus verkaufen und mit seinem Ertrag die laufenden Kosten für seinen Hof und den Lebensunterhalt seiner Familie decken.

Die Käufer seines Weizens auf Termin haben nun das Risiko mitgekauft, dass der Weizenpreis unter ihren ursprünglichen Kaufpreis fällt oder über diesen steigt.

Im einen Fall verliert man viel - im anderen Fall gewinnt man viel. Dafür übernimmt man das Risiko.

Übrigens bin ich bis heute der Ansicht, dass Soros das britische Pfund damals gehebelt in die Knie gezwungen hat und keineswegs Unsummen dafür nötig waren.

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zorrie
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12 Jahre 9 Monate

Aus dem Artikel:

In practice, default swaps can be used for all kinds of speculative purposes. They are subject to abuse, such as when the holder of the protection actively tries to hurt the perceived credit quality of the underlying issuer in order to profit. In some situations, the holder of default-swap protection benefits more if the issuer goes bankrupt than if it were able to fix its finances in a less drastic way.

Ich (kein Experte) verstehe das so:

Der, der die Lebensversicherung und die Lizenz besitzt profitiert, weil er

1. Aus der Insolvenz keinen Schaden nimmt, da er die Versicherung hat und

2. entweder als Konkurrent Marktanteile gewinnt ODER sich als Miteigentümer vor der Pleite hohe (nicht gerechtfertigte) Dividenden auszahlen lässt.

Es gibt bestimmt weitere Beispiele für 2.

JRM
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Ganz nachvollziehen kann ich Onkel George's Aussage auch nicht. Denn der Besitzer jeglichen Finanzinstrumentes kann ja, wenn er dieses aus spekulativen Gründen besitzt, versuchen, die von ihm gewünschte Entwicklung zu forcieren.

Shortseller wie Jim Chanos machen sich die Presse zum Freund, in dem sie Journalisten auf problematische Buchführung, zu hohe Margen etc. bei Unternehmen hinweisen, die sie natürlich schon geshortet haben.

deriva
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12 Jahre 9 Monate

Die Welt ist nicht perfekt
David X. Li hat 2000 die mathematische Formel für das Spekulieren mit Derivaten erfunden. Zu spät fand man den Fehler darin: dann kollabierte die Weltwirtschaft

David X. Li steht für Interviews nicht zur Verfügung. Im Netz kursieren nur vage biografische Daten. Wahrscheinlich wurde er 1962 mit dem Namen Xiang Lin Li als Sohn eines kleinen Polizeibeamten in einem Dorf in Südchina geboren. Aufgrund außerordentlicher mathematischer Begabungen konnte er an der Nankai-Universität in Tianjin studieren und erhielt 1987 ein Auslandsstipendium. Er ging an Laval-Universität in Quebec und änderte in Kanada seinen Namen: David X. Li. Nach einer Promotion über mathematische Statistik an der Waterloo Universität arbeitete er ab 1997 für verschiedene Investmentbanken in Kanada und den USA. Kurz vor Ausbruch der Weltfinanzkrise zog er wieder nach China und arbeitet, soweit bekannt ist, gegenwärtig als Leiter der Abteilung für Risikobewertung bei der China International Capital Corporation in Peking.
David X. Li die Alleinschuld für den Zusammenbruch der Weltwirtschaft zu geben, wäre so unfair, wie Karl Marx für den Untergang des Sowjetkommunismus verantwortlich zu machen. Tatsächlich hatte Li als einer der ersten schon 2005 vor einer allzu naiven Anwendung seiner eigenen Theorie gewarnt. Seine Kollegen betrachteten die Formel als Bauplan für ein Art Perpetuum mobile zur risikofreien Geldvermehrung durch bloßes Umschichten und Neuverteilen von Schuldverschreibungen.
Aber schon damals trat die erste ernste Anomalie auf: Im Mai 2005 hatten die Finanzprüfer von Standard & Poor die Kreditwürdigkeit von Anleihen der Konzerne General Motors und Ford herabgestuft, was zu einer Verteuerung der entsprechenden Kreditversicherungs-Policen führte, während die Aktienkurse überraschenderweise, vielleicht auch wegen eines plötzlichen Kaufinteresses des Milliardärs Kirk Kerkorian, sogar stiegen.
Der verlorene Gleichklang der beiden Bewertungen führte dazu, dass die daraus abgeleiteten „synthetischen“ Finanzprodukte aus dem Takt gerieten und plötzlich einige Spekulanten trotz peinlicher Beachtung der Formel von Li, die eigentlich alle Risiken hätte absichern sollen, erhebliche Verluste einfuhren. Der „GLG Credit Fund“ büßte damals einmalig 14,5 Prozent ein.
Die allgemeine Meinung unter Finanzanalysten war damals, es habe sich um eine Ausnahme gehandelt. Und auch die Selbstkritik von Li, wie sie im Herbst 2005 in einem Artikel des Wall Street Journal zitiert wird, war eher moderat. An der damaligen Grundüberzeugung, dass im Prinzip dank der Li-Formel die größte Kapitalfreisetzung seit der industriellen Revolution stattgefunden habe und man dank dieser Marktkraft erstmals in der Geschichte einem dauerhaften Wirtschaftswachstum entgegenblicke, wurde nicht gezweifelt – nur dass die Formel noch nicht hinreichend verstanden sei. Zitat Li: „Das Modell ist noch nicht perfekt. Aber bisher gibt es kein besseres.“
Tatsächlich sprach fast alles für die Li-Formel, denn sie suggerierte, ökonomische Risiken mathematisch völlig kontrollieren zu können – aus Risiken ein neues Handelsgut zu machen, dessen Wert sich aus anderen Marktfaktoren berechnen ließ, fatalerweise ohne dafür in die Realität schauen zu müssen. Unsicherheiten behindern den freien Markt, aber Risiken, deren Größe man meint genau berechnen zu können, beleben ihn, egal wie hoch die Risiken sind. Es ist wie beim Glücksspiel: Dass man beim Lotto nur mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu 130 Millionen den Jackpot gewinnt, halten viele für akzeptabel, wenn die Gewinnaussicht entsprechend hoch ist, und machen so die Lottogesellschaften zu profitablen Unternehmungen. Ganz ähnlich erlaubt die Li-Formel, das sehr hohe Ausfallrisiko von geringverdienenden Kreditnehmern trotzdem in ein lukratives Finanzprodukt zu verwandeln.
Im April 2000 veröffentlichte Li, damals Mitarbeiter der Investmentbank JP Morgan, seine Formel. Ende 2001 gab es schon „Credit Default Swaps“ mit einer Versicherungssumme von insgesamt 920 Milliarden US-Dollar – also die Kreditausfall-Versicherungspolicen, die es dank der Li-Formel möglich machten, das Risiko von jeder beliebigen Art von wirtschaftlicher Aktivität abzutrennen, um damit separat Handel zu treiben. Bis Ende 2007 hatte sich dieser Wert auf astronomische 62.000 Milliarden Dollar gesteigert – ungefähr das Fünffache der jährlichen Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten.
Aber hier liegt der Fehler: Um einschätzen zu können, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Gläubiger nicht mehr zahlt, führt eigentlich kein Weg daran vorbei, sich die konkreten Umstände anschauen zu müssen: Welchen Beruf hat der Kreditnehmer? Was verdient er? Und so weiter. Die Li-Formel suggeriert, diese konkreten Bewertungen durch ein statistischen Verfahren aus längst bekannten Marktgrößen ableiten zu können. Im Bild: Um zu entscheiden, dass man beim Würfelspiel mit einer Wahrscheinlichkeit von einem Sechstel eine „Eins“ würfelt, braucht man ja auch nicht unbedingt den Würfel genau anzuschauen: Wieviele Seiten hat er? Sechs. Sind alle gleich groß? Ja. – Man kann sich einfach die letzten 60 Würfe anschauen und wenn darunter zehn Mal die Eins war, lässt sich sofort auf die Wahrscheinlichkeit des nächsten Wurfs schließen. Und tatsächlich: Bei einem physikalischen Objekt wie einem Würfel ist dies eine verlässliche Methode.
Nur in der Ökonomie funktioniert das nicht. Marktteilnehmer handeln nicht starr sondern selbstreferenziell: Ich weiß, dass Du weißt, dass ich weiß ... Das eigene Handeln verändert den Markt und der Markt verändert das eigene Handeln und mit ihm die Wahrscheinlichkeiten von Kreditrisiken. Es gibt keine Methode, in keinem noch so abstrakten „synthetischen“ Finanzderivat, mit der sich risikofrei Geld vermehren ließe – es kann sie gar nicht geben. Oder, wie schon der Physiker Heinrich Hertz im 19. Jahrhundert sagte: „Gebt mir die geringste Abweichung von der Erhaltung der Kraft, in der entlegensten Naturkraft, in der unausführbarsten Gedankenmaschine, und ich werde Euch für nichts Kräfte liefern, so gewaltige und so viele, als sich Eure Phantasie nur ausmalen kann.“
Manche Analysten sehen die eigentliche Ursache der aktuellen Wirtschaftskrise schon 1993. Damals hatte der amerikanische Kongress aus Sparsamkeitsgründen den Bau des Superconducting Supercolliders gestoppt, eines Teilchenbeschleunigers, noch gewaltiger und größer als der gerade in Genf gebaute. Heerscharen von überqualifizierten Physikern mussten sich damals nach neuen Jobs umsehen und landeten größtenteils an der Wall Street, wo man seither die nüchternen Kaufmannstugenden vernachlässigt und stattdessen lieber mystische Zahlenspiele betreibt – angetrieben vom Wunschtraum aller Physiker, die geheime Weltformel der Wohlstandsvermehrung zu finden.

Hintergrund
Den fatalen wissenschaftlichen Aufsatz von Li mit dem Titel On Default Correlation: A Copular Function Approach (April 2000) kann man im Internet nachlesen:
http://www.defaultrisk.com/pp_corr_05.htm
http://www.wired.com/techbiz/it/magazine/17-03/wp_quant

http://www.freitag.de/politik/0937-david-x-li-finanzkrise-formel

limitup
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ JRM [#1]

CDS sind nutzloser Unsinn. Habe mich en wenig eingelesen in das Thema

Beispiel:

Ich gebe als Bank Siemens und General Electric einen Kredit über jeweils 500 Mio Euro. Zins 5 %

Jetzt geh ich zur AIG (zb) und kaufe für 0,25% im Jahr eine Kreditausfallversicherung für die beiden Kredite.

Da habe ich aber was gekonnt. Ich habe also im Fall des Falles mein Kreditrisiko gegen 2 Unternehmen getauscht. Dafür habe ich mir ein Kreditrisiko gegen ein Unternehemen(AIG) gekauft.

Fallen GE und Siemens aus habe ich jetzt ein Kreditrisiko gegen AIG.

Das ist dcoh absoluter Unsinn..

JRM
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ limitup [#6]

Dann müssen eben Rück-Rückversicher her. Und Rück-Rück-Rückversicherer. Und.... soweiter und sofort.

Wenn wir Glück haben, liefert uns Kobban gleich eine Abhandlung über "Spiegel im Spiegel".

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pullPUSH
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12 Jahre 9 Monate

@ JRM [#7]
@ limitup [#6]

Die Kette ist nur so stark wie das schwächste Glied.

;O)

Kobban
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ JRM [#7]

Finanzinstrumente aus Sicht der Bank:

Erst mit Finanzierungsinstrumenten, also Risikoinstrumenten können Banken ihre Intelligenz "artgerecht" entfalten, eine Intelligenz, die dann zudem und wesentlich in der Weiterentwicklung dieser Finanzierungsinstrumente besteht. (z.B. wenn sie Zahlungsunfähigkeit "kaufen" durch Kreditgewährung)

Plazierungskraft im Primärgeschäft und die Handelskapazität im Sekundärgeschäft sind wichtigste Voraussetzungen der Wettbewerbsfähigkeit von Banken am Markt. Ob durch ihre Instrumente Volatilitäten verstärkt werden, muß Banken doch egal sein - Kundenorientierung steht notwendig quer zu einer Orientierung an Risikoinstrumenten.

Banken haben's ständig mit Techniken der Erhöhung der "signal-to-noise-ratio" zu tun, die im Verhältnis zu den Märkten bereits funktionieren. So gewinnen sie neue Anregungen - und die scharfe Beobachtung der Risikoinstrumente ermöglicht ihnen ein "whitening" ihrer black boxes bishin zur Entwicklung immer neuer Verfahren, die das gewünschte Signal per Autokorrelation zu verstärken versprechen.

Zweifel bleiben bestehen etwa, ob nicht viele dieser Instrumente zu falschen, die Risiken nicht adäquat wiedergebenden Preisen gehandelt würden, ob ihnen nicht der eigentliche Test erst bevorstünde.

Das Bankgeschäft resultiert nicht aus dem Kalkül der Intentionen aller Beteiligten, sondern aus dem Finanzierungsinstrument selbst, dessen »Intelligenz« darin liegt, eine Selektion der am Geschäft Beteiligten derart vorzusteuern, dass sich die Intentionen aus der Beteiligung ergeben und nicht umgekehrt die Beteiligung erst auf ihre Intentionen hin überprüft werden muß.

Finanzinstrumente sind Instrumente der Vorwegselektion immer andersmöglicher Aktionsoptionen mit dem Ziel der Einschränkung eben dieser Andersmöglichkeiten. Und wenn's funktioniert, kann über die Simplifizierung der Risikoelemente eines speziellen Finanzierungsgeschäfts durch die Splittung der Risikoelemente die Kompliziertheit der Finanzierungsgeschäfte durch Neukombinationen und Einzelübernahmen der Risikoelemente enorm gesteigert werden.

JRM
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Kobban [#9]

Danke, das ist sehr informativ.

AAA
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Kobban [#9]

Infantile "Intelligenz", per Autokorrelation wird die Inferiorität kurzer Hand zur Superiorität erklärt, damit die multifaktoriell bedingten biosozialen Interaktions- und Kumulationsprodukte der Grenzdebilität unbemerkbar bleiben. ;)) (Chiffre lautet: ICD-10 F7)

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Credit Default Swaps - "Big Bang" und "Small Bang" gegen das Risiko

Von Tobias Bayer

Financial Times Deutschland, FTD (29-09.09) - Aufseher in den USA und Europa brüten, wie sie Licht in den undurchsichtigen Markt für Kreditderivate bringen und damit für mehr Sicherheit sorgen können. Das Gerangel wird zur Kraftprobe zwischen Regulierern und Anbietern.
von Tobias Bayer Frankfurt

Für George Soros ist die Sache einfach. "Wir sollten den gesamten außerbörslichen Derivatehandel einfrieren", sagt der Hedge-Fonds-Manager, der 1992 erfolgreich gegen die Bank of England auf einen Pfund-Absturz wettete und seit Monaten vor den Gefahren des Derivatemarkts warnt.

(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.ftd.de/finanzen/derivate/:credit-default-swaps-big-bang-und-small-bang-gegen-das-risiko/50016564.html)

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