Ferkel: Die Mäster benehmen sich wie Vagabunden
Warum steigt der Ferkelpreis nicht, obwohl die Preise im Mastbereicht freundlich tendieren ?
Nach Berechnungen meiner Erzeugergemeinschaft haben die Ferkelerzeuger nahezu 80 Prozent der Misere bezahlt. Müssen wir Ferkelerzeuger wirklich solange auf Preiserholung warten bis das Produkt Ferkel zur absoluten Mangelware wird ?
Nach Aussage von unserer EG benehmen sich die Mehrzahl der Mäster wie Vagabunden
und versuchen mit allen Mitteln die überfällige Preiserholung des Ferkelmarktes zu bremsen. Das Ferkelaufkommen sink stetig und könnte bei normalen Kaufverhalten als knapp bezeichnet werden.
Sogar in der Autoindustrie werden die Zulieferfirmen so behandelt dass sie ordentliche Ware liefern können.
MFG
Rothe
Mäster können dieses Spiel noch einige Tage treiben! Der Strukturwandel der Ferkelerzeuger ist dramatisch! Zuchtsauenanbieter berichten von mehr als 25% Umsatzeinbrüchen bei dem Verkauf von Jungsauen. Einige Jungsauenproduzenten stehen vor dem Konkurs - gerade kleiner, nicht genossenschaftlich organisierte. Besamunsstationen verzeichnen Umsatztrückgänge in Höhe von 25% und meht. Hier wird ein Szenorio vorbereitet, wie dieses die Schweinewelt in D noch nicht erlebt hat. Nur weiter so: Sauenhalter vernichten, die Rache erfolgt schnell, dauert aber auch sehr lange!!! Bis neue Sauenbestände aufgebaut werden , diese dann abferkeln, aufgezogen sind, etc. vergehen mind. 2 Jahre! Sauenhalter müssen aber erst ihr desolates Minus ausgleichen, bis sie investieren können. Banken sind schließlich keine Gelddrucker.
Also hoch mit den Ferkelpreisen, sonst droht bereits kurzfristig das Chaos für Schlachter, Mäster, Einzelhandel, Verbraucher, etc.
Na na, so wild ist das nicht.
Meine Ferkel muss ich immer vorbestellen; sonst bekomme ich die nicht.
Vielleicht liegt das daran; dass wir Dänen einstallen...
Im Ernst; auch wenn ich mir damit keine Freunde mache; wenn man in Deutschland keine 400 Sauen mehr hat um damit Geld vom reinen Ferkelverkauf zu verdienen geht entweder ins geschlossene System oder hört auf.
Das ist leider bittere Wahrheit; haben mir sehr viele Händler bestätigt.
Hier in Süd-Oldenburg gibt es Händler; die wollen garkeine hiesigen Ferkel mehr verkaufen; zuviele Probleme und Beanstandungen.
Die Gründe liegen im Bezahlungssystem; welches ausschliesslich nach Abgabemengen gestaffelt ist; welches schon damals wie heute Probleme bereitet ( ungleichmässige Ferkelpartien; nur um in die höhere Bonusstaffel zu kommen usw.)
Oder es gibt kleine Partien; und das zu Schleuderpreisen; und das wissen die Mäster ebendso; und nutzen es einfach aus.
Natürlich gibt es auch eine Menge Egoismus; aber es ist einfacher einen 1000er Maststall mit zwei Partien Dänen oder Holländer vollzumachen als ewig nach Deutschen Herkünften zu suchen; die dann noch horrende Aufschläge haben wollen.
Es hat einfach Vorteile; wenn ein Mastbetrieb Stall-Rein-Raus fährt; und wer sich in Süd-Oldenburg auskennt; der kennt die Ställe; die in den letzten Jahren gebaut wurden; entweder 1500er oder 2000er...
Ich behaupte nicht, dass alles aus dem Ausland Gold ist; es gibt dort genauso viel Licht und Schatten wie hier.
Aber hier findet man sehr wenige Grosspartien.
Leider.
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach
Die Lage bei den Sauenhaltern ist wirklich bedenklich. Doch wie kann der Ferkelpreis steigen, wenn lange nicht alle angemeldesten Ferkel vermarktet werden können und tausende Ferkel "vorhergeschoben" werden?
Sicherlich kann man als Ferkelerzeuger auf die bösen Mäster schimpfen (oder die Milchbauern auf die Discounter oder auch die Mäster auf die Schlachthöfe), das ändert aber leider gar nichts an dieser schlechten Lage.
Die Situation ist auch "selbstverschuldet":
- durch Umstellung der Genetik und bessere Impfungen steigen die Leistungen sehr stark, so dass Bestandsabstockungen überkompensiert werden UND
- bei der Vermarktung incl. Gesundheitsstatus wurde jahrelang heftig geschlampt, so dass ausländische Partien attaktiv erscheinen.
Ich denke, dass die Mäster mit festem Ferkelbezug für ihre Standhaftigkeit belohnt werden und die sog. Vagabunden auch mal Probleme bekommen werden, ihren Stall zu 100% zu belegen.
Für die Ferkelerzeuger muß die Devise sein, entweder die Ferkel selber zu mästen oder sich um einen sicheren Ferkelabsatz zu kümmern.
MfG S_M
Hallo Muehlenbach,
kaufst du auch:
- japanische, englische, französische, deutsche, etc. Autos?
- französischen, australischen, kalifornischen, etc. Wein?
Haben diese Autos alle die gleiche Qualität, schmecken die Weine alle gleich gut?
Dieser permanente Quatsch von Mästern, die keine Ahnung von Ferkeln haben und nur mit der Mode - dänische Ferkel - laufen, sollten sich einmal die Bestände vor Ort ansehen! SPF bedeutet häufig nicht mehr als reine Werbung! Habe selbst in DK desolate SPF-Bestände gesehn! Die dibt es bestimmt auch in Deutschland! Man sollte aber nicht die Qualität auf Basis von Nationen kaufen. Dieses ist Stammtischmüll!!! Es gibt auch in D Ferkel aus einer großen Gruppe 600 + mit FW 1 : 2,7, über 850 Gramm TZ, Verluste 1,5 %, etc.. Bauern kaufen jedoch häufig das, worüber der Nachbar prahlt!!! Bauernschläue!? Neid!? Keine Ahnung!?
Wichtig für die Zukunft sind die Produktionskosten.
In DK, D, NL, etc. liegen die hier bei vernünftiger Kalkulation bei einem Grundpreis, der mind. 50,-- € betragen muss. Auch wenn der Bonus bei 12,--€ + liegt, plus Gewichte, etc.. Wie die Verluste der letzten Jahre bezahlt werden sollen, berücksichtigt dieses Kalkulation nicht!
@schweineexperte,
Der Forumsname kombiniert mit der obigen Aussage ist ja wohl ein krasser Gegensatz. Wer gestern im westfälischen Wochenblatt die aktuellen Ergebnisse des Warentestes Mastferkel (Haus Düsse) studiert hat und dann heute den Quatsch von Modeferkeln aus Dänemark liest, der muss Sie leider auslachen.
Zitat: "Nach diesem Bewertungsschema hat der neunte Warentest unabhängig davon, ob die Zuchtleistung bzw. die Kundenzufriedenheit einbezogen wird, mit der Herkunft DanZucht und der durchgehenden Note "sehr gut" einen eindeutigen Sieger"
WB 26 / 2008 (S. 49)
Warentest ist als Heft 29 bei der LWK NRW zu bestellen.
MfG
agriculus
@Schweineexperte
Lies meine Worte nochmals durch; dann verstehst du mich auch.
Egal; ob die Ferkel aus DK besser oder schlechter sind; versuch selber mal einen 2000er Maststall komplett mit Dänen oder mit hiesigen Herkünften zu belegen; wenn du "Experte" bist wirst du feststellen; dass selbst zwei schlechte Dänen besser laufen als fünf top hiesige Herkünfte.
Denn je weniger Bewegung im Stall ist aus je weniger Herkünften; desto besser sind die Ergebnisse.
Egal; wie die Bestände in DK aussehen; oder egal wie die Warentests ausfallen...
Weniger ist einfach mehr.
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach
Ich stimme der Bewertung von Mühlenbach weitgehend zu, möchte aber noch kurz erwähnen, dass es Vorteile gibt, einen 2000er Maststall nicht im Rein-Raus-Verfahren zu betreiben.
Mit einer kontinuierlichen Abteilbelegung sind die Mengenzuschläge nicht mehr so hoch, es könnte ein längerfristiger Ferkelbezug entwickelt werden (mit ausgeprägtem Dialog zum Ferkelerzeuger) und ein riesen Vorteil wäre dann noch die Glättung der Marktschwankungen und damit Verbunden ein geringeres finanzielles Risiko und höhere kalkulatorische Sicherheit.
Weiterhin sollte man als Mäster auch immernoch einen möglichen Seuchenzug irgendwo in Europa im Hinterkopf behalten. Wo kommen die Ferkel her, wenn die Grenzen geschlossen werden?
MfG S_M
Hallo agrculus,
kannst du lesen? Es gibt super französische Weine, es gibt aber auch schlechte!
Es gibt auch in Deutschland Möglichkeiten, einen 2000er Maststall aus einer deutschen Herkunft zu beschicken - eine Ohrmarke! Fünf Dänenbestände laufen bestimmte schlecher als zwei deutsche Herkünte! Wo ist hier die Bauernschläue? Kann jedoch sein, dass die deutschen aus sehr schlecht geführten Anlagen kommen! Was soll also das Nationengequatsche! Sucht euch ordentliche Qualitäten! Es ist nicht wichtig, ob diese in D, DK, NL, etc. geboren sind! Das Management der Sauenanlage muss stimmen! Dazu muss aber auch der jeweilige Mäster sein Management geregelt bekommen.
Seit der Aufnahme des Ferkel Terminhandels an der RMX wurden die Schweinekurse zum 2,4 bis 4,8-fachen der Ferkelkurse notiert:
Die Grafik zeigt, dass der Markt völlig logisch funktioniert: Die saisonalen Schwankungen sind nahezu immer identisch, nur seit 2007 ist bedingt durch die wesentlich höheren Futterkosten das Verhältnis Schweine/Ferkel zugunsten der Schweine verschoben worden.
Der Vorteil der Zukaufsmäster ist, dass sie nicht unbedingt einstallen müssen, die Ferkelerzeuger müssen aber unbedingt ausstallen! In extremen Situationen führt das zu einer einseitigen Belastung der Ferkelerzeuger.
Wir haben vor einigen Jahren mal versucht, unseren Ferkelerzeuger von einem Gleichgewichtspreissystem zu überzeugen. Danach hätten wir uns darauf geeinigt, in einer festen Lieferbeziehung den Preis der Ferkel vom Schlachtschweinepreis herzuleiten. Das System war so angelegt, dass die Kosten der Ferkelerzeuger und der Mäster des Arbeitskreises jährlich erfasst werden und daraus ein Schlüssel errechnet wird, der angibt wer welchen Anteil am Schlachterlös hat. Das System wurde nicht eingeführt, weil der Ferkelerzeuger in dem Moment weniger für seine Ferkel bekommen hätte. Später wäre es dann umgekehrt gewesen.
Ein solches System hätte den großen Vorteil, dass es bei den Betrieben einen gleichmäßigeren Geldfluß geben würde und die großen Liquiditätslücken, wie sie derzeit bei den Ferkelerzeugern auftreten, vermieden werden könnten.
Der Nachteil ist, dass man sich in dem System für längere Zeit binden muss, wenn es funktionieren soll. Weiterhin ist es schwierig für einen Ferkelerzeuger, wenn er zeitweise seine Ferkel billiger abgibt als seine Kollegen, die nach Notierung verkaufen. Umgekehrt hat der Mäster das gleiche Problem, wenn er manchmal mehr für die Ferkel bezahlen muss als alle anderen.
Also bleibt diese Idee wahrscheinlich Theorie, obwohl ich sie im Ansatz für vernünftig halte.
Gruß,
wollewatz.
Also ich hab mal nachgesehen:
13.12.2006 Mastschweinepreis bei 56 % 1,06 € d.h. 1 Schwein, 95 kg SG mit 56 % MFL kostete 105 €uro Ferkelpreis in der gleichen Zeit 55-60 €uro für den Mäster Futter 45 €uro.
Den Gewinn daraus können sich die Ferkelerzeuger selbst ausrechnen.
Nur: Ich habe damals keinen Ferkelerzeuger erlebt der nicht auch den letzten €uro eingesackt hat. Habe auch Keinen erlebt, der gesagt hat ich will nicht soviel Geld für meine Ferkel, weil die Mäster rote Zahlen schreiben.
Aber der Markt wirds schon richten, Ferkel werden wieder so richtig teuer. Wann, das ist die Frage.
Hoffentlich sind bis dahin nicht zuviele Ferkelerzeuger den Bach runter, sonst müssen die Mäster die Recunung noch teuer bezahlen.