Richard Ebert
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Getreide: Was ist von Anbau- und Lieferverträgen zu halten ?

Wie ist Ihre Meinung zu Anbau- und Lieferverträgen für Getreide oder Kartoffeln, wie sie auch in Deutschland angeboten werden ? Haben Sie praktische Erfahrungen ? Worin lagen oder liegen für Sie die Vorteile ? Gibt es Nachteile ?

Der folgende Beitrag bezieht sich auf Braugerste in einem österreichischen Lagerhaus und dient nur als Beispiel. Meine Frage ist nicht auf die Konditionen des Angebots bezogen, kann aber auch anhand derer beantwortet werden.

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Lagerhaus bietet dreijährige Braugerste-Verträge

Topagrar.at (08.02.10) - Dreijährige Braugerste-Anbau- und Lieferverträge mit fixierten Mindest- und Höchstpreisen bietet das Lagerhaus an. Bis zum 25. Februar können Interessenten einen entsprechenden Vertrag abschließen.

Für eine Vertragsfläche von 2 t/ha berechnet sich demnach der Erzeugerpreis aus dem jeweiligen Börseschlusskurs am letzten Handelstag im Oktober (für Euronext-Weizen des Handelsmonats November), abzüglich einer Gebühr von 10 Euro (Schwankungen aufgrund regional unterschiedlicher Kosten sind möglich).

Zusätzlich wurden Mindest- und Höchstpreisgrenzen eingezogen. Folgende Preisbänder sind für den Erzeuger vorgesehen:

* 2010 mindestens 130 bis maximal 150 €/t,
* 2011 mindestens 132 bis maximal 155 €/t,
* 2012 mindestens 137 bis maximal 160 €/t
(auch hier sind Schwankungen aufgrund regional unterschiedlicher Kosten möglich).

Erntemengen, die über die vertraglich fixierten 2 t/ha hinausgehen, werden über das Poolsystem der RWA AG vermarktet, fallen also nicht unter diese Preisformel.

Wichtig auch: Die neuen Anbau- und Lieferverträge werden nur für die Sorten Signora, Bojos und Quench bei einem verpflichtenden Mindestbezug von 150 kg/ha Z1-Saatgut angeboten.

(Quelle: http://www.topagrar.at/home/index.php?option=com_content&task=view&id=1644&Itemid=1)

Bild entfernt.

Geschrieben von Richard Ebert am
Bauer Bernie
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Richard Ebert [#1]

Grundsätzlich eine gute Sache für Erzeuger und Abnehmer.
Im o.g. Beispiel wäre ich etwas vorsichtig denn 2 to/ha sind sehr geringe Erträge 4,5 t sind als Durchschnittsertrag für Deutschland nicht zu hoch gegriffen.
Wenn dann die Abnahmeverpflichtung für Saatgut u. evtl. Pflanzenschutz besteht und die Andienungspflicht der gesamten Erntemenge zum Tagespreis, ist von diesem Vertragsmodell abzuraten.

Ziemlich sicher wird dieses Jahr in Deutschland sehr wenig Braugerste geerntet werden, da die Aussaatflächen drastisch reduziert werden.
Ein Saatgutvermehrer sagte mir gestern der Saatgutmarkt für So-Gerste sei tot, er kann mir jetzt schon 90 % seiner Gerste als Futter offerieren.
Folglich macht dieses Jahr keiner was falsch wenn er doch Braugerste aussät.

Mfg
BB

Saubauer
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Wieso Braugerste ?

Wir im fränkischen Jura waren das traditionelle Braugersten Anbaugebiet und nachdem der Handel es mit vielen verschiedenen Abzügen wie Eiweiss/Vollgerstenanteil/Spelzen/Verbäunungen usw. übertrieben hat bauen schon 50% der Betriebe jetzt Biogas - Mais.

Für die Ernte werden zur Zeit 1200-1400 Eur fest je ha geboten, Erntekosten inbegriffen !

Wer kann dazu schon NEIN sagen ?

MfG Saubauer

Bauer Bernie
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Saubauer2 [#3]

Bei solchen Preisen braucht man nicht lange überlegen.
Da sollte man ja selber auf den Zug aufspringen und Schweinefutter leichter zukaufen.
80 dt Weizen x optimistische 15€/dt wären nur 1200 bei höherem Aufwand.

Mfg
BB

Saubauer
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Bauer Bernie [#4]

Nach der Rechnung gesehen und wenn ich keine Kulap - Verplichtung hätte !

Dann könnte ich sogar einen Teil der Tritikale absilieren und Mais bauen !

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Ich kann noch nicht so richtig erkennen, worin die Vorteile von Anbau- und Lieferverträgen liegen.

Es gibt eine Lieferverpflichtung, die erfüllt werden muss, eine Abrechnung zum Börsenkurs, den man auch ohne Vertrag erhalten könnte (EFP Verträge) und einen Höchstpreis auf der Erlösseite.

Auf der Kostenseite gibt es Abnahmeverpflichtungen für das Saatgut, ohne dass ich hier günstige Preiszusagen erkennen kann.

Wer trägt das Risiko einer schlechten Ernte ? Wer das Risiko einer in der Menge sehr guten Ernte ?

Ist der landwirtschaftliche Unternehmer, wenn er solche Verträge abschließt. noch freier Unternehmer ?

Schöne Grüsse, Richard Ebert

Bild entfernt.

Ackerspezi
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Richard Ebert [#6]

Immer die alte Leier: Denken Sie an die Marginpflicht!

Soja wird ebenso vorkontrahiert - damit kann ich ganz fest kalkulieren, ohne nachts Bauchschmerzen zu bekommen.

Ähnlich wird es sich mit der Braugerste verhalten - nur auf einem niedrigerem Niveau mit garantiert schmalem DB.

Bauer Bernie
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Richard Ebert [#6]

Vollkommen richtig.

Bekomme soeben per Post ein Vertragsangebot eines priv. Landhändlers: Braugerste 12,10 € + Mwst pro dt für einen Referenzertrag v. 55 dt/ha

Dann wörtlich:

"Bitte beachten Sie: Der Festpreis von 12,10 € ist freibleibend und nur für eine begrenzte Vertragsfläche machbar. Für eine Zusage ist die Reihenfolge beim Eingang der Vertragsmeldungen maßgebend. Voraussetzung für den Vertragsanbau ist die Flächenmeldung vor Aussaat ein 100%iger Saatgutbezug über unser Haus sowie die Andienung zur Ernte."

Der Preis für´s Saatgut wird nicht genannt, aber bei frühzeitiger Bestellung ein Rabatt von 1,25 € pro dt Saatgut.

Der Schlusssatz:

Also nicht lange überlegen sondern sofort bestellen.

Interessant dazu noch die öffentliche Preisgabe der derzeitigen neuen Pachtpreise durch den Amtsleiter Fachbereich Landwirtschaft für die Nachbarlandkreise (Halbseitiger Pressebericht vom 17.Feb.): 800-900 €/ha.

Mfg
BB

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