Getreide: Vorkontrakte als Instrument der Preisabsicherung ?
Bitte lesen Sie den 'fetten' Text im dritten Absatz und die Frage an Ende dieses Beitrags. (Richard Ebert)
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Erntepressekonferenz in Baden-Württemberg: Neue Vermarktungsinstrumente sollen Preise absichern
Agrarheute.com / pd, Stuttgart (18.08.09) - Etwa 80 Prozent des Getreides ist in Baden-Württemberg geerntet. Über die Ernte 2009 und die schwierige Marktlage ging es heute in Stuttgart auf der Erntepressekonferenz des Landesbauernverbandes Baden-Württemberg (LBV).
Nach Angaben des Landesbauernverbandes stehen in den Spätdruschgebieten wie auf der Schwäbischen Alb, der Baar und im Schwarzwald noch bis zu etwa 50 Prozent auf dem Halm, vor allem Hafer, Weizen und Braugerste. Regenfälle hätten in dieser Saison den Mähdrusch immer wieder verzögert. Teilweise kam es dadurch zu Qualitätseinbußen. Die Erträge liegen bisher im fünfjährigen Vergleich über dem Durchschnitt. Es zeichne sich eine Ernte leicht unter dem hohen Vorjahresniveau ab. Die Qualitäten sind im Schnitt zufriedenstellend. Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Kulturarten und Regionen. Heftige Hagelunwetter führten gebietsweise zu hohen Ertragsverlusten.
Neue Instrumente zur Preisabsicherung sind nötig
"Verträge über den Getreideverkauf bereits vor der Ernte können bei zunehmend freien und dynamischen Märkten die Vermarktungsrisiken mindern. Das zeigt sich in der diesjährigen Saison erneut. Bereits im vergangenen Jahr haben landwirtschaftliche Unternehmen, die solche Vorkontrakte abgeschlossen hatten, für Getreide und Ölsaaten deutlich höhere Preise erzielt als Betriebe, die zu Tagespreisen aus der Ernte heraus verkauften. Wir sind deshalb aufgefordert, die neuen Instrumente der Preisabsicherung gemeinsam mit unseren Marktpartnern weiterzuentwickeln und in noch stärkerem Umfang anzuwenden," erklärte Präsident Joachim Rukwied anlässlich der heutigen Erntepressekonferenz in Stuttgart.
Risikorücklage für schwierige Zeiten
Aufgrund der zunehmenden Ver- und Einkaufsrisiken auf den landwirtschaftlichen Märkten macht sich Rukwied für die Einführung einer Risikoausgleichsrücklage stark. "Den Landwirten wird dadurch ermöglicht, effektiv Eigenvorsorge zu betreiben", erläutert der Bauernpräsident. "In guten Jahren könnte ein Teil der Erlöse zurückgelegt werden. In schlechten Jahren stünde dieses Geld sofort zur Verbesserung der Liquidität zur Verfügung. Eine solche Rücklage wäre ein weiteres wichtiges Instrument im umfassenden Risikomanagement der Landwirtschaft."
Getreidepreise decken oft nicht einmal die Produktionskosten
Die Marktentwicklung stellt sich für die Landwirte völlig unbefriedigend dar. "Seit dem Hochpunkt 2007 zeigt der weltweite Preistrend für Getreide nach unten. Die Börsennotierungen liegen rund ein Drittel unter dem Vorjahresniveau. Die Getreidepreise aus der Ernte heraus decken meist nicht mehr die Produktionskosten. Viele Getreideerzeuger kommen aufgrund dieser Marktsituation in wirtschaftliche Schwierigkeiten", erläutert Rukwied. "Jetzt sind höchste Anstrengungen der Vermarkter notwendig, um die Ernte bestmöglich zu verkaufen", fordert Rukwied. "Wir erwarten zwar in Deutschland und Europa wie im Jahr 2008 eine überdurchschnittliche Getreideernte. Dennoch könnte das Angebot auf eine entsprechende Nachfrage stoßen. Es besteht somit die Hoffnung, dass sich der Markt mittelfristig wieder stabilisiert", betont Rukwied.
Erzeugerpreise aus der Ernte rund ein Drittel niedriger als 2008
Im August 2007 lagen die Erzeugerpreise für Brotweizen bei rund 180 (170 bis 200) Euro je Tonne zuzüglich Mehrwertsteuer. 2008 betrugen sie zur selben Zeit 160 (150 bis 170) Euro. Derzeit werden nur 110 (100 bis 120) Euro je Tonne notiert. Das seien gegenüber dem Vorjahr im Schnitt 50 Euro oder über 30 Prozent weniger. Der Rückgang binnen zwei Jahren betrage 70 Euro oder zirka 40 Prozent. "Vor zwei Jahren lief die Preiskurve noch nach oben. Der Markt hat sich dann jedoch aufgrund der weltweit besseren Ernteaussichten und wieder stärker gefüllten Getreidelager gedreht", beschreibt Rukwied die Entwicklung.
Auf und ab der Mineraldüngerpreise
Auch die Preisentwicklung an den Energie- und Betriebsmittelmärkten bereitet Rukwied große Sorge. Bis Januar 2009 haben sich die Preise für Mineraldünger binnen Jahresfrist mehr als verdoppelt. Als die Düngerpreise wieder sanken, hatten viele Landwirte ihren Saisonbedarf bereits gedeckt. "Wir brauchen auch für die Beschaffungsmärkte neue Instrumente zur Absicherung des Preisrisikos. Hier sind unsere Marktpartner gefordert", erklärt der Bauernpräsident.
Fragen:
Arbeiten Sie bereits mit Vorkontrakten für Getreide ?
Wie zufrieden sind Sie ?
Wie haben sich Vorkontrakte auf ihr wirtschaftliches Ergebnis ausgewirkt ?
Haben Sie Erfahrung mit Short-(Verkaufskontrakten für Weizen) und ist der Vorkontakt für Sie besser, gleich oder weniger gut handelbar ?
Haben Sie Erfahrungen mit EFP Exchange for Physical für Getreide ?
Selbstverständlich dürfen sich auch Getreidehänder äussern.
Hallo miteinander,
schon seit Jahren arbeite ich mit Vorkontrakten und auch mit den EFP - Kontrakten.
Auch konnte ich gerade aus der Ernte 2008 als auch 2009 gute Ergebnisse erzielen, da ich die Ware oft schon 6 - 8 Monate im Voraus verkauft hatte.
Allerdings ist mir die Behauptung, dass das Heil in Vorkontrakten zu suchen ist viel zu allgemein. Im Gegenteil. Bei einem normalen Marktverlauf wie wir ihn bis 2005 hatten rechnete sich die Vermarktung per Vorkontrakt nicht besser als ohne demselben.
Was gilt für denjenigen, der mit einem Vorkontrakt arbeitet?
1; Kenntnis der Marktlage. Da auf der anderen Seite Händler sitzen, die den Markt meist besser kennen als Landwirte ist es schwierig, hier zu punkten.
2; Charttechnik. Ein Beispiel: Wie oben geschrieben habe ich in den letzten beiden Jahren gut mit den Vorkontrakten gearbeitet. Mein Hauptargument waren hierbei die Charts hier von TMW gepaart mit den Ernteprognosen. Genau diese Charttechnik lässt aber vermuten, dass für die nächste Ernte Vorkontrakten wahrscheinlich nicht interessant sind. Ich gehe von einer evtl. mehrjährigen Bodenbildung aus. Aber da müssen wir sicherlich noch ein bisschen warten.
mfg
Thomas
Ich arbeite schon viele Jahre mit Händler- Kontrakten in Soja,Rapsschrot,Futtergetreide im Einkauf ( Kontrakte bis 1 Jahr Laufzeit)
Ergänzer ( nur noch bis 4 Monate möglich)
Körnerraps und WW im Verkauf
Wenn ich so zurückblicke in 10 Jahren waren die Absicherungen in 8 Jahren besser!!
Meist sind nicht alle Kontrakte an der Spitze aber der Durchschnitt ist für mich besser.
An die Börse habe ich mich noch nicht gewagt, aber viele Schulungen besucht.
Ich denke aber ,daß die Börse von zu vielen Faktoren geleitet wird um für mich als LW durchschaubar zu sein.
Aber eines nach dem anderen da wir eine Erweiterung der Schweine und der Fläche beabsichtigen.
MfG Saubauer
@ Saubauer2 [#3] und bbw [#2]
Danke für beide Meinungen.
Ich sehe den grundlegenden Unterschied zwischen Vorkontrakten und Terminkontrakten darin, dass Sie bei Vorkontrakten einen festen Preis und einen festen Abnehmer haben.
Bei Futures haben Sie nur einen festen Terminpreis OHNE Ihren Wunsch-Abnehmer, dafür können Sie das Geschäft jeden Tag wieder auflösen, z.B. wenn die abgesicherten Kurse stark gefallen sind.
Die Börsen bieten noch EFP Geschäfte an = Exchange for Physicals. Sehen Sie sich das bitte an, im Internet gibt es genügend Erklärungen dazu. In den USA sind diese alltäglicher Teil des Geschäfts.
@ Richard Ebert [#4]
Einer meiner Handelspartner bietet noch eine besondere Art von EFP an.
Beispiel an Weizen Lieferung Ernte 2010 .
Man fixiert zu einem beliebigen Zeitpunkt ( jedoch möglichst frühzeitig z.B. im Nov. 2009 ) eine Menge und die Qualitätsparameter. Nehmen wir an dies sind 2000 to und 12,5 % Eiweiß.
Offen bleibt der Preis, der sich aus der Matifnotierung ergibt. Dieser wird mit einer sogenannten Basis versehen. (z.B. Matif abzügl. 5,-- € / to )
Wenn ich jetzt z.B. mir die Kurse im Februar 2010 anschaue und feststelle, dass die Matif bei 150,-- € / to notiert, dann rufe ich bei meinem Handelspartner an und beauftrage ihn z.B. eine Teilmenge von 1000 to zu verkaufen. Die zweite Teilmenge könnte im März zu 160,-- € / to verkauft werden.
Der Vorteil für mich als Landwirt liegt darin, dass ich jederzeit an Hand der Börsennotierungen handeln kann aber kein eigenes Konto führen muss. Also auch keine eigenen Margingebühren oder Nachschusspflichten auf mich zukommen können.
Der Vorteil für den Handelspartner liegt darin, dass er seine eigenen Marginverpflichtungen deutlich absenken kann, da er ja seine long Postition durch eine short Position gegendecken kann. Somit steht bei ihm ja eigentlich nur ein spread.
Auf diese Weise konnte ich in den letzten beiden Jahren sehr frühzeitig meinen Weizen verkaufen und hatte aus heutiger Sicht sehr lukrative Kurse.
mfg
Thomas
Genau das ist es ja, was den Handel mit Getreide so einfach macht und vergleichbar mit den Börsen dieser Welt. Es gibt klar definierte Parameter; nachvollziehbar vor der Lieferung. Und dann kann man sich den Preis ausrechnen. Deshalb ist der Kassapreis mit dem Marktpreis vergleichbar.
Stellt euch vor; der Marktpreis würde noch zusätzlich nach der Lagerdauer des Getreides berechnet werden; frische Ware erzielt Aufgelder; Überjähriges Abschläge. Dann würde es Zuschläge/Abschläge nach den Korngrössen geben; zur Berechnung würde bspw. 1 hl. Getreide durch Siebe die errechneten Korngrössen ergeben usw. usv; was dann einen "Mischpreis" ergeben würde. Das ist das; was wir bei den Schweinen haben.
Würde man dann noch soviel Getreide handeln?
Denn genau das ist der Unterschied zwischen Terminmarkt Deutschland und den USA; durchschnittlich definiertes Schlachtschwein vs. Lebendgewicht. Schade eigentlich.
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach
Sehr geehrter Herr Mühlenbach,
so ein bischen hinke ich ja hinter der Zeit hinterher, nach dem ich Ihre interessante Stellungnahme zu diesem Thema mit Bezug auf die Schweinevermarktung erst jetzt gelesen habe.
Was kann man ändern? Heute liegen die Schweinepreise bei 1,60 Euro/kg und die Preiserwartungen an der Börse/Eurex ziehen mit. Der Maskenkarneval und die Hauspreise der großen Schlachter werden alle Register ziehen, um diese Preise nach unten zu rechnen. Warum wird in Deutschland nicht nach Lebendgewicht abgerechnet? Warum setzen sich die Landwirte nicht über gebündelte Aktionen durch und sagen ihren Händlern sie sollen sich selbst absichern und den Landwirten den Börsenpreis zahlen? Prämienverträge und EFP's gibt es im Getreidesektor schon lange. Warum nicht im Schweinesektor? Es ist meines Erachtens eine Frage des Aufbaus von Marktpositionen, dass nur über eine Gemeinschaftsakton möglich ist.
Es fehlt darüber hinaus ein Fleischfuture an der Eurex. Wenn sich der Mittelstand absichern würde, könnte das auch zur Preisberuhigung beitragen. Aber fragen Sie mal irgendjemanden aus der Fleischbranche, was er von Änderungen oder Absicherungen hält. Nichts! Es wird nur gemauert. Darum muss sich etwas ändern - siehe oben. Also: Organisieren, politisieren, argumentieren durchsetzen. Dann haben wir vielleicht auch Abrechnungen nach Lebendgewicht bei den Schweinen und entsprechende Futures, die auch die notwendige Liquidität mitbringen.
Grüße, Daten50