Getreide: Weltbstände fallen auf 18 % eines Jahresverbrauchs
Ertragsausfälle eingepreist
LWK Niedersachsen, Hannover (17.08.12) - Die reduzierten Ernteschätzungen im neuen USDA-Bericht waren von den Marktbeteiligten im Wesentlichen erwartet worden. Daher haben die Kurse an den Terminbörsen auch nicht weiter angezogen, sondern zunächst sogar eher nachgegeben.
Für die Weltweizenernte 2012/13 rechnet das USDA jetzt mit knapp 663 Mio. t. Das sind 2,5 Mio. t weniger als in der vorangegangenen Juli-Schätzung und 32 Mio. t weniger als in 2011/12. Den voraussichtlichen Verbrauch sieht man bei 683 Mio. t und somit um 3 Mio. t höher als in der Juli- Prognose.
Die globalen Weizen-Lagerbestände zum Ende des Wirtschaftsjahres würden demnach bei etwa 177 Mio. t liegen. Das wäre 20 Mio. t unter dem derzeitigen Stand der Vorräte und entspräche dann noch etwa 26 % des jährlichen Verbrauchs.
Beim übrigen Getreide werden die Vorräte auf voraussichtlich nur noch 13 % des geschätzten Verbrauchs sinken. Ursächlich dafür sind die sehr schlechten Aussichten für die Maisernte insbesondere in den USA, aber auch in Südosteuropa. Da dies ebenfalls erwartet wurde und daher schon eingepreist war, sind auch die Terminkurse für Körnermais erst einmal nicht weiter gestiegen.
Ölsaaten ziehen wieder etwas an
Im Gegensatz zu Weizen und Mais hat die Sojanotierung in dieser Woche leicht angezogen. Die aktuelle Schätzung für die Welt-Ölsaatenernte 2012/13 liegt mit 457 Mio. t zwar immer noch um gut 20 Mio. t über dem Vorjahresergebnis, aber um 8 Mio. t unter der Juli-Schätzung. Raps tendiert trotz der überwiegend besser als erwartet verlaufenen Ernte recht fest.
(Quelle: http://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/6/nav/206/article/8351.html )
Kassapreis für Weizen am Weltmarkt in Chicago
@ Richard Ebert [#1]
Die Endbestände an Weltgetreide 2012/13 errechnen sich nach der jüngsten USDA-Schätzung auf durchschnittlich 18,08 % gemessen am Verbrauch (stock to use ratio). Der langjährige Durchschnittswert liegt bei 21 %. Für den Teilbereich Weizen werden rd. 26 % und im Teilsortiment Coarse Grain 13 % erreicht. Die IGC-Schätzung kommt zum ähnlichen Ergebnis!
Weitere Preissteigerungen (wenn auch deutlich weniger ausgeprägt als in der Vergangenheit; die Fallhöhe ist bereits beachtlich) sind angesichts der Versorgungsentwicklung nicht ausgeschlossen; Gründe: Weitere Minderungen beim US-Mais, Korrekturbedarf in Russland (Erntemenge und Ausfuhrminderungen im Verlauf dieses Jahres bzw. 1. Jahreshälfte 2013 bis hin zum Ausfuhrstopp!?), Erntekorrektur der Ukraine, Trockenheit in Westaustralien, Argentiniens Minderung der Weizenanbaufläche, Korrekturbedarf beim europäischen K.Mais auf schwachen Standorten, China`s Endbestände stehen an der kritischen Marke von 35 % . . . Dem stehen nur wenige positive Nachrichten aus Kanada, Argentiniens Maisanbau (Ernte April 2013), Safrinha-Ernte in Brasilien gegenüber. Noch ist nicht alles eingepreist
Ganz entscheidend: die "mobilen" Endbestände der führenden Exportländer sind deutlich niedriger als im Höchstpreisjahr 2007/08. Allein in China werden 25 % mehr Getreide überlagert als in den führenden 8 Exportländer zusammen. Und ... China exportiert nicht, im Gegenteil! Wo sind mögliche Lieferreserven zu mobilisieren?
Die Versorgungslage bleibt angespannt und unsicher, die Marktententwicklung spannend.
MfG Bre
[Überschrift redaktionell von 26 % auf 18 % korrigiert am 23.08.12 - danke an Bre für die Korrektur !]
@ Bre [#2]
Ich hatte bisher immer den Eindruck, dass das USDA eher etwas höhere Ernten prognostiziert, um die Märkte zu beruhigen. Demnach dürfte noch Korrekturbedarf nach unten bestehen.
MfG
Geno-Bauer
@ Geno-Bauer [#3]
Im Rahmen einer Schätzung ist immer ein Ermessensspielraum enthalten. Das USDA schätzt im Zweifelsfall immer zeitverzögert, weil die Datenerfassung ihre Zeit braucht und möglichst immer auf der Grundlage nachweisbarer selbst erfaßter offizieller Unterlagen. Reine Meinungen, wie sie an den Börsen kursieren, haben wenig Platz. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Schätzergebnisse ist die Marktentwicklung bereits weiter fortgeschritten, so daß in diesem Jahr der Eindruck entsteht, das USDA schätzt bewußt vorsichtiger, mit der Folge, dass ständig Nachholbedarf entsteht. In anderen Jahren ist es anders. Als Regel kann man sagen, schlechte Ernten werden im Schätzungsverlauf immer schlechter und bessere immer besser. Aber keine Regel ohne eine Vielzahl von Ausnahmen. Die Aug-12-Schätzung ist ein Beispiel für drastische Korrekturen.
Andererseits gibt es kein vergleichbar zuverlässiges Instrumentarium, dass so umfassend und in sich kohärent eine Versorgungsbeschreibung auf Weltebene abliefert. Andere Prognoseinstitutionen haben ihre spezifischen Schwerpunkte.
MfG Bre