Agraraktien: Investieren in die Landwirtschaft
Anleger stürzen sich auf Kartoffeln und Soja
Die Welt (22.04.08) - Jahrzehntelang wollten Börsianer von der Landwirtschaft nichts wissen. Doch jetzt haben sie offenbar ihre Liebe für Sojabohnen und Mais entdeckt und treiben die Kurse von Agrarwerten in immer neue Höhen. Kritiker warnen vor einer Spekulationsblase.
Der kleine Hendrik hat die Zeichen der Zeit erkannt. Gefragt nach seinem Berufswunsch, platzt es aus dem Fünfjährigen im Kindergarten „Wolkenzwerge“ heraus: „Bauer!“ Wohl kein Beruf erlebt derzeit eine solche Renaissance wie der des Landwirts. Selbst die Hochfinanz hat dies erkannt. „Es gibt einen Mangel an Farmern – und das weltweit“, beklagt Rohstoff-Guru Jim Rogers. In zehn Jahren werde die Elite nicht mehr in Investmentbanken, sondern in landwirtschaftlichen Betrieben arbeiten, so seine Prognose – welch Perspektiven für Hendrik.
Jahrzehntelang wollte niemand Geld in die Landwirtschaft investieren. Das hat sich in den vergangenen Monaten mit den explodierenden Preisen an den Märkten für Agrarrohstoffe geändert. So ist der Reispreis seit Jahresanfang um 66 Prozent gestiegen, Mais um 33 Prozent, und Sojabohnen kosten zwölf Prozent mehr als im Januar. „Die hohen Rohstoffpreise sorgen für viel Fantasie in der gesamten Agrarbranche“, sagt Michael Schäfer, Analyst bei Equinet. „Das fängt beim Ackerland an, geht über Düngemittelproduzenten und Traktorenhersteller bis zu Rohstoffverarbeitern.“
(Quelle und weiter: -> http://www.welt.de/finanzen/article1926324/Anleger_stuerzen_sich_auf_Kartoffeln_und_Soja.html)
Gute Ernte, schlechte Erträge - Der Ausverkauf an den Börsen trifft Landwirtschaftsaktien hart. Die Verknappung bei Agrarrohstoffen bietet aber weiter Chancen für Anleger.
von Wolfgang Hagl
ftd.de (10.11.08) - Volatilität ist derzeit nicht nur an den Aktienmärkten ein heißes Thema.
(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/marktberichte/:Agraraktien-Gute-Ernte-schlechte-Ertr%E4ge/437118.html)
Landwirtschaft wird dereguliert.
Wer als Broker oder Trader die Nase voll hat von Regulationen und kommenden Leer- und Vollverkaufsverboten, der sollte in den Agrarsektor wechseln.
Wer vom Finanzmarkt genug hat, sollte jetzt in Gemüse machen. Da herrscht bald Kapitalismus pur.
http://www.ftd.de/meinung/dasletzte/:Das-Letzte-Neue-Chancen-f%FCr-krumme-Dinger/437363.html?nv=cd-topnews
Was ist denn nun los?
Neokolonialismus?
Mittwoch, 19.11.2008
Südkorea mietet Madagaskar
Die Lebensmittelknappheit führt zu merkwürdigen Geschäften, die nach Neokolonialismus riechen: Der südkoreanische Konzern Daewoo mietet auf 99 Jahre in Afrika ein Stück Agrarland, halb so groß wie Belgien. Und das auf Madagaskar. (Update)
Einzelne arabische Emirate und auch Saudi Arabien hegen schon seit längerem ähnliche Pläne: weil die eigenen landwirtschaftlichen Flächen nicht ausreichen und die Lebensmitteleinkäufe auf dem Weltmarkt immer teuerer werden wollen die Scheichs einen Teil ihrer Petrodollar anlegen, um sich in Afrika oder auch in der Ukraine oder Zentralasien günstig Ackerland zu sichern.
Doch jetzt ist es ein Industrieland, dass voran geht. Nach einem Bericht der Financial Times hat der südkoreanische Mischkonzern einen Vertrag mit Madagaskar abgeschlossen, 1,3 Millionen Agrarfläche langfristig zu mieten. Dort sollen von Gastarbeitern aus Südafrika vor allem Mais und Palmöl angebaut und nach Asien verschifft werden.
Wieviel Madagaskar erhält ist nicht bekannt, aber die Summe dürfte nicht allzu klein sein. Immerhin stellt die Insel dafür rund die Hälfte ihrer landwirtschaftlich zu nutzenden Fläche bereit.
Die Uno hatte bereits bei früheren Plänen vor einem Neokolonialismus der reichen Nationen gewarnt. Dagegen wendet Daewoo ein, der Konzern werde das Agrarland erst entwickeln, das sonst brach liegen würde.
Der Trend scheint auf jeden Fall um sich zu greifen. Äthiopien bietet Investoren aus der arabischen Welt aktiv seine Agrarflächen an. Zwar ist das Land selbst dringend auf Lebensmittel angewiesen - vielleicht aber noch mehr auf Know how zum Aufbau einer starken Agrarwirtschaft.
gwatzlawek um #13:50 in
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Kommentare und Trackbacks
gerhard friese kommentiert:
finde ich als eine grosse sache, arbeit, menschen helfen+geld verdienen. gerhard
gerhard friese | 20.11.2008 - 04:29
WillyWilly kommentiert:
könnte ein Ansatz sein- Man muss nur aufpassen, dass die Menschen "vor Ort" nicht zu Zwangsarbeitern degradiert werden
WillyWilly | 21.11.2008 - 10:59
OlegS kommentiert:
Genauere Informationen wären sehr hilfreich, besonders im Hinblick auf ökologische Konsequenzen.
Ist die Fläche, welche als "brach liegendes Akerland" bezeichnet wird, wirklich nur unbestellt oder vielleicht zusätzlich auch noch unerschlossen?!
OlegS | 21.11.2008 - 12:26
Gerhard Seinsche kommentiert:
"Wieviel Madagaskar erhält, ist nicht bekannt" - aber WER sich dort die Taschen füllt, ist klar: ein paar Korrupte in der Führungsclique, wie überall in Afrika, sobald - egal mit wem und was - Geschäft zu machen ist. Nicht nur aus diesem Grund sollte die gesamte Entwicklungshilfe sofort eingestellt werden. Und wenn (ausgerechnet !!) das hungernde Äthiopien seine Agrarflächen dem Ausland anbietet, ist das u.a. auch ein höhnischer Schlag ins Gesicht von Karlheinz Böhm ("Menschen für Menschen") und eine offene Einladung, Afrika dem hoffnungslosen Neokolonialismus zu unterwerfen.
Gerhard Seinsche | 23.11.2008 - 10:02
Link: http://blog.handelsblatt.de/madagaskar/eintrag.php?id=162
@ scorpion260 [#4]
Grüß Gott,
soweit ich mich erinnere, hat Saudi Arabien z. B. im letzten Jahr beschlossen im Lande selbst keinen Weizen mehr anzubauen, sondern sich Land im Sudan dafür zu pachten.
Ich halte das für eine vernünftige Entwicklung. Land in Afrika zu pachten und zu bewirtschaften ist sicher billiger als Wasser in Saudi Arabien zum Weizenanbau bereit zu stellen.
Warum denn nicht, Mercedes läßt doch auch in Südafrika produzieren.
Gruß
peterg
@ peterg [#5]
Genau. Solange sie Geld dafür bekommen ist es kein Kolonialismus. Man kann immer eine negative Assoziation nehmen, ein Neo davor klatschen und es damit runter machen.
Wer Angst hat, dass die Pacht nur in die Finger der korrupten Machthaber fließt, der kann doch anstelle von Pachtzahlungen direkt dort Straßen und Schulen bauen. Dann hat man auch Transportwege und geschulte Kräfte vor Ort. Die Chinesen machen das schon länger so in Afrika.
@ gautama2 [#6]
Ich glaube, dass bei dieser ganzen Diskussion eines übersehen wird -
Diese Länder pachten oder kaufen das Land für die eigene Bevölkerung und nicht für die Bevölkerung im Anbaugebiet. Die Gefahr, z.B. im Falle Madagaskar, die Hälfte seiner Anbaufläche aus den Händen zu geben, kann schwer nach hinten
losgehen. Sollten erstmal die ersten Aufstände in der Bevölkerung wegen Nahrungsmangel erfolgen, wird es schwer zu vermitteln sein, dass aus dem eigenen Land Getreide rausgefahren wird.
Und ob wir mit dem hehren Ziel des Klimaschutzes, dies alles so vereinbaren können ist fraglich. Viel Energie für lange Transportwege zu verknallen ist out. Mit dem Aufwand und dieser Verschwendung von Ressourcen, wäre es sinnvoller,in den eigenen Gebieten etwas zu tun.
Dass es politisch sehr delikat ist und auch an Kolonialismus erinnert, ist klar.Es kann auch nicht damit entschuldigt werden, dass Geld fliesst. Wir brauchen uns nur anzugucken, wo überall Geld fliesst ( Südafrika / Mittelamerika /Südamerika )- eben immer dort, wo es was zu holen gibt und man der Bvölkerung ihre eigenen Boden- / Agrarschätze für kleines Geld (geht natürlich an die herrschede Klasse) aus den Händen nehmen kann.
Wir sollten uns nicht wundern, wenn eben diese Leute eines Tages bei uns alle auf den Marktplätzen stehen und sich ihre Recht holen.
@ gautama2 [#6]
"Man kann immer eine negative Assoziation nehmen, ein Neo davor klatschen und es damit runter machen."
Deswegen habe ich ein "?" angehängt.
@ Graintrader [#7]
"Die Gefahr, z.B. im Falle Madagaskar, die Hälfte seiner Anbaufläche aus den Händen zu geben, kann schwer nach hinten "
Deswegen habe ich nachgefragt.
Grüße
@ Graintrader [#7]
"Wir sollten uns nicht wundern, wenn eben diese Leute eines Tages bei uns alle auf den Marktplätzen stehen und sich ihre Recht holen."
Und bitte nicht an Monsanto verpachten! Sonst steht die ganze Welt mal auf dem Marktplatz.