breader
Mitglied seit
12 Jahre 7 Monate
Ferkel: Wann ziehen die Ferkelpreise nach oben ?
Wenn die Preise für Schlachtschweine weiter anziehen (vermutlich + 7 Cent) und die Ferkel nur um 0,50 Cent ist das schlichtweg ein schlechter Witz für die Ferkelerzeuger, zumal die Nachfrage durchaus als rege zu bezeichnen ist.
Geschrieben von breader
am
@ Pigeldy [#31]
Gratulation! Endlich mal einer, der Klartext spricht!
Gruß Bronto
@ Pigeldy [#31]
Ferkel für 35 Eur haben mit Sicherheit nur 3 Beine !
Also neue Rechnung!!
Mfg
@ Pigeldy [#31]
Gute Ansätze, aber den 2000er Stall gewerblich, den kann jeder betreiben, den 800er landwirtschaftlich nur der, der genügend Fläche hat. Das hat nichts mit den Hals nicht vollkriegen zu tun. Das ist einfach nur die einzige Chance der Heuerlinge aus Südoldenburg gewesen und die haben die Chance zumindest in den letzten 50 Jahren gut genutzt!
MfG
agriculus
@ Brontosaurus [#32]
Danke Bronto ;-)))
(siehe [#27])
Das habe ich gebraucht
@ Agriculus
Damit sprechen Sie eine der Ursachen des Problems an. Vielfach sind die Ställe von Leuten gebaut worden, deren Voraussetzungen für das Betreiben erfolgreicher Landwirtschaft materiell und intelektuell ungünstig waren und die besser schon längst aus der Landwirtschaft ausgestiegen und einen anderen Beruf ergriffen hätten.
Die nötige Erkenntnisfähigkeit hat dafür aber oft gefehlt. Das Ergebnis ist jetzt zu besichtigen. Zu Lasten aller.
Oh man....
Finde ich auch; wir hätten je ha Eigentum nur 10 Plätze bauen dürfen; mehr nicht.
Dann hätten sich unsere Kollegen aus DK; B; NL und Polen; Ungarn und all over the world einen Ast gefreut; weil wir den Markt nicht selbst in die Hand nehmen. Und dennoch hätten wir dann vielleicht 10ct mehr bekommen; bei dreimal so teuren Ferkelkosten.
Ihr lasst euch einlullen von unseren Abnehmern; die in den aller seltensten Fällen Geld irgendwo beigeben.
Denn wenn dem so sei; dann würden wir spätestens in zwei Wochen einen Insolvenzgau erleben allererster Sahne.
Interessanter Weise sind wir Mäster doch bsilang mit einem blauen Auge davon gekommen; die Ferkelnotierung ist im Keller; und wird auch weiterhin in den Keller gehen; dabei frage ich mich ernsthaft warum das so ist; wir haben ja nur 70% Selbstversorgung.
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach
@ Muehlenbach [#37]
Da stellt sich aber die Frage, ob wir den Markt tatsächlich selbst in die Hand nehmen, wenn immer mehr Ställe bzw. die Schweine in den Ställen nicht mehr den Landwirten, sondern Schlachtern, Landhändlern und Futtermittelherstellern und Banken gehören.
Was ist historisch das Ziel der finanzierenden Bank? Sie will ihr Geld mit Zins und Zinseszins pünktlich und in voller Höhe zurück haben und hat in aller Regel kein Interesse daran, den Kredit irgendwann zwangsvollstrecken zu müssen. Falls das aber doch nötig werden sollte, haben die Banken immer großen Wert auf Sicherheiten in Form von Grund und Boden gelegt. Das tun sie regional auch heute noch mehr als woanders. Das hat die Möglichkeiten für Betriebe mit geringer Flächenausstattung eingegrenzt, ausgenommen mal die wirklich guten Betriebe, die schon immer alternative Lösungen gesucht und gefunden haben.
Heute ist es aber so, dass Leute große Ställe bauen können, die weder besonders gut sind noch über entsprechende Sicherheiten verfügen (Stichwort Objektfinanzierung).
Die Fläche, auf dem der Stall steht, wird ausparzelliert, der Stall steht am besten irgendwo in der Pläne, damit es keinen Ärger gibt, wenn ein "strategischer Betreiberwechsel" (dieses Wort fiel tatsächlich mal in einem Bankgespräch) seitens der Bank vorgenommern wird. Der Stall dient als Sicherheit.
Läuft es mal nicht so und die Bank spielt auch nicht mehr so richtig mit, finanziert die Futtermühle mal eben einen Durchgang das Futter. Mit der Maßgabe natürlich, dass man das Futter selbstverständlich auch in Zukunft von ihm beziehen muss. Oder die Ferkel werden vom Händler gestundet, natürlich mit Andienungspflicht der fertigen Mastschweine.
So sichern sich Abnehmer günstig ihren Rohstoffbezug oder Lieferanten ihren Absatz, und der Landwirt bekommt gerade so viel, dass er eben über die Runden kommt und sagt sich "hätte ich den Stall mal nur nicht gebaut". Zu spät.
Und dann heißt es jahrelang in jeder ldw. Fachzeitschrift, Dänen und Holländer sind uns produktionstechnisch, organisatorisch und strukturell weit voraus, wir müssen also aufholen, das heißt wachsen auf Teufel komm raus. Ich will hier gar nicht von dem anfangen, was die Kammer jahrelang empfohlen hat. Da kommt mir die Galle hoch. Wohin das geführt hat, sieht man in allen Konsequenzen in Dänemark und auch in Holland.
So, und nun sage mir mal jemand, wer an diesem ganzen Hype verdient und verdient hat?
Die Banken, die vor- und nachgelagerte Industrie und der Verbraucher in Form immer billigerer Lebensmittel. Und einige Landwirte, die den Laden im Griff haben und auch in 20 Jahren noch Landwirtschaft betreiben. In jedem Dorf noch ein Landwirt, und die anderen 20, die aufgehört sind oder aufhören mussten, haben am Ende des Strukturwandels den ganzen Spaß bezahlt.
Leute, die das trotzdem propagieren, sind entweder diejenigen genannten, die in 20 Jahren als einzige in ihrem Dorf noch übrig bleiben, oder große Schlachter, Viehhändler und Futtermühlen, denn die sind es, die ein Interesse daran haben, dass diese Entwicklung so weitergeht.
Oder halt Leute, die nur von 12 bis Mittag denken können.
Gruß Pigeldy
@ Landjus [#36]
Sie haben mich falsch verstanden.
Vielfach sind die Ställe von Leuten gebaut worden, deren Voraussetzungen für das Betreiben erfolgreicher Landwirtschaft materiell und intelektuell ungünstig waren und die besser schon längst aus der Landwirtschaft ausgestiegen und einen anderen Beruf ergriffen hätten.
Die damaligen Heuerlinge sind die heutigen Großbetriebe mit 500 KW Biogas, 500 kw PV, 5000 Mastschweinen und 500.000 Hähnchen und vielleicht noch 250 - 500 ha gepachtet. Das sind die Betriebe an denen die Landwirte aus z.B. Westfalen (Schulze-...) vorbeifahren wenn Sie sich ihre Ersatzteile von BigDutchman, Weda, Meyer, Krebeck etc. holen und staunen.
Die Heuerlinge haben durch Fleiß und Können die materiell und intellektuell überlegenden größeren Betriebe überholt. Die Intelektuellen unter ihnen hatten nämlich häufig eine Abneigung gegen körperliche Arbeit und haben so lange gerechnet bis sie zu dem Schluss gekommen sind zu verpachten.
Sie haben ihre Chance genutzt! Einige sind aber auch auf der Strecke geblieben.
MfG
agriculus
@ agriculus
Da haben wiederum Sie mich falsch verstanden.
Die Frage ist doch, ob sich die Errungenschaften, die Sie als in der Hand der Heuerlinge befindlich aufgelistet haben, auch in deren Eigentum sind oder tatsächlich Banken, Viehhandel, Futtermittelindustrie usw. gehören, mit der Folge, daß besagte Heuerlinge genau das geblieben sind, was sie waren, nämlich Zinsknechte, die für das Wohl anderer arbeiten müssen. Was haben die also am Ende gewonnen ?
Den Begriff des "Heuerlings", der die Sachlage wohl treffend beschreibt, kannte ich bis heute übrigens nicht, da hier in der Gegend unbekannt. Und damit kein weiteres Mißverständnis aufkommt, wer es tatsächlich geschafft hat, sich dort heraus zu arbeiten, verdient größten Respekt.
Die Folge ist aber genau das, was Pigeldy in seinem Beitrag beschrieben hat.
Nutznießer waren Banken, Industrie und Verbraucher, die wg. billiger Lebensmittel Geld für allerlei Konsumtrotteleien haben, während die Landwirte - auch und gerade einschließlich ehemaliger Heuerlinge - immer mehr arbeiten und immer größere Risiken eingehen müssen und trotzdem -im Verhältnis zu anderen, noch arbeitenden Bevölkerungsgruppen immer weniger Geld in der Tasche haben.
Heuerling
Im ausgehenden Mittelalter tauchen die Heuerlinge (auch Kötter, von Kotten = Heuerlingshaus) oder auch Heuerleute als neue soziale Schicht auf.
Die Hof- bzw. Herdbesitzer sicherten sich durch Abtreten einer kleinen Heuerstelle, die aus Haus, Garten und etwas Ackerland bestand, bodenständige Arbeiter. Durch Mitarbeit auf dem Hof des Bauern verdiente sich der Heuerling seine Heuer (Pacht), zusätzlich Korn, Heu und auch die Spannhilfe des Bauern. Die Betriebsfläche der Heuerstellen lag typischerweise in Form von Kämpen um den Hof. Wiesen besaß der Heuerling nur in den seltensten Fällen. Auch auf die Gemeinheit hatte er keinen Rechtsanspruch; doch da diese ihm zur Existenz unentbehrlich war, wurde ihm gegen geringes Entgelt der Auftrieb einiger Kühe gestattet.
Da das eigene Anwesen in vielen Fällen die vielköpfige Familie nicht ernähren konnte und der Handwerkerstand unter Zunftgesetz stand, das nur die Aufnahme eines geringen Prozentsatzes vorsah, verdingten sich vor allem in Westfalen, dem Oldenburger Münsterland, dem Emsland und dem Unterwesergebiet und Ostfriesland viele männliche Familienmitglieder als Saisonarbeiter in Holland (Hollandgänger).
Heuerlinge waren keine vollberechtigten Mitglieder der Bauernschaft. Sie besaßen kein Stimmrecht, brauchten keine Kirchenbeiträge zu bezahlen, mussten aber für das Totengeläut eine Gebühr entrichten.
Mit dem Beginn der Weimarer Republik schlossen sich die nordwestdeutschen Heuerleute in Interessenorganisationen zusammen. Für den Osnabrücker Raum entstand der Nordwestdeutsche Heuerlingsverband unter Leitung des späteren SPD-Reichstagsabgeordneten Wilhelm Helling, im Emsland/Grafschaft Bentheim und Teilen des Landkreises Bersenbrück der Verein Christlicher Heuerleute, später Verband Christlicher Heuerleute, Kleinbauern und Pächter unter dem späteren Provinziallandtagsabgeordneten Heinrich Kuhr (Zentrum), in Südoldenburg der Verband Landwirtschaftlicher Kleinbetriebe.
Das Heuerlingswesen bestand bis in die 1960er Jahre.
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Heuerling)
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Die Überschrift des Themas hat sich schon überholtt: