Getreide und Ölsaaten: Aussichten 2010 hängen vom Rohöl ab
Getreide- und Ölsaatenpreise 2010 hängen vom Rohöl ab
Agrarheute.com / aiz, Hannover (13.11.09) - Ob die Erzeugererlöse für Getreide und Ölsaaten 2010 steigen, hängt entscheidend von der Entwicklung der Energiepreise ab. Auf diesen Zusammenhang hat Josef Schmidhuber von der FAO hingewiesen.
"Je höher der Rohölpreis, desto lohnender ist die energetische Verwertung von Agrarrohstoffen", erläuterte der FAO-Senior Economist bei einer von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) gemeinsam mit dem Deutschen Bauernverband (DBV) ausgerichteten Fachtagung, die unter dem Motto "Agrarmärkte 2010" anlässlich der Agritechnica in Hannover stattfand. Niedrige Ladenpreise für Lebensmittel böten in entwickelten Ländern keinen Anreiz für steigenden Konsum. Hingegen bestehe am Paritätspreis für Rohöl eine praktisch unbegrenzte Nachfrage nach Bioenergie vom Acker. "Wollte man allein den globalen Energiebedarf für Transportzwecke decken, müssten zwei Drittel der weltweiten Ackerfläche mit Energiepflanzen bestellt werden", rechnete der UN-Agrarökonom vor.
In den USA orientieren sich die Grobgetreide-Preise am Rohöl
In den USA werde schon heute ein Drittel der Maisernte versprittet, weshalb sich der Preis für das Grobgetreide stark an den Rohölnotierungen orientiere. Sobald die Weltwirtschaft anspringe, sei deshalb auch am ehesten am Maismarkt mit einer stärkeren Preiserholung zu rechnen. In den letzten Jahren sei an den Maismärkten ein für Agrarprodukte absolutes Novum zu beobachten gewesen, nämlich ein von der Nachfrageseite - dem Bioethanolboom in den USA - ausgehender Preisschock.
Bioenergie als Absatzventil
Etwas verhaltener als beim Mais beurteilte Schmidhuber die Preisaussichten beim Weizen. Hier sei die Bugwelle an Überschüssen mittlerweile so groß, dass es kurzfristig nur geringes Aufwärtspotenzial gebe. Weizen werde bisher nur in geringem Umfang zu Bioethanol verarbeitet, sodass dieses Absatzventil kaum preiswirksam sei. Bei den Ölsaaten - über die Herstellung von Pflanzenöl und Biodiesel ebenso mit dem Energiemarkt verknüpft - hänge die weitere Preisentwicklung entscheidend von der im Frühjahr anstehenden Sojaernte in Südamerika ab. In den kommenden Monaten sei mit Wettermärkten zu rechnen, gekennzeichnet durch starke Preisausschläge nach oben und unten.
Der Agrarexperte geht davon aus, dass hohe Energiepreise einen Weg aus der landwirtschaftlichen Tretmühle immer weiter sinkender Erzeugerpreise ebnen können. Gleichzeitig warnte Schmidhuber vor zu viel Euphorie. Durch die bei teurem Rohöl zwangsläufig steigenden Preise für Agrardiesel und Dünger seien höhere Stückgewinne keinesfalls garantiert.
Die Megatrends sind intakt
DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer wies zur Eröffnung der Fachtagung darauf hin, dass erfolgreiche Unternehmer Agrarpreise nicht nur in der Gegenwart betrachten, sondern insbesondere deren mögliche Entwicklungsszenarien bewerten. Es sei bekannt, dass Preise kurzfristig durchaus falsche Signale für die langfristigen Trends aussenden. "Zwei weltweit vorzügliche Ernten mit entsprechenden Auswirkungen auf die globale Vorratshaltung, kombiniert mit den Effekten einer dramatischen Wirtschafts- und Finanzkrise sprechen im Augenblick nicht für großes Preissteigerungspotenzial", räumte der DLG-Präsident ein.
Aber die geringe Elastizität der Nachfrage könne bei plötzlichen Veränderungen des Angebotes, beispielsweise durch widrige Witterung oder ein doch schnelleres Überwinden der Wirtschaftskrise, genauso starke positive Preisreaktionen auslösen, wie man sie zuletzt in die andere Richtung erfahren habe. Mittelfristig würden die ungebrochenen weltweiten Megatrends Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und wachsender Wohlstand in Schwellenländer, veränderte Verzehrgewohnheiten und nicht zuletzt das Thema Bioenergie für eine steigende Nachfrage sorgen.
DBV-Vize sieht Grundstein für Entspannung der Agrarmärkte
DBV-Vizepräsident Klaus Kliem zeigte sich zum Abschluss der Tagung zuversichtlich, dass 2010 ein Grundstein für eine Entspannung der Agrarmärkte mit steigenden Preistendenzen gelegt werden könne. Andererseits müssten die Landwirte erkennen, dass die Konjunkturdaten der Weltwirtschaft unmittelbare Auswirkungen auf die internationalen Agrarmärkte hätten. Zeiten geschützter Märkte seien nicht nur für die Ackerbauern vorbei.
(Quelle: http://www.agrarheute.com/?redid=322830)
Energiepreise beeinflussen Getreidemarkt
Topagrar.com (16.11.09) - Ob die Erzeugererlöse für Getreide und Ölsaaten 2010 steigen, hängt entscheidend von der Entwicklung der Energiepreise ab. Auf diesen Zusammenhang hat der Senior Economist der FAO, Dr. Josef Schmidhuber, auf der Agritechnica hingewiesen.
(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.topagrar.com/index.php?option=com_content&task=view&id=14733&Itemid=519)
@ Richard Ebert [#2]
Russland steigert die Weizenproduktion ?
Wir hatte schon viele Russen und Ukrainer auf dem Betrieb als Praktikanten.
Um mir selbst mal ein Bild zu machen waren wir mal in der Ukraine auf Studienreise. Ein schönes Land mit vielen Problemen in der Landwirtschaft. Die Arbeiter in den meisten Betrieben sind nicht selbstständig und wenn man Erfolg hat kommt sofort "das Dach!" des Landes.
Diese Länder werden sicher nur in der Produktion von Massenweizen eine größere Rolle spielen!
MfG
Saubauer
@ Saubauer2 [#3]
Aber Massenweizen macht den Preis und wie wir exlizit in dieser Saison gelernt haben, dürfte zunächst die Zeit der Qualitäten (mit Aufgeld) vorbei sein. Auch schon logisch unter den Gesichtspunkte -
1. die Mehlmühlen betreiben einen ruinösen Wettbewerb in den Mehlpreisen
- müssen sie um zu überleben. D.h. die Rohware geht nur über den Preis rein und man hat gelernt, mit Massenqualität umzugehen.
2. die Mischfutterhersteller sind auf Billigkomponenten angewiesen, um ständig das Mischfutter billiger anzubieten und die Konkurrenz auszubooten.
3. die Bioethanolanlagen nehmen gleichfalls nur günstige Komponenten, um ihre Margen halten zu können.
Alles unter dem Motto - Geiz ist Geil !
Und so werden künfig Russen und Ukrainer, Kasachen und Letten den Marktpreis bestimmen.