Ferkelnotierung: Marktverlauf wird komplett ignoriert
Die Preisfindung der VEZG bei der Schlachtschweinenotierung ist sicherlich oft abenteuerlich und nicht nachvollziehbar.
Was aber jetzt bei der Ferkelnotierung passiert ist der Gipfel. Der tatsächliche Marktverlauf wird komplett ignoriert, die Preise künstlich oben gehalten. Da meinen einige Erzeugergemeinschaftsvorsitzende(wahrscheinlich selbst Ferkelerzeuger) und die Landwirtschaftskammer, sie würden den Ferkelerzeugern einen großen Gefallen erweisen. Irrtum. Das Fazit: Langfristige Lieferverbindungen zwischen Ferkelerzeugern und Mästern gehen in die Brüche, weil die Preisdifferenz zum Spottmarkt immer größer wird.
Eine Ferkelnotierung, die den Markt nicht wiederspiegelt braucht niemand.
Dann ist es ev. besser, die Notierung bleibt bei € X einfach 52 Wochen im Jahr stehen, und die Auf und Abschläge müssen jede Woche neu verhandelt werden.
Das Problem ist Hausgemacht. Die EZGs handeln selber kaum noch freie Ferkel. Das tut der Handel. Daher werden die meisten freien Ferkel auch mit festen Preisen verkauft. Die differenz kennen wir ja als Zu- bzw. Abschläge auf Notierung. Derzeit gibt es freie Ferkel aus einem Betrieb (ganzer LKW voll) zu Notierung, also ca. 55 EURO. Die Dänen haben bereits reagiert und in den letzten Wochen die Notierung angepasst.
Mich wundert:
1. Wie kommt man auf -2,700 EURO ?? Freie Ferkel sind in sechs Wochen ca. 13 EURO billiger geworden (vergleichbare Menge und Qualität)
2. Was soll die Notierung noch? Wozu macht man sich die Arbeit? Wer fest mit einem Betrieb arbeitet kann besser einen Jahresmittelpreis wählen.
3. Wieso heisst es "Marktstrukturgesetz" wenn es garnicht um Markt geht?
4. Wieso schreibt der ISW-Verein in Damme, dass sie Ferkel zu Marktgerechten Preisen anbieten können, wenn der Vorsitzende auch Vorsitzender der VEZG ist?
Tach.
@ heuerling [#2]
Freie Ferkel wurden auch früher teurer in diesem Frühjahr und höher gehandelt, das mußt Du nun auch dabei schreiben. Was Du schreibst ist doch nur die halbe Wahrheit. Typisch Bauer.
Tach
Natürlich wurden die Ferkel teurer gehandelt - waren ja auch knapp und gefragt. Die Notierung spiegelt ebend den Markt nicht wieder.
Die Frage sollte aber sein: Kommt das Geld für die dann gezahlten Aufschläge (bis zu 15 (fünfzehn!) EURO über VEZG-Notierung) überhaupt beim Ferkelerzeuger an oder - mangels Transparenz durch falscher Notierung - beim Handel. Der hat sich - und das kann ich beweisen (!) - teilweise die Taschen voll gemacht.
Also: Wenn schon Notierung, dann muss sie den Markt wiederspiegeln.
Nacht.
@ heuerling
Ab wieviel Euro pro Ferkel macht sich denn der Handel die Taschen voll?
MfG
@ heuerling [#4]
Schuld an den Aufschlägen sind doch die Mäster selber, denn die bezahlen diese doch. Wenn jeder Mäster sagen würde ich bezahle nur die Notierung, dann gäbe es auch solche Auswüchse mit den Aufschlägen nicht und der Markt wäre transparent.
Ich fände allerdings eine Abschaffung der Ferkelnotierung die bessere Wahl, genauso wie die Abschaffung des V-Preises. Freier Markt für alle. Aber da machen nunmal die EZGs nicht mit, weil für die feinen Herren im Drehstuhl dann jeder Tag ein Arbeitstag wäre und kein Spaziergang.
MfG
agriculus
@ alle
Gute Diskussionsbeiträge.
Aber der Vorschlag von agriculus, einfach alle Notierungen abzuschaffen liest sich wie der Vorschlag, den Börsenhandel mit Aktien abzuschaffen, weil dann keine Kursverluste mehr möglich wären.
Es ist doch niemand gezwungen, sich an die Notierungen zu halten und wie die riesigen Aufschläge und Abschläge zeigen, tun das die wenigsten.
Und die "feinen Herren im Drehstuhl" sind doch diejenigen, die von den Ferkelerzeugern und Mästern selbst gewählt wurden, um sie zu vertreten.
Ein (nicht ganz ernst gemeinter) Vorschlag: Einheitspreis Ferkel von zum Beispiel 50 Euro für das ganze Jahr und zusätzlich eine Notierung für den tatsächlich gehandelten Aufschlag oder Abschlag. Daraus kann sich jeder den echten Preis errechnen.
Die Grafik zeigt den Marktpreis für Ferkel in Niedersachsen, derzeit um 34 % über dem des Vorjahres. Wenn tatsächlich solche hohen Notierungen (plus Aufschläge) gezahlt werden, muss die Schweinemast schon enorm lukrativ sein.
Schöne Grüsse, Richard Ebert
Noch eine Grafik: Prognose der kommenden 12 Monate.
Rot: Unter saisonalen Aspekten erwartete Ferkelpreis in den kommenden 12 Monaten. Blau: Terminmarkt Kurse für Ferkel, die horizontalen Pfeile zeigen die Settlementpreise. Nach der saisonalen Prognose werden die Ferkelpreise bis September um 30 bis 40 % über denen des Vorjahres liegen.
Ferkelnotierung sollte sein: Sensibler Marktbarometer als Grundlage für die Vereinbarungen bei der Preisgestaltung zwischen Ferkelerzeuger und Mäster, egal über wen der Handel betrieben wird.
Entscheidend ist die Glaubwürdigkeit dieser Notierung, wieweit entspricht der Preis dem Markt oder aber den Vorstellungen derer die die Notierungen festlegen.
Und da hat es anscheinend in den letzten Tagen einen ordentlichen Knall zwischen denen gegeben die am Markt erfahren wie hoch oder niedrig Angebot und Nachfrage den Preis erlauben und denen die meinen zu wissen wie viel ein Ferkel derzeit dem Mäster wert sein sollte.
Als Folge dieser "Klärung" wird es nach meiner Info in der kommenden Woche einen erheblichen Rückgang der "Notierung" und damit eine Anpassung der Notierung an die tatsächlichen Nachfrageverhältnisse geben.
Gruß Paul