Richard Ebert
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Getreide: Ertragsschwankungen nehmen wetterbedingt zu

Landesbauernverband: Ertragsschwankungen bei Getreide nehmen wetterbedingt zu - Rukwied: Versicherungen gegen Elementarschäden nicht höher besteuern und steuerliche Risikoausgleichsrücklage einführen

lbv-bw.de (23.09.12) - Die Getreideernte in Baden-Württemberg ist dank hochsommerlichen Wetters in den vergangenen Wochen überwiegend abgeschlossen. In den Spätdruschgebieten steht noch vereinzelt Getreide auf dem Halm. Extreme Fröste im Februar und anhaltende Trockenheit im Frühjahr haben ähnlich wie im Vorjahr zu einem starken Süd-Nord-Gefälle geführt. Der nördliche Landesteil verzeichnet als Folge der hohen Frostschäden deutliche Einbußen, der Süden teils sehr gute Erträge. Der Landesbauernverband rechnet insgesamt mit einer leicht unterdurchschnittlichen Ernte gegenüber dem langjährigen Mittel. Das erklärte Präsident Joachim Rukwied beim Ernte-Pressegespräch am 23. August 2012 auf dem Betrieb von Michael Zimmermann und Markus Eppinger in Köngen (Landkreis Esslingen).

Das erneut extreme Wettergeschehen führt 2012 zu außerordentlich großen Ertragsunterschieden zwischen den Regionen des Landes. Viele landwirtschaftliche Betriebe in den von Februar-Frost und Frühjahrstrockenheit besonders betroffenen Landkreisen Main-Tauber, Neckar-Odenwald, Hohenlohe, Schwäbisch Hall und teilweise Heilbronn erzielen sehr enttäuschende Erträge. Im Main-Tauber-Kreis fahren viele Betriebe die dritte Missernte in Folge ein. Durch Umbruch von Wintergetreide und Neueinsaat von Sommerkulturen haben sich die Kosten stark erhöht, berichtet der Landesbauernverband (LBV).

Landesweit ist die Getreide- und Rapsernte in den frühen und mittleren Lagen abgeschlossen, während in den späten Gebieten noch vereinzelt Bestände zu dreschen sind. Die Getreidequalitäten sind insgesamt gut. Die Körnerfrüchte konnten trocken geerntet werden.

Die Rapsernte ist dagegen landesweit enttäuschend. Frostschäden, fehlende Niederschläge und hoher Krankheitsdruck haben zu Ertragsverlusten und Ernteerschwernissen durch Zwiewuchs geführt. Neben erheblichen Ertragsverlusten von bis zu 50 Prozent im Norden des Landes fehlen selbst in Regionen mit gutem Vegetationsverlauf häufig etwa 5 dt Raps je ha im Vergleich zum Betriebsdurchschnitt. Somit dürfte die Rapsernte landesweit rund zehn Prozent niedriger als im langjährigen Mittel ausfallen.

Gestiegene Futterpreise erhöhen die Produktionskosten

Für Brotweizen erhalten die Landwirte derzeit etwa 220 Euro je Tonne zuzüglich Mehrwertsteuer. Das ist ein Fünftel mehr als im Vorjahr und entspricht etwa dem Niveau 1975 und 1980 sowie 2007zum selben Zeitpunkt.

Die Getreidepreise aus der Ernte heraus haben 2008 und 2009 die Produktionskosten nicht gedeckt. 2010 und 2011 war das nur knapp der Fall. Zum Sichern der Wirtschaftlichkeit des Ackerbaus sind höhere Preise notwendig. Die Verteuerung der Produktionskosten in der Tierhaltung als Folge der höheren Futter-, Energie- und sonstigen Betriebsmittelpreise bereitet dem Landesbauernverband Sorgen. Hinzu kommen weiter steigende Kosten durch Tierschutzauflagen.

Steuerliche Risikoausgleichsrücklage erneut gefordert

Die Finanzkrise und extreme Wetterlagen verschärfen die weltweiten Schwankungen auf den Agrarmärkten. Die steigende Volatilität erhöht zunehmend das Einkommens- und Liquiditätsrisiko in landwirtschaftlichen Unternehmen. Risikomanagement und Kontrolle der Betriebsabläufe reichen zur nachhaltigen Liquiditätssicherung nicht mehr aus. Rukwied fordert deshalb weiterhin, eine steuerliche Risikoausgleichsrücklage einzuführen. So könnten die Betriebe ihre finanzielle Eigenvorsorge optimieren und ihre Eigenkapitalbasis verbessern.
Die geplante Erhöhung der Steuer auf Mehrgefahrenversicherungen lehnt der LBV entschieden ab. Angesichts wachsender Risiken aus Klimawandel und Unwetterereignissen sei es nicht nachzuvollziehen, warum eine Mehrgefahrenversicherung deutlich höher als die Hagelversicherung allein besteuert werden sollte.

Für modernes Greening und nachhaltige Produktivitätssteigerung

Die erneute Diskussion über Hungersnöte durch steigende Getreidepreise zeigen, dass zukünftig Produktivitätssteigerungen und Effizienz in der Landwirtschaft wieder stärker fokussiert werden müssen.

Angesichts der Herausforderungen bei der Welternährung ist das geplante Greening der EU-Agrarpolitik auf Effizienzsteigerung durch moderne Technologien wie Global Positioning System (GPS) auszurichten. „Eine Flächenstilllegung, wie von der EU-Kommission geplant, wäre unverantwortlich“, betont Rukwied.

Die Agrarforschung muss ausgebaut und stärker auf Effizienzsteigerung ausgerichtet werden, fordert der Landesbauernverband. „Eine nachhaltige Produktivitätssteigerung lässt sich nur durch Technologie und Innovation erreichen“, erläutert der Bauernpräsident.

Bisherige Ernteergebnisse im konventionellen Getreidebau

Sehr große Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen und Kulturarten.

Wintergerste: Erträge im Schnitt 60 (40 bis 100) dt/ha; Hektolitergewichte meist 65 kg; einzelbetrieblich + 15 bis - 40 Prozent zum langjährigen Mittel.

Winterweizen: Erträge im Schnitt 65 (40 bis 100) dt/ha; meist gute Fallzahlen um 250 sec.; einzelbetrieblich + 5 bis - 30 Prozent zum langjährigen Mittel.

Sommergerste: Erträge 65 (40 bis 70) dt/ha; großteils sehr gute Qualitäten; Vollgersteanteil 93 bis 98 Prozent.

Roggen: Erträge 75 (70 bis 80) dt/ha; meist sehr gute Qualitäten mit Fallzahlen von 150 bis 200 Sekunden.

Raps: Enttäuschende Erträge von 30 (10 bis 45) dt/ha; gute Ölgehalte meist um 42 Prozent; einzelbetrieblich - 5 bis - 40 Prozent zum langjährigen Mittel.

Bisherige Ernteergebnisse im ökologischen Getreidebau Ernte 2012 gut bis sehr gut; Preisabstand zu konventionellem Anbau verringert.

Weizen: 40 (35 bis 45) dt/ha; sehr gute Qualitäten mit Feuchtkleberanteilen um 26 (optimal 26) Prozent; gute Fallzahlen.
Roggen: 35 (30 bis 40) dt/ha; sehr gute Fallzahlen.
Dinkel: 35 (30 bis 40) dt/ha; sehr gute Qualitäten.
Sommergerste: 40 (35 bis 45) dt/ha; sehr gute Qualitäten.

Hintergrundinformationen

Fallzahl: Die Fallzahl ist ein Kennwert für die Backfähigkeit von Getreidemehl. Gewünscht sind 220 bis 300 Sekunden bei Backweizen und über 75 Sekunden bei Brotroggen. Diese Zeit benötigt ein definierter Stab, bis er durch das Mehl-Wasser-Gemisch der Probe hindurch gefallen ist. 60 Sekunden Rührzeit sind darin enthalten. Schädigt Auswuchs die Stärke im Korn, sinkt die Fallzahl.
Getreidetrocknung: Um die Getreidequalität bei der Lagerung zu sichern, soll die Kornfeuchte nicht höher als 15 Prozent sein. Sonst muss dem Getreide auf Kosten der Landwirte in speziellen Trocknungsanlagen Feuchte entzogen werden.

Betriebsmittel: Unter Betriebsmitteln werden alle notwendigen Materialien und Organismen verstanden, die ein landwirtschaftlicher Betrieb zur Produktion von Agrarerzeugnissen benötigt, wie Energie, Dünger, Nützlinge und Präparate zum Pflanzenschutz, Maschinen, Stalltechnik, Gebäude usw.

Hektolitergewicht: Das Hektolitergewicht in kg/hl gibt die spezifische Masse von Getreide, insbesondere Gerste an und ist ein Kennwert für die Qualität. Bei Wintergerste sollte das Hektolitergewicht mindestens 65 kg/hl betragen.

Auswuchs: Unter Auswuchs wird das Auskeimen des Korns bei feuchter Witterung in der noch nicht geernteten Getreideähre verstanden. Auswuchs mindert die Qualität des Getreides, das dann gegebenenfalls nur noch als Futter oder als Rohstoff für Biogasanlagen verwendet werden kann.

Zwiewuchs: Zu Zwiewuchs kommt es, wenn Getreide- oder Rapspflanzen mit bald reifen Ähren oder Schoten meist nach längerer Regenperiode neu austreiben und somit reife und noch grüne Körner tragen. Solcher Zwiewuchs erschwert die Ernte, welche dadurch oft verzögert wird. Das Erntegut ist durch die unreifen Körner in seiner Qualität gemindert.

Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg e. V. (LBV) vertritt über 40.000 Landwirte. 24 selbstständige Kreisbauernverbände nehmen auf regionaler Ebene die Interessen des bäuerlichen Berufsstandes wahr. Insgesamt ist jeder zehnte Arbeitnehmer in Baden-Württemberg direkt oder indirekt von der Landwirtschaft abhängig.

(Quelle, Grafik mit Jahresübersicht der Getreidepreise und Download: http://www.lbv-bw.de/Landesbauernverband-Ertragsschwankungen-bei-Getreide-nehmen-wetterbedingt-zu,QUlEPTMzNzM1MjkmTUlEPTU1NzEw.html )

Bild entfernt.

Weizenpreis im Norden der Republik: Rund 25 % über Vorjahr

Geschrieben von Richard Ebert am
Bauer Bernie
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12 Jahre 9 Monate

@ Richard Ebert [#1]

Na ja vielleicht zahlt derjenige der 2011 seine Produktionskosten beim Weizen kaum decken konnte einfach zuviel Pacht, oder der Maschinenpark ist zu pompös.

Man weiß das schon beim DBV klappern zum Handwerk gehört.

mfg
BB

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