Biogas: Warum Bauern lieber Mais anbauen
Warum Bauern lieber Mais anbauen
Von Alexa Hüber
ndr.de (09.08.10) - Mais verdrängt Kartoffeln und Gemüse von den heimischen Äckern. Der Grund: Biogasanlagenbetreiber können 1.500 Euro Pacht pro Hektar Land bezahlen. Ein Landwirt, der Lebensmittel produziert, kann nur 400 bis 500 Euro bieten. Dass Biogasanlagenbetreiber so hohe Pachtpreise zahlen können, liegt an den enormen Förderungen der Energiegewinnung aus Mais durch die Bundesregierung. Diese Förderungen führen zu einer großen Konkurrenz um Flächen zwischen Biogasbetreibern und Landwirten. "Wenn hier von über 1.000 Euro gesprochen wird, die kann ich mit meinem Betrieb so nicht erwirtschaften. Für das Geld kann ich keine Tiere produzieren, das krieg ich nicht wieder", so Landwirt Reinhard Evers. Auch Landwirt Heiner Klatte-Kalvelage sieht das so: "Die Spirale ist nach oben offen. Durch die horrenden Subventionen kann niemand die Biogasanlagenbetreiber überbieten.
Größter Maiszuwachs in Niedersachen
Die Anbauflächen für Energiemais haben sich in den letzten Jahren kontinuierlich ausgeweitet, vor allem in Niedersachsen. Über ein Drittel der deutschen Biogasmenge wird bereits hier erzeugt. Durch die hohen Förderungen ist es lukrativer, den Mais in Biogasanlagen zu geben, als ihn an Rinder zu verfüttern. Die Zahl der Rinder geht bereits zurück. In der Folge wurden viele Weiden für den Maisanbau in Ackerfläche umgewandelt. Auch weniger Getreide wird angebaut.
Besonders viele Biogasanlagen gibt es im Landkreis Cloppenburg - insgesamt 100, weitere 60 sind in Planung. Im Landkreis Vechta stehen bisher 21 Anlagen. Doch auch die sind eigentlich schon zu viel, so der Landrat Albert Focke. Denn sie befinden sich in einer Region, in der viele Lebensmittel produziert und weiter verarbeitet werden.
Mais verdrängt den Kartoffel- und Gemüseanbau
Die Wernsing GmbH produziert Pommes frites und verwendet dafür zurzeit heimische Kartoffeln. Doch wenn der Maisanbau weiter zunehme, werde das Unternehmen Kartoffeln aus Holland importieren müssen, so Geschäftsführer Bernhard Suding. Er hat ans Bundesumweltministerium geschrieben und fordert eine sofortigen Stopp des Neubaus von Biogasanlagen, die Mais brauchen. Doch das Bundesumweltministerium prüft noch die Auswirkungen der Subventionen, eine Änderung kann es frühestens Anfang 2012 geben.
Für Bernhard Suding zu spät: "Bis dahin werden so viele Biogasanlagen gebaut, dass die Flächen noch knapper werden, hier in der Gegend vor allen Dingen, wo die Pommes-frites-Industrie angesiedelt ist."
Politisch verursachte Fehlentwicklung
Es habe Druck aus der EU gegeben, die Flächenanteile von Bioenergie deutlich zu erhöhen, so Christian Meyer, Landtagsabgeordneter der Grünen in Niedersachsen und zuständig für den Bereich Landwirtschaft. Dabei seien Fehler gemacht worden, die die Maismonokulturen zur Folge hätten. "Biogas ist keine schlechte Sache, wenn man es durch Reststoffe erzeugt und nicht durch die Verwendung von Mais. Durch die Förderungen des Maisanbaus für die Biogasproduktion nutzen wir heute nicht die Stoffe, die wir nutzen müssten, wie Gülle, wie Reststoffe," so der Politiker. Dadurch seien die ausufernden Maisflächen entstanden.
(Quelle: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/markt/archiv/bauen_wohnen_energie/biogas116.html)
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Immer das Gejammer von der Verarbeitungs Industrie, daß der Rohstoff nicht billig genug ist!
Das gleiche wie bei der Sommer Braugerste. Wenn die Abnehmer anständige und Faire Preise bezahlen würden,dann bekämen Sie auch die Ware trotz Biogas!
Wenn ich aber von Kartoffelpreisen von 4-6 Eur höre das ist wie wenn ein Schweinemäster von 7 Eur Weizenpreis oder 35 Eur Ferkelpreis träumt.
Wäre das Gejammer der Fleischverarbeiter das gleiche wenn aufgrund von Biogas weniger Schweine in den nächsten Jahren auf dem Markt wären ?
MfG saubauer
Die lebensmittelverarbeitenede Industrie, Mischfutterhersteller und ein großer Gemüsebauer vertreten hier Ihre Interessen. Dagegen ist zunächst nichts einzuwenden.
Jedoch sollte die Diskussion fair bleiben. Die Produktion von Energie aus nachwachsenden Rohstoffen ist politisch gewollt und im Hinblick auf die Alternativen (Atom, Kohl oder Gasverstromung) in gewissen Anteilen auch sinnvoll. Deshalb hat auch die (Bundes-)Politik entspechende Rahmenbedingungen gesetzt, die in gewissen Zeiträumen auch korrigiert werden (müssen).
Maisverstromung mit entsprechender Wärmenutzung ist jedenfalls (energetisch) sinnvoller als die (ebenfalls politisch gewollte) Biodieselproduktion aus Raps. Über Biodiesel regt sich komischerweise niemand der Obengenannten auf.
Das "Problem" ist meiner Ansicht nach folgendes: Als "normaler" Rohstofflieferant, ob nun Kartoffeln, Getreide, Schweine oder Biodiesel-Raps ist der Landwirt eben nur Rohstofflieferant, der beliebig ausgetauscht oder im Preis gedrückt werden kann.
Beim Biogas verarbeitet der Landwirt (unter erheblichem Kapital- u. persönlichem Einsatz und Risiko) den Rohstoff selbst und erhält dafür eine Marge/Entlohnung (sofern diese nicht von den Anlagenherstellern vorab "kassiert" wurde). Die Wertschöpfung, Gewerbesteuer etc. bleibt sogar in der Region/lokalen Wirtschaft und Kommunen und wandert nicht ab.
Die "Marge" wird anders verteilt, als gewohnt. Und es gibt für die Landwirtschaft eine Alternative zum bloßen Rohstofflieferanten. Das stört, und nichts anderes!
Der in dem Beitrag genannte Pommes Hersteller kann doch auch einfach mehr für die Kartoffeln bezahlen. Seine Bilanz würde dies durchaus zulassen. Dann können die Anbauer auch mehr Pacht bezahlen.(Ironie)
https://www.ebundesanzeiger.de/ebanzwww/wexsservlet?session.sessionid=39d90f95ff9f5d3168fef1e9fd0d1b98&page.navid=detailsearchlisttodetailsearchdetail&fts_search_list.selected=8ca580e3a68388df&fts_search_list.destHistoryId=60163
MfG
agriculus