Getreide: Bei den Preisen geht es zu wie im Basar
Getreidepreise sind im Keller
merkur-online.de / nie, Grucking (19.02.10) - Auf dem Getreidemarkt geht es zu wie auf dem Basar: Die ohnehin niedrigen Preise ändern sich täglich. Dies wurde gestern in Jahresversammlung der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsgetreide beklagt.
Die Getreidebauern leben derzeit von der Hoffnung auf bessere Zeiten und vor allem auf wieder steigende Preise. Etwa 10,80 Euro bekommen sie aktuell für einen Doppelzentner Weizen. Das decke gerade die Kosten für das Saatgut, den Dünger und Pflanzenschutzmittel. Für ihre eigene Arbeit auf dem Feld würden sie bei dem Preis nicht entlohnt, hieß es gestern in der Jahresversammlung der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsgetreide im Gruckinger Gasthaus Rauch.
Es sei auch nicht abzusehen, dass die Preise in absehbarer Zeit steigen würden. „Die Trendwende wurde bereits vor sieben Wochen in Aussicht gestellt. Davon ist bis jetzt noch nichts zu merken. Trotzdem dürfen wir die Hoffnung auf wieder kostendeckende Preise nicht aufgeben“, erklärte Franz Brandmayer, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft.
„Noch trauriger sieht es bei der Braugerste aus“, so Thomas Stemmer, Betriebsleiter des Baywa-Lagerhauses in Unterstrogn. „Ich traue mich gar nicht, den Preis zu sagen.“ Knapp zehn Euro pro Doppelzentner würden für die Braugerste gezahlt. Viele Landwirte hätten da bereits Konsequenzen gezogen. Zumindest bei den 174 Mitgliedern der Erzeugergemeinschaft sei davon auszugehen, dass sie keine Braugerste mehr anbauen werden, meinte Brandmayer. Stemmer erklärte, dass die Baywa zwar für das laufende Jahr Verträge anbiete. Aber er rechnet ebenfalls nicht damit, dass die Landwirte anbauen werden. Positiv sehe es nur beim Mais mit einem Preis von zwölf Euro für den Doppelzentner und beim Raps mit 27 Euro pro Doppelzentner aus, berichtete Stemmer.
Das Problem der Landwirte ist allerdings nicht nur der niedrige, sondern auch der stark schwankende Preis. So gebe es beispielsweise für den Raps derzeit täglich zwei Notierungen an den Getreidebörsen. „Wer sich morgens erkundigt und nicht gleich verkauft, muss nachmittags mit gesunkenen Preisen rechnen. Es kann natürlich auch umgekehrt sein“, berichtete Baywa-Vertriebsleiter Leonhard Wiedenmann. Das mache das Geschäft auch für die Baywa so schwierig. Beim Landwirt gekaufte Ware müsse sofort weitergehandelt werden. Zudem würden Abnehmer den Preis drücken, wenn die Qualität nicht stimme. Das habe die Baywa kürzlich beim Verkauf von Weizen nach Italien erlebt. „Da wurde sofort ein Euro pro Doppelzentner abgezogen. Das Gespräch mit dem Landwirt war nicht erfreulich“, so Stemmer.
(Quelle: http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/getreidepreise-sind-keller-638194.html)
Die Rapspreise (oben) notieren am Kassamarkt in Hannover über denen vor einem Jahr, während Weizen und Braugerste nur knapp über dem Jahrestief im September gehandelt werden.