Richard Ebert
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Hedge Fonds treiben Preise für die frische Getreide-Ernte

Hedge Fonds treiben Preise für die frische Getreide-Ernte

Schwäbische Zeitung, Ehingen (18.07.08) - Gestern hat der Regen den Landwirten einen Strich durch die Ernte-Rechnung gemacht. Zur Wochenmitte jedoch hatten sie bei Sonnenschein fleißig Wintergerste eingefahren. Hans Götz, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, rechnet mit einem durchschnittlichen Jahr. Eines, in dem allerdings weniger verdient wird.

Satt und gelb stehen die Ähren auf den Feldern rings um Ehingen: Die Erntezeit ist angebrochen. Kaum ein Mähdrescher, der in dieser Woche nicht bewegt worden ist. Beispielsweise die von Hans Gräter aus Gamerschwang. Mit Enkelin Lisa-Marie saß er hoch zu stählernem Ross und drosch. Es ist die Zeit für Wintergerste. Gräter rechnet mit einem durchschnittlichen Erntejahr. Ähnlich sieht"s Elisabeth Erhart vom gleichnamigen landwirtschaftlichen Lohnmähunternehmen aus Dächingen für die Alb. "Es gab im Mai und Juni zu wenig Niederschläge", erzählt sie. Deswegen meidet sie den Begriff "gut". Trockenschäden seien allerdings nur vereinzelt auszumachen, hat Hans Götz, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ulm-Ehingen, beobachtet. Dort, wo der Boden schlecht Wasser aufnimmt.

Vom Wasser allerdings gab"s in den vergangenen Tagen reichlich. Doch momentan stört der Regen, jetzt wo die Wintergerste erntereif ist. "In zehn Tagen geht"s richtig los", erzählt Elisabeth Erhart - wenn das Wetter mitspielt. Dann sei auch der Raps soweit. Kurz darauf folgen Erbsen, Winterweizen und Braugerste. "Wenn"s jetzt mal drei Wochen am Stück 30 Grad hätte", wünscht sich die Unternehmerin.

Dies wäre optimal. Hans Götz sagt, dass "heiße Tage das Getreide beflügeln". Er wäre aber schon zufrieden, wenn Starkregen oder Hagel ausblieben. Letzterer hatte unlängst nicht nur Autos und Dächer beschädigt, sondern auch Teile des Ertrags dezimiert.

Große Sprünge und Hysterie

Für den gibt es übrigens annähernd die selben Preise wie im vergangenen Jahr. 17 bis 18 Euro erhielten die Landwirte etwa für 100 Kilogramm Futtergetreide - bei allerdings generell stark schwankenden Tagespreisen. Nichts ist also davon zu spüren, dass die Erzeuger von den gestiegenen Lebensmittelpreisen profitieren. Hedge Fonds seien bei den Lebensmittelrohstoffen weltweit am Werk. "Das macht die großen Sprünge und die Hysterie aus", so der Bauernchef. Acht Mal werde im Schnitt Weizen oder Gerste von den Feldern des Alb-Donau-Kreises gehandelt, ehe das Getreide verarbeitet wird. Rein virtuell wechselt die Ernte den Besitzer, ohne dass auch nur ein Korn aus der Scheune bewegt wird. "Die Hedge Fonds machen heute in Landwirtschaft, morgen in Silber und übermorgen in Stahl", erläutert Götz.

Mit der Folge steigender Preise für die Verbraucher. Und bei Produktion und Ernte auch für die Landwirte. Denn die ebenfalls von Spekulanten betroffenen Energierohstoffe setzen ihnen zu. Götz rechnet vor, dass allein der Dieseltreibstoff 50 Euro pro abgeerntetem Hektar mehr koste als im Vorjahr. "Die Spirale hat uns voll im Griff", sagt er.

(Quelle: http://www.szon.de/lokales/ehingen/ehingen/200807180232.html)

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[Fette Hervorhebungen durch die Redaktion TerminmarktWelt.de / rmx-forum.de]

Geschrieben von Richard Ebert am
paul
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@ Richard Ebert [#1]

Nicht aufregen, genau so viel Unkenntnis trifft man bei Börsenfachleuten wenn sie über Landwirtschaft reden. Nicht jeder kann die Welt in ihrer unendlichen Weite bereisen.

Schönes Wochenend Paul

wollewatz
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@ paul [#2]

Allein für diese Antwort sollte man Dir hier im Forum ein weiteres buntes Sternchen oder Dreieck verleihen.

Was derzeit alles über die Märkte und ihre Funktionsweisen fabuliert wird ist wirklich sehr unterhaltsam. Jeder hat eine Erklärung parat und vor allem auch immer einen Schuldigen.

Gruß,
wollewatz

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ paul [#2]

Lieber Paul, ich rege mich nicht auf. Es ging mir nur darum, beispielhaft aufzuzeigen, wie viel dummes Zeug von Bauernverbands Vorsitzenden in wenigen Zeilen schreiben bzw. wie sie Zitate aus Vorträgen zulassen. Halbwissen und irgendwo aufgeschnappte Meinungen Dritter verdichten sich zu Aussagen, die im Ton tiefster Überzeugung vorgetragen werden, ohne zu wissen, wie sich dies bei den Landwirten auswirkt und was sie in breiten Schichten der Bevölkerung damit auslösen.

Wir haben heute bereits die Situation, dass von 'Offiziellen' festgestellt wird, die Getreidepreise wären durch Hedgefonds hochgetrieben worden und es müssten Menschen verhungern (heute im ARD Presseclub) und andererseits behauptet wird, die Verkäufe der Hedgefonds hätten die Weizenpreis von 300 auf unter 200 Euro fallen lassen, womit bei gestiegenen Kosten für Energie und Dünger kein Geld mehr verdient werden kann.

Was soll denn mit den Getreidepreisen geschehen ?

Soll der Weizenpreis weiter von 200 auf 100 Euro fallen, damit dann weniger Menschen verhungern ? Dann könnte auch der Schweinepreis von 1,80 auf 0,90 Euro zurückgenommen werden, damit sich die armen Leute mehr Fleisch leisten können.

Zum Beitrag in [#1]:

ZITAT: "Acht Mal werde im Schnitt Weizen oder Gerste von den Feldern des Alb-Donau-Kreises gehandelt, ehe das Getreide verarbeitet wird."

- An welcher Börse wird die Gerste Ernte des Alb-Donau-Kreise gehandelt, bevor sie verarbeitet wird ?

- Steigt der Preis durch diesen vielfachen Handel oder fällt er ?

- Können sich die Getreidelandwirte am Handel mit Gerste des Alb-Donau-Kreises beteiligen oder ist dieser ausschliesslich den Hedge-Fonds vorbehalten ?

- Falls ihn nur Hedge-Fonds handeln dürfen, in welchen Gesetzen oder Verordnungen kann ich dieses nachlesen ?

ZITAT: "Die Hedge Fonds machen heute in Landwirtschaft, morgen in Silber und übermorgen in Stahl".

- Was machen sie denn mit den Produkten aus der Landwirtschaft, in Silber oder Stahl ? Kaufen, das Getreide, die Milch und das Fleisch in riesigen Lagern aufbewahren und die Preise hochtreiben ?

- Bleiben die Produkte auf immer und ewig im Lager oder werden sie wieder verkauft ?

- Wenn sie verkauft werden, steigen dann die Preise weiter oder fallen sie ?

- Werden die Käufe mit Eigenkapital finanziert oder mit Krediten, die vermutlich Zinsen kosten ?

ZITAT: "Mit der Folge steigender Preise für die Verbraucher. Und bei Produktion und Ernte auch für die Landwirte."

- Na endlich etwas positives. Die Preise für Landwirte, also die Einnahmen aus Agrarprodukten, werden durch Hedge-Fonds in die Höhe getrieben. Bisher war ich der irrigen Meinung, dies hätte etwas mit Angebot und Nachfrage zu tun, bei Getreide etwa mit der Anbaufläche, dem Flächenertrag, den Ertragsaussichten der um Fläche konkurrierenden Produkte, dem Wetter, dem Verhalten der Nachfrager usw. Nein, es sind die Hedge-Fonds, die den Preis für Gerste des Alb-Donau-Kreise achtmal handeln.

Liebe Hedge Fonds, seit so freundlich und handelt Ferkel Futures an der RMX in Hannover. Es stehen nur rund 400 Kontrakte offen, bei achtmaligem Handel müssen nur etwa 3.200 Futures gehandelt werden. Damit könnte der Preis von 50 auf 100 Euro getrieben werden, die Ferkelerzeuger würden große Gewinne machen und ihr hättet rund 40.000 Ferkel mit riesigen Gewinnen im Bestand. Die braucht ihr dann nur noch zum Höchstkurs an die Schweinemäster zu verkaufen.

Überhaupt dürfte es vorteilhafter für die Ferkelerzeuger und Schweinemäster sein, künftig nur noch mit Hedge Fonds ihre Geschäfte abzuwickeln.

Oder habe ich etwas falsch verstanden ?

Gute Nacht, Deutschland !

Muehlenbach
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12 Jahre 9 Monate

Guten Morgen Deutschland....

Es gibt eine Deutsche Mentalität; dass es immer irgendeinen Schuldigen geben muss; heuptsache nicht ich.
Daran kann man erkennen; dass sehr viele; auch aus dem Verband; den Bezug zur landwirtschaft komplett verloren haben.
Die Landwirtschaft; und damit meine ich insbesondere den Ackerbau steht und fällt mit einem Phänomen; welches weder Preussen-Verwaltungs-Deutschland; noch Brüssel; noch sonst irgendwelche Berater oder Wirtschaftsweisen ändern können:
Das Wetter.
Es macht zwischen 30 bis 70 % des Ertrages aus; weniger wenn intensiv gearbeitet ( Düngung/ Pflanzenschutz/ Beregnung); mehr wenn extensiv gearbeitet wird.
Also gibt es weltweit gesehen mal sehr gute Jahre mit hohen Überschüssen; und mal Jahre mit weniger hohen Überschüssen.
Als Beispiel kann man Deutschland nehmen; trotz Züchterfortschritt hat sich der Ertragszuwachs in den letzten Jahren merklich verringert; eine Folge ist dass in den klassischen Ackerbauregionen die Grundnährstoffdüngung aufgrund des Preisniveaus ( damals Kali für 15 Euro/ DAP für 28 Euro) zurückgefahren wurde.
Heute aber wird gepredigt; dass bei 60% höherem Weizenpreis mehr gedüngt werden soll bei 250% höheren Düngerkosten...
Das ist aber alles machbar und "würde" sich auch lohnen; wenn der Grundfaktor Wetter auch mitspielen würde...
Macht es aber nicht.

Zurück zu den achtmal:Hiermit ist auch gemeint; dass das reale Getreide durch viele Hände geht; die auch alle verdienen wollen.
Und so kommen wir zu dem Punkt; den nicht nur das Getreide betrifft; sondern die meisten Rohstoffe allgemein: viele Hände werden offen gehalten und verdienen daran.
Das ist im Grunde auch nichts verwerfliches; manche nennen das Wertschöpfungskette.
Und je "fauler" wir Verbraucher werden; sprich je "fertiger" wir unsere Waren kaufen; je teurer wird uns der Lebensunterhalt kosten.
Da hilft kein jammern und kein Schreien.
Aber einen Schuldigen suchen: Hedgefonds.
Ebend die Klientel; die den Ölpreis puscht; das Getreide; und nun den Finanzsektor "retten" soll.
Heisst: das eine was ihr macht ist böse; das andere rettet die Welt..?
Noch fragen?

In dem Sinne
MFG
Mühlenbach

Ackerspezi
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@ Richard Ebert [#4]

Wenn Sie einmal ein Interview gegeben haben, wissen Sie wie Journalismus funktioniert. Der Reporter will auch seine Weltanschauung mit einbringen- im Gemisch kommt dann so etwas wirres dabei heraus. Wenn möglich, lasse ich mir inzwischen die Texte vorab zukommen- geht aber nur bei längeren Interviews. Bei "Erntestatements" wird mal schnell am Telefon 2 Minuten zusammen geschnackt. Danach ist man auf den Goodwill der Journalie angewiesen. Ist keine Entschuldigung, nur ein Erklärungsversuch, weil ich selber schon mal so etwas ähnliches erlebt habe.

Richard Ebert
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12 Jahre 9 Monate

Danke für die interessanten Meinungen.

Mühlenbach hat es gut geschrieben: "Es gibt eine Deutsche Mentalität, dass es immer irgendeinen Schuldigen geben muss, Hauptsache nicht ich."

Hier werden vom Kreisbauernverband die Hedge Fonds angegriffen, am 'nächsten Tag' kommt von Herrn Hilse vom Landvolk Hannover der Vorschlag, den Weizenpreis an den Rohölpreis anzukoppeln und ein Dritter Agrarier wettert gegen die Hedge Fonds, die den Rohölpreis und damit den Dünger für die Landwirtschaft verteuern würden.

Würde man dem Vorschlag von Herrn Hilse folgen und Rohöl- und Weizenpreis aneinander zu binden, dann würde der deutsche Weizenpreis durch die Hedgefonds Spekulationen auf Rohölpreise jeden Tag neu 'manipuliert'.

Bedeutet: Fällt der Rohölpreis von knapp 150 auf knapp 50 Dollar zurück, müssten die gekoppelten Weizenpreise irgendwo in der Mitte von 60 bis 70 Euro gehandelt werden gegenüber 300 beim letztjährigen Hoch.

Prima. Ist das wirklich so gewollt ? Deutsche Agrarpreise in der Hand der Hedgefonds ?

Gute Nacht, Deutschland !

gautama2
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12 Jahre 9 Monate

@ wollewatz [#3]

Leichen im Keller kann man nur durch Verdrängungen ertragen, denn wer könnte schließlich in der vollen Erkenntnis seiner verpaßten und vertanen Lebenschancen überhaupt noch leben?

Und so gibt es je nach Charakter und Bildungsstand typische Verdrängungsmuster für eigene "Leichen", von denen hier einige aufgeführt seien:

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12. Verteufelung irgendwelcher angeblicher - durchaus auch irrationaler - Schuldiger. Wenn irrationale Mächte wie Teufel oder falsche Götter, aber auch bestimmte Klassen oder Rassen von Menschen, als Schuldige für das Böse herhalten müssen, liegt mit Sicherheit eine Verdrängung vor. Man sollte sich überlegen, ob die Fehler nicht auch geschehen wären, wenn es diese Mächte des Bösen nicht gäbe. Siehe Ideologie, Kommunismus, Nationalsozialismus, Hexenwahn.

13. Ziemlich unkritische Verteufelung anderer, die angeblich noch schlechter sind, nach den Gesetzen einer Hackordnung "in Sachen Moral".

http://basisreligion.reliprojekt.de/leichen.htm

Welche Leichen haben wohl die im Keller, die dauernd die bösen Schuldigen beim Weizenpreis, Butterpreis, Milchpreis etc. ausmachen und anprangern?

..denn wer könnte schließlich in der vollen Erkenntnis seiner verpaßten und vertanen Chancen in seinem Job als Verbandschef etc. überhaupt noch leben?

Gruß

wollewatz
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ gautama2 [#8]

Vielen Dank für den Link.

Es wird immer ein Teufel gebraucht. Deshalb darf Osama Bin Laden auch nicht gefunden werden.

Gruß,
wollewatz

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