Ferkel: Globalisierung im Schweinestall
Globalisierung im Schweinestall
Von Elmar Ries
IVZ Online, Senden (18.11.08) - Landwirtschaft ist auch Wirtschaft. Und damit ist sie abhängig von der Globalisierung und leidet mitunter unter dem krisenbeladenen freien Markt. Wer in der Zukunft bestehen will, muss sich heute schon aufstellen, das ist ein Gemeinplatz, der besonders für den Agrarsektor gilt. Nicht umsonst stand die Herbsttagung, die die Landwirtschaftskammer NRW gestern in Senden abhielt, unter dem Thema „Entwicklungschancen für landwirtschaftliche Unternehmen“. Die zweigeteilte Botschaft der Tagung: Die Bauern haben die Chance, in Zukunft zu bestehen, aber sie müssen sich dafür anstrengen. Und: Wer nicht auf der Höhe der Zeit ist, wer nicht wächst, nicht investiert, wird untergehen. Harte Worte in rauer werdenden Zeiten.
Einer, der grundsätzlich argumentierte, war Christian Stockinger von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Sein Credo: Betriebe müssen entwicklungsfähig sein, das sind sie aber nur, wenn sie wettbewerbsfähig sind. Das wiederum setzt voraus, dass sie auf dem „neuesten Stand der Technik sind und die hochausgelastet einsetzen“. Da diesen Weg nicht alle gehen, prophezeite Stockinger eine stärker werdende Differenzierung „in Sachen Liquidität und Pfiffigkeit“.
Perspektiven in der Veredlung? „Die Ferkelproduktion ist mittelfristig genauso ertragreich wie die Mast“, sagte Peter Spandau von der Kammer. Auch hier gilt: Wer nicht auf der Höhe der Zeit bleibt, fährt ökonomisch vor die Wand. „Die Dänen sind uns zehn Jahre voraus“, sagte Spandau. Sauen, die mehr Ferkel werfen, Betriebe von mindestens 400 Muttertieren im Bestand: In NRW gibt es derzeit 5000 Ferkelerzeuger, „2000 werden es in zehn Jahren sein“.
Und die Marktturbulenzen? Denen hilflos ausgeliefert ist heute niemand mehr. Selbst ungeborene Ferkel werden bereits an der Warenterminbörse gehandelt. „Bei RMX steht der Preis für ein Ferkel, das im Frühjahr 2009 geboren wird, derzeit bei 60 Euro“, erklärte Dr. Uwe Steffin vom Büro für Marktanalyse und Risikomanagement. Sein Fazit: „Wer seine Preise nicht absichert, handelt fahrlässig.“
(Quelle: http://www.ivz-online.de/aktuelles/muensterland/817255_Globalisierung_im_Schweinestall.html)