Ferkel: Weiter feste Preise im In- und Ausland
Ferkelmarkt zeigt sich weiterhin fest
LWK Niedersachsen (30.12.11) - Nachdem die Ferkelpreise in der Woche vor Weihnachten nochmals leicht zulegen konnten, entwickelt sich die Nachfrage auch zum Jahreswechsel insgesamt fest. Das hierzulande und überregional verfügbare Angebot trifft auf eine weiterhin vorhandene und zügig verlaufende Nachfrage der Mäster.
Die Angebotssituation wird bundesweit unterschiedlich beurteilt. Regional fällt diese nur knapp ausreichend aus, während anderenorts noch von einem bedarfsdeckenden Angebot gesprochen wird. In Nordwestdeutschland fielen die Umsätze an Ferkeln in der 51. Kalenderwoche sehr hoch aus. Trotz deutlich reduzierter Schlachtschweinepreise berichteten die Marktbeteiligten auch zuletzt noch von einem weiterhin sehr gut verlaufenden Abverkauf. Mindestens fest tendierende Preise sind somit in der letzten Woche des Jahres die Folge.
Im benachbarten EU-Ausland herrschten ebenfalls recht feste Ferkelpreise vor. In der 51. Kalenderwoche stiegen die Kurse in den Niederlanden, Belgien, Spanien und Italien ebenfalls an. Teilweise wird auch in der 52. Kalenderwoche mit weiter steigenden Kursen gerechnet. Zumindest gilt dies für die Niederlande, Spanien und Italien.
(Quelle: http://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/6/nav/206/article/8351.html )
Die rote Linie zeigt die Tendenz des Kassapreises für Ferkel in den kommenden 12 Monaten. Die blauen Rechtecke und Pfeile zeigen die Preiserwartung am Terminmarkt an.
Im abgelaufenen Jahr 2011 sind die Ferkelimporte aus den Niederlanden nach Deutschland nochmals auf 3,6 Mio Stck. gestiegen. Der gesamte holländische Ferkelexport ist jedoch gleichgeblieben. Der deutsche Anteil ist von 51 % auf knapp 58 % angewachsen.
Die Ferkelimporte aus Dänemark in Richtung Deutschland sind jedoch zurückgegangen. Der gesamte dänische Ferkelexport hat zwar nochmal zugenommen, aber der deutsche Anteil ist von rd. 80 auf rd. 70 % gefallen. Steigende Ferkeltransporte sind in Richtung Polen gefahren worden.
Ferkelimporte nach Deutschland (in Mio. Stck.)
2007 2008 2009 2010 2011 Niederlande 2,4 2,43 3,04 3,22 3,6 Dänemark 3,64 4,75 6 5,9 5,7Die Ausfuhren lebender Schlachtschweine aus Dänemark ist innerhalb von 2 Jahren von 1,1 Mio. auf 0,38 Mio. Stck. deutlich gefallen. Die Altsauenexporte wurden gegenüber 2008 von rd. 200.000 Stck. auf 118.000 Stck. reduziert.
MFG
Bre
Viehzählungsergebnisse vom 03. Nov. 2011
Zum wiederholten Male sind die Viehzählungsergebnisse aufgrund von Änderungen der Erfassungsgrundlage mit früheren Zahlen nur eingeschränkt und mit Vorbehalt vergleichbar.
Unter Berücksichtigung von Korrekturansätzen ist festzustellen, daß der deutsche Schweinebestand im Wesentlichen stagniert. Das ist aber nicht bundeseinheitlich der Fall. Im größten Erzeugungsgebiet Niedersachsen ist eine korrigierte Zunahme von 2,5 %, in der zweitgrößten Region NRW eine Abnahme von unter 1 % zu ermitteln. Bestandsaufstockungen hat es in den meisten ostdeutschen Ländern wie Sachsen-Anhalt (+3,2%), Thüringen (+2,1%), Brandenburg (+2,5 %) und Meckl.-Vorp. (+0,7 %) gegeben. Von den süddeutschen Ländern hat vor allem Baden Württemberg (-2,8 %) abgestockt.
Die Sauenhaltung wurde unter Berücksichtigung der Korrekturansätze um 39.000 Sauen bzw. 1,75 % gegenüber dem Vorjahresmonat Nov. 2010 zurückgefahren. Die Bestandsabstockungen in den süddeutschen Ländern setzen sich fort. Der süddeutsche Ferkelüberschuß tendiert auf absehbare Zeit gegen Null. Ein beachtlicher Rückgang der Sauenzahlen ist auch für NRW festzustellen. Demgegenüber sind in einigen ostdeutschen Ländern die Sauenbestände erhöht worden, wobei Sachsen-Anhalt mit +4,8 % herausragt.
Unterstellt man für die abgestockten Sauen eine Minderung in Höhe von rd. 700.000 Ferkeln und hält eine Leistungssteigerung von 0,15 Ferkel/Sau und Jahr für den verbleibenden Sauenbestand dagegen, entsteht ein Ferkeldefizit in Höhe von überschlägig geschätzten 400.000 Ferkeln.
Im abgelaufenen Kalenderjahr 2011 haben die Niederlande rd. 400.000 Ferkel mehr importiert als im Vorjahr. Aus Dänemark wurden jedoch 200.000 Ferkel weniger nach Deutschland transportiert. Wenn diese Tendenz auch für 2012 anhalten sollte, entsteht für Deutschland eine enge Versorgungslage, die nur durch steigende Ferkelpreise gelöst werden kann. Wenn die Nachfrage der Mäster nicht einknickt, wird die Preissteigerung in Deutschland so hoch ausfallen, bis die Mitbewerber beim Ferkelimport – insbesondere die osteuropäischen Länder, allen voran Polen – nicht mehr mithalten können. Ein Wiederaufbau ferkelliefernder Sauenbestände braucht bekanntlich 1,5 bis 2 Jahre.
Unter Berücksichtigung der typischen saisonalen Jahresverläufe, hängt das Ferkelpreisniveau stark vom Schweinepreisniveau ab. Aus den Erfahrungen früherer Jahre ist bekannt, daß bei hohen Schweinenotierungen Ferkelpreise überproportional hoch ausfallen und sinngemäß im umgekehrten Fall.
Der Effekt, daß starke Produktivitätszunahmen in der Sauenhaltung durch tendenziell fallende Preise ausgeglichen werden, war in den letzten 5 bis 7 Jahren nachzuweisen. Dieser Effekt dürfte angesichts der geringer werdenden Fortschritte in biologischer (Ferkelzahl je Sau) und organisatorischer (Sauen je Arbeitskraftstunden in größeren Beständen) Hinsicht weniger stark ins Gewicht fallen als es in der jüngeren Vergangenheit der Fall war. Der durchschnittliche Sauenbestand liegt bei 152 Tieren je Halter. Mehr als 55 % der bundesdeutschen Sauen werden in Beständen oberhalb von 250 Sauen gehalten. Der Anteil der Sauen unter 100 je Bestand liegt bei rd. 15 %. Der Strukturwandel dürfte jedoch noch nicht zu Ende sein.
Wie hoch die Ferkelpreise 2012 wirklich werden, hängt über den Zusammenhang mit den Schweinepreisen bei einem Selbstversorgungsgrad von deutlich über 100 % entscheidend von der Schweinefleischausfuhr ab. Die Inlandsnachfrage dürfte nur wenig dazu beitragen.
Mit freundlichen Grüßen
Bre