Getreide: Vermarktungsmodell ZG Karlsruhe
Hallo Zusammen, die ZG Raiffeisen (Karlsruhe) bietet für Weizen, Raps und Körnermais ein börsengestütztes Vermarktungsmodell an, bei dem man nach einer Preisfixierung noch einmal "nachfassen" kann, wenn die Preise steigen.
Das wäre dieses Jahr optimal gewesen.
Also z.B. Weizen im Frühjahr bei 130 Euro/t (zu früh) verkauft, Landwirt kann jetzt Anfang September) bei einem Matif-Preis von 227 Euro/t (Nov 10) nachsichern.
Preisabschlag auf Matif wird im Vertrag festgelegt (z.B. 25 Euro/t). Dazu kommt eine Gebühr von 10 Euro/t.
Hat jemand mit diesem Modell Erfahrung ? Wie kommt die ZG aus dem Risiko (Kauf-Position an der Matif ? Put-Option ?)
Bei der ZG erhält man leider keine Informationen dazu.
Abgesehen von den hohen Gebühren und dem großen Preisabstand zur Matif ist das ein Vermarktungsmodell, das in volatilen Märkten sehr interessant sein könnte.
Besten Dank für Infos
riskmanager
@ riskmanager [#1]
Hallo Riskmanager,
ich würde mich gerne mehr mit diesem Angebot beschäftigen, aber ihre Informationen sind dafür nicht ausreichend.
Haben Sie vielleicht einen Link dazu ?
Schöne Grüsse, Richard Ebert
Hier ein Link. Ein Interview mit Herrn Utz zur Maisvermarktung.
http://www.dsv-saaten.de/export/sites/dsv-saaten.de/extras/dokumente/innovation/4-08-maisvermarktung.pdf
riskmanager
@ riskmanager [#3]
Hallo Riskmanager,
vielen Dank für den Link. Meine finanzmathematischen Kenntnisse sind nicht ausreichend genug, um das Modell beurteilen zu können.
Ich habe dieses Thema auf unseren Finanzseiten eingestellt, in der Hoffnung, die Optionsfachleute kommen zu einer Beschreibung, welche Vor- und Nachteile sich für die beiden Partner (Landwirt/Landhandel und ZG Karlsruhe) ergeben.
Schöne Grüsse, Richard Ebert
@ riskmanager [#3]
die angebotene Option scheint mir nach dem ersten Durchlesen eine lookback option zu sein- Kunde wählt im nachhinein den strike. ähnliche options werden im (Metall)Kassa Handel für die Absicherung von Lieferverpflichtungen gewählt.
ziemlich teuer im Vergleich zu vanillas.
Grüsse SPOMI
für mich sieht das aus wie ein simpler PUT at the money.
Put könnte sein, dann wäre aber die Prämie nicht unabhängig vom Produkt (Raps ist doppelt so teuer wie Weizen) gleich, nämlich bei 10 Euro/t. Meine Idee: Die ZG deckt sich bei der ersten Absicherung im gleichen Umfang an der Matif mit Kaufpositionen ein. Steigt der Preis, kann der Nachschlag mit dem Börsengewinn beglichen werden. Fällt der Preis, wird sofort glattgestellt. Für 10 Euro/t kann man Börsenkontrakte einige male kaufen und verkaufen.
Gruß
riskmanager
Hi,
für mich sieht es ehr danach aus, dass die ZG bei der ersten Absicherung einen Future an der Matif verkauft und gleichezeitig einen Call (ATM) kauft.
Fällt der Preis, ist die Ware über den Future abzüglich der Prämie für den Call gesichert. Steigt der Preis wird der Verlust aus dem Future durch den Gewinn im Call gedeckt. Wenn der Kunde dann nachsichert, wird der Call glattgestellt (verkauft). Der Gewinn hieraus deckt die Differenz zwischen dem ursprünglichen "Festpreis" und dem neu festgeschriebenen.
Interessant ist hierbei natürlich noch die Frage, wie die ZG mit dem unterschiedlichen Delta der Option gegenüber dem Future umgeht und wie lange der Landwirt "nachsichern" kann, da die Option natürlich an Zeitwert verliert.
Gruß
Thaddeus
@ Thaddeus [#8]
dein Vorschlag hat seine Berechtigung, insb wenn man liest, dass die Bank sich am Terminmarkt absichert. da aber keine Laufzeit genannt wird, ist es schwierig die Fairness der Preisstellung zu prüfen. um da was zu Testen bräuchte man ein konkretes Beispiel mit allen Zahlen. Laufzeit, Basis, Strike, vola Schätzung ....
Grüsse SPOMI
@ Thaddeus [#8]
Stimme Dir zu.
Allerdings sieht das nicht "eher danach aus" sondern ist das gleiche wie ich geschrieben habe.
Wenn man sich die Put Call Parität mal kurz anschaut wird man feststellen, dass ein Put das selbe ist wie ein Call plus Future Short.
@ SPOMI [#9]
Auch das ist korrekt.
Der Artikel ist diesbezüglich sehr oberflächlich gehalten.
EDIT:
Die alternative zu einem Put wäre ein Replizierung des Puts über einen Deltahedge mittels des Futures. Da die Implizite Vola fast immer über der realisierten liegt, lässt sich damit evtl. noch was Geld sparen bei der Absicherung.
Schönheitsfehler: Große Overnight Gaps oder Limit Up/Down Bewegungen kann man damit nicht völlig absichern.
Warum alles so kompliziert?
Hat der Landwirt kein eigenes Lager, empfiehlt sich in jedem Fall ein Verkauf des Getreides vor der Ernte. Vorteile sind: eine gute Verhandlungsposition, direkte Liquidität nach der Ernte und keine Lagerkosten. Die Hoffnung auf steigende Preise kann der Landwirt „eins zu eins“ mit einer Long-Position am Terminmarkt befriedigen. Fallen wider Landwirts erwarten die Preise, muss am Terminmarkt nachgeschossen werden, aber auch nicht mehr als wie die Ware zeitgleich am physischen Markt (im Lager) verliert. Bleiben durch die Terminmarktaktivität lediglich die Kosten für die Kontrakte in Höhe von ca. 0,30 Euro/to, nur ein Bruchteil der Kosten bzw. entgangene Erlöse die durch eine reine Kassamarkt-Vermarktung entstehen.
@ holz [#11]
Dein Vorgehen entspricht in keinem Fall dem oben beschriebenen Absicherungsgeschäft der Genossenschaft.
Du gehst OTC Short und Future long.
Ergo besteht keine Absicherung mehr, weil Du eine 0 Position hast.
@ Lenzelott [#12]
Richtig, es geht mir auch nicht um das Modell der ZG, sondern um eine sinnvolle Vermarktung aus Sicht des Landwirts.
Bei der von mir dargestellten Vorgehensweise handelt es sich - bei einen Landwirt der kein eigenes Lager hat - im ersten beschriebenen Schritt nicht um eine Absicherung, sondern um die Vermarktung.
Die Absicherung (und damit Preisfixierung) seitens des Landwirts erfolgt im zweiten Schritt (der im vorherigen Beitrag noch nicht geschildert war) indem er die eingegangenen Long-Positionen bei "genehmen" Kursen glattstellt (Short geht). Wenn er schon beim physischen Verkauf der Ware teilweise absichern will, geht er nicht mit der kompletten Menge Long, sondern nur mit einer Teilmenge die noch nicht abgesichert werden soll.