Die Rolle der Spekulanten an den Rohstoffmärkten
Von Heuschrecken und Schmiermitteln
Von Dr. Beatrice Brandenberg
Neue Zürcher Zeitung, NZZ (14.03.11) - Agrarrohstoff-Spekulanten leiden völlig zu Unrecht unter einem zweifelhaften Ruf. Sie stehen oft in der Kritik, wenn die Preise von Agrarrohstoffen steigen. Dabei sind sie ein unerlässliches Schmiermittel an den Börsen.
(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.nzz.ch/finanzen/nachrichten/von_heuschrecken_und_schmiermitteln_1.9883455.html)
Auch diese Rolle der Spekulanten darf man nicht vergessen. Aber so weit ich weiß ist ja Bunge kein Spekulant.
Damit wäre man wieder bei der Frage ab wann Bona fide-Hedger Spekulanten sind.
CFTC sanctions Bunge for distorting soybean price
The U.S. Commodity Futures Trading Commission (CFTC) today filed and simultaneously settled charges against Bunge Global Markets, Inc. (Bunge) of White Plains, N.Y., for entering orders to purchase or sell soybean futures contracts in pre-opening trading sessions on Globex that Bunge had no intention of having executed. These orders caused prices to be reported that were not true and bona fide.
aus:
http://www.futuresmag.com/News/2011/3/Pages/CFTC-sanctions-Bunge-for-distorting-soybean-price.aspx
@ peterg [#2]
CFTC Sanctions Bunge Global Markets, Inc. $550,000 for Entering Pre-Market Soybean Futures Orders on Globex that Caused Non-Bona Fide Prices to be Reported - Bunge’s orders distorted Globex’s Indicative Opening Price for soybean futures contracts
CFTC, Washington DC (22.03.11) – The U.S. Commodity Futures Trading Commission (CFTC) today filed and simultaneously settled charges against Bunge Global Markets, Inc. (Bunge) of White Plains, N.Y., for entering orders to purchase or sell soybean futures contracts in pre-opening trading sessions on Globex that Bunge had no intention of having executed. These orders caused prices to be reported that were not true and bona fide. The soybean futures orders also constituted false, misleading or knowingly inaccurate reports concerning soybean market information that affected or tended to affect the price of soybeans, in violation of the Commodity Exchange Act, the order finds.
The CFTC order requires Bunge to pay a $ 550,000 civil monetary penalty and to cease and desist from future violations.
Specifically, the CFTC order finds that in March 2009, two of Bunge’s proprietary traders (and employees) entered electronic orders for Chicago Board of Trade soybean futures contracts on Globex, the CME Group, Inc.’s (CME) electronic trading platform, during Globex’s pre-opening session. These soybean futures orders would become executable on the open. The purpose of the pre-opening session is to help determine at what price the market will open for the day’s trading session, according to the CFTC order.
The Bunge traders entered the orders for the sole purpose of determining the depth of support for soybean futures at specific price levels before the market opened, the order finds. The order specifically finds that the traders had no intention of buying or selling the quantities of soybean futures in the orders and ultimately cancelled them prior to the open, before they could be executed.
Nevertheless, the orders caused the recording of non-bona fide prices and caused significant distortion in Globex’s Indicative Opening Price (IOP) — the price at which the futures contract is expected to trade at the opening of trading — for the May 2009 soybean contract during the pre-opening session, according to the CFTC order. The CME sends IOP information to Globex users and the CME market data feed, after which it is available to publishers of financial data, who disseminate the IOP information to the general public.
The Bunge traders sought to gain an advantage over other traders, the order finds. By entering orders at prices that were above or below the prevailing bid and offer, they were able to move the IOP up or down, and in essence they were trying to see what orders other traders had, the order finds. Thus, if successful, the Bunge traders would have information that was unavailable to other traders, according to the order.
CFTC Division of Enforcement staff responsible for this matter are David Terrell, Elizabeth M. Streit, Scott R. Williamson, Rosemary Hollinger and Richard Wagner.
(Quelle: http://www.cftc.gov/PressRoom/PressReleases/pr6007-11.html )
Eine öffentliche Anhörung bezüglich Überlegungen zur Eindämmung exzessiver Spekulation durch die CFTC sollte demnächst enden.
http://www.reuters.com/article/2011/03/28/us-financial-regulation-limits-idUSTRE72R5HN20110328
Nun bringen sich die Großen (PIMCO, World Gold Council, Goldman Sachs, etc.) in Stellung um ein Limit der gehaltenen Positionen zu verhindern.
Hier einige Stellungnahmen:
http://www.zerohedge.com/article/cftc-position-limit-response-period-over-here-are-select-opinions-pimco-world-gold-council-a
Amüsant ist, dass einer der größten "Commodity Market Participants" Delta Airline ist. Die müssen wirklich sehr viel Kerosinbedarf haben, der gehedgt werden muss. (Das erinnert ja fast ein bißchen daran, wer in Deutschland die meisten EU-Agrarsubventionen bekommt. War da nicht auch Lufthansa auf der Liste ?)
Und ausgerechnet Firmen wie Cargill monieren wieder einmal, dass die Liquidität eintrocknen würde, wenn Positionslimits festgelegt würden. Also ausgerechnet eine der Agrarfirmen, welche in großem Maße nicht nur als Hedger sondern auch als Spekulant (ohne Limits) tätig ist.
In jedem Fall sollte man diese Entwicklung im Auge behalten.
Sollte ein Positionslimit näher rücken (was ich mir nicht vorstellen kann), wäre das m. E. mit einem kurzfristige und kräftigen Rückgang des Kontraktbestandes und der Kurse verbunden.
@ peterg [#4]
Sollte ein Positionslimit näher rücken
Nach meiner Kenntnis gab und gibt es schon Jahrzehnte Positionslimits, zumindest außerhalb der Hedger. Habe ich da Informationen überlesen ?
Schöne Grüsse, Richard Ebert
@ Richard Ebert [#5]
Finanzinstitute wie Goldman Sachs (Index-Fonds), werden ebenfalls als Bona Fide-Hedger geführt, mit der Erklärung, dass diese ja ihr finanzielles Risiko (aufgrund ihrer Finanzprodukte z. B. auf den GSCI) hedgen.
http://www.cmegroup.com/trading/agricultural/files/Spec_Limits_and_Hedge_Fund_Exemptions_070708.pdf
zum Thema sehr lesenswert:
Eine Analyse der Bank of Japan zum Thema:
"Recent Surge in Global Commodity Prices"
http://www.docstoc.com/docs/75110841/Impact-of-financialization-of-commodities-and-globally-accommodative-monetary-conditions
@ peterg [#4]
Amüsant ist, dass einer der größten "Commodity Market Participants" Delta Airline ist. Die müssen wirklich sehr viel Kerosinbedarf haben, der gehedgt werden muss. (Das erinnert ja fast ein bißchen daran, wer in Deutschland die meisten EU-Agrarsubventionen bekommt. War da nicht auch Lufthansa auf der Liste ?)
Ich habe noch nie verstanden, dass die Gesellschaften wegen steigender Kerosinpreise Aufschläge von den Kunden verlangen. Die sichern sich doch alle dagegen ab. Sind das nur willkommene Zusatzeinnahmen mit einem fadenscheinigen Argument?
@ gautama2 [#8]
Das liegt daran, dass die zu Wiederbeschaffungspreisen kalkulieren.
MfG
Geno-Bauer
@ peterg [#7]
Ich finde es lesenswert, wie "Realzins minus Wachstumsrate = Zinslücke" die Rohstoffe als Investment erklären. Speziell in den asiatischen Volkswirtschaften mit fast 2stelligen Inflationsraten erklärt das sehr schön den massiven Ansturm auf Waren incl. Gold+ Silber als Investment. Da stören dann auch nicht mehr die Cost of carry meint SPOMI.
@ Geno-Bauer [#9]
Wenn ich mich gegen steigende Preise absichere, dann ist es egal wie hoch der Wiederbeschaffungspreis ist. Oder was meinst du genau?
@ gautama2 [#11]
Das würde ich nicht sagen, denn:
1. Ist es immer die Frage für welche Zeiträume ich mich absichern will
2. Wann die Entscheidung zur Absicherung gefällt wird.
Mal angenommen, und ich schätze davon gehst Du aus, die Airline macht immer ein Jahr im voraus ihren Preis an der Börse fest, und der Preis steigt in der Folge an. Dann hat das für den aktuellen Einkaufspreis bedingt durch das Absicherungsgeschäft im Zeitpunkt des Verbrauchs keine Auswirkungen, weil es ja schon ein Jahr vor getätigt wurde. Gleichzeitig haben aber die Terminkurse(Lieferung in einem Jahr) ebenfalls angezogen. Diesen Kräften kann sich die Airline nicht entziehen (vereinfacht dargestellt). Das heißt, sie wird den Sprit im Zeitpunkt des Verbrauches in einem Jahr definitiv teurer eingekauft (Ergebnis aus Termin- und Kassageschäft) haben, als zum jetzigen Zeitpunkt. Deshalb wird sie versuchen die gestiegenen Spritpreise auch aktuell weiterzugeben. Sie wird es auch schaffen, wenn alle anderen Airlines ein ähnliches Einkaufsverhalten an den Tag legen, und deshalb die Preise ebenfalls anheben. Dem könnten sie nur entgehen in dem sie den Zeitpunkt verändern, an dem sie die Entscheidung über die Absicherung treffen, in der Hoffnung dass die Terminkurs bis zu diesem Zeitpunkt wieder sinken.
Ich hoffe es ist einigermaßen klargeworden.
MFG
Geno-Bauer
@ Geno-Bauer [#12]
Ja ich glaub ich weiß was du meinst.
Wenn ich am Ende meiner Absicherungszeit neu plane, und die Preise sind weiter gestiegen, dann muss ich diesen neuen Preis absichern und auch die Ticketpreise entsprechend anheben.
@ gautama2 [#13]
Viele Firmen sind im Hedgeing stark engagiert, nach der Regel je grösser der Konzern desto mehr Absicherung. Bei Mittelständlern ist das nicht so üblich.
Abgesichert werden kann sehr vielfältig und wird stark genützt. : Wechselkursschwankungen, Wareneingangspreise ( öl), Zinsänderungsrisken, Umsatz, Gewinn, cashflow, ein oder mehrere Kalenderjahre. Das Ausmass dieser Aktivitäten kann man in den jeweiligen Konzernberichten (Daxunternehmen) feststellen. Da kommen schnell sehr grosse Summen ins Spiel. Manchmal scheints mir als ob das alles schon Hedgefonds mit angeschlossener Industrie sind. Der Absicherungsbedarf nimmt stark zu aufgrund massiver Kursschwankungen. Ursache sind die Anforderungen der Investoren möglichst kontinuierlich steigende Ergebnisse auszuweisen. Es wandert das Risiko von Aktieninvestoren zu grossen und kleinen Spekulanten an den Futures und swap Märkten. Grüsse SPOMI
@ gautama2 [#13]
Genauso habe ich es gemeint.
@ SPOMI [#14]
Wenn ich als Landwirt meinen Dieselpreis sichern will, dann geht das nur, wenn ich einen Verbrauch von ca 1.000.000 Liter im Jahr habe, was einer Fläche von ca. 10.000 ha entspricht - dann aber nur als Termingeschäft mit dem Dieselhändler (ARAL oder TOTAL)- ansonsteen gibt es immer nur Tagespreise. Oder gibts noch einen anderen Weg kleinere Mengen abzusichern.
Mfg
Geno-Bauer
@ Geno-Bauer [#15]
Also es gibt einen heating oil Future der erheblich kleiner ist.
Da gilt zwar Lieferort USA aber ich denke der wird sehr ähnlich verlaufen wie der hiesige Dieselpreis
Grüsse
@ autokor [#16]
zuzüglich Absicherung Fremdwährungsrisiko ?
@ Geno-Bauer [#17]
ja das Fremdwährungsrisiko muss noch selbst gesichert werden - z.b. einmal im Monat anpassen.
Das ist der http://www.cmegroup.com/trading/energy/refined-products/heating-oil.html (Heizöl)
Grüße
@ SPOMI [#14]
Ja, aber was bedeutet das, wenn sagen wir, Porsche, Bunge, (Ratiopharm?), etc. mehr Gewinn mit Finanztransaktionen macht als mit dem Kerngeschäft ?
Zumindest bedeutet das, dass eine Unterscheidung zwischen Commercials und Spekulanten zunehmend schwieriger wird. D. h. die bekannten Überlegungen und Verfahren zur Beurteilung ob exzessive Spekulation am Markt herrscht liefern keine brauchbaren Ergebnisse mehr und man muss tatsächlich annehmen, dass Spekulationsgeschäfte (von allen Seiten) Kursexzesse auslösen.
Damit wäre man dann wieder bei der Frage wer ist ab wann ein exzessiver Spekulant.
Für Commercials würde ich zumindest sagen, wenn deren Engagement auf Finanzmärkten ihr eigentliches Interesse am Rohstoff übersteigt.
Und hier (also auch bei den Commercials) könnten dann vielleicht Limits Sinn machen.
@ Geno-Bauer [#15]
So eine Frage haben wir irgendwo hier schon mal diskutiert.
Ich finde jetzt bloß die Stelle nicht mehr.
Es gibt viele Möglichkeiten:
-Futures
-Optionen
-ETF´s, Zertifikate
-Öltank im Garten
Aber es bleibt dann immer noch das Problem des Rollverlustes/Gewinns, Kommissionen, Kosten des Öltanks und das Problem der Basis. Genau wie bei der Absicherung von Getreide.
@ peterg [#19]
Meine Erfahrung über die Jahre beim Studieren der Bilanzen ist, dass die Hedgeaktivitäten zugenommen haben. Gerade in Branchen deren input oder ouptput Preise sich stark korreliert an den jeweiligen Börsenpreisen orientieren. Es ist heute eine übliche Praxis von Zins über Wechselkurs bis Einkaufspreis etc. mehrperiodig abzusichern. Das ist eine neue Tatsache an den Märkten. Der Kreis der (un)erfahrenen Teilnehmer steigt. Für mich war es schon immer rätselhaft, warum zwischen Spekulanten und hedgern unterschieden wird. Jedem Geschäft liegt eine Annahme über zukünftige Ereignise zugrunde, ergo Spekulation.
ad Geno Bauer: autokor und pullpush haben es schon schneller als ich erwähnt. Den heating oil future an der NYMEX (cmegroup) mit 42.000 us gallons heranziehen. Ob dieser future als proxy hedge zu verwenden ist, müsste getestet werden. Fürs erste dürfte es reichen, beide charts zu vergleichen. Grüsse SPOMI
@ SPOMI [#20]
Für mich war es schon immer rätselhaft, warum zwischen Spekulanten und hedgern unterschieden wird. Jedem Geschäft liegt eine Annahme über zukünftige Ereignise zugrunde, ergo Spekulation
.... und etwas anzubauen in der Hoffnung, dass einer einem das schon abnehmen wird, ist auch Spekulation :-).
@ SPOMI [#20]
@ peterg [#19]
@ pullPUSH [#18]
@ autokor [#16]
Vielen Dank erstmal für die Hinweise. Ich muss mir das erstmal in Ruhe zu Gemüte führen.
MfG
Geno-Bauer
aus:
"Glencore reveals bet on grain price rise"
http://www.ft.com/cms/s/aea76c56-6ea5-11e0-a13b-00144feabdc0,dwp_uuid=9ff9d7a4-506d-11da-bbd7-0000779e2340,print=yes.html
...
Earnings before interest and tax at Glencore’s agricultural division more than doubled to $659m last year, according to figures provided to analysts. Other top trading houses, including Cargill, benefited from the supply disruption in Russian wheat, but some, such as Archer Daniels Midland, suffered.
Glencore has stressed it rarely makes proprietary trades on the direction of commodity prices. It said profits from such activities account for a “substantial minority” of the profitability of its trading business. However, the company has not provided details of the split of earnings between its day-to-day arbitrage trading activities and its more rare speculative, or proprietary, trading positions, analysts said.
...
@ Geno-Bauer [#21]
".... und etwas anzubauen in der Hoffnung, dass einer einem das schon abnehmen wird, ist auch Spekulation :-)."
Und damit ist der Hedge selbst ja auch Spekulation und führt das ganze Spiel ad absurdum.
Siehe:
@ Geno-Bauer [#12]
"Mal angenommen, und ich schätze davon gehst Du aus, die Airline macht immer ein Jahr im voraus ihren Preis an der Börse fest, und der Preis steigt in der Folge an. Dann hat das für den aktuellen Einkaufspreis bedingt durch das Absicherungsgeschäft im Zeitpunkt des Verbrauchs keine Auswirkungen, weil es ja schon ein Jahr vor getätigt wurde. Gleichzeitig haben aber die Terminkurse(Lieferung in einem Jahr) ebenfalls angezogen."
Und wenn der Preis gefallen wären, dann wären durch den Hedge Verluste angefallen.
Mit Hedging verschiebt man doch das Problem von steigenden Preisen auch nur in die Zukunft.
Wie machen die das in der Praxis? Mehr kaufen, wenn der Preis unter Durchschnitt ist und wenig, wenn er über dem Durchschnitt liegt? Wenn er dann weiter und weiter steigt, hat man wieder mal Pech gehabt und muss dann teuer einkaufen, weil man knapp über Durchschnitt nur wenig gekauft hat...?
Schlussendlich macht dann die Firma Gewinne/Verluste wegen ihrer Hedges und nicht wegen ihres Kerngeschäftes...?
@ AAA [#23]
Vor dem Hedge kommt die Kalkulation. Und wenn man seine Kalkulation gut gemacht hat, bleibt als größtes Risiko die Preisveränderung der Rohstoffe. Und dieses Risiko hedget man ab. Kein Gewinn und kein Verlust. Nur eine feste Kalkulationsgröße.
@ Geno-Bauer [#15]
Es gibt mindestens zwei sinnvolle Möglichkeiten, sich den Dieselbedarf abzusichern:
1.) Ein Dieselzertifikat der Bayrischen Landesbank
2.) Einen Heating Oil Future
mfg
MZI
zu
"...Und damit ist der Hedge selbst ja auch Spekulation und führt das ganze Spiel ad absurdum."
"The violence of the fluctuations which normally affect the price of many individual commodities shows what a great risk the short-period speculator in commodities runs, for which he requires to be remunerated on the corresponding scale"
M. Keynes (1935)
Die klassische Lehrmeinung geht ja so:
Hedger d. h. Hersteller,Verbraucher, etc. mit konkretem Interesse an einer Ware versichern sich auf dem Terminmarkt gegen Risiko von Preisschwankungen und zahlen dafür eine Prämie.
Spekulanten ohne Absicht im physischen Markt, sind bereit dieses Risiko zu übernehmen und erhalten dafür eine Risikoprämie.
Nun ist es normalerweise so, dass Spekulanten (an der CBOT) nur eine bestimmte Anzahl an Kontrakten maximal halten dürfen.
Eine Ausnahme nicht nur im Agrarsektor stellen Finanzdienstleister (Index-Fonds, SWAP-Dealer wie z. B. Goldman Sachs) dar. Diese wird mit dem Argument begründet, dass auch hier ein Risiko (durch das Finanzprodukt) abgesichert wird. Diese Finanzbranche hat aber in den letzten 10-15 Jahren extrem Zuwachs gehabt.
Bislang wurde international bei verschiedenen Gelegenheiten teils sehr hitzig darüber diskutiert, ob hier bei dieser Gruppe Restriktionen (Begrenzung der Positionsgrößen) festgelegt werden sollten.
Was aber, soweit ich zumindest lese, bislang noch wenig diskutiert wird, ist die Rolle von großen kommerziellen Agrar- oder Rohstofffirmen, (Glencore, Bunge, ADM, etc.) welche bekanntermaßen ohne Limite handeln können, als Spekulanten.
Wenn derartige Spekulationen in großem Stil betrieben werden, müsste z. B. der COT-Bericht ganz anders interpretiert werden.
Gerade dieses Thema (Auftreten von Agrarfirmen als Spekulanten ohne Absicht einer Risikoabsicherung bzw. konkretem Interesse an der Ware bei speziellen Termingeschäften) interessiert mich sehr.
Hat jemand dazu vielleicht fundierte Informationen ?
PS.
Übrigens trotz Absicherung des Hedgers auf dem Terminmarkt trägt er immer noch ein bestimmtes Risiko, unabhängig davon ob er Heating oil Futures oder anderes kauft/verkauft. Da kann er noch so gut kalkulieren. Nämlich das Risiko der Basis. D. h. Die Differenz zwischen Future und lokalem Barpreis der Ware vor Ort.
@ tantan [#24]
"Vor dem Hedge kommt die Kalkulation. Und wenn man seine Kalkulation gut gemacht hat, bleibt als größtes Risiko die Preisveränderung der Rohstoffe."
Wenn nun ein Agrarwirt seine "Jahreskalkulation" macht und "Diesel" ist sehr teuer, nach welchen Überlegungen hedged er dann, oder hedged er unter Umständen gar nicht? Wenn Diesel teuer ist geht er sicher nicht mit seinem Jahresbedarf an der Börse LONG. Wenn für ihn die "Wahrscheinlichkeit" besteht, dass es eigentlich nur noch billiger werden kann? Oder geht er dann Short? Das wäre dann wohl ganz offensichtlich Spekulation.
Ich meine eben, wenn er seine Kalkulation macht, spekuliert er ganz generell über den zukünftigen Preis des Diesel, oder nicht?
@ AAA [#27]
>Ich meine eben, wenn er seine Kalkulation macht, spekuliert er ganz generell über den zukünftigen Preis des Diesel, oder nicht?
Hmm, etwas Spekulation ist meistens drin. Aber wenn man er zum Beispiel long gehen würde, obwohl er an fallenden Preise glaubt, das aber macht um seine Maximalkosten zu begrenzen, dann ist das schon eher Hedging als Spekulation. Und Eventuell kann es ja, sowohl die Kosten (Diesel) als auch Verkaufspreise (Weizen) festzurren. Dann hat er eine stabile Calculation (noch ne Otpion gegen Hagel und ne Versicherung gegen Getreidefäule...)
@ sbendel [#28]
"...obwohl er an fallenden Preise glaubt, das aber macht um seine Maximalkosten zu begrenzen, dann ist das schon eher Hedging als Spekulation."
Ja, so ist das verständlich.
Aber wie macht das der Agrar-Spezie in der Praxis? Angenommen er braucht p.a. 1mio Liter Diesel, geht er dann in einem Kontrakt, mit Fälligkeit in einem Jahr Long? Nehmen wir an Diesel ist grad sehr teuer! Übers Jahr geht der Preis nach unten... was macht er dann mit den Kontrakten? An besten wäre wohl, die Kontrakte hätten eine Größe, die seinem Privattank entspricht und immer wenn er den Tank voll machen lässt, verkauft er einen seiner Kontrakte?
@ sbendel [#28]
Nein! Er nimmt den Hedgespreis und kalkuliert mit diesem Festpreis. Das ist heding im algemeinen Sinn.
@ AAA [#29]
1 zu 1 ist natürlich das optimale. Ansonsten muß man mit Optionsdelta arbeiten. Das ist nur ein annähernder Hedges und weitaus komplizierter. Im algemeinen federt man die Kursschwankungen damit nur ab. Das Optionsdelta kann im Prämienbereich schnell kippen und gegen einen laufen und die Prämie zu zahlen ist zu teuer. Das ist nicht für Gelegenheitshedger.
Es ist schon interessant, wie es heute die Rohstoffe zerbröselt hat und wie gut sich die Aktienmärkte halten.
Aber vielleicht ziehen die Aktien ja demnächst nach - nach unten.
Auffällig für mich ist wie rasch und effizient Spekulationsblasen in Rohstoffen durch Anheben der Margins und der daily Limits zerstört werden.
Siehe Silber heute oder siehe Weizen 2008, ... .
Die momentanen Bestrebungen diesbezüglich bei Mais sollte man beachten!
Und wie ist es mit den Aktien ?
aus:
http://www.zerohedge.com/article/brief-reminder-nyse-margin-debt