Getreide: Preisverfall trübt die Freunde / zinsgünstige Kredite
Landwirte mit Erntemenge 2009 hochzufrieden - Preisverfall bei Agrarprodukten trübt aber die Freude
b2b-deutschland.de (25.08.09) - Die Landwirte in Nordrhein-Westfalen haben in diesem Jahr eine der ertragreichsten Getreideernten eingefahren. Die Erntemenge lag mit 4,6 Millionen Tonnen um 2,5 Prozent über dem Vorjahresergebnis und annähernd 12 Prozent über dem langjährigen Mittel, wie das Landwirtschaftsministerium am Dienstag in Düsseldorf mitteilte. Mit einem Ertrag von rund 81 Doppelzentern je Hektar sei der bisherige Spitzenwert aus dem Jahr 2001 erneut erreicht worden.
Weniger zufrieden können die Landwirte mit der Preisentwicklung sein. Kostete die Tonne Weizen bei der Vorjahresernte noch 170 Euro, sind es in diesem Jahr lediglich 110 Euro. Auch beim Roggen ging der Tonnenpreis im Jahresvergleich deutlich von 390 auf 240 Euro zurück. «Hier herrscht für die Branche kein Grund zur Freude», räumte Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg (CDU) ein. Wegen der globalen Wirtschaftskrise seien die Preise für Agrarprodukte aber weltweit gesunken.
Nach Einschätzung des Ministers müssen sich die Landwirte auch künftig auf starke Preisschwankungen einstellen. Grund sei zum einen, dass sich die EU weitgehend aus der Marktsteuerung zurückgezogen und preisstabilisierende Instrumente wie Intervention oder Exporterstattungen abgebaut habe. Zum anderen sei die Landwirtschaft immer stärker in die weltweiten Handelsströme eingebunden und werde damit abhängiger von den Entwicklungen an den Weltmärkten.
Uhlenberg geht aber zusammen mit Agrarexperten davon aus, dass die Agrarpreise mittelfristig wieder steigen werden. «Aufgrund des Bevölkerungswachstums wächst der Bedarf an Nahrungsmitteln weiter stetig an», betonte der Minister. Auch ein Ende der Wirtschaftskrise werde die Nachfrage ebenso ankurbeln wie die aus Gründen des Klimaschutzes weiter an Bedeutung gewinnende Bioenergie.
Die Landwirtschaftskammer NRW warnte unterdessen vor einer bedrohlichen wirtschaftlichen Lage vieler Bauern. Die gesunkenen Preise verbunden mit höheren Kosten für Saatgut und Düngemittel hätten den Druck auf die Betriebe erhöht, sagte Kammerpräsident Johannes Fritzen: «Neben den Milchviehhaltern stehen auch viele Ackerbauern derzeit mit dem Rücken an der Wand.» Betriebe mit finanziellen Engpässen seien sogar gezwungen, ihre Ernte zu Dumpingpreisen zu verkaufen.
Vor diesem Hintergrund bietet die landeseigene NRW.Bank den Landwirten seit Juli zinsverbilligte Kredite an, um die angespannte Wirtschaftslage zu überbrücken. Nach Angaben von Minister Uhlenberg nahmen bislang 552 Betriebe, davon 418 Milchviehhalter, ein Darlehen in Gesamthöhe von 28,7 Millionen Euro in Anspruch.
Insgesamt schätzte der Minister die Perspektiven für die NRW-Landwirtschaft als «positiv» ein: «Wir haben vielerorts günstige natürliche Standortbedingungen, gut aufgestellte Betriebe, eine hervorragende Infrastruktur und einen großen Markt vor der Haustür.»
(Quelle: http://www.b2b-deutschland.de/nordrhein-westfalen/region/)
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Anmerkung: Diesen Beitrag habe ich mir mehrfach durchgelesen: Kein Jammern über die Zustände, keine Anklage an das internationale Finanzspekulantentum, keine Schuldzuweisungen an Dritte. Sachliche Darstellung der Lage und Hinweis, wo zinsverbilligte Kredite zu erhalten sind. So sollte sich die Landwirtschaft darstellen.
@ Herr Ebert
Aber irgendwann muss das Geld mal zurück.
Und das wird es so nicht geben.
Denn wenn sich die Landwirte erstmal an ein bestimmtes Preisniveau "gewöhnt" haben; dann gibt es da keine Änderungen mehr.
Siehe den Schweinepreis.
Dann kann noch sowenig auf dem Markt vorhanden sein.
Günstige Kredite hin oder her.
Wir werden es diesen Winter sehen auf dem Schweinemarkt; dann sind die ersten Tilgungsraten bei den Sauenhaltern fällig.
Und das ohne gross Geld verdient zu haben.
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach