Richard Ebert
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° Weitreichende Entscheidungen an den Getreidemärkten

Die Getreidemärkte steuern auf weitreichende Entscheidungen zu / Neue Zahlen des IGC

(30.05.2003) Die Märkte für Nahrungs- und für Futtergetreide befinden sich in einem Übergangsstadium. Auf der nördlichen Halbkugel werden die Winterernten eingebracht, und die Sommerernten sind im wesentlichen im Boden. Die Märkte konzentrieren sich nun auf die Gefahren, die während des Sommers noch drohen. Diese sind abstrakt. Überlegungen und Mutmaßungen über sie haben daher einen eindeutig spekulativen Charakter. Und das prägt das Tagesgeschehen besonders an den einschlägigen Terminbörsen.

Konkreter sind da schon die statistischen Grundzüge für die jeweiligen Erntejahre 2003/04. Fest steht, dass den neuen Ernten auf der nördlichen Halbkugel nichts zustoßen darf, wenn die Versorgung zu einigermaßen stabilen Preisen gewährleistet werden soll. Die Risiken rechtfertigen daher eine Risikoprämie.

Von großer Bedeutung ist wie immer das Verhalten der Großspekulation in Form der Termin- und Hedge-Fonds. Die Zahlen über die Aufteilung der offenen Terminpositionen auf die einzelnen Gruppen von Marktteilnehmern verrät zweifelsfrei, dass die Fonds als große Gruppe die Versorgungsrisiken sehr wohl sehen. Sie befinden sich in erheblichem Umfang auf der Kaufseite und haben somit für Risikoprämien in den herrschenden Preisen gesorgt. Dies gilt besonders für Mais in Chikago.

Sollten die Fonds in den nächsten Wochen zu der Erkenntnis gelangen, dass die Prämien überzogen hoch oder sogar überflüssig sind, drohen nicht nur eine massive Liquidationswelle, sondern auch neue Engagements auf der Baisse-Seite.

Doch deutlich sinkende Preise besonders für Weizen und Mais würden die strukturellen Probleme dieser Märkte nicht nur nicht lösen, sondern zeitlich hinausschieben und verschärfen. Die Erzeuger würden dann in vielen Ländern keinen Anreiz mehr sehen, ihre Produktion 2004/05 möglichst stark zu steigern.

Zuerst wäre dies an den Anbauplänen für die kommenden Winterernten zu spüren. Die Produktionsdefizite, die vor allem bei Weizen bereits chronischen Charakter angenommen haben, würden die Welt auf unabsehbare Zeit hart am Rand von Versorgungskrisen halten. Irgendwann dürfte dann in einem bedeutenden Erzeugerland wieder einmal ein Erntedesaster eintreten, das die Preise dann in heute unvorstellbare Höhen katapultieren könnte.

Doch zurück zum aktuellen Geschehen. Der Internationale Getreiderat (IGC) hat am Donnerstag neue Bilanzen vorgelegt. Er schätzt, dass die Weltproduktion von Weizen in der neuen Saison 2003/04 (Juli/Juni) gegenüber der auslaufenden von 566 Millionen Tonnen auf 582 Millionen Tonnen steigt. Ende April hatte er für das neue Erntejahr noch einen Ertrag von 590 Millionen Tonnen vorausgesagt. Der Weltverbrauch soll von 602 Millionen Tonnen auf 599 Millionen Tonnen sinken. Daraus ergibt sich ein Rückgang des Weltbestands von 158 Millionen Tonnen auf 140 Millionen Tonnen.

Der Rat hat auch seine erste umfassende Prognose für Futtergetreide in der neuen Saison 2003/04 (Oktober/September) vorgelegt. Die Weltproduktion soll von 867 Millionen Tonnen auf 922 Millionen Tonnen zunehmen. Der Verbrauch dürfte nach den Erkenntnissen des IGC von 900 Millionen Tonnen auf 922 Millionen Tonnen wachsen. Er erwartet, dass sich der Weltvorrat in der neuen Saison bei 152 Millionen Tonnen hält.

Besonders bei Weizen bestehen gravierende Differenzen zwischen den Produktionsprognosen des IGC und des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA). Dies ändert aber grundsätzlich nichts an der angespannten statistischen Situation.

(Quelle: Arnd Hildebrandt, Taurosweb)

Geschrieben von Richard Ebert am
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