Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Ferkel: Jahreshöchstpreis schon überschritten ?

Ferkelpreis am Jahreshoch?

LWK Niedersachsen, Hannover (01.04.11) - Nachdem sich Ende März eine durchweg freundliche Stimmung am Schlachtschweinemarkt eingestellt hatte, konnte sich die Ferkelpreisnotierung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zu Wochenbeginn nach einmal leicht befestigen. Im Mittel wurden 25-Kilo-Ferkel (100er-Gruppen) mit 46 Euro ab Hof des Erzeugers vergütet. Damit liegen allerdings die Ferkelpreise trotz deutlich höherer Futter- und Energiekosten um 1 bis 2 Euro unter dem entsprechenden Vorjahresniveau.

Mit Blick auf den April 2011 sind höhere Ferkelnotierungen tendenziell eher nicht zu erwarten, da die Aufstallbereitschaft der Schweinemäster angesichts der nach wie vor hohen Futterkosten nicht allzu groß ist. Selbst wenn in 110 bis 120 Tagen am Ende der Mastperiode die Schweinepreise über dem derzeitigen Niveau liegen, wird damit eine vollkostendeckende Schweinemast nur schwerlich möglich sein.

Deshalb sind auch vor dem Hintergrund wieder zunehmender Ferkeleinfuhren aus den Niederlanden und aus Dänemark und der Tatsache, dass saisonal das Ferkelangebot aus hiesigen Ferkelerzeugerbetrieben im zweiten Quartal 2011 zunimmt, tendenziell keine höheren Ferkelpreise zu erwarten. Das vorläufige Preishoch wäre damit im März erreicht worden.

(Quelle: http://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/6/nav/206/article/8351.html )

Bild entfernt.

Geschrieben von Richard Ebert am
pigtrader
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Der Ferkelhöchstpreis ist für dieses Jahr ganz sicher noch nicht gekommen. Die Ferkel aus Dänemark werden immer weniger. Unser Transporteur holt lt. Aussage des Fahrers Montags nur noch 3 statt 8-10 Zügen Ferkel.

pigtrader

breader
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Der Mäster hat tatsächlich durch sein Kaufverhalten die Möglichkeit einen gewissen Einfluss auf den Ferkelpreis zu nehmen. Da spielt auch das Futterpreisniveau sicher eine Rolle. Auch gibt es natürlich erhebliche saisonale Unterschiede im Ferkelangebot.

Ob wir den Jaheshöchstpreis schon gesehen haben bzw. aktuell haben, vermag ich nicht genau vorherzusagen. Laut meinen Kennnisstand ist der Sauenbestand EU-Weit jedoch eher rückläufig, was auch nicht mehr durch den genetischen Fortschritt in punkto höhere Absetzleistung kompensiert werden kann. Im Gegensatz dazu steigt zumindest Deutschlandweit weiter der Bedarf an Ferkel. Es ist meiner Ansicht nach mittelfristig nicht mehr undenkbar, dass sogar südoldenburger Mäster versuchen werden, sich Ihren Ferkelbezug vertraglich zu sichern.

Muehlenbach
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Nein; definitiv nicht.
Wie Pigtrader schon sagt; aus DK kommen deutlich weniger Ferkel momentan.
Zwar "reicht" es momentan noch für die geringere Aufstallbereitschaft; aber wenn der Mais; Kartoffeln usw. in der Erde ist; wird der Preis weiter steigen.

In dem Sinne
MFG
Mühlenbach

papuawenzel
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Muehlenbach [#4]

Das sehe ich auch so. Das Angebot an Ferkeln aus DK ist nicht so groß, als dass die Händler mit sich über den Preis handeln lassen. Auch für die nächsten Wochen rechnet mein Lieferant mit deutlich festeren Preisen und empfiehlt mit dem Einstallen nicht zu warten.

MZI
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Verständnisfrage:
Gehen die DK Ferkel woanders hin, oder werden weniger produziert?

Gibt es da Statistiken darüber?

mfg
MZI

Muehlenbach
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Meiner Infos zufolge sollen 10% weniger Sauen in den Ställen stehen.
Und einen "Produktionszuwachs" hat es im vergangenen Jahr auch nicht mehr gegeben ( Ferkel/Sau).

In dem Sinne
MFG
Mühlenbach

Bre
Mitglied seit
12 Jahre 2 Monate

@MZI

Entwicklung Ferkelexporte aus Dänemark stehen in der beigefügten Grafik.

Leider funktioniert die Übermittlung der Grafik nicht.

Anbei eine kurze statistische Übersicht:

Ferkel bis 15 kg Ferkel 15 bis 50 kg Mon Durchschnitt 2010 36.335 589.465 Dez 10 49.889 633.643 Jan 11 38.101 613.952 (Vorjahresmonat 564.680) Febr 11 39.643 548.488 (Vorjahresmonat 540.337)

Die dänischen Sauenbestände sind zum Stichtag 1. Jan 11 nochmals um 5 bis 6 % zurückgegangen.

MFG
Bre

JBH
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Hallo Bre,

vielen Dank für die Zahlen. Mich würde die Quelle interessieren, und wieviele Ferkel davon nach Deutschland exportiert wurden. Ich habe gehört, dass viele Ferkel davon in den Osten verkauft werden.

jbh

Bre
Mitglied seit
12 Jahre 2 Monate

@jbh

Quelle: http://www.lf.dk/~/media/lf/Aktuelt/Publikationer/Markedsnyt%20Svin/2011/markedsnyt%202011%20uge%2013.ashx

Leider keine Aufschlüsselung für Dänemark, wohin die Ferkel gehen! In früheren Jahren konnte man davon ausgehen, daß rd 85 % nach Deutschland gegangen sind. Kann sich aber heute geändert haben.

Zur Ergänzung:

Ferkeleinfuhren von NL nach Deutschland:

Monatlicher Durchschn. 2010 268.151 Jan 2011 282.916 Vorjahresmonat 244.920 Febr 2011 284.276 Vorjahresmonat 248.522

MFG
Bre

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Niemand wird bestreiten, dass es normalerweise jahreszeitliche Preisbewegungen gibt. Der Schweinepreis ist fast jedes Jahr im Januar beim Tief und in den Grillmonaten wird am meisten bezahlt.

Für Ferkel liegt das jahreszeitliche Hoch bereits Ende März. Auf der nachfolgenden Grafik ist das anhand der Prognose für die kommenden 12 Monate gut zu erkennen (März 2011 und März 2012 ganz rechts), insofern befinden wir uns bereits seit zwei Wochen im saisonalen Abwärtstrend.

Die Prognose wird ermittelt anhand der durchschnittlichen Preise der letzten 10 Jahre.

Schöne Grüsse, Richard Ebert

Bild entfernt.

breader
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Saisonale Preisbewegungen beruhen in erster Linie auf saisonale Unterschiede bei den biologischen Leistungen der Produktionssauen (Stichwort: Sommerloch). Effekte wie Lebensmittelskandale, massiver Ausstieg aus der Produktion, steigender Bedarf usw. lassen sich natürlich nicht so einfach kalkulieren. Deshalb sehe ich den Preisverlauf in diesem Jahr noch ziemlich offen.

Applepie
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Die dänische Branchenorganisation "Danske Svineproducenter" versucht seit einiger Zeit den künftigen Ferkelpreis für die nächsten vier Quartale zu berechnen. Auf Basis von künftigem Schlachterlös, Weizenpreis und saisonaler Entwicklung wird der Preis nach einem Modell kalkuliert.

top agrar veröffentlicht die Preise hier:

http://www.topagrar.com/markt/Ferkelpreisprognose-144707.html

Gruß

Applepie

Lukas
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Richard Ebert [#11]

Herr Ebert die Zeiten haben sich geändert. Machen Sie mal eine Prognose auf die letzten 5 - 6 Jahre und sie werden sehen das das Hoch im Frühjahr nicht mehr so hoch ist, dafür aber länger.

Gruß
Lukas

Bre
Mitglied seit
12 Jahre 2 Monate

Anmerkungen zur Berechnung von Saisonfiguren

Beispiel: aktueller Piglet Index Eurex Frankfurt vom 08.04.2011 und Saisonfigur Monat/Jahr 4.11 5.11 6.11 7.11 8.11 9.11 10.11 11.11 12.11 01.12 02.12 03.12 €/Stck. 48,0 49,3 48,5 48,0 43,8 42,5 43,0 44,5 46,0 47,5 48,0 48,0 in % 102,9 104,7 105,1 104,0 94,9 92,1 93,2 96,4 99,7 102,9 104,0 104,0 Vergleich zum langjährigen Durchschnitt (in % vom Jahresmittelwert) in % 109,6 107,6 101,7 96,9 93,6 88,1 87,0 92,1 97,5 99,8 111,3 114,5

Bei einer korrekten Ableitung einer Saisonfigur ist es nicht damit getan, nur einfach Monatsdurchschnitte aus beliebigen Jahren zu berechnen, sondern die Zahlen sind zunächst auf typische und atypische Einflüsse zu untersuchen und ggfs. zu korrigieren. Eine zu kurze Zeitspanne von 5 bzw 6 Jahren zugrunde zu legen, führt zu einer Verzerrung, wenn nicht darauf geachtet wird, daß mindestens zwei ganze typische Zyklusperioden in die Rechnung einfließen. Insbesondere die Jahre 2007/08 und auch 2003/04 enthalten stark abweichende Verläufe bei den Ferkelpreisen, die durch grundlegende Veränderungen der Sauenbestände und starke Zunahme der Ferkelleistungen geprägt waren, also Effekte, die mit der Saisonalität nichts zu tun haben. Wenn man diese Zahlen trotzdem mit Hinweis auf die Durchschnittsbildung verwendet, muß man dafür sorgen, daß der Datenanteil gering bleibt, also viele Jahre zugrunde legt, dann geht aber Aktualität verloren, oder diese Zeitspanne überspringen oder über Korrekturfakoren die nicht saisonalen Effekte herausrechnen.

Eine Saisonfigur bildet den durchschnittlichen Saisoneffekt ab, der aber jedes Jahr anders gewichtet sein kann. Die Zahlen können nur Orientierungscharakter besitzen. Darüberhinaus wird die Saisonfigur durch Trends, Zyklen und nicht vorhersehbare Einflüsse überlagert, verstärkt, kompensiert usw. Ob ein absolutes Preishoch schon erreicht oder überschritten ist, ist mit der Saisonfigur allein nicht zu erklären, wenngleich sie im Ferkelpreis eine ausgeprägte Rolle spielt.
Saisonale Preisschwankungen entstehen grundsätzlich durch jahreszeittypische Angebots-/Nachfrageverhältnisse. Die Biologie spielt auch eine Rolle, wichtiger sind die jahreszeittypischen Bestandsveränderungen, wie man sie regelmäßig an den Viehzählungen im Mai und Nov. ablesen kann.

MFG
Bre

Muehlenbach
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Nochmal:
Indexpreise sind das eine; Kassapreise plus Aufschlag das andere.
Gehen wir mal von einem Ferkelgrundpreis von 45 Euro aus; und Ferkel sind gesucht; dann zahlt man für den Durchschnitt der Tiere 8 Euro Aufschlag zusätzlich.
Diese 8 Euro sind in keinem Index enthalten.
Dennoch sind diese 8 Euro zusätzlich 18% am gesamten Ferkelpreis.
Sehen wir uns nochmal den "Verlauf" von vor drei Wochen an:
Der Grundpreis war gleich in vor-vorletzter Woche und dem vor drei Wochen.
Vor drei Wochen bekam man aber Ferkel für 48 Euro ( Notierung plus 3 Euro) frei Stall ( zzgl. Aufgewicht und MwSt.); zwei Wochen später aber plötzlich für 54 Euro ( Notierung plus 6 Euro).
Das währe eine Steigerung von 13%; ohne irgendeine Marktnotierungsänderung.
Gut; wer ständig Ferkel für Notierung plus 10-12 Euro einkauft; der hat diese Schwankungen auch nicht.
Der bezahlt von unserem Ausgangspreis aber immer 25% mehr als der Terminpreis..

In dem Sinne
MFG
Mühlenbach

Bre
Mitglied seit
12 Jahre 2 Monate

@Mühlenbach

Das Problem der wenig transparenten und aussagefähigen Ferkelpreisnotierungen in Deutschland ist seit Jahren bekannt. Wenn das Aufschlagsunwesen wenigstens konstant wäre, könnte man damit leben und sagen, die Notierungen zeigen nicht die absolute Höhe, sondern die Richtung an. Immerhin! Das Problem ist jedoch nicht uneingeschränkt zu verallgemeinern, betroffen sind vor allem jene, die auf dem freien Spotmarkt agieren. Es gibt auch weite Bereiche, wo das Springerverhalten weniger stark ausgeprägt bzw. gänzlich unterbunden ist.

Wenn aber die Beobachtung richtig ist, daß Preisaufschläge im Regelfall bei knapper Ferkelverfügbarkeit höher ausfallen als bei geringer bzw. sinngemäß bei hohen Notierungen höher und bei niedrigen Preisen niedriger, dann bedeutet das, daß die tatsächlich bezahlten saisonalen Preisschwankungen noch stärker sind als die mit Hilfe der "unvollständigen" Notierungen errechneten.

Wenn man jedoch davon ausgeht, daß in diesem Jahr 2011 zum Sommer/Herbst Ferkel (im mittleren Nordeuropa) knapper werden als sonst (saison-)üblich, dann handelt es sich nicht um einen Saisoneffekt, sondern um einen zyklischen Effekt, der in diesem Jahr den Saisoneffekt überlagert. Eine Begründung dafür könnte die Abstockung der Sauenbestände in 24 EU-Ländern um 3,4 % (allerdings mit Unterschieden in DK -4,7 %, in NL +3,2 %, in PL -4,4 %, in Südosteuropa um -10 %) bei begrenzter Produktivitätssteigerung der Sauen liefern.

Deswegen gilt die Aussage, daß mit der Saisonfigur allein die Frage nach dem Preishoch in einem Jahr nicht beantwortet werden kann. Es ist grundsätzlich nicht auszuschließen, daß die Ferkelpreise im Laufe dieses Jahres noch höher ausfallen als sie bisher gewesen sind. Das hat etwas mit der zyklischen Komponente und nichts mit dem Saisoneffekt zu tun. Für die Einschätzung der Preisentwicklung sind immer alle 4 Komponenten (Trendumkehr, Zyklus, Saisonfigur und erratische Schwankungen)gleichzeitig zu berücksichtigen.

MFG
Bre

Muehlenbach
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Ja; Bre; genauso ist dem.
Warten wir mal den Sommer ab.

In dem Sinne
MFG
Mühlenbach

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Lukas [#14]

Herr Ebert die Zeiten haben sich geändert. Machen Sie mal eine Prognose auf die letzten 5 - 6 Jahre und sie werden sehen das das Hoch im Frühjahr nicht mehr so hoch ist, dafür aber länger.

Solche Charts muss ich vom Webmaster programmieren lassen. Das hat er jetzt getan mit folgendem Ergebnis:

Bild entfernt.

Die Grafik zeigt den Stand vom 06.04.11 und aktualisiert sich im Gegensatz zu den anderen von mir eingestellten Grafiken nicht täglich von selbst.

Tatsächlich hat sich das saisonale Hoch länger gehalten, allerdings auch nur bis Mai und nur 2 Euro, die Aussagekraft der Grafik insgesamt hat sich sonst wenig geändert.

@ Bre [#15]

Danke für Ihren sehr guten Beitrag.

Bei einer korrekten Ableitung einer Saisonfigur ist es nicht damit getan, nur einfach Monatsdurchschnitte aus beliebigen Jahren zu berechnen, sondern die Zahlen sind zunächst auf typische und atypische Einflüsse zu untersuchen und ggfs. zu korrigieren.

Wer legt denn fest, in welchen Jahren es typische oder atypische Einflüsse gab und in welchem Umfang diese zu berücksichtigen sind ? Liegt das nicht "im Auge des Betrachters" ?

Ich nehme das schöne Beispiel Orangensaft Terminkontrakt. Es gibt in sehr unregelmäßigen Abständen plötzliche starke Fröste, welche die Früchte verderben und die Preise sofort erheblich nach oben treiben. Wollen Sie solche Frostjahre mit einrechnen oder nicht für die Durchschnittswerte berücksichtigen ?

Bild entfernt.

Frost im Januar 1977, Kurs 42 Cent, erst bei 72 Cent konnte wieder gehandelt werden, am letzten Handelstag Anstieg um zwischenzeitlich 50 %

Allem, was Sie in Ihrem Beitrag schreiben, kann ich voll zustimmen - nur eine exakte Lösung, wie die Grafik besser (und automatisiert) dargestellt werden kann, haben Sie nicht aufgezeigt. Hätte ich eine, wäre das Programm schon geändert.

Schöne Grüsse, Richard Ebert

Bre
Mitglied seit
12 Jahre 2 Monate

Sehr geehrter Herr Ebert,

Hätten wir eine "exakte Lösung" wäre der Terminhandel einfach, langweilig und ohne Gewinn-/Verlustchancen. Aber Sie haben in Ihrer beispielhaft untermauerten Problembeschreibung schon die Antwort weitgehend selbst geliefert. Eine Saisonfigur ist eine Teilkomponente des tatsächlichen Marktverlaufs, der von vielen Einflußfaktoren mitgesteuert wird. Mit Hilfe der Saisonfigur sollen jahresdurchschnittlich regelmäßige jahreszeittypische Effekte des Angebots-/Nachfrageverhaltens auf den Kursverlauf abgebildet werden. Einmalige oder sehr selten auftretende Effekte sind durch Glättungsfaktoren oder Ausklammerung auszuscheiden. Mit häufiger Regelmäßigkeit, aber nicht jährlich auftretende jahreszeittypische Einflußfaktoren sind grundsätzlich in die Berechnung der Saisonfigur mit aufzunehmen. Das führt zu einer gewissen Nivellierung. Eine aus mehreren Jahren gebildete Durchschnittssaisonfigur in Kombination mit dem Trend-Zyklus-Effekt wird daher nur im Idealfall in der Lage sein, den "exakten" Verlauf in einem Einzeljahr widerspiegeln zu können. Man muß sich schlicht der Erkenntnis beugen, daß die Realität nicht in der vollen Spannbreite der Schwankungen berechenbar ist. Einzeljahresspezifische Einflüsse kann man eben nicht mit Durchschnittswerten vorhersagen. Wir haben es immer nur mit Annäherungen zu tun. Es ist richtig festzustellen, daß ein automatisierter Rechenprozess nicht an das "Fingerspitzengefühl" einer Datentrennung zwischen typischen und atypischen Infos eines erfahrenen Marktinsiders heranreichen wird. Eine bloße Kappung von Ausreißern wäre geradezu plump.

Gerade im Falle des Schweinemarktes spricht man mit gewisser Berechtigung von einem "Chaosmarkt". In früheren Jahrzehnten noch ausgeprägter als in jüngster Zeit waren die berechenbaren Anteile der Preisbewegungen nur zu knapp 2/3 mit Hilfe von Trend-, Zyklus- und Saisoneffekten sowie mit fundamentaler Unterstützung von Viehzählungsergebnissen prognostizierbar. Die verbleibenden sog. erratischen Restschwankungen betragen mehr als 1/3 Anteil. Das liegt verdächtig nahe bei einem Münzwurf. Ursache ist das marktprägende weitgehend vertragslose Frischfleischgeschäft bei Schweinen im Gegensatz zum Rindfleischmarkt bzw. Geflügelfleischmarkt. Daher hat eine frühere staatliche Kommission zur Auswertung der Viehzählungsergebnisse mit wissenschaftlicher Unterstützung zwecks Prognose der Schweinepreise bereits im Jahre 1989 ihre jahrzehntelange Aktivität mit der Begründung eingestellt, daß die Vorhersagen nicht den Anspruch von vertretbarer Seriosität erheben könnten. Die ernüchternde Erkenntnis lautete: Den grundlegenden Zyklusablauf kann man nachweisen, aber weder den genauen Umschlagpunkt noch das Ausmaß des zyklischen Ausschlages.

In jüngerer Zeit sind durch das Ausbleiben von Tierseuchen sowie durch den expandierenden Export heftige zyklische Preisbewegungen nicht mehr ausgeprägt in Erscheinung getreten. Dennoch ist der Zykluseffekt wirksam und nachweisbar. Wir erleben gerade in der jüngsten Zeit der Preisentwicklung einen Umschwung in der Zyklusphase einer abklingenden Schweinefleischerzeugungsmenge, die bei steigenden Konsumklima infolge zunehmender Beschäftigung, guten Lohnabschlüssen, knapp tolerierbarer Inflationsrate, positiven Einkommensaussichten und Exportperspektiven zu (notwendigen) Preissteigerungen beitragen. Dieser Zykluseffekt in Verbindung mit einer seit längeren Jahren anhaltenden positiven Trendausrichtung überlagert zurzeit die "reine" Saisonfigur. Daher ist es nicht verwunderlich, dass das Preishoch der Ferkel etwas länger andauert, ist aber nicht mehr als ausschließlicher Saisoneffekt zu interpretieren. Einschätzungen, daß die Ferkelpreise 2011 weiterhin hoch bleiben und möglicherweise zum Sommer noch steigen können, haben durchaus ihre Berechtigung, wenn gleich keiner dafür die Hand ins Feuer legen kann.

Mit Hilfe statistischer Methoden Preisverläufe berechnen und darstellen ist eine knapp befriedigende bis ausreichende Sache, die kritische Interpretion der Kalkulationsergebnisse vor dem Hintergund des tatsächlichen Marktgeschehens eine dringend notwendige ergänzende Aufgabe. Je weniger black-box-Methodik und je größer die Nachvollziehbarkeit der Teilprozesse um so mehr gewinnt man an Marktverständnis. Und das schreibt ein Statistik-Fanatiker, der dran bleibt.

Ohne die eingeforderten Programm-Anweisungen liefern zu können

MFG
Bre

Rückrufservice
Beschreiben Sie bitte Ihr Anliegen, damit wir uns auf den Rückruf vorbereiten können.
Ja, ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen und willige ein, dass die von mir angegebenen Daten inklusive der Kontaktdaten zwecks Bearbeitung der Anfrage und für den Fall von Anschlussfragen elektronisch erhoben und gespeichert werden. Meine Daten werden dabei nur streng zweckgebunden zur Bearbeitung meiner Anfrage genutzt und nicht ohne Einwilligung weitergegeben. Diese Einwilligung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden.

Register now

Jetzt registrieren und ZMP Live+ 14 Tage kostenlos testen!
  • Dauerhaft kostenfrei
  • Keine Zahlungsinformationen erforderlich
Hilfe?

Sie haben Fragen zu ZMP Live? Unser Team steht gerne hilfsbereit zu Ihrer Verfügung. Senden Sie uns gerne eine Nachricht:

Es gilt unsere Datenschutzerklärung