Getreide: Weltweit zweitgrösste Ernte aller Zeiten ?
Trotz sinkender Erträge: Aussicht auf weltweit zweitgrößte Getreideernte
Agrarheute.com, pd, Bonn (08.07.09) - Die Getreideernte in Deutschland wird mit rund 47,5 Millionen Tonnen fünf Prozent und in Europa mit geschätzten 285 Millionen Tonnen acht Prozent unter dem Vorjahresrekord liegen. Trotzdem könnte es die weltweit zweitgrößte Getreideernte werden.
Aufgrund der vorliegenden Fundamentaldaten der Versorgungslage weltweit muss die Landwirtschaft davon ausgehen, dass der physische Markt keine Preissprünge nach oben zulässt.
Offen ist jedoch der Bereich des Finanzmarktes, in dem Fondsmanager den Rohstoffmarkt Getreide wieder entdecken, und durch die vorhandene Geldmenge dem Markt zusätzliche Impulse geben könnten. Diese erste Einschätzung gab Bruno Fehse, Präsident des Bundesverbandes der Agrargewerblichen Wirtschaft diese Woche in Bonn bekannt. Noch ist die Kontraktbereitschaft angesichts differierender Preisvorstellungen sehr unterschiedlich ausgeprägt.
Bei Vermarktung nicht alles auf eine Karte setzen
Im Ölsaatenbereich sind in Ostdeutschland ca. 50 Prozent der bevorstehenden Rapsernte bereits gebunden, in Westdeutschland liegt dieser Anteil Umfragen zufolge bei geschätzten 30 Prozent. "Dem gegenüber schätzen wir", so Fehse, "dass in Norddeutschland nur rund fünf Prozent der neuen Getreideernte seitens der Landwirtschaft vorverkauft wurde. Wir können nur davor warnen, bei der Vermarktung durch Spekulationen alles auf eine Karte zu setzen. Seriöse Preisprognosen zum jetzigen Zeitpunkt zu machen ist unmöglich, umso wichtiger ist die kontinuierliche Vermarktung und damit auch Versorgung des Marktes."
Solide Kostenkalkulation entwickeln
Eine Vermarktungsstrategie auf Basis einer soliden Kostenkalkulation zu entwickeln und diese dann umzusetzen, müssen noch viel mehr zum selbstverständlichen Instrumentarium eines Unternehmers gehören, fordert Fehse. "Wir gehen davon aus, dass in der Ernte vor allem die Futtermittelwirtschaft als Käufer auftreten wird und damit auch das Preisniveau bestimmt", so Fehse. Die Mühlenwirtschaft scheine im Großen und Ganzen bis in den Herbst hinein gut versorgt zu sein und schiebe zum Teil noch Kontrakte der letzten Ernte.
Märkte bleiben volatil
Im September, wenn man genauer sagen kann, welche Mengen und Qualitäten in Deutschland, in der EU und Osteuropa tatsächlich geerntet wurden, könne man sich ein besseres Bild zur Marktlage machen. Allerdings werde der Landhandel auch weiterhin mit Tagespreisen arbeiten, um sein Risiko zu begrenzen. Seitens des Landhandels werden außerdem Einlagerungskontrakte auch mit Teilmengen und späterer Preisfindung angeboten. Neben Angebot und Nachfrage komme eine Vielzahl von externen Faktoren hinzu, unter anderem die Entwicklungen des Rohölpreises, der Währungen sowie der erneute Einstieg der Börsenspekulanten, so dass die Märkte volatil bleiben werden.
Deutsche Ware glänzt mit guter Qualität
Im vergangenen Wirtschaftsjahr sind Exportchancen im hohen Umfang genutzt worden. Deutsche Ware war vor allem wegen ihrer guten Qualitäten gefragt. Dies hat zu einer deutlichen Entspannung des Marktes geführt, so der Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft. "Insbesondere in Norddeutschland über die Häfen, aber auch Süddeutschland Richtung Südeuropa müssen wir uns auch zukünftig auf den Export konzentrieren. Neben der Sortenwahl dürfen der Dünger- und Pflanzenschutzmitteleinsatz nicht vernachlässigt werden", mahnte Fehse.
(Quelle: http://agrarheute.com/?redid=306053)