Richard Ebert
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Biogas: Das Ende des Booms ?

Biogas - mehr als eine "Furz-Idee"

BR-Online.de (16.12.09) - Warum noch für einen Hungerlohn Kühe füttern und melken? Immer mehr Bauern "füttern" lieber eine Biogas-Anlage - und statt Milch gewinnen sie Strom. Kein Wunder, dass statt Rinderställen in jedem Landkreis Dutzende von Biogasanlagen gebaut werden. Doch die Boombranche hat Probleme.

Landwirte wie Josef Sedlmeier galten Anfang der 80er-Jahre unter Kollegen als "spinnerte Tüftler". Der Bauer war einer der ersten, die mit Gülle experimentierten, um daraus Energie zu gewinnen.

Dass es sich einmal rentieren könnte, mit Gülle Wärme und Strom zu erzeugen, war damals unvorstellbar. Der Erfolg gab Sedlmeier recht: Auf seinem Bullenmastbetrieb in Rudelshofen bei Dachau hat er eine Biogas-Anlage mit einfachen Mitteln komplett selbst gebaut. Mit der Anlage auf seinem Betrieb produziert er jeden Tag 1.000 Kubikmeter Biogas und ersetzt damit rund 70 Liter Heizöl.

Rentabler als Vieh und Getreide

Von einer "Furz-Idee" spricht heute im Zusammenhang mit Biogas niemand mehr. Rund 370 Millionen Euro Umsatz macht die Biogas-Branche derzeit, mehr als elf Milliarden Euro könnten es im Jahr 2020 sein - so lautet die Prognose von Markus Ott, dem Sprecher des Fachverbandes Biogas. Für viele Bauern ist es sogar die wichtigste Einnahmequelle geworden, mit der sich mehr Geld verdienen lässt als mit der Tierzucht. Von den rund 1.400 bayerischen Biogasanlagen ist fast die Hälfte erst in den vergangenen vier Jahren gebaut worden. Was sich vor allem lohnt, ist die Gewinnung von Strom aus Biogas. Für jede Kilowattstunde, die sie ins öffentliche Stromnetz einspeisen, bekommen die Bauern derzeit rund 12 Cent. Zudem gibt es Fördergelder beim Bau einer neuen Anlage. So mancher Landwirt ist deshalb längst zum Energiewirt geworden. Er baut Mais und Getreide nicht mehr als Futter für seine Kühe, sondern für seine Biogas-Anlage an.
Biomüll wird zur Mangelware

Biogas - Explosionsgefahr

In der Anfangszeit wurde für die Erzeugung von Biogas nur Gülle und Festmist verwendet. Mehr Biogas und dadurch mehr Energie aber lässt sich gewinnen, indem mit der Gülle organische Stoffe wie Biomüll oder Abfälle aus Schlachtereien, der Gastronomie oder der Lebensmittelindustrie vergoren werden. Doch inzwischen wird es für die Landwirte mit größeren Biogasanlagen immer schwieriger, den wachsenden Bedarf an Biomüll und anderen organischen Reststoffen zu decken. "Das Wichtigste für einen Betreiber ist die Rohstoffsicherheit", so Josef Pellmeyer, Präsident des Fachverbands Biogas e. V.. "Denn eine Biogasanlage, die nur im Teillastbereich fährt, ist nicht wirtschaftlich".
Strom aus Mais und Getreide

Neue Biogasanlagen werden deshalb heute so konstruiert und bestehende so umgerüstet, dass sie mit nachwachsenden Rohstoffen betrieben werden können, die der Landwirt selbst produziert: mit Mais, Getreide, Grüngut oder Futterrüben. Nach Berechnungen der Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe (FNR) reicht der Ertrag von einem Hektar herkömmlichem Mais aus, um so viel Biogas zu produzieren, dass fünf Haushalte mit je zwei bis drei Personen ein Jahr lang mit Strom versorgt werden können.

Ohne Bakterien läuft nichts

Die Hauptarbeit in einer Biogas-Anlage übernehmen spezielle Bakterien, die die Biomasse unter Ausschluss von Sauerstoff abbauen und dabei Energie gewinnen, um sich zu vermehren. Bei diesem Gärprozess produzieren die Bakterien zu rund zwei Dritteln Methan, daneben Kohlendioxid, Sauerstoff, Stickstoff und in geringer Menge weitere Gase. Verwertbar ist das Methan, das entweder zum Heizen oder zum Antrieb von Gasmotoren zur Stromerzeugung verwendet werden kann. Neben den Feststoffen werden in den luftdichten Faulbehältern, den "Fermentern", auch organische Geruchsstoffe abgebaut. Wenn vergorene Gülle auf die Felder ausgebracht wird, riecht sie deshalb weit weniger unangenehm als unvergorene. Auch für den Boden und für Pflanzen haben die Gärreste als Dünger bessere Eigenschaften als unvergorene Gülle.

Das Ende des Biogas-Booms?

Doch es gibt ein Problem: Das Futter für Methanbakterien wird nicht nur immer teurer, sondern richtig knapp. Die weltweiten Getreidevorräte sind auf Rekord-Tief, ihre Preise hingegen auf langjährigem Rekord-Hoch. Besserung ist nicht in Sicht. In einer Zeit knapper Getreidevorräte haben immer neue Biogasanlagen die Konkurrenz um Biomasse vom Acker angeheizt. Die Landwirte hoffen nun auf staatliches Eingreifen. Eine neu geregelte Einspeisevergütung könnte die Betriebe entlasten. Bislang gibt es rund 10 Cent pro Kilowattstunde Biogas-Strom plus einen 2-Cent-Bonus je Kilowattstunde, wenn die Landwirte nachwachsende Rohstoffe zu Biogas vergären. Biogas-Anlagen waren einige Jahre lang für manchen Landwirt so eine ökologisch korrekte und zuverlässig sprudelnde Geldquelle. Jetzt bleibt nur noch die Hoffnung, dass die Getreidepreise wieder sinken. Ansonsten wird es eng für Biogas-Bauern.

(Quelle: http://www.br.de//wissen/umwelt/energie-alternativen-DID1188467066442/biogas-alternative-energie-landwirtschaft-ID1209986165527.xml)

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Geschrieben von Richard Ebert am
Könemann
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Wie bitte?

Richard Ebert
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Sorry,

der Beitrag ist vom 11.09.08, hatte ich übersehen.

Da er schon mal im Forum steht ist es sicher interessant, die Aussagen von vor 15 Monaten mit den heutigen Fakten zu vergleichen, zum Beispiel Die weltweiten Getreidevorräte sind auf Rekord-Tief, ihre Preise hingegen auf langjährigem Rekord-Hoch. Besserung ist nicht in Sicht.

Alle, die Investionen in der Landwirtschaft aber auch außerhalb des Agrarsektors tätigen, sollten sich immer vor Augen halten, wie schnell sich die Grundlagen des Geschäfts ändern !

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