Joachim Goldberg: Die allzu menschliche Börse
Psychologie der Börse: Allzu menschlich
Von Horst Peter Wickel
Süddeutsche Zeitung (02.10.07) - Zu aktiv, zu ungeduldig: Anleger tappen bei der Geldanlage oftmals in die gleichen Fallen. Die Forschungsrichtung "Behavioral Finance" analysiert die klassischen Fehler.
Börsenguru André Kostolany hatte es schon immer gewusst: "Die Börse reagiert gerade mal zu zehn Prozent auf Fakten. Alles andere ist Psychologie." Der Versuch, eine Brücke zwischen Psychologie und Finanzwissenschaft zu schlagen, findet ihren Niederschlag in der Forschungsdisziplin Behavioral Finance, zu deutsch Verhaltensökonomie oder verhaltenswissenschaftliche Finanztheorie.
Selbst Profis wissen: Behavioral Finance ist das offizielle Eingeständnis, dass die Börse nicht nur rational oder fundamental getrieben ist, sondern dass die Psychologie des Menschen zu teilweise irrationalen Kursen führen kann.
Um der eigenen Psyche auf die Schliche zu kommen, empfiehlt Martin Weber, Professor an der Universität Mannheim, allen Geldanlegern, ein Anlagetagebuch zu führen, in dem einzelne Entscheidungen begründet und Markteinschätzungen sowie Kursziele festgehalten werden. Weber: "Die subjektiven Prognosen im Nachhinein mit der tatsächlichen Entwicklung zu vergleichen, ist außerordentlich ernüchternd."
Behavioral Finance kann zwar nicht bei der Frage helfen, welche Investmententscheidung die richtige ist, aber sie kann den Prozess der Entscheidung und auftretende Fehler beleuchten. Noch immer wird diese wissenschaftliche Disziplin nicht von allen Marktteilnehmern anerkannt und umgesetzt.
Auch rationale Menschen tappen in die Falle
Einige tendieren weiter zur Selbstüberschätzung, oder, wie der Aachener Professor Rüdiger von Nitzsch formuliert: "Der Mensch neigt zur Kontrollillusion. Er bildet sich ein, den Markt kraft eigener Prognosen im Griff zu haben." Finanzmarktanalyst Joachim Goldberg erklärt die Abläufe als "Mechanismen wie bei einer Kettenreaktion": Eine positive Stimmung ist vorhanden, viel Phantasie ist im Spiel, und jeder möchte dabei sein.
Selbst Menschen, die in sonstigen Lebensbereichen meist rational handeln, lassen sich in solchen Situationen von der Euphorie anstecken. Dabei sollte die Konsequenz aus den Forschungsergebnissen sein, Gewinnschätzungen von Analysten und auch Ausblicke von Unternehmen mit Vorsicht zu bewerten und Investmententscheidungen nicht nur darauf zu basieren.
Schon Kostolany wusste: "Beim Kauf soll man romantisch, beim Verkauf realistisch sein - zwischendurch soll man schlafen." Vielleicht können Anleger so einige Fehler vermeiden.
(Quelle und weiter: -> http://www.sueddeutsche.de/finanzen/artikel/196/135930/)
Jetzt gerade auf Bloomberg, Joachim Goldberg über Wein und Börse.
Ein interessanter Beitrag, zumindest für mich.