Getreide: Braugerste Verkäufer setzten auf stark steigende Preise
Getreide zieht noch einmal etwas an
LWK Hannover (21.06.10) - Erzeuger nutzen die angehobenen Preise zur Vermarktung insbesondere von Weizen. Geringe Mengen Gerste sind ebenfalls noch vorhanden. Selbst im marktfernen südlichen Überschussgebiet kann für Futtergerste jetzt etwa 110 €/t erlöst werden. Braugerste kommt kaum noch in den Handel. Verkäufer setzen wegen des starken Anbaurückgangs bereits auf demnächst kräftig anziehende Preise und halten sich zurück.
Vereinzelt kam es zuletzt zu Abschlüssen über Futtergerste zu 95 €/t ex Ernte im marktfernen Süden Niedersachsens. In den verbrauchsstarken Regionen liegen die Forderungen deutlich höher. Der schwache Vegetationsstand vieler Maisschläge sorgt hier für eine fortgesetzt feste Tendenz und auch für die Bereitschaft der Einkäufer, entsprechend mehr anzulegen. Auch von den reduzierten USDA-Schätzungen für 2010/11 kommt Unterstützung.
(Quelle: http://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/6/nav/206/article/8351.html)
Gersteangst verdrängt Weizensorgen
Von Tobias Bayer Frankfurt, Javier Blas, London und Jack Farchy, London
Financial Times Deutschland, FTD, Frankfurt/London (09.08.10) - Nach einer extremen Verteuerung entspannt sich die Situation auf dem Weizenmarkt. Die Notierungen geben nach, Spekulanten werden vorsichtiger. Stattdessen rückt Gerste in den Vordergrund. Die europäische Brau- und Fleischindustrie warnt vor Knappheiten.
Am Markt für Agrarrohstoffe rückt Gerste in den Fokus. In den vergangenen sechs Wochen stieg der Preis für das Getreide um mehr als das Doppelte an. Es wird vor allem als Futtermittel in der Landwirtschaft eingesetzt. In Europa verteuerte es sich um 130 Prozent auf 210 Euro je Tonne. Ähnliches ist bei Braugerste zu beobachten, die zur Bierherstellung verwendet wird.
"Der Preisanstieg fand nahezu keine Beachtung, weil sich alles auf Weizen konzentrierte", sagte Abdolreza Abbassian, Agrarökonomin bei der Lebensmittelorganisation der Vereinten Nationen, der Food and Agricultural Organisation (FAO) in Rom. Auch hier spielen Russland und die Ukraine die entscheidende Rolle: "Beide Länder sind extrem wichtig", sagte Abbassian der Financial Times.
Die Bedeutung der Schwarzmeer-Region ist für Gerste größer als für Weizen. Russland, die Ukraine und Kasachstan exportierten im vergangenen Jahr 8,4 Millionen Tonnen. Das entspricht ungefähr der Hälfte der 16,9 Millionen Tonnen großen Handelsmenge. Auf Russland entfielen dabei 2,1 Millionen Tonnen, auf die Ukraine sogar 6 Millionen Tonnen.
Setzt sich der Preisanstieg der Gerste fort, dann dürfte das Folgen für Fleischpreise haben. Doug Whitehead, Rohstoffanalyst bei Rabobank, rechnet insbesondere bei Geflügel- und Schweinefleisch mit einer Preiserhöhung. Industrievertreter halten einen Aufschlag von 15 Prozent für möglich. Der europäische Mischfutterherstellerverband Fefac fordert die EU deshalb auf, die Notlager für Gerste freizugeben. "Wenn die Futterpreise steigen, gefährdet das die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Viehzucht", sagte Patrick Vanden Avenne. "Die EU muss sofort die Gerstespeicher öffnen."
(Quelle und ausführlich weiter lesen: -> http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/rohstoffe/:agrarrohstoffe-gersteangst-verdraengt-weizensorgen/50154469.html)