Kartoffeln: Freier Markt ist hart umkämpft
Kartoffelernte: Höhere Preise für Pommes frites erwartet
Berlin. Auf dem Gelände von Agrarfrost bei Wildeshausen herrscht zur Zeit Hochbetrieb. Jeden Tag fahren bei Deutschlands größtem Kartoffelverarbeiter mehrere Dutzend Traktoren mit Anhängern vor, die Kartoffeln anliefern. Angesichts solcher Bilder könnte der Geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens, Eike Stöver, eigentlich zufrieden sein.
Wirklich glücklich macht ihn die diesjährige Kartoffelernte allerdings nicht. Zwar läuft diese noch bis November auf Hochtouren. Doch erste Schätzungen gehen schon jetzt von einer Erntemenge aus, die landesweit 15 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt liegt. Grund dafür war vor allem die lang anhaltende Hitze- und Dürreperiode zwischen Mitte Juni bis Ende Juli. Dadurch werden jetzt nicht nur die Kartoffeln teurer, auch sogenannte Veredelungsprodukte, wie etwa Pommes frites, wie sie von der Firma produziert werden, steigen im Preis.
"Wir hatten Bodentemperaturen von teilweise bis zu 30 Grad. Da hört die Kartoffel auf zu wachsen", sagt Stöver. Über 450.000 Tonnen Kartoffeln von 400 Vertragslandwirten werden bei dem Unternehmen pro Jahr verarbeitet, ein Großteil davon zu Pommes frites. Zu den Kunden von Agrarfrost zählen der Lebensmitteleinzelhandel, der Großverbraucherbereich und die internationalen Fastfoodketten wie etwa McDonald's.
Freier Markt ist hart umkämpft
Auch in diesem Jahr wird das Unternehmen große Mengen an Kartoffeln verarbeiten. Wegen der schlechteren Ernte bei den Vertragsbauern muss es sich aber auch auf dem freien Markt mit der Rohware Kartoffel eindecken, um die nötige Produktionsmenge zu erreichen. "Und der ist hart umkämpft", weiß Stöver. Höhere Preise für Pommes frites seien deshalb sehr wahrscheinlich, prophezeit der Unternehmer.
Jährlich isst jeder Deutsche im Durchschnitt etwa 67 Kilogramm Kartoffeln. Die veredelten Produkte, wie Pommes, Chips oder Kartoffelpüree nehmen dabei eine immer wichtigere Rolle ein. Mehr als 50 Prozent des jährlichen Kartoffelverbrauchs geht auf weiterverarbeitete Produkte zurück. "Vor allem die Tiefkühlprodukte haben in den letzten Jahren an Boden gut gemacht", sagt Horst-Peter Karos, Geschäftsführer des Bundesverbands der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie.
Erste Pommes wurden in der Diele des Bauernhofs hergestellt
Als Landwirt Reinhold Stöver das Unternehmen Agrarfrost 1967 gründete, hatte er wohl eine Ahnung von dieser Entwicklung. "Das ganze ist aus dem Bauernhof, den mein Vater damals hatte, heraus entstanden", sagt sein Sohn heute. Reinhold Stöver, zuvor einfacher Landwirt mit einem 40 Hektar Betrieb und einigen Milchkühen, erkannte zunächst in den USA einen Trend hin zu Pommes frites. In der alten Diele seines Bauernhofs stellte er deshalb auf einer kleinen Produktionsmaschine, die er aus einer Insolvenzmasse erworben hatte, die ersten Pommes frites aus Kartoffeln her.
Heute werden am gleichen Ort über 1.000 Tonnen Kartoffeln am Tag vollautomatisch geschnitten, frittiert, eingefroren und verpackt. Viel Wert wird dabei auf die Qualität des Produkts gelegt. Schon bei der Ankunft der Kartoffeln in der Produktion in Wildeshausen und der zweiten Produktionsstätte in Oschersleben werden erste Proben aus der Kartoffel entnommen, um deren Qualität zu bestimmen. Zudem beschäftigt das Unternehmen rund 30 Agraringenieure, um die gesamte Wertschöpfungskette von der eigenen Pflanzgutgewinnung bis zur Anlieferung des Rohstoffs in die Fabriken zu kontrollieren.
Den Bauernhof des Vaters gibt es nicht mehr. An der Stelle wurde inzwischen ein neues Kühlhaus gebaut. "Die Wurzeln des Unternehmens sind aber weiterhin hier", betont Stöver. Auch im Hinblick auf die Qualität seiner Kartoffeln verlässt sich das Unternehmen auf die Region rund um den Standort des Unternehmens. "Wir glauben nach wie vor daran, dass Kartoffeln hier am besten wachsen", sagt Stöver. Die Region sei eines der besten Anbaugebiete Europas. Der Landesbauernverband gibt ihm recht. Nach dessen Angaben kommt jede zweite Kartoffel Deutschlands aus Niedersachsen. Das Bundesland sei das Kartoffelland Nummer Eins in Deutschland, sagt eine Sprecherin.
Anbauflächen für Kartoffeln gehen zurück
Doch die Anbauflächen für Kartoffeln gehen auch in Niedersachsen zurück. Wurden im Jahr 2007 noch auf gut 127.000 Hektar Kartoffeln im Land angebaut, waren es 2010 nur noch 110.000 Hektar. Grund für den Rückgang ist, dass immer mehr Landwirte auf einen lukrativeren Anbau von Pflanzen für die Energiegewinnung setzen. "Durch die staatlich garantierten Einspeisevergütungen entsteht ein enormer und künstlicher Konkurrenzdruck zwischen Energie und Teller. Das wird zu einem echten Problem", sagt Stöver. Die Preise für Kartoffeln und damit auch für Pommes frites erhöhen sich so zusätzlich.
Allerdings gibt es für Stöver auch positive Entwicklungen. So wird etwa der Exportmarkt für Pommes frites immer bedeutender. Inzwischen liefert Agrarfrost auch in Länder wie China, Brasilien, Japan und in den arabischen Raum. Dort gebe es einen "interessanten und stark wachsenden Markt", sagt Stöver. "Auch in China verändern sich die Essgewohnheiten zusammen mit dem westlich orientierten Strukturwandel." Produziert werden sollen die Pommes frites für Agrarfrost aber weiterhin in Deutschland - im nächsten Jahr dann hoffentlich wieder mit einem geringeren Preis im Verkauf.
(Quelle: http://www.business-on.de/berlin/pommes-unternehmen-eike-stoever-agrarfrost-kartoffeln-_id19951.html)
Warum sollen Kartoffeln auch immer so billig sein wie es Herr Stöver gerne hat ?
Der Vertragspreis ist für den Landwirt zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig !
Offensichtlich können auf der Handelsschiene die höheren Beschaffungskosten problemlos an den Verbraucher durch gereicht werden, während die Landwirte zum niedrigen Vertragspreis liefern.
"Es lebe billig" gilt eben nur für den Bauern !