Braugerste: Drastischer Einbruch des Anbaus wegen tiefer Preise
Immer weniger Bauern bauen Braugerste an
Wochenblatt-dlv.de / pd, München (23.04.10) – „Wenn sich das Bild aus den Umfragen bestätigt, sinkt der Braugerstenanbau in Bayern in diesem Jahr auf 100 000 bis 105 000 Hektar und somit auf ein nie da gewesenes Tief“, sagt Leonhard Keller, Vorsitzender der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Qualitätsgetreide in Bayern e.V. anlässlich des Tag des Bieres am 23. April 2010.
Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Rückgang von 15 bis 20 Prozent. 2009 hatten die bayerischen Landwirte noch 125.500 Hektar mit Braugerste bestellt. Im Jahr zuvor waren es noch 148.100 Hektar. Auch in ganz Deutschland und Europa ist der Anbau von Braugerste rückläufig. In der Anbaustatistik spiegelt sich die Entwicklung des Braugerstenpreises wider. Dieser sank innerhalb von nur zwei Jahren von 25 Euro je 100 Kilogramm auf aktuell knapp 10 Euro. Dies sei auch für Keller der Hauptgrund für den massiven Rückgang der Anbauflächen.
„Bei einem Erzeugerpreisen von 10,30 Euro je Dezitonne ist eine kostendeckende Braugerstenproduktion in unseren Breiten nicht möglich“, so der Getreidepräsident im Bayerischen Bauernverband. „Nicht einmal die variablen Kosten für Dünger, Saatgut, Pflanzenschutz, Kraftstoff und Ernte werden gedeckt, ganz zu schweigen von den festen Ausgaben für Maschinen, Getreidelager und Pachten.“ Deshalb sei es nicht verwunderlich, dass immer mehr Landwirte sich von der Braugerstenproduktion abwenden.
Neben den Erlösen sieht Keller bei vielen Landwirten noch einen weiteren Grund für den Ausstieg aus der Braugerstenproduktion: „ Im Vergleich zur Produktion von Brotweizen oder Biomasse für energetische Nutzung ist die Erzeugung von Braugerste mit einem höheren Anbaurisiko behaftet. Zudem sind die Erträge je Hektar gering und die Qualitätsanforderungen von Seiten der Mälzerein und Brauerein sehr hoch.“
Nach dem Rekordpreishoch im Jahr 2007 mit über 30 Euro je 100 Kilogramm war das Interesse groß, regionale Wertschöpfungsketten aufzubauen, berichtet Keller. „Die gesamte Kette vom Erzeuger, über Genossenschaften und Landhandel bis zur Mälzerei und Brauerei hat es nicht geschafft, langfristige Partnerschaften zu bilden.“
(Quelle: http://wochenblatt.agrarheute.com/index.php?redid=335514 )