Richard Ebert
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Braugerste: Äusserst knappes Angebot

Agrarheute.com / pd, Hannover (22.01.08) - Weltweit steigt der Bierverbrauch, aber Braugerste ist in dieser Saison äußerst knapp. Mälzereien müssen deshalb Kompromisse bei Vollgersteanteil, Proteingehalt und Keimfähigkeit bis hin zur Sortenfrage machen.

Dies werde laut einer Pressemeldung der niedersächsischen Landwirtschaftskammer zumindest bis zur nächsten Ernte so bleiben. In der Europäischen Union gebe es im laufenden Wirtschaftsjahr ein geschätztes Defizit von mindestens 1 Mio. t Braugerste. Der größte Teil davon entfalle mit etwa 800.000 t auf Deutschland. Braugerste in einwandfreier Qualität aus der Ernte 2007 sei kaum noch zu beschaffen. Nominelle Preise frei Mälzerei lagen Ende Dezember bei 330 - 335 €/t und zum Teil auch noch höher. Derzeit sei nicht erkennbar, woher eine rasch wirkende Entspannung kommen sollte. Der Weltmarkt sei ebenso unterversorgt, wie der europäische Binnenmarkt und auf der Südhalbkugel gebe es wieder keine gute Ernte.

Für den Anbau von Sommergetreide dürfte etwas mehr Fläche als im vergangenen Jahr zur Verfügung stehen. Auf Grund der derzeit ableitbaren Preiserwartung von etwa 200 €/t frei Lager zur Ernte 2008 könnte Sommerweizen an manchen Standorten zum Zuge kommen. Häufiger und insbesondere in Lagen, die auch im Februar/März noch nicht gut befahrbar sind, dürfte die Wahl aber eher auf Mais fallen. Futtergerste sei nach wie vor recht knapp und werde zum Teil noch immer etwas höher als Futterweizen gehandelt. Ob das ausreiche, sich für Sommergerste und gegen Sommerweizen oder Körnermais zu entscheiden, sei dennoch fraglich. Zur Lieferung im September 2008 wurde für Gerste in der zweiten Dezemberhälfte 197 €/t franko Hamburg notiert. Daraus würden Erzeugerpreise frei Lager von ca. 180 - 190 €/t resultieren. Dabei handele es sich allerdings lediglich um Kaufangebote, nicht um getätigte Geschäfte.

Braugerste ex Ernte 2008 wurde im Dezember am Oberrhein zu 300 €/t frei Mälzerei gehandelt. In Norddeutschland war für Braugerste ein möglicher Ernte-Erzeugerpreis von 250 - 260 €/t frei Lager (Zahlungsziel 1. Oktober) im Gespräch. Damit würde Braugerste einen Aufpreis gegenüber Futtergerste erzielen, wie es ihn in Vorverträgen schon lange nicht mehr gegeben habe. Um mit Körnermais gleichzuziehen, müsste Sommergerste aber schon mindestens 245 €/t ohne Mwst bringen, wenn mit Erträgen von 80 dt/ha für Körnermais, 50 dt/ha für Sommergerste, einem Preis für trockenen Mais von 200 €/t und variablen Kosten von 930 €/ha (Mais, einschl. Trocknung bei 30%) bzw. 550 €/ha (Sommergerste) gerechnet werde. Um dem bei Braugerste wesentlich höheren Qualitätsrisiko Rechnung zu tragen, müsse in einer Kalkulation aber davon ausgegangen werden, dass der Ertrag vielleicht nur zu 75 Prozent als Braugerste vermarktet werden könne und zu 25 Prozent als Futtergerste. Folglich wäre aus heutiger Sicht erst ab einem Braugerste-Erzeugerpreis zur Ernte 2008 von mehr als 260 €/t nach einer Reihe von Jahren mit ständig rückläufiger Entwicklung endlich wieder mit einer zunehmenden Braugerstefläche zu rechnen. Dann käme auch eine frühzeitige Kontrahierung ernsthaft in Betracht.

(Quelle: http://agrarheute.com/index.php?redid=202738)

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Geschrieben von Richard Ebert am
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