Kartoffeln: Absatz an inländische Verarbeiter nur schwach
Zwei lange Monate noch bis neuer Frittenrohstoff verfügbar ist
Die hohen Preise für Frittenrohstoff rechnen sich für die großen Hersteller von Kartoffelprodukten schon lange nicht mehr. In Holland verzeichnet man nur noch wenige Ergänzungskäufe von den dortigen Fabriken und auch in Belgien hat sich der Zukauf der inländischen Kartoffelverarbeiter spürbar verringert. Dagegen ist das Auslandsinteresse an knappen Restbeständen aus Mitteleuropa noch groß. Dieser Verarbeitungsrohstoff geht im Ausland meist als frische Packware über den Ladentisch. Aber dafür gibt es schon Alternativen: in Spanien wird die Frühkartoffelernte in zehn Tagen ihren Höhepunkt erreichen.
Für diese neue Ernte gibt es aber auch ein großes internationales Interesse, sodass der saisonübliche Preisverfall bislang nur langsam eintritt. Die Spanier kaufen auch weiterhin in Frankreich zu, da sich die Frühkartoffelernte verspätet hat und von Kraut- und Knollenfäule bedroht ist. Die Verlader in Belgien und Holland dürften es vorerst schwer haben weitere Preissteigerungen durchsetzen, vermutet der britische PotatoCall.
Die extreme Knappheit treibt indes Blüten der besonderen Art: In Großbritannien kosten Top-Partien alterntige Kartoffeln mehr als Importe neuer Kartoffeln, beispielsweise aus Ägypten. Möglicherweise kommen demnächst aus dem Land am Nil mehr Kartoffeln, als ursprünglich eingeplant war. Wegen bakterieller Ringfäule sind mittlerweile elf Pivots in drei Regionen Ägyptens von Russland gesperrt worden. Alle Funde stammen aus sogenannten Pest-free-Areas. Sollten die russischen Behörden nun ein generelles Einfuhrverbot verfügen, werden sich die Ägyptischen Versender an zahlungskräftige Europäer wenden und damit die hiesige knappe Versorgungslage entspannen, vermuten Beobachter.
Das nützt aber den Verarbeitern hierzulande noch gar nichts. Bis Verarbeitungsrohstoff mit ausreichendem Unterwassergewicht aus der neuen Ernte zur Verfügung steht, dauert es wohl noch zwei lange Monate. Noch stehen vertraglich gebundene Partien zur Verfügung, die gelegentlich mit freien Zukäufen ergänzt werden. Das rechnet sich allenfalls in einer Mischkalkulation oder wird als Kundenservice verbucht, wenn man mit den Produkten Stammkunden bedient. Und so lange noch Produkte im TK- Lager sind, verkauft man lieber diese und geht sogar das Risiko eines Totalverkaufs ein.
In Frankreich müssen einige Fabriken schon jetzt Zwangspausen einlegen, berichtet die AMI in Bonn. Der restlich verfügbare Rohstoff wurde gestern um zwei Euro höher bewertet. Die Erzeugerpreise für Bintje liegen jetzt bei 25 €/dt andere Sorten kosten um die 27 €/dt. Ob die Zwangspausen dazu führen, dass der Preisauftrieb nachlässt, darf man ruhig bezweifeln, denn die Briten zahlen momentan sogar fünf €/dt mehr als die Fabriken und akzeptieren auch zweitklassige Qualitäten. Für einige Speisefrühkartoffeln aus dem Mittelmeerraum legen die Briten über 80 €/dt frachtfrei Packstation an.
An der Terminbörse war gestern der Juni-Future wieder nachhaltig über die 30 €-Marke gestiegen. Dabei hatten die belgischen Verarbeiter ihre (Belgapom-)Notierung für Bintje unverändert auf 25 €/dt belassen. Die stark steigenden Kurse in den Niederlanden und nun auch wieder in Frankreich werden wohl dafür sorgen, dass am kommenden Dienstag die Notierung der belgischen Erzeuger (Fiwap/PCA) mitzieht; schließlich haben wir einen Verkäufermarkt. Der nächste Eurex-Index für Veredelungskartoffeln wird dann über 28 €/dt liegen.
Bislang bleibt die Terminmarktnotierung für die Ernte 2013 relativ unbeeindruckt von der derzeitigen Ausnahmesituation. 16 €/dt könnten sich die Fabriken jetzt für April 2014 sichern. Das sind keine außerordentlich hohen Preise, vergleicht man die letzten Jahre miteinander. Der Kontraktbestand an der Frankfurter Terminbörse ist mit 1.855 Lots aber noch so gering, dass man daraus schließen muss, dass zumindest die Geldkurse für Forwards im Lieferzeitraum Februar bis April 2014 kaum höher liegen als in diesem Jahr. Man hofft also, dass das Rohstoffangebot mit der nächsten Ernte wieder üppiger sein wird.
Die Anbauprognosen in Belgien lassen das aber nicht unbedingt erwarten. Flandern soll laut PCA 8 % mehr Fläche mit Kartoffeln für die Einlagerung bestellt haben, Wallonien wird demnach um 1,5 % ausweiten. Damit läge die belgische Gesamtfläche wieder über 80.000 ha; mehr als in 2012 aber noch unter der Anbaufläche von 2010 und 2011. Auf große Überschüsse darf man damit nicht hoffen.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH