Kartoffeln: 10 Kilo für 99 Cent im Angebot
Zehn Kilo für 99 Cent: Thorsten Riggert belagt zu geringen Preis für Kartoffeln
Von Jörn Nolting
AZ-Online.de (19.09.09) - Thorsten Riggert, Vorsitzender des Bauernverbandes Nordostniedersachsen (BVNON) und Mitglied im Kartoffel-Ausschuss des Deutschen Bauernverbandes ist sauer: "So geht es nicht." Lockangebote für Speisekartoffeln von weniger als einem Euro für den 10-Kilogramm-Sack Kartoffeln treiben den Ackerbauern in der Lüneburger Heide die Zornesröte ins Gesicht.
"Zu diesem Preis können keine Speisekartoffeln erzeugt, sortiert, verpackt und bis in die Tresen des Lebensmitteleinzelhandels transportiert werden", kritisiert Thorsten Riggert die Preiskalkulation. Am Donnerstag konnten die Kunden des Uelzener real-Marktes einen 10-Kilo-Sack für 99 Cent kaufen, gestern waren es bereits 1,49 Euro.
Bei Herstellungskosten von knapp 10 Euro je Dezitonne allein auf der landwirtschaftlichen Erzeugerstufe müssten annähernd 20 Euro je Dezitonne im Lebensmitteleinzelhandel "herausspringen", damit alle Marktbeteiligten in der Lebensmittelkette auf ihre Kosten kämen, argumentiert Riggert. Damit dürfte der niedrigste Preis für die Endverbraucher in den Supermärkten nicht unter die Marke von 20 Cent je Kilogramm rutschen, für die 10-Kilogramm-Säcke ergäben sich damit als unterstes Preisniveau zwei Euro.
"Mit Bedauern haben wir zur Kenntnis genommen, dass unser Sonderangebot vom Donnerstag den Ärger einiger Landwirte hervorgerufen hat. Wir halten zwar grundsätzlich die Sorgen der Landwirte um ihre Zukunft für berechtigt, nicht jedoch diese in einen Zusammenhang zu unserem Tagesangebot zu bringen", reagiert Markus Jablonski , Pressesprecher der real-SB-Warenhaus GmbH. "Bei unserem Kartoffelangebot handelte es sich um eine einmalige, auf einen Tag begrenzte Werbeaktion", beschwichtigt der Pressesprecher.
Alle Kartoffeln, die in den real-Märkten angeboten werden, stammen von Produzenten aus der Region und sind bester Qualität, so der real-Pressesprecher. "Allerdings hat die an sich erfreulich gute Ernte in diesem Jahr zu einer Überkapazität geführt. In der Folge stehen nicht ausreichend große Lagerkapazitäten zur Einlagerung der Überproduktion zur Verfügung. Somit müssen diese Kartoffeln ohne Umweg über eine Einlagerung sofort in den Handel gebracht werden", argumentiert Markus Jablonski.
Es "leidet" laut des Pressesprechers also kein Landwirt unter einem niedrigen Verkaufspreis bei real: "Stattdessen war unsere eintägige Werbeaktion eine gute Möglichkeit für die Landwirte, ihre Überkapazitäten dennoch vermarkten zu können."
Das sieht Thorsten Riggert anders: Er befürchtet, dass dieses Angebot den Effekt hat, dass auch andere Märkte nachziehen. "In der Ernte ist immer Druck da. Jeder versucht zu verkaufen, was er nicht in die Scheune bekommt." Doch gibt es in diesem Jahr bei der Speisekartoffelernte 15 Prozent weniger Erträge als im vergangen Jahr. "Und 2008 hatten wir aufs Jahr gesehen nicht zuviel Kartoffeln", betont Thorsten Riggert.
"Vor diesem Hintergrund können die Landwirte den Verdacht nicht loswerden, dass einzelne Lebensmittelketten die Erntesituation brachial ausnutzen, um den Verbraucher mit Dumpingpreisen zu ködern", verdeutlichte der Vorsitzende des Bauernverbandes. Nach der schwierigen Situation auf dem Getreidemarkt drohe den Ackerbauern nun auf dem Kartoffelmarkt ein Preisdruck, für den es keine rationale Erklärung gebe. Riggert appelliert an den Handel, die Preise angemessen zu kalkulieren und an die Verbraucher, nicht ausschließlich auf den Preis zu schielen, sondern gute Qualitäten auch ordentlich zu bezahlen. "Wenn wir uns gegen so eine Aktion nicht wehren, dann geht die Preisspirale weiter nach unten", befürchtet Thorsten Riggert.
(Quelle: http://www.az-online.de/uelzenliste/00_20090919010034_Zehn_Kilo_fuer_neunneun_Cent.html)