Richard Ebert
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Getreide: Das Märchen von der Erntekrise

Trockenheit und Lebensmittelpreise: Das Märchen von der Erntekrise

Stern.de (21.07.10) - auszugsweise - Ilse Aigner spekuliert über steigende Lebensmittelpreise, weil die Hitze für große Ernteausfälle sorge. Experten halten das für Unfug. Ist die Ministerin Lobbyverbänden auf den Leim gegangen?

Von Hanni Heinrich und Sönke Wiese

[...]

Steigende Preise? Die Hitze ist Schuld, so einfach ist das. Diese Botschaft verbreiten Lobbyverbände aus der Landwirtschaft seit geraumer Zeit:

* Vor knapp zwei Wochen warnte der Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK): Aufgrund der "trockenen und warmen Witterung" werde "die Frühkartoffelzeit in den kommenden Wochen von knapper Versorgung und hohen Preisen gekennzeichnet sein."

* Auch Brötchen sollen teurer werden. Manfred Weizbauer vom Verband Deutscher Mühlen (VDM) sagte der "Welt" vor einer Woche: "Die Mehrkosten durch eine schlechtere Ernte müssen weitergegeben werden." Der Kostendruck sei enorm, und es gebe derzeit keine Anzeichen für eine Preisentspannung.

* Selbst bei Futtermitteln wie Mais, Zuckerrüben und Gras sollen bereits Engpässe auftreten, berichten regionale Bauernverbände, die Rinderhalter gerieten so ebenfalls unter Druck.

* Auch Gerd Sonnleitner, Chef des Deutschen Bauernverbandes, beklagt landauf, landab massive Ernteausfälle und warnt vor höheren Preisen vor allem bei wenig verarbeiteten Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Kartoffeln und Milch.

Da haben wir den Salat. Kaum gibt es mal ein paar heiße Tage, schon wird alles teurer. Ein verknapptes Angebot führt zu höheren Preisen: Klingt ja irgendwie ganz logisch, findet offenbar selbst Bundesministerin Ilse Aigner. Doch die Gleichung hat ein paar Schönheitsfehler.

"Die Getreidesilos sind rappelvoll"

Erstens: Berichte über landesweite Rekordmissernten sind eine arge Übertreibung. Zwar gibt es in einigen Regionen tatsächlich heftige Ausfälle, doch in anderen Gebieten fällt der Ertrag dieses Jahr auch besonders gut aus. "Das hängt vor allem von der unterschiedlichen Bodenbeschaffung ab", sagt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zu stern.de. Am Niederrhein beispielsweise gebe es schlechtere Erträge, in der Region Lippe bessere. "Insgesamt gesehen ist die Ernte in NRW nicht schlecht." Außerdem galt 2009 als besonders ertragreiches Jahr, von den Lagerbeständen lässt sich noch lange zehren. "Die Getreidesilos sind rappelvoll", weiß Amin Werner vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks.

Zweitens: Die Kosten der Grundrohstoffe spielen bei vielen Lebensmitteln nur eine geringe Rolle. Zum Beispiel bei Brötchen macht der Anteil des Getreidepreises rund einen Cent aus. Und so sagt auch Amin Werner zu stern.de: "Brötchen werden wegen steigender Getreidepreise nicht teurer."

Drittens: Bestimmt wird die Preisentwicklung von Nahrungsmitteln überwiegend von anderen Faktoren als dem Ernteergebnis. So sorgt etwa eher die anziehende Konjunktur dafür, dass die Produkte im Supermarkt wohl wieder deutlich teurer werden. In den vergangenen Monaten hat der starke Preisverfall zu einem niedrigen Niveau wie schon seit Langem nicht mehr geführt. Experten erwarten hier bald die ersten Korrekturen. Werner vom Bäckereiverband sagt: "Sollten die Brötchenpreise steigen, dann vor allem wegen höherer Lohnkosten." Und die Preise von Gütern, die global gehandelt werden, entstehen an den Börsen - da ist eine Menge Spekulation wie bei Aktien mit im Spiel. Bernhard Rüb von der NRW-Landwirtschaftskammer sagt: "Weizen ist das neue Rohöl."

[...]

(Quelle und Beitrag komplett lesen: http://www.stern.de/wirtschaft/geld/hitze-und-lebensmittelpreise-das-maerchen-von-der-erntekrise-1585517.html)

Bild entfernt.

Geschrieben von Richard Ebert am
halbsoschlau
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Stimmt ja wirklich vieles was da im Stern steht, vor allem müssen die Brötchen nicht teurer werden wegen der schlechten Ernte ... der Preis stammt ja noch aus der Zeit vor zwei Jahren wo Weizen das doppelte gekostet hat - oder sind die inzwischen billiger geworden? Und es hat wirklich so gut wie nix mit dem Brötchenpreis zu tun, wenn Weizen nix kosten würde, wärs am Brötchen kaum zu spüren.

Aber die Silos sind nicht voll vor der Ernte das ist falsch.

Roggen der nach der Ernte 2009 fast unverkäuflich war ist weg!

Da ist viel Politik dabei. Und 2010 wird bescheiden ausfallen wenn nicht lauter Falschmeldungen unterwegs sind.

Deshalb wird die Welt nicht hungern, aber für uns Landwirte erfreulich wenn erkannt wird das was wir produzieren auch gebraucht wird.

Ob der Schreiberling des Stern eine Ahnung davon hat was es für Getreide bedeutet wenn Wochenlang Europaweit Extremtemperaturen herrschen nehme ich nicht an. Sonst hätte er eine andere Überschrift gewählt.

Gruß

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