Ferkel: Preismisere treibt Erzeuger in Existenznot
Preismisere treibt Ferkelerzeuger in Existenznot
Agrarheute.com / lpd, Hannover (30.03.08) - Der Stimmungsumschwung in der Landwirtschaft ist an einer Gruppe von Landwirten vollständig vorbei gegangen. Sauenhalter und Schweinemäster zählen zu den größten Sorgenkindern der Branche.
"Unsere Veredelungsbetriebe brauchen dringend höhere Preise, um zunächst erst einmal aus der Verlustzone zu kommen", schilderte Landvolkpräsident Werner Hilse laut einer Meldung des Landvolk-Pressedienstes (LPD) die Lage auf den Ferkelerzeugerbetrieben. Sowohl bei Sauenhaltern wie auch Schweinemästern gehe es jetzt an die "eisernen Reserven". Während die Erlöse bereits seit gut einem Jahr auf einem völlig unbefriedigenden Niveau stagnierten, "laufen den Betriebsleitern die Kosten davon", verdeutlichte Hilse. Er befürchte zugleich, dass insbesondere die größeren zukunftsorientierten Betriebe dem wirtschaftlichen Druck nicht mehr länger Stand halten können. Damit geriete ein wichtiger Zweig der Ernährungswirtschaft mit den vor- und nach gelagerten Firmen in Gefahr.
Die Ferkelnotierungen kommen seit gut einem Jahr kaum über die Marke von 30 Euro je Ferkel. "Damit erhalten die Landwirte nur etwa halb soviel Geld, wie sie zur Deckung ihrer Kosten benötigen", verdeutlichte der Landvolkpräsident. Sauenhalter müssten rund 30 Euro mehr für ein Ferkel bekommen, um die Verlustzone verlassen zu können. In einem Betrieb mit 500 Sauen haben sich die Verluste in den vergangenen zehn Monaten bereits auf 350.000 Euro aufaddiert, verdeutlichte Hilse. Er befürchte daher einen "brutalen Verdrän-gungswettbewerb" in der Branche und appelliert an die Banken, die wirtschaftlich äußert schwierige Phase über eine weitsichtige Darlehenspolitik zu begleiten.
Entlastung wünschen sich die Landwirte nach Mitteilung Hilses auch auf der Kostenseite. Ferkelaufzuchtfutter beispielsweise stieg in den Veredelungshochburgen der Weser-Ems-Region seit Sommer 2007 im Preis von rund 250 auf 333 Euro je Tonne (t) um ein Viertel. Chancen zur Kostenentlastung sehe Hilse mit der Wiederzulassung tierischer Fette zur Ver-fütterung an Nicht-Wiederkäuer. Es bestehe EU-weit Konsens, das mit der BSE-Krise ver-hängte Verbot zu lockern. Auch die faktische Nulltoleranz für gentechnisch veränderte (GVO) Futtermittel in der EU könnte sich für die Tierhalter in der EU Kosten steigernd auswirken. Die EU-Kommission selbst befürchtet aufgrund dieser unterschiedlichen Zulassungspraktiken einen Einbruch in der europäischen Schweineproduktion um ein Drittel.
(Quelle: http://agrarheute.com/index.php?redid=210166)