Finanzinvestoren und die fallenden Preise für Braugerste ?
Schlechte Preise trüben gute Ernte Kreisbauernverband und Landwirtschaftsamt ziehen Bilanz - Weizen wieder als Brennstoff?
Von Ralf Ott
Alb-Bote, Eglingen (05.09.09) - Schlechtes Wetter in der ersten Sommerhälfte, hohe Produktionskosten und niedrige Preise für ihre Erzeugnisse bereiten den Landwirten Sorgen. Dieses Fazit zogen Kreisbauernverband und Landwirtschaftsamt.
Die Lage der Landwirte in der Region ist äußerst schwierig: Nicht nur der Milchpreis steckt weiterhin im Keller, auch die Preise für Getreide "bewegen sich auf sehr niedrigem Niveau", sagte beim gestrigen Erntebilanzgespräch der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, Gebhard Aierstock. Neben dem schleppenden Absatz machte er für die aktuelle Entwicklung auch die Finanzmarktkrise verantwortlich, da viele Investoren Mittel aus dem Agrarmarkt abgezogen hätten. Ganz extrem zeigt sich der Preisverfall bei Braugerste: Wurden vor zwei Jahren noch 300 Euro für eine Tonne bezahlt, so gibt es für die gleiche Menge heuer nur 115 Euro.
(Quelle und weiter lesen: -> http://www.suedwest-aktiv.de/region/albbote/rundschau_von_der_alb/4577373/artikel.php?SWAID=38d45b7c3a0b3bf13a8d3b3d11d720e1)
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Und jetzt meine Frage an alle, die von Agrar, besonders Getreide und Braugeste mehr verstehen als ich:
Wie muss ich mir das mit dem Abzug von Mitteln bei Braugerste vorstellen, die den Preis in 2 Jahren von 300 auf 115 Euro je Tonne haben fallen lassen ? In welcher Form haben die Finanzinvestoren Braugerste gekauft oder verkauft, wann und zu welchen Kursen oder Preisen ? Haben die Finanzinvestoren damit Gewinne oder Verluste erzielt und wie haben die Braugerste Erzeuger durch die Finanzinvestoren Schaden erlitten oder profitiert ?
Leider wurde der Börsenterminhandel mit Braugerste in 2008 eingestellt, den Rückgang von 300 auf 115 Euro muss man sich dazu denken:
Auch die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz schrieb:
Ein Markt, der derzeit noch keiner ist
Wie und vor allem wann entwickelt sich der Markt für Braugerste?
...befindet sich der Markt in einer Art "Vegetationsruhe"...
... bestimmen neben dem Verhältnis von Angebot zu Nachfrage auch spekulative Einflüsse von den Finanzmärkten in hohem Maße die Preisentwicklung ...
... Darüber hinaus sind infolge der volatilen Märkte die Mälzer nicht mehr gewillt mit Braugerste zu handeln und somit am Markt aktiv zu agieren. Vielmehr schließen sie analog den veränderten Einkaufsverhalten der Brauer nur noch durchgehandelte Kontrakte ab.
Vielfach noch verstärkt durch eine reduzierte Bevorratung seitens der Verarbeiter sind das nicht gerade positive Vorzeichen, aus denen sich auch die derzeitigen Preisangebote für Braugerste der Ernte 2009 von 12,50 bis 13,50 €/dt frei Lagerhaus, zu denen allerdings seitens der Landwirte keine Verträge mehr abgeschlossen werden, erklären.
...
Von Analysten zwar erwartet ... sind die Einflüsse der aus den weltweiten Rettungspaketen und Konjunkturprogrammen ausreichend mit Geld versorgten Finanzmärkte auf die Preisentwicklung ... von Getreide und Braugerste im Besonderen. Genutzt werden können diese Chancen aber nur bei einer gewissen Bereitschaft der Landwirte zur Spekulation ...
(Quelle: http://www.lwk-rlp.de/print.jsp?jsessionid=4BFA9ACA2693233&kontext=Kontext_13&auswahl=5988&publicationlanguage=de)
@ Kobban [#2]
Vielen Dank.
@ alle
Wer kann zu meinen Fragen eine Antwort geben ?
@ Richard Ebert [#3]
Und ich dachte, ihre Fragen wären bloß rethorischer Natur.
Einer von uns beiden könnte die Fragen ja mal "einem der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten" Michael Vaupel von Trader's Daily stellen. Vaupel hat sich nämlich kürzlich zur Braugerstensituation geäußert und sagt: er selbst hätte Braugerste aus Interesse im Visier.
(19.08.09) Aktuelle Einschätzung zum Basiswert Braugerste
http://www.investor-verlag.de/aktuelle-einschaetzung-zum-basiswert-braugerste/112042021/
@ Richard Ebert [#1]
Das mit dem Abzug der ( finanziellen ) Mittel kann sich nicht direkt auf die Braugerste beziehen.
Vielmehr ist davon auszugehen, dass Braugerste in " Sippenhaft " genommen wird.
Allerdings muss man auch ganz deutlich sehen, dass die Versorgungslage momentan bei allen Getreidearten mehr als komfortabel ist. Wieso sollen Brauer und Mälzer mehr bezahlen als notwendig, wenn sowieso, von allem zuviel da ist.
Thomas
@ bbw [#5]
Die Antwort kann man oben im Chart ablesen! Der Braugerstenmarkt ist etwas enger als der Futtergerstenmarkt und wenn dann mangels Masse die Preise explodieren, ist das Wehklagen groß und das Bier muß teurer werden, weil die Rohstoffe so stark gestiegen sind (<-- da ist ein wenig Sarkasmus drin ;)).
Dieses Problem ließe sich dämpfen, wenn von vornherein mit den Erzeugern vernünftige, wirtschaftliche Verträge geschlossen werden würden.
Auf Fehlern in der Vergangenheit sollte man lernen.
Dass sich innerhalb von ein zwei Jahren die Versorgungssituation wieder völlig drehen könnte, muss ich doch nicht mehr schreiben...oder?
MfG S_M
Warum sollte das bei der Braugerste anders verlaufen als wie mit dem gesamten Getreidemarkt?
Weizen ist schliesslich auch von 280 Euro/to auf 115 Euro/to gefallen.
Die Gelder wurden abgezogen; da der Preiskorridor irgendwann vollkommen überzogen waren ( manche nennen das auch eine Blase).( Stellt euch mal vor; wir hätten im Sommer 2010 aufeinmal Schweinepreise von 4,20 Euro; das währe die Getreidesteigerung von 2006 auf 2007; dann denken auch alle das geht nicht gut)
Wir würden Steigerungen sehen; wenn wir mal 3-4 Jahre eine Preisbasis von 200 Euro/to. haben.
Zudem; Bier wird auch nicht mehr soviel getrunken; und das vollkommen unabhängig von der Finanzkriese; der Höhepunkt war 2006 (WM im Bierstammland) überschritten.
Als drittes gillt es anzumerken; dass es nun auch Wintergersten Sorten gibt; die das Potenzial für die Brauereien haben; was dazu führt; dass diese "stabiler" im Ertrag sind gegenüber der klassischen Braugerste; weil diese die Winterfeuchtigkeit besser ausnutzen kann.
Mit Verträgen ist man in diesem Sektor noch nie gut gefahren; denn die Landwirtschaft ist ein "Überschussmarkt" mit vielen Anbietern und wenigen Abnehmern.
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach
@ bbw [#5]
Danke für die Antwort, aber meine Frage ist damit überhaupt nicht beantwortet. Hier ist sie nochmals:
Wie muss ich mir das mit dem Abzug von Mitteln bei Braugerste vorstellen, die den Preis in 2 Jahren von 300 auf 115 Euro je Tonne haben fallen lassen ? In welcher Form haben die Finanzinvestoren Braugerste gekauft oder verkauft, wann und zu welchen Kursen oder Preisen ? Haben die Finanzinvestoren damit Gewinne oder Verluste erzielt und wie haben die Braugerste Erzeuger durch die Finanzinvestoren Schaden erlitten oder profitiert ?
Sollte darauf jemand eine Antwort wissen, bin ich darauf sehr gespannt.
Zur Erinnerung die Aussage des Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes, Gebhard Aierstock. Neben dem schleppenden Absatz machte er für die aktuelle Entwicklung auch die Finanzmarktkrise verantwortlich, da viele Investoren Mittel aus dem Agrarmarkt abgezogen hätten. Ganz extrem zeigt sich der Preisverfall bei Braugerste: Wurden vor zwei Jahren noch 300 Euro für eine Tonne bezahlt, so gibt es für die gleiche Menge heuer nur 115 Euro.
Ist es nicht vielmehr so, dass Bauern wegen der hohen Braugestepreise ihren Anbau erhöht haben, ohne sich gleichzeitig per Terminkontrakt, Forward oder EFP diese hohen Preise zu sichern ?
Schöne Grüsse, Richard Ebert
Gegenfrage:
Warum ist der Preis innerhalb eines Jahres von 120 auf 300 Euro/to gestiegen?
In den Jahren zuvor hatten wir eine Preisspanne von 110-140 Euro/to.
Ist da soviel weniger geerntet worden?
Wurde soviel mehr an Bier verbraucht?
Zum ersten: Ja ; 20% weniger
Zum zweiten: Ja; WM.
Der wahre Hauptgrund aber war der allgemeine Rohstoffmarkt und deren Knappheit; angefangen von Aluminium; Altpapier bis hin zu Zink.
Und Agrarrohstoffe waren seit Jahren "Underperformed".
Also war die Chance; für nicht "Agrarier" etwas zu verdienen höher als z.B. bei Kupfer.
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach
@ Muehlenbach [#9]
Letzter Versuch: Ich habe nicht gefragt warum die Preise für Braugerste steigen oder fallen. Ihre Antwort geht völlig ins leere.
Meine Fragen stehen alle in Beitrag [#9], in Fettschrift.
Meine Antwort ( nicht in Fettschrift)
Spekulanten.
Nichts reelles, fundamentales; wenn Sie dass meinen.
Eine Summe im vierstelligen Milliardenbereich ist Urplötzlich "verschwunden"; warum? Wo ist das Geld denn hin?
Es muss doch jemand anderes haben; sollte es zumindest.
Es hat aber keiner; weil es das niemals gegeben hat.
Zumindest weder real; noch mit Wirtschaftsgütern gedeckt.
Und genau das ist mit der Braugerste auch passiert.
Die Preise waren niemals real; allenfalls wurde damit gepockert.
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach
@ Muehlenbach [#11]
Spekulanten, die über Finanzprodukte (Futures) spekulieren, ändern keine Preise. Preise verändern können nur Marktteilnehmer, die physisch Ware liefern, physisch Ware nehmen, oder physisch mit Ware spekulieren (Getreide im Lager oder Öl im Tanker aufbewahren).
Für jeden Spekulant, der über Finanzprodukte long geht, geht ein anderer short.
@ Asamat [#12]
NA ja, bei Braugertste nicht, aber bei Öl und anderen Rohstoffen (Kupfer o.ä.) sind die Zertifikate natürlich mit Rohstoffeindeckungen verbunden gewesen, die keiner gebraucht hat.
@ Richard Ebert [#8]
Ich habe schon verstanden, dass Sie Weisheit der (Bauern-)Lobyisten nicht sehr hoch einschätzen, ich empfehle Ihnen daher immer wieder einmal auf die Internetseite deer Kali & Salz zu gehen. Dort wird so getan, als gäbe es keine sinkenden Getreidepreise - von Managern veranlasst, die das zigfache Jahresgehalt einstreichen.
Volkswirtschaftlich kann ich nur prophezeien, dass dieses starke auf und ab politisch auf lange Sicht nicht durchzustehen ist , dafür gibt es viel zu viel arme Menschen auf der Welt.
@Asamat
Denk mal ans Öl; an die Bestrebungen der US-Regierung; die Spekulation einzudämmen bei wichtigen Rohstoffen.
Warum?
Wenn Spekulation keine Preise ändert?
Genau das ist mit der Braugerste auch passiert.
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach
@ Asamat [#12]
"Preise verändern können nur Marktteilnehmer, die physisch Ware liefern, physisch Ware nehmen, oder physisch mit Ware spekulieren (Getreide im Lager oder Öl im Tanker aufbewahren)."
Nimm einmal Indizes. Da wird nichts physisch geliefert, genommen, eingelagert. Und die Preise ändern sich doch!
Auch wenn des einen Spekulanten Gewinn des anderen Spekulanten Verlust ist, nimmt dieses "nullsummenspiel" sehr wohl Einfluß auf den Preisverlauf auch von Waren.
Preise beziehen sich auf Zahlungen. Die Konditionierung von Zahlungsvorgängen (Motivation) wird nicht bloß von außen gesichert sondern auch durchs System selbst:
finanzsystemeigene Konditionierung von Zahlungen, die durch Preise vermittelt werden, mit denen man über Zahlungserwartungen sich informieren kann, wie die anderen den Markt sehen. Man hofft durch Beobachten von Preisänderungen Trends zu erkennen. Schon allein die unzähligen Trendserkennungsversuche mit entsprechendem Handeln/Nichthandeln (Zahlen/Nichtzahlen) der Marktteilnehmer sabotiert Gleichgewichtstheorien (es gibt keine Rückkehr in eine Ruhelage).
Preis-orientierte Systeme haben ein sehr schlechtes Gedächtnis, jedenfalls ein nahezu unberechenbares.
Durch Zahlungen und Preise selbst werden notwendige Informationen über Angebotsmöglichkeit und Bedarf (u. beides: physisch u. nichtphysisch) erzeugt.
Hinzu kommt auch noch der Kontrollversuch von Preisfluktuationen über die Geldkosten, zum Warenpreis der Geldpreis. Und die Politik mischt auch mit: mit neuen u. abgeänderten Gesetzen u. Bestimmungen od. deren Androhung.
@ Richard Ebert [#8]
Meiner Meinung nach haben Finanzinvestoren weder Gewinne noch Verluste mit der Braugerste gemacht.
An welchen Warenterminbörsen hätten sie dies denn auch tun sollen.
Soviel ich weiß ist nur in Hannover Braugerste gehandelt worden.
Die Umsätze sind bekannt.
Dass ein Funktionär des Bauernverbandes die Finanzmarktkrise anführt, zeugt von seiner Unkenntnis in Bezug auf diesen Markt.
Viele Grüße
Thomas Balling
@ Ackerspezi [#13]
Ich habe schon verstanden, dass Sie Weisheit der (Bauern-)Lobyisten nicht sehr hoch einschätzen
Das würde ich nie schreiben, ich habe nur gefragt. Wenn ich aber lese, der deutsche Milchpreis wäre so niedrig, weil sich jemand mit Michfutures in Chicago spekuliert hat, zweifle ich dessen Kompetenz.
Eine setzt solch falsche Meldungen in Umlauf und alle anderen wie Sie schreiben Bauern-Lobbyisten plappern das gegenüber der örtlichen Presse nach.
@ bbw [#17]
Dass ein Funktionär des Bauernverbandes die Finanzmarktkrise anführt, zeugt von seiner Unkenntnis in Bezug auf diesen Markt.
Ihre Begründung sehe ich exakt so. Nichts genaues wissen, aber für jede 'schlechte' Entwicklung erstmal Dritte verantwortlich machen.
Wie wäre es denn mit einer Meinung, dass aufgrund der hohen Preise der Anbau von Braugerste über den Bedarf ausgeweitet wurde und damit zu fallenden Preisen führte ?
Oder mit einer Meinung, dass aufgrund der Milchstreiks im vergangenen Jahr die Milchpreise wieder so ertragreich waren, dass die Milchproduktion auf neue Rekorde gesteigert wurde - und dies bei relativ hohen Preisen ?
Schöne Grüsse, Richard Ebert