Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Futures Märkte verstehen lernen

Lernen Sie die Futures-Märkte grundlegend zu verstehen!

Von Miriam Kraus

Rohstoff Daily (18.096.09) - Nachdem wir uns in den letzten Tagen so schön ausführlich mit der Analyse der COT-Daten beschäftigt haben, möchte ich Sie, liebe Leser, noch einmal darauf aufmerksam machen, dass Sie sich auf jeden Fall, bevor Sie eine Handlungsentscheidung treffen, mit der grundlegenden Funktionsweise der Warentermingeschäfte vertraut machen müssen.

Entscheidende Bedeutung kommt hier der Betrachtung der Terminkurve eines Marktes zu. Die meisten von Ihnen wissen es mit Sicherheit: wenn sich ein Markt in einer Contango-Situation befindet, dann müssen Sie bei einem Long-Investment Rollverluste in Kauf nehmen, auch wenn Sie mit ihrer Markteinschätzung richtig liegen. Die Hoffnung ruht dann eher darauf, dass der Preisanstieg des Rohstoffs schlicht höher ausfällt, als der Verlust durch das Contango.

Wenn Sie ein Profi sind und bereits Bescheid wissen, dann lesen wir uns morgen wieder. Alle übrigen Leser und Neueinsteiger möchte ich heute zunächst noch einmal mit den grundlegenden Fakten vertraut machen:

Das Rollen von Kontrakten

Ein Future Kontrakt hat eine bestimmte Laufzeit. Zum Erfüllungszeitpunkt, das heißt zum festgelegten Liefertermin wird deshalb immer geliefert. Kaufen Sie also einen Weizenkontrakt werden Ihnen zum Liefertermin kurzerhand 5.000 Scheffel Weizen geliefert. Da allerdings heutzutage nur noch 3% aller Kontrakte tatsächlich durch Realtausch erfüllt werden, also der überwiegende Teil Spekulationsgeschäfte sind, gibt es um ein nicht erwünschtes Anliefern zu vermeiden das Roll-Over. Das bedeutet, Sie kaufen einen Dezember Weizenkontrakt, doch vor dem Erfüllungszeitpunkt verkaufen Sie diesen und kaufen automatisch den nächstliegenden Kontrakt, hier den Kontrakt zur Lieferung im März an der CBOT. Der Märzkontrakt wäre in diesem Beispiel der so genannte Nearby-Future. Dieser Prozess ist das Rollen eines Kontraktes.

Die Contango Situation

Contango bezeichnet eine Situation, in der der Nearby - Future beim Roll - Over zu einem höheren Preis gekauft werden muss, als der gegenwärtige im Moment des Roll - Overs verkaufte Kontrakt. Mit anderen Worten wir haben hier eine Situation steigender Rohstoffpreise, in den Futures. Das freut den Anleger, wenn er lediglich in einen zum Beispiel weiter entfernten Kontrakt investiert hat. Wenn er aber seine Kontrakte immer wieder in den Nearby rollt, also immer wieder seine gegenwärtigen Kontrakte vor Liefertermin verkauft und hernach den nächsten (Nearby) Kontrakt mit dem nächstmöglichen Liefertermin kauft, kann er eine Contango - Situation nicht zu schätzen wissen, da er Verluste macht, die Rollrendite also negativ ausfällt.

Die Backwardation

Dies ist die optimale Situation für einen Anleger, welcher sich lediglich darauf beschränkt seine Kontrakte zu rollen. Hierbei sind die Future-Kontrakte billiger als der gegenwärtige Spot - Preis. Mit anderen Worten der rollende Anleger verkauft vor Liefertermin seinen gegenwärtigen Kontrakt bei aktuell hohem Preis, und kann den Nearby - Kontrakt zu einem niedrigeren Preis erstehen. Die Rollrendite ist hier also positiv.

Die Rollrendite

Dies ist der Kapitalgewinn oder - Verlust, der beim Rollen von Rohstoff - Futures entsteht. Sprich Gewinn bei Backwardation und Verlust bei Contango.

Die Futuresrendite

Sie setzt sich aus der Rollrendite und der Spotrendite zusammen. Also dem was Sie als Investor letztendlich erhalten.

Cost of Carry

Grundsätzlich ist der Wert eines Futures gleich dem Kassapreis des Basiswertes plus den Bestandhaltungskosten für den Basiswert. Diese Bestandhaltungskosten nennt man auch Cost of Carry.

Auch der Sinn von Bestandhaltungskosten wird am besten bei Agrarrohstoffen ersichtlich. Stellen Sie sich vor, Sie wollen Weizen im Dezember kaufen. Es ist Juni. Bis dahin muss der Weizen entsprechend gelagert und schließlich auch zum vereinbarten Zeitpunkt geliefert werden. Die dadurch entstehenden Lager-und Speditionskosten sind die Bestandhaltungskosten.

Diese Kosten sorgen auch dafür, dass der Future-Preis je weiter der Erfüllungszeitraum in der Zukunft liegt umso höher über dem Kassapreis notiert. Da aber die Bestandhaltungskosten über die Laufzeit hinweg abgeschrieben werden, nähert sich der Wert des Futures je näher er dem Erfüllungszeitraum kommt dem Wert des Kassapreises.

Convenience Yield

Bisweilen wird der physische Besitz von Rohstoffen" höher bewertet als ein Finanzkontrakt auf Rohstoffe"; natürlich kann es sich auch umgekehrt verhalten. Diese Bewertungen ergeben sich aus der von Produzenten und Konsumenten individuell erlebten Convenience Yield .

So wird der physische Besitz von Rohstoffen, fortlaufend in Abhängigkeit der Knappheiten, Lagerfähigkeit oder Verderblichkeit und der Reproduktionszeit neu bewertet.

Aufgrund der gegebenen Risiken, versuchen Produzenten und Konsumenten ihre Risiken abzusichern.

Als Beispiel mag ein knapper Rohstoff dienen. Die Convenience entsteht durch die Einlagerung. Der physische Besitz des Rohstoffs wird höher bewertet. Dies führt dazu, dass die Konsumenten den Rohstoff unmittelbar zu Spotpreisen kaufen. Das heisst also die Spotpreise liegen über den Futurespreisen. Hier entsteht eine Backwardation.

Das andere Beispiel umfasst einen verderblichen Rohstoff. Die Convenience entsteht, wenn kein Lager gehalten werden muss. Der Finanzkontrakt auf Rohstoff wird höher bewertet. Das führt dazu, dass Konsumenten den Rohstoff als Terminkontrakt zu Futurespreisen kaufen. Das heisst, die Spotpreise liegen unter den Futurespreisen. Hier entsteht also eine Contango - Situation.

(Quelle: https://terminmarktwelt.de/Redaktion/mail/cgi-bin/nph-mr.cgi?do=read&msg=176&p=4494710209&u=1933704622&r=77762207)

Geschrieben von Richard Ebert am
hardworker
Mitglied seit
12 Jahre 4 Monate

Die Sache mit den Rollverlusten kann ich nicht nachvollziehen. Alle tun immer so, als ob der/die/das Contango mit Sicherheit während der Haltedauer abschmelzen würde.

Wenn ich heute XY Juni bei 400 Euro mit 2 Euro Gewinn verkaufe und den XY Juli zu 420 kaufe, habe ich doch keinen Rollverlust. Ich muß nur etwas mehr einsetzen beim nächsten trade. Das ist für mich nicht anders als wenn ich Apple verkaufe und auf die teureren Google umsteige.

Entscheidend ist doch nur, wie sich die neue Posi entwickelt?

MfG

hw

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ hardworker [#2]

Contango mit Sicherheit während der Haltedauer abschmelzen würde.

Die Garantie besteht natürlich nicht, es kann sich in der Laufzeit des Futures ja durchaus eine Backwardation ergeben, aus welchen Gründen auch immer.

Wenn sie märz weizen bei 420 kaufen und die Kasse steht bei 400
dann steht der weizenfuture bei fälligkeit bei 400.

Ihr Verlust 20

Sie switchen in den July und kaufen wieder bei 420. es passiert nix und der kasspareis bleibt bei 400. Bei fälligkeit wieder 20 punkte verloren.

Sie kaufen nochmal den Sept bei 420 und der steigt dann auf 460 dann habe sie 40 punkte profit, aber durch das zweimalige switchen 40 minus.

Alles massiv hypothetisch, aber zum verstehnis sollte es reichen, das rollverluste eine erhebliche rolle spielen.

peterg
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

"Wenn sie märz weizen bei 420 kaufen und die Kasse steht bei 400
dann steht der weizenfuture bei fälligkeit bei 400."

So steht´s im Lehrbuch, zum Zeitpunkt der Fälligkeit gleichen sich Futures und Cashkurs an, die Basis geht Richtung 0.

Stimmt aber grundsätzlich nicht!

Bedenken Sie z. B., dass der Andienungsprozess in Abhängigkeit von seinem Ort und seines genauen Zeitpunktes selbst Geld kostet.
Somit darf während der Andienungsperiode nicht eine Basis von 0 erwartet werden.

Ferner spielen gerade bei den "Carry-Märkten" auch noch andere Aspekte eine Rolle:
Z. B.:
Bei CBOT-Weizen etwa erhält der Futurekäufer (vom Futureverkäufer) im Rahmen des Andienungsprozesses ein Warehouse-Receipt.
Dieses kann beliebig lange gehalten werden. Der Käufer muss nur die offiziellen CBOT-Lagerkosten bezahlen.
Derjenige, der die Lieferung annimmt (Long) kann somit wählen, ob er eine Auslieferung der Ware sofort will oder ob er sie weiter lagern läßt. Wenn der Spread zum nächsten Futurekontrakt größer als die CBOT-Lagerhaltungskosten sind, verdient er durch diese Lagerung Geld ! (Ab Juli werden z. B. die CBOT Lagerhaltungskosten für Weizen erhöht um dem entgegenzuwirken). Er hat also keinen Grund zum Verfall des Futures diesen zu verkaufen. Somit entkoppelt sich der Future-Preis vom Cash-Preis.
Details unter:
http://www.farmdoc.uiuc.edu/marketing/morr/morr_09-02/MORR_09-02.pdf

Dies ist, ich gestehe zu meinem Leidwesen, ein wichtiger Grund dafür, warum z. B. WN9-WZ9 gegenwärtig deutlich über Full carry notiert.
Mein Fazit aus dieser Episode:
An den Futuremärkten gibt es keine Lehrbuch-Gesetzmäßigkeiten !
Irgendwelche Hintertürchen in den Regularien können immer zu deinem Nachteil führen !
Oberste Prämisse hat das Risikomanagement !

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ peterg [#4]

Zunächst: Guter Beitrag.

Irgendwelche Hintertürchen in den Regularien können immer zu deinem Nachteil führen !

Jetzt fangen Sie auch schon an und schreiben von Hintertürchen der Börsen, die Ihnen (Buch-?) Verluste bei Weizen gebracht haben.

Es gibt dort keine Hintertürchen, alle Regeln liegen offen vor, im Internet oder bei den Börsenmitglieder anzufordern.

Als langjähriges Mitglied der Nxmex, damals gab es noch kein richtiges Internet, kamen jeder zwei bis drei Tage dicke Umschläge mit Papierbergen an. Jede kleinste Änderung wurde Monate vorher diskutiert und musste danach von den Mitgliedern und vor allem der Börsenaufsicht - nach Prüfung - genehmigt werden. Dies dürfte sich bis heute kaum geändert haben.

Gerade habe ich die Regeln gelesen, die für die neuen Eurex Agrarfutures ab 20.07.09 gelten. Daraus ein Beispiel: Der Abrechnungspreis des wöchentlich ermittelten Kartoffel-Futures setzt sich aus den Kassapreisen von Belgien, Frankreich, der Niederlande und Deutschland zusammen. Kann eines der Länder seinen Indexpreis nicht ermitteln, wird die Börse tätig und ermittelt diesen nach eigenen Vorgaben.

Das nenne ich nicht Hintertürchen, sondern Aufrechterhaltung eines geregelten Terminmarkts im Interesse aller Teilnehmer.

An den Futuremärkten gibt es keine Lehrbuch-Gesetzmäßigkeiten !

Völlig korrekt. Deswegen habe ich mich schon gewundert, warum Sie immer wieder über Full Carry schrieben. Dies hinterließ in mir Gedanken, ob Sie wohl davon ausgehen, dass es sich um mehr oder weniger risikofreie Geschäfte handeln würde.

Rückrufservice
Beschreiben Sie bitte Ihr Anliegen, damit wir uns auf den Rückruf vorbereiten können.
Ja, ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen und willige ein, dass die von mir angegebenen Daten inklusive der Kontaktdaten zwecks Bearbeitung der Anfrage und für den Fall von Anschlussfragen elektronisch erhoben und gespeichert werden. Meine Daten werden dabei nur streng zweckgebunden zur Bearbeitung meiner Anfrage genutzt und nicht ohne Einwilligung weitergegeben. Diese Einwilligung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden.

Register now

Jetzt registrieren und ZMP Live+ 14 Tage kostenlos testen!
  • Dauerhaft kostenfrei
  • Keine Zahlungsinformationen erforderlich
Hilfe?