Richard Ebert
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Führungswechsel bei der EWB

Führungswechsel bei der EWB - Neuer Vorstand und neuer Aufsichtsrat für Europäische Warenterminbörse Beteiligungs AG

Hannover (16.12.09) - Mit ihrer Hauptversammlung, die gestern (15.12.) in Hannover stattfand, hat die Europäische Warenterminbörse Beteiligungs AG (EWB) neben der Verabschiedung des Ergebnisses des Jahres 2008 die Voraussetzungen für eine personelle und operative Neuausrichtung des Unternehmens geschaffen.

Der Aufsichtsrat wurde von neun auf drei Mitglieder verkleinert. Ihm gehören zukünftig Richard Ebert, Christian Koltze sowie Joachim Tietjen an. Letzterer wurde zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt.

In seiner ersten Sitzung bestellte das Gremium Freiherr Carl-August von Gablenz zu seinem neuen alleinigen Vorstand.

Die EWB wurde 1996 von etwa 200 Aktionären gegründet, um die erste Warenterminbörse der Bundesrepublik Deutschland zu finanzieren. Nach der Neuordnung des Agrar-Commodity-Handels im Sommer diesen Jahres ist die Finanzierungsaufgabe abgeschlossen.

Die neue Mannschaft hat das ursprüngliche Ziel eines erfolgreichen Agrarterminhandels für Europa mit einem Standort in Deutschland nicht aus den Augen verloren. Jahrelange Erfahrungen im Betreiben einer Börse sowie ein guter Kontakt zur Agrarbranche qualifizieren dazu, Beratungsdienstleistungen in diesem Bereich für interessierte Nutzerkreise zu erbringen.

Geschrieben von Richard Ebert am
wollewatz
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@ Richard Ebert [#1]

Jahrelange Erfahrungen im Betreiben einer Börse sowie ein guter Kontakt zur Agrarbranche qualifizieren dazu, Beratungsdienstleistungen in diesem Bereich für interessierte Nutzerkreise zu erbringen.

Wie soll das konkret aussehen? Gibt es schon Konzepte?

Gruß,
wollewatz.

Richard Ebert
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@ wollewatz [#2]

Ich möchte dem neuen Vorstand nicht vorgreifen, der gerade zwei Tage im Amt ist. Zunächst muss der Geschäftsbetrieb übernommen werden.

An Konzepten wurde schon vor der Hauptversammlung am 15.12. gearbeitet, aber Schnellschüsse statt Gründlichkeit wird es nicht geben.

Wenn Sie oder ein anderer Leser konkrete Wünsche für Beratungsdienstleistungen rund um den Agrar Börsenterminhandel haben, die von anderer Seite noch nicht oder nur unzureichend erbracht werden, können Sie diese gerne hier im Forum äussern oder falls vertraulich per e-Mail an mich.

Schöne Grüsse, Richard Ebert

Brigitte Ammon
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Warenterminbörsen geben Landwirten Planungssicherheit

Der neue Aufsichtsratvorsitzender der EWB, Joachim Tietjen, erklärt im Telefoninterview einige Fachbegriffe und nimmt Stellung zur Neuausrichtung der EWB.

http://www.agrarheute.com/?redid=292255&mediaId=113621

(Quelle: http://www.agrarheute.com)

wollewatz
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In dem Interview wird ja schon einiges erwähnt, was in Zukunft passieren soll. Grundsätzlich finde ich die Ansätze sehr gut. Sicherlich wird sich die Frage der Finanzierung stellen aber wenn ich etwas zu sagen hätte, würde ich mir zum Ziel setzen, auf der nächsten Eurotier einen pfiffigen Messestand zu haben, der die sogenannten Marktbeteiligten dazu bewegt, über Preissicherungsmechanismen nachzudenken.

Die Leute von der Eurex verstehen bestimmt ihr ureigenes Geschäft sehr gut, aber wie die Bauern ticken werden sie nicht immer nachvollziehen können (was eigentlich ganz normal ist). Diese Lücke könnte eine EWB vielleicht füllen.

Ackerspezi
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@ wollewatz [#5]

Wichtiger als die Bauern sind gerade im Schweinebereich die Wurstfabriken und Weiterverarbeiter. Aber die scheinen ihre Kalkulation sicher zu beherrschen. Verkäufer sind doch genug da. Was fehlt, sind die Käufer.

wollewatz
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@ Ackerspezi [#6]

Das ist richtig. Wir haben darüber hier im Forum auch schon diskutiert: Offensichtlich werden im Fleischgeschäft nicht viele langfristige Verträge gemacht, so dass die Schlachtbetriebe und Verarbeiter gar nicht so sehr die Notwendigkeit haben ihre Preise abzusichern wie die Landwirte, die ja mehrere Monate Vorlauf haben bis ihr Produkt Schwein verkaufsfertig ist.

Die rote Seite ist mehr oder weniger im Tagesgeschäft verankert und kalkuliert von Woche zu Woche. Die Geschäftsführer der Betriebe haben keine Lust, ein nicht unbedingt notwendiges Börsengeschäft einzugehen, das sie im Falle eines Mißerfolges angreifbar macht und das ihnen als Spekulation vorgeworfen wird. Auch das ist ein Unterschied zum Landwirt, der nur sich selbst gegenüber verantwortlich ist und Verluste gegenüber niemanden zu rechtfertigen hat.

Trotzdem muss man sich fragen, wo der Unterschied zu den USA ist, wo es doch einen sehr lebhaften Handel gibt und dort offensichtlich auch die rote Seite ein Interesse am Warenterminhandel hat.

Was man allerdings schon schaffen könnte wäre eine Belebung des Ferkelmarktes. Das machen die Bauern doch im Wesentlichen untereinander ab. Hier könnte man doch auf einer Eurotier zum Beispiel gezielt beide Seiten ansprechen und informieren. Wenn sich dann ein Erfolg einstellt, färbt das vielleicht auch auf den Schweinemarkt ab.

Ich hoffe jedenfalls, dass die Verantwortlichen bei der Eurex mit ein wenig Idealismus an ihr neues Geschäftsfeld der Agrarrohstoffe herangegangen sind und nicht schon bald wegen zu geringen Umsatzes die Flinte ins Korn werfen, damit für die geplanten Aktionen der EWB genügend Zeit bleibt.

Gruß,
wollewatz.

Richard Ebert
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@ wollewatz [#7]

Ihren Beitrag kann ich in allen Punkten unterschreiben.

Die langfristigen Schweine Verträge (3-6 Monate) könnten zunehmend für Exportgeschäfte nach Osteuropa eine Rolle spielen, weil dort so wie ich hörte mehrmonatige Verträge zu Festpreisen die Regel darstellen. Diese sind über feste Kaufpreise bei der Grünen Seite oder über den Terminmarkt abzusichern.

Der Ferkelterminmarkt ist für beide Seiten, Ferkelerzeuger wie Schweinemäster, für eine bessere Kalkulation wichtig und vielleicht (finanziell) bald über-lebens-wichtig. Nur frage ich mich, ob sich mit einem Stand auf der Eurotier (den Vorschlag gebe ich an den EWB Vorstand weiter) ausser dem Denken auch das Tun der Beteiligten ändert.

Statt einer Kalkulation wird, wie ich auch immer wieder aus Telefonaten erfahren kann, lieber gegambelt, also auf das Glück niedriger Einkaufs- und hoher Verkaufspreise am Kassamarkt vertraut, statt extrem hohe Terminmpreise in 2009 für die Verkäufe in 2009 auszunutzen oder sich gerade zu überlegen, ob der Ferkel Terminmarkt zur Absicherung gegen steigende Ferkelpreise genutzt werden kann.

Schöne Grüsse, Richard Ebert

Bild entfernt.

wollewatz
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Ich glaube auch, das es eine ganz besondere Aufgabe sein wird, die Landwirte neu für einen Kontrakt mit Ferkeln oder Schweine zu begeistern. Das ist nicht so leicht, gerade auch nach den letzten Auswüchsen der Finanzmärkte, die zu noch mehr Unsicherheit geführt haben.

Wichtig für die Landwirte ist auch immer eine möglichst unkomplizierte Abwicklung der Geschäfte, die leicht nachvollziehbar ist. Wenn ich sehe welche Papierflut mich überhäuft, wenn ich nur einen Kontrakt Schweine oder Ferkel laufen habe, kann ich mir schon vorstellen, dass sich nicht jeder dafür begeistern kann. Gehen wir mal davon aus, dass Landwirte einen Beruf haben, der ihnen eher wenig Freizeit läßt so sollte man dafür sorgen, dass die Termingeschäfte mit möglichst wenig Aufwand zu erledigen sein müssen. Im Getreide und Rapsbereich übernehmen das teilweise ja auch schon die Landhändler für ihre Kunden. Vielleicht geht so etwas im Schweinebereich auch, so dass der Landwirt mit einem Telefonat oder Fax die Sache erledigen kann, ohne erst aufwändig ein Konto zu eröffnen und die eigene Kreditwürdigkeit zu bescheinigen usw. Dann wäre der eine oder andere auch dazu bereit mal etwas auszuprobieren. Beim Sojaeinkauf ist es ja auch üblich auf Termin zu kaufen, das macht jeder. Die Abwicklung ist denkbar einfach und deshalb auch akzeptiert.

Viele Grüße,
wollewatz.

heki24
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@ wollewatz:
Hallo,
zu den Schweinekontrakten:
Es gibt eine EZG in Hohenlohe die hat das schon vor Jahren angeboten.
Wie es derzeit läuft weiss ich allerdings nicht.
MfG heki24

Bauer Bernie
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@ wollewatz [#9]

Wie ich gehört habe bietet die Viehzentrale Südwest die Verkäufe auf Termin an.
mit sehr mässigem Erfolg.

Ich gebe Ihnen recht, Soja auf Termin zu kaufen ist sehr einfach. Wenn ich für 30.-€ die 100 kg für Mai festmache, zahle ich nach Lieferung im Mai 30.- ohne Papierkrieg und Sonstiges,fertig aus.

Es könnte ein Lösungsansatz sein wenn man das System so vereinfachen könnte, dass der Bauer heute seinem Abnehmer für 1,40 einen Zug Maischweine verkauft und bekommt dann im Mai 1,40 per kg abgerechnet ohne Broker ohne Hedgingbank. Kosten transparent z.B. 1 Ct pro Kg.
Dazu wäre es nötig dass die EWB auf die Schlüssellochbetriebe sprich große Viehhändler und Erzeugergenossenschaften zugeht und mit diesen ein System dafür entwickelt.

Aus eigener Erfahrung weiß ich daß es sehr lange dauert bis ein Bauer sich legitimieren läßt um Kontrakte zu handeln.
Im Juni dieses Jahres habe ich bei einer Versammlung von Mästern die Kollegen aufgefordert doch für 1,46 Januarschweine abzusichern. Alle haben genickt und gemeint für Januar sei 1,46 gut, keiner hat jedoch dafür abgesichert.
Ein anderes Problem sind wirklich die geringen Umsätze. Es trägt nämlich nicht zur Transparenz bei wenn 1,46 der offizielle Terminpreis ist und man kann erst einen Kontrakt bei 1,38 abschließen.

Mfg
BB

Bauer Bernie
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Es zeigt aber auch dass viele unserer Landwirtskollegen (alle Forumsteilnehmer und Leser ausgeschlossen) keine Geschäftsleute sind. Man hat sich für eine Produktionsrichtung entschieden und lässt den Karren laufen weil man kann ja eh nichts machen. Man arbeitet fleißig (manche sich auch zu Tode) und hofft dass am Ende des Jahres was übrig bleibt. Seine Stückkosten weiß man selbst nicht.
Wenn ein Nachbar einen großen Stall baut, oder Schlepper kauft macht man das nach, weil was der kann, kann ich auch. Bei der Flächenpacht überbiete ich den anderen einfach um 1.-€, wird schon irgendwie gehen.
Der Bauernverband wird dann schon gute Lobbyarbeit machen, daß die Prämien und Subventionen bleiben oder steigen.

Es hört sich etwas abenteuerlich an, so weit neben der Wirklichkeit sind meine Gedanken aber nicht. Leider.

Mfg
BB

wollewatz
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Sicherlich sind die Termingeschäfte bei Landwirten noch nicht üblich, es fehlen die guten Erfahrungen, die sich rumsprechen und für Erfolg sorgen. Ich kann mich daran erinnern, als die sechsreihigen Rübenroder nach und nach eingeführt wurden. Einige Landwirte fanden es unvorstellbar mit so einem Monster über den Acker zu fahren, heute ist es Standard. Wer hat denn vor 10 Jahren gedacht, dass sich automatische Lenksysteme einmal so schnell durchsetzen würden? In wenigen Jahren wird sicherlich kein Schlepper ohne diese Technik angeboten. Es muss eben erst ein gewisser Punkt erreicht sein bis die allgemeine Stimmung einer neuen Entwicklung gegenüber wohlgesonnen ist und dann kann es auch mal ganz schnell anders aussehen.

Eine Sache, die man vielleicht noch einmal überdenken sollte ist die Kontraktgröße. Mit 8000 kg Schweinefleisch oder 100 Ferkeln liegt man für den Einsteiger vielleicht auch manchmal etwas zu hoch. Es ist ja auch auffällig, das ganz oft nur ein einzelner Kontrakt gehandelt wird. Bei Kartoffeln sind es mit 250 dt, die derzeit so etwa 2500 € kosten, deutlich schneller dabei und da läuft ja tatsächlich auch einiges.

Richard Ebert
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@ Bauer Bernie [#11]

Im Juni dieses Jahres habe ich bei einer Versammlung von Mästern die Kollegen aufgefordert doch für 1,46 Januarschweine abzusichern. Alle haben genickt und gemeint für Januar sei 1,46 gut, keiner hat jedoch dafür abgesichert.

Mich würde interessieren warum alle genickt haben aber dann doch untätig blieben. Wenn ein Konto erst einmal eröffnet ist - inzwischen geht das über viele Banken - dauert es nur Sekunden einen Auftrag zum Verkauf eines Kontrakts in den Markt zu legen.

Ein anderes Problem sind wirklich die geringen Umsätze. Es trägt nämlich nicht zur Transparenz bei wenn 1,46 der offizielle Terminpreis ist und man kann erst einen Kontrakt bei 1,38 abschließen.

Einen offiziellen Terminpreis gibt es nicht, nur den von der Börse festgelegten Schlusskurs, der sich wieder zwischen den aktuellen Geld- und Briefkurse befindet.

Es gibt schon noch eine Alternative zum von Ihnen erwähnten Abschluss bei 1,38 Euro, nämlich selbst ein Verkauflimit in den Markt zu legen. Wer sagt Ihnen denn, dass es bei einem Angebot von z.B. 1,44 nicht einen Käufer gegeben hätte, der schon tagelang auf ein solches wartet und nur zu faul war, selbst ein Gebot zu 1,44 Euro in den Markt zu stellen ?

Wenn sich ein junger Mann (will kaufen) und ein junges Mädchen (will verkaufen) im großen Tanzsaal in zwei Ecken gegenüber sitzen und keiner nähert sich dem anderen durch einen Geld- oder Briefkurs, werden beide nie zusammen kommen. Da ist schon mehr Aktivität gefordert, selbst etwas zu tun statt immer nur darauf zu warten, dass der andere etwas tut. Leider sitzen die meisten Agrarier nur in der Ecke und sehen nur auf die Kurse statt selbst aktiv einzugreifen.

@ wollewatz [#13]

Eine Sache, die man vielleicht noch einmal überdenken sollte ist die Kontraktgröße. Mit 8000 kg Schweinefleisch oder 100 Ferkeln liegt man für den Einsteiger vielleicht auch manchmal etwas zu hoch. Es ist ja auch auffällig, das ganz oft nur ein einzelner Kontrakt gehandelt wird. Bei Kartoffeln sind es mit 250 dt, die derzeit so etwa 2500 € kosten, deutlich schneller dabei und da läuft ja tatsächlich auch einiges.

Die Gründe sind stimmig, aber nicht neu. Denken Sie bitte an die Kosten, die für jeden gehandelten Kontrakt entstehen. Eine Halbierung der Kontraktgröße führt zu einer Verdopplung der Kosten, während z.B. eine Verdopplung der Kontraktgröße bei Kartoffeln von 25 auf 50 Tonnen die Kosten für alle Beteiligten um 50 % senken würden.

Schöne Grüsse, Richard Ebert

Lukas
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Richard Ebert [#14]

Leider sitzen die meisten Agrarier nur in der Ecke und sehen nur auf die Kurse statt selbst aktiv einzugreifen.

Genauso ist es. Die Preise kennen die meisten Mäster wenn man mit ihnen redet, nur machen tut keiner was.
Und wenn es am Kassamarkt nicht gelaufen hat, kommt die Meckerei, die Börse hat aber gesagt das ein höherer Preis kommt!!!!
Gemacht hat aber keiner etwas um sich abzusichern.
Diese sollten dann lieber nicht auf die Börse schauen, sondern so weitermachen wie sie es von ihrem Vater gelernt haben. Damit können sie sich dann auch leichter abfinden und auf Karneval, Karfreitag, 1. Mai, Weihnachten, Mitte Januar usw. planen (Wobei das ist Mittelalter).

Es gibt schon noch eine Alternative zum von Ihnen erwähnten Abschluss bei 1,38 Euro, nämlich selbst ein Verkauflimit in den Markt zu legen. Wer sagt Ihnen denn, dass es bei einem Angebot von z.B. 1,44 nicht einen Käufer gegeben hätte, der schon tagelang auf ein solches wartet und nur zu faul war, selbst ein Gebot zu 1,44 Euro in den Markt zu stellen ?

Habe ich schon gemacht. Es funktioniert. Manchmal wartet man eben 10 Minuten, machmal eben 10 Tage.

Gruss
Lukas

Geno-Bauer
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Aber gehören zu einem perfekten Terminmarkt nicht auch die Spekulanten in ausreichendem Maße? So habe ich es zumindest gelernt.

Im Grund habe es die (entschuldigt bitte) Schweinebauern doch auch etwas einfacher als die Getreidebauern. Die Getreidebauern wissen nicht wie wie viel sie ernten werden, die Scheinemäster kennen auf den Tag genau die Mastdauer. Es kommt nur darauf an sich rechtzeitig mit entsprechenden Kontrakten einzudecken. (Futtermittel, Ferkel, Strom, Gas etc.). Eines ist aber auch klar. Je größer die Schweinebestände eine Betriebs sind, desto interessanter ist es für die rote Seite über Kontrakte das Fleisch zu handeln.

Genua genommen muß doch unsere Denke viel weiter gehen. Wer von uns denkt jetzt wirklich schon über den Anbau 2011 nach (Dünger, Diesel, Saatgut, PSM, Verkaufpreise etc.). Warum gibt es keinen Terminhandel für Diesel in einer für Landwirte ansprechenden Kontraktgröße. Nur wenn sich Betriebe zusammentun die zusammen etwa 1.5 Mio l Gesamtmenge verbrauchen, kann man auf Termin vorkaufen. Normalerweise müßten diess Aufgabe doch die Genossenschaften erledigen, bzw. von den Mitgliedern dazu gebracht werden. Sie müßten auch in der Lage sein, dem Landwirt schon lange im voraus seinen Dieselpreis nennen zu können, vorausgesetzt der bleibt seine eG treu und bezieht nur über diese seinen Diesel. usw. usw.

Gruß Geno-Bauer

Richard Ebert
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12 Jahre 6 Monate

Mit Interesse lese ich die täglichen Mitteilungen des Bauernverbandes oder weiterer Stellen. Aktuell wird in einer Pressemitteilung die Standortsicherung und Wettbewerbsfähigkeit im Agrarland Niedersachen 'beschworen'. Obwohl Wulff starker Unterstützer der Agrarterminbörse Hannover war und der Vion-Aufsichtsrat und Landvolk-Präsident Hilse sogar jahrelang im Aufsichtsrat der Terminbörse saß, kann ich kein Wort über die Preisabsicherung für Schweine, Kartoffeln oder Weizen gegen unerwünsche Preisschwankungen lesen.

Zumindest werden die Subventionen nicht vergessen: "Absatzförderung, Exportförderung, sektorbezogene Innovations- und Mittelstandsförderung".

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Gesprächsforum Agrar- und Ernährungswirtschaft diskutiert erste Ergebnisse / Wulff: "Es geht um unseren zweitwichtigsten Wirtschaftszweig"

Hannover (28.12.09) - Das von Ministerpräsident Christian Wulff gemeinsam mit Landvolk-Präsident Werner Hilse initiierte Gesprächsforum Agrar- und Ernährungswirtschaft hat jetzt in Hannover erste Ergebnisse der vom Forum eingerichteten Arbeitsgruppen diskutiert. Wulff sagte dabei: " Wir können es nicht oft genug betonen: es geht hier um den zweitwichtigsten Wirtschaftszweig unseres Landes. 220.000 Beschäftigte hängen in Niedersachsen unmittelbar davon ab. Daher ist es gut, wenn Unternehmen, Verbände und Landesregierung zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit an einem Strang ziehen."

In den Arbeitsgruppen arbeiten Vertreter von Verbänden und Unternehmen der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft sowie der Landesregierung an konkreten Vorschlägen für Maßnahmen, die der Standortsicherung und der Wettbewerbsfähigkeit des für Niedersachsen zweitwichtigsten Wirtschaftszweiges dienen sollen.

So soll beim Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ein Gremium gebildet werden, das im Vorfeld der Umsetzung neuer Rechtsvorschriften einen Austausch und Abgleich zwischen den Überwachungsbehörden und der Wirtschaft organisiert, um spätere Beanstandungen möglichst zu vermeiden. Dabei sollen auch Verbraucherorganisationen beteiligt werden.

Außerdem wird das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit ein Merkblatt zu Fragen der Direktvermarktung von Frischfleisch erstellen. Dazu hatte es nach der letzten Änderung der Handwerksordnung bei den betroffenen Landwirten viele offene Fragen gegeben.

Diskutiert wurden in der Runde ferner eine Reihe von Zwischenergebnissen zu folgenden Vorhaben:

- Gesamtkonzeptionen zum Sponsoring, zur Verbesserung der Absatzförderung sowie zur Exportförderung

- Verbesserungen bei der Zusammenarbeit zwischen Ausbildungs-, Wissenschafts- und Forschungsinstitutionen auf der einen und der Agrar- und Ernährungswirtschaft auf der anderen Seite

- Stärkung der Agrarkompetenz bei den niedersächsischen Finanzinstituten

- Konzeption zur Finanzierung und Durchführung einer sektorbezogenen Innovations- und Mittelstandsförderung

Der Ministerpräsident und der Präsident des Landvolks hoben insbesondere das konstruktive und ergebnisorientierte Klima in den Arbeitsgruppen hervor.

Unter Leitung des Ministerpräsidenten und des Landvolk-Präsidenten sind im Gesprächsforum Unternehmen der niedersächsischen Ernährungswirtschaft und der Landwirtschaft mit Verbänden und Unternehmen des vor- und nachgelagerten Bereichs sowie die Landwirtschaftskammern, die Marketinggesellschaft für niedersächsische Agrarprodukte, die Nord / LB und die Minister Ehlen, Hirche, Sander und Stratmann vertreten.

Olaf Glaeseker, Nds. Staatskanzlei, Regierungssprecher, Planckstr. 2, 30169 Hannover, Tel: (0511) 120-6946, Fax: (0511) 120-99 6946

Richard Ebert
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12 Jahre 6 Monate

@ Geno-Bauer [#16]

Warum gibt es keinen Terminhandel für Diesel in einer für Landwirte ansprechenden Kontraktgröße.

Es gab an der WTB Hannover einen Heizöl Terminhandel und der Preisverlauf von Heizöl ist ähnlich dem von Diesel.

Der Kontrakt ist eingestellt worden, weil er nicht genutzt wurde.

Eines von vielen Beispielen von Absicherungen gegen unerwünschte Preisschwankungen, die nicht genutzt wurden.

Hier ein Blick zurück in die Zeit des Heizöl Terminhandels:

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WTB steht erneut mit dem Rücken zur Wand

UDO RETTBERG
HANDELSBLATT, 6.5.2002

FRANKFURT/M. Die Warenterminbörse Hannover AG (WTB) steht erneut am Scheideweg. Der erhoffte Durchbruch im Warenterminhandel in Deutschland lässt weiter auf sich warten. In den ersten vier Monaten 2002 fielen die Umsätze an der WTB um 19 % auf 15 811 Kontrakte. Dies nimmt sich gegenüber dem Umsatz der weltgrößten Terminbörse Eurex (241 Mill. Kontrakte) äußerst bescheiden aus. Nachdem das von den Gründungsaktionären zur Verfügung gestellte Eigenkapital inzwischen aufgebraucht ist, kann sich die Börse heute nur mit Darlehen über Wasser halten, die das Land Niedersachsen und der Bund zur Verfügung gestellt haben.

Trotzdem ist der Aufsichtsrat der WTB davon überzeugt, die Börse in die Erfolgsspur führen zu können. „Die Durststrecke dauert länger als gedacht“, räumt Karl-Ingo Bruns von der Landwirtschaftlichen Rentenbank ein. Eine Insolvenz – wie am Markt hin und wieder kolportiert – drohe der WTB aber nicht, sagt Bruns. Die Börse verfüge durch die öffentlichen Darlehen bis zum Jahr 2004 über ausreichende Liquidität. „Das Geld der Agrarier ist aufgebraucht“, räumt AR-Mitglied Bernhard Bonekamp indes ein.

„Der WTB fehlt die nächste Zündstufe“, sagt der AR-Vorsitzende Dirk Hoffman. Diese sollte nach Planungen von WTB-Vorstand Manfred Zimmer durch die Einführung eines Terminkontrakts auf russisches Rohöl gezündet werden. Bei der Umsetzung des Projektes stieß die WTB jedoch auf Probleme, weil die am Energie-Terminhandel interessierten deutschen Banken die Börsenicht als kompetent genug ansehen und nach anfänglichem Interesse gegenüber der WTB einen Rückzieher machten. Banken weisen auf die fehlende Konzeption der von der Agrarwirtschaft dominierten Börse hin. Zimmer zeigt sich jedoch zuversichtlich, weil er in engem Kontakt mit Russlands Regierung steht. „Die Lage ist hoffnungslos“, sagt indes der Terminbörsen-Experte einer deutschen Großbank. In ihrer kurzen Geschichte habe die Mitte 1996 gegründete Börse bereits sieben Vorstände berufen. Wegen der Machtbesessenheit der in den vergangenen Jahrzehnten durch hohe Subventionen verwöhnten Agrarwirtschaft hätten sich andere Kreise der deutschen Industrie von der Warenterminbörse ferngehalten.

„Von der Agrarseite gab es nie Beschränkungen bei der Einführung von Produkten anderer Bereiche“, wehrt sich Aufsichtsratschef Hoffmann gegen diese Kritik. Sowohl der Heizöl-Future als auch die beiden Altpapier-Futures waren jedoch Fehlschläge. „Wir wollen auch in Zukunft keine Chance auslassen“, sagt Hoffmann in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Mit einem neuen Future auf Veredlungs-Kartoffeln (diese werden zur Herstellung von Pommes Frites und Kartoffelchips sowie anderen Kartoffelprodukten eingesetzt) und einer Reduzierung der Kontraktgröße des bereits existierenden Heizöl-Futures von 100 000 Liter auf 10 000 Liter hofft die Börse auf steigende Umsätze. Man habe weitere Pläne in der Schublade, so Hoffmann. AR-Mitglied Bonekamp hat eine weitere Hoffnung: Er glaubt, dass Marktteilnehmer von der kränkelnden Amsterdamer Warenterminbörse in den nächsten Monaten den Weg an die WTB finden und zu einem Umsatzsprung beitragen werden.

Am Markt wird jedoch bezweifelt, dass es der Börse gelingt, den unter 200 Kontrakten liegenden Tagesumsatz auf 800 zu steigern. Diese Zahl ist zum Erreichen der Gewinnschwelle offensichtlich notwendig. „Durch strikte Kostenkontrolle ist es uns gelungen, die Gewinnschwelle zu senken“, sagt Vorstand Manfred Zimmer. Das betriebswirtschaftliche Minus sei in den ersten vier Monaten gegenüber dem Vorjahr um ca. 40 % reduziert worden.

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