Braugerste: Anbauflächen weiter rückläufig
Anbauflächen für Braugerste schrumpfen
Bild.de / dpa/lni, Hannover (14.01.10) - Der Anbau von Braugerste geht in Niedersachsen wie auch bundesweit weiter zurück. 2010 wird die Anbaufläche in Niedersachsen um etwa ein Fünftel auf 12 000 Hektar schrumpfen, teilte der Landesbauernverband am Donnerstag mit. Grund seien die oft geringen Preise für Braugerste bei gleichzeitig hohem Aufwand für die Landwirte etwa für die Bewässerung der Flächen.
Wie ein Sprecher des Deutschen Brauerbundes erklärte, könne ein Mangel an Braugerste in Zukunft zu Problemen führen, etwa wenn die Ernte schlecht ausfalle. Die Mälzereien könnten notfalls aber auch auf Braugerste aus Frankreich, Dänemark oder Australien zurückgreifen.
(Quelle: http://www.bild.de/regional/hannover/anbauflaechen-fuer-braugerste-schrumpfen-11119652.bild.html)
Wird die Braugerste zur Nischenkultur?
Manfred Schnorbach, Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz.
http://www.lwk-rlp.de (21.01.10) - Kurze Zeit vor der Aussaat wird bei den Landwirten in Rheinland-Pfalz das Thema "Braugerste" überwiegend mit negativen Vorzeichen diskutiert. Es muss mit einem Rückgang der Anbaufläche in den Höhengebieten um mindestens 20 Prozent gerechnet werden. Relativ stabil dürfte der Anbau dagegen in den südlichen Frühdruschgebieten bleiben. Insgesamt kann daher in Rheinland-Pfalz 2010 mit einer Braugerstenfläche von knapp 40.000 Hektar gerechnet werden, was etwa einer Halbierung der Anbaufläche seit 2003 entsprechen würde. Gewissheit über die wirkliche Entwicklung der Fläche wird es, wie in den vergangenen Jahren auch schon, erst kurz vor der Ernte der Kultur geben.
In Rheinland-Pfalz wurde über Jahrzehnte die Anbauplanung der Marktfruchtbetriebe vor allem in den Höhengebieten wesentlich von der Sommergerste bestimmt. In den letzten Jahren hat die Kultur, wie die Tabelle 1 (**) zeigt, vor allem zu Gunsten des Weizens an Bedeutung verloren, wenngleich auch beim Weizen das Preisniveau eher niedrig und die Volatilität des Preises dem der Braugerste vergleichbar war. Allerdings zeigt die Tabelle 2 (**), dass die Durchschnittserträge beim Weizen in den letzten Jahren, nach den Ergebnissen der Besonderen Ernteermittlung um 20 dt/ha höher lagen. Zusätzlich belasten, wie aus der Tabelle 3 (**) hervorgeht, die Marktwarenrisiken durch hohe Qualitätsansprüche bei Vollgerste und Eiweiß, die oft "vom Acker" nicht erreicht wurden, die Wettbewerbsposition der Braugerste. Mit Preisdifferenzen von 0,56 Euro/dt bei A-Weizen zur Freien Ware Braugerste und maximal 3,19 Euro zu B-Weizen zur Vertragsware Braugerste in den Extremen wird das Anbau- und Marktwarenrisiko trotz höherer variabler Kosten von etwa 100 Euro/ha beim Weizen offenbar nicht ausgeglichen.
Die Ungewissheit über die tatsächliche Entwicklung der Braugerstenflächen erschwert ganz erheblich Prognosen zur Entwicklung der Preise, die trotz aller Einflüsse von Spekulanten doch noch wesentlich an von den physischen Märkten, also dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage der Ware, bestimmt werden. Unstrittig ist allerdings, dass derzeit der Braugerstenmarkt analog dem gesamten Getreidemarkt bis weit in das Jahr 2010 hinein ausreichend mit qualitativ hochwertiger Ware Deutschland-, EU- und gar Weltweit versorgt ist. Demnach gelten eindeutig die Regeln eines Käufermarktes, die nicht gerade die Position der Anbauer stärken. Dennoch sollten die Landwirte, vor der Entscheidung für oder gegen den Braugerstenanbau, die derzeitigen, wenn auch nur vereinzelten Preissignale des Handels für Braugerste aus der Ernte 2010 für etwa 12 Euro/dt frei Handelslager in der Ernte und etwa 15 Euro/dt frei Handelslager im Januar 2011 vermarktet, prüfen und auf der Basis einer betriebsindividuellen Vollkostenrechnung bewerten.
Darüber hinaus sollten die Betriebsleiter die modernen Informationsquellen zur intensiven Marktbeobachtung nutzen und im engen Dialog mit dem Handelspartner ihre Vermarktungsstrategien angesichts nach wie vor großer Volatilität der Preise und tagesaktuellen Geboten abstimmen. Ein Verkauf in Teilmengen bietet dabei die Möglichkeit am Marktgeschehen teilzunehmen, aber auch Produktionskosten abzusichern und Liquidität zu erhalten. Angesichts des eindeutig bekundeten Interesses der Mälzer an heimischer Braugerste ist eine Anpassung der Produktion an den eher rückläufigen Bedarf zwar notwendig, ein Ausstieg aus dem Braugerstenanbau aber mittel- und langfristig gesehen, sicher nicht die richtige Entscheidung. Dies auch vor dem Hintergrund der Einschätzung von Marktbeobachtern und der Branche selbst, dass vor dem Hintergrund eines weiteren Deutschland- und EU-weiten Flächenrückgangs, sich die Preise bei der dann doch knappen Versorgung des Marktes mit Qualitätsbraugerste erholen und auf einem höheren Niveau festigen werden. Nach Einschätzung der Branche werden für die Preisfindung allerdings regionale Märkte keine Bedeutung mehr haben. Preisbestimmend sind wie bei Getreide allgemein und Raps auch die globalen Märkte.
Weiter sei noch vermerkt, dass Braugerste nicht nur für die Landwirte, sondern auch für den Handel eine schwierige Kultur ist. Im Gegensatz zum Weizen, der je nach Qualität und Preis in der Mühle, dem Kraftfutterwerk oder der Ethanolanlage seine Verwertung findet, ist Braugerste nur an Mälzereien und Brauereien zu verkaufen. Des Weiteren ist durch den erheblichen Strukturwandel in der Malzindustrie und Brauwirtschaft die Zahl der potenziellen Marktpartner mit der Folge einer größeren Marktmacht der Einzelnen, gegenüber dem Weizenmarkt deutlich reduziert. Hier ein Gegengewicht auf der Erzeuger- und Handelsseite über die Produktion großer sortenreiner Partien und die Bündelung der Ware aufzubauen, ist eine Herausforderung der Zukunft, auch für die Erzeugergemeinschaften, im Interesse der Stärkung des heimischen Braugerstenanbaus. Vor dem Hintergrund, dass Landwirte Produktionsalternativen haben, Mälzer und Brauer aber nur Gerste verarbeiten können, sollte dies auch gelingen.
Eine mittlerweile fest etablierte Alternative ist der Anbau von Silomais für Biogasanlagen, der nach vorsichtiger Schätzung durch weitere geplante Investitionen von Landwirten und Energieversorgern im Bereich Biogas 15. - 20.000 Hektar Anbaufläche, vor allem zu Lasten der Sommergerste über 20 Jahre binden wird.
Deutlich geringer, weil von den Standortansprüchen auf Höhenlagen bis etwa 200 m begrenzt, ist die zu erwartende Flächenkonkurrenz durch den Anbau von Hirse. Von ihr werden zumindest kurzfristig keine wesentlichen Einflüsse auf die Preisentwicklung bei Marktfrüchten allgemein und von Braugerste im Besonderen ausgehen. Gleiches gilt für Miscanthus, der als Dauerkultur ohnehin nur auf der Basis fester Abnahmeverträge wirtschaftlich angebaut werden kann. Vom Anbau von Miscanthus für den freien Markt muss derzeit noch unbedingt abgeraten werden, wenngleich sich, wenn auch nur regional eng begrenzt, ein Verwertungspotenzial zur energetischen Nutzung in Klein- und Großfeuerungsanlagen auftut. Erweitern wird sich dieser Markt aber nur, wenn sich Verfahren, wie etwa die mobile Pelletierung zur Aufbereitung des Erntegutes als gut handhab- und lagerbarer Brennstoff analog den Holzpellets wirtschaftlich darstellen lassen. Erste Ansätze in diese Richtung gibt es.
Dass der Hafer, der derzeit in Rheinland-Pfalz auf etwa 7.000 Hektar und die Erbse mit einer Anbaufläche von 900 Hektar in 2009 so deutlich ausgedehnt werden, dass von ihnen Preissignale auf den Braugerstenmarkt und Einflüsse auf die Anbaufläche ausgehen, ist eher unwahrscheinlich, wenngleich die Hafermühlen im Getreidenährmittelverband dem Haferanbau neue Impulse geben wollen. Mit Durchschnittserträgen von 70 dt/ha, der Verrechnungssorten im Mittel der Jahre 2005 bis 2009 der Landessortenversuche ist die Kultur pflanzenbaulich durchaus interessant. Mit 42,8 dt/ha werden diese Erträge allerdings nach den Ermittlungen des Statistischen Landesamtes in Bad Ems in der Praxis nicht erreicht. Hohe Marktleistungen werden aber nur bei entsprechenden Erträgen, Qualitäten und Preisen, die über einen Vertragsanbau abgesichert werden sollten, erzielt. Daher ist der Haferanbau, derzeit in Rheinland-Pfalz etwas für Spezialisten und in seiner Anbaufläche eher rückläufig.
Wenngleich für die Vermarktung oder die Verwertung von Körnererbsen im eigenen Betrieb in Rheinland-Pfalz durchaus ein Potenzial besteht, ist ihr Anbau von 2.200 Hektar 2005 auf 900 Hektar 2009 kontinuierlich zurückgegangen. Die Ursache hierfür liegt sicher auch in den je nach Witterungsverhältnissen in der Vegetation und zur Zeit der Ernte doch sehr stark schwankenden eingefahrenen Erträgen, die in der Praxis oft unter 40 dt/ha liegen. Wirtschaftlich und wettbewerbsfähig ist der Anbau von Körnererbsen bei den derzeitigen Preisen aber nur bei Erträgen von über 40 dt/ha, die in den letzten drei Jahren im Versuchswesen auch erreicht und übertroffen wurden. Nicht verkannt werden darf allerdings ihr Vorfruchtwert mit dem Einfluss auf den Ertrag der Folgekultur. Nach einem Fruchtfolgeversuch der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz lag der Mehrertrag von Weizen nach Körnererbsen etwa 8 dt/ha höher, wie bei Weizen nach Raps, was die Wettbewerbsposition der Kultur etwas verbessert.
Insgesamt bleibt festzustellen, dass eigentlich nur der Energiepflanzenanbau, bei den Sommerungen noch erweitert um die Nutzung von Wintergetreide als Ganzpflanzensilage, in einem Zeitfenster von zwanzig Jahren eine feste Flächengröße darstellt, die nicht von den Preisentwicklungen am Getreidemarkt bestimmt wird, eine echte Konkurrenz zur Braugerste ist. Die anderen beschriebenen Kulturen sind da eher Nischenkulturen mit geringeren Auswirkungen. Dennoch sollten in der gesamten Wertschöpfungskette größte Anstrengungen unternommen werden, damit die Braugerste im Braugerstenland Rheinland-Pfalz nicht zu einer Nischenkultur wird.
(Quelle: http://www.lwk-rlp.de/layouts/landwirtschaft/content.jsp?jsessionid=C0711E3BD132A2917A4AD20850FF378A&kontext=Kontext_13&auswahl=6713&publicationlanguage=de)
Die im Text genannten Tabellen erhalten Sie per Klick auf den Link !
Gegen den Abwärtstrend - Flächenrückgang lässt ab 2011 wieder besser Preise erwarten
BauernZeitung.at / F.G. (23.02.10) - Für den einen wird "regionale Wertschöpfung, besonders in Zeiten der Krise, immer wichtiger".
(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.bauernzeitung.at/?id=2500%2C69550%2C2158%2C1018%2CaW5saW5lbW9kZT1wcmludA%3D%3D)
Bis zu 330 Euro je Tonne konnte für Braugerste in der Terminbörse Hannover erzielt werden