Kartoffeln: Lagerung - Mut zum notwendigen Risiko
Kartoffellagerung - Mut zum notwendigen Risiko
LWK Niedersachsen, Hannover (04.01.13) - Weil das laufende Jahr für die Kartoffelanbauer wieder zu den weniger erfolgreichen gehören wird, stellt sich die Frage, geht es jetzt wieder aufwärts oder wird es 2012 noch schlimmer kommen und kann man durch eigene Lagerung wirtschaftliche Täler besser überbrücken? Unter welchen Bedingungen die Kartoffellagerung zu besseren wirtschaftlichen Ergebnissen führt, analysiert Dr. Mathias Schindler von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.
Die Marktlage im Rückblick
Der Verbrauch an Kartoffeln ist eigentlich relativ konstant, passt sich natürlich aber immer an die vorhandenen Mengen an, die sich aus der aktuellen Erzeugung und den vorhandenen Vorräten in Form von Roh- und Verarbeitungsprodukten ergibt. In der Übersicht 1 sind für das Jahr 2011 neben den Anbauflächen für Kartoffeln auch die Hektarerträge und die gesamten Erntemengen nach Bundesländern ausgewiesen. Die Kartoffelanbaufläche variiert nur sehr gering (<25), während die Erträge deutlicher schwanken. Sie lagen 2010 mit 399 dt/ha um 10% unter und 2011 mit 460,4 dt/ha um 4% über dem langjährigen Mittelwert von 443 dt/ha.
Daraus ergibt sich, dass in 2011 die Gesamternte mit fast 12 Mio. t knapp 1 Mio. t (=7,8%) höher ausfiel als im Durchschnitt der Jahre 2004 bis 2009, während die Ernte 2010 mit 10,15 Mio. t um etwa 8,4% niedriger ausfiel als das vorherige mehrjährige Mittel.
Weil die Anpassung des Verbrauchs an diese schwankenden Gesamtmengen aber nur sehr schwerfällig (im Ökonomendeutsch: unelastisch) erfolgt, sind große Preisschwankungen erforderlich, um diese doch verhältnismäßig geringen Änderungen im Verbraucherverhalten zu erreichen. Sind Kartoffeln also mal „knapp“ (wie 1983, 1994, 2006 und 2010) steigt der Preis schnell deutlich an, sind sie zudem auch nur bedingt lagerfähig (1983 und 1994), steigt der Preis immer weiter. Gibt es „zuviel“ Kartoffeln (wie 1984, 1985, 1993, 1996, 1999, 2000 und 2004) so fällt der Preis ins Bodenlose und steigt im weiteren Verlauf des Jahres nicht mal um die Lagerkosten. Diese Effekte lassen sich schon bei Erntemengenschwankungen um +8% feststellen.
Für die Analyse der Speisekartoffelpreise aus den letzten 29 Jahren werden ausgewählte Jahre und verschiedene langfristige Durchschnitte in der Übersicht 2 dargestellt. An Effekten war (fast) alles dabei:
hohe Startpreise und hohe Anstiege (1983, 2006 und 2010)
hohe Startpreise und deutliche Einbrüche (1995 und 2003)
niedrige Startpreise mit weiterer Verschlechterung (1987,1996 und 1999)
niedrige Startpreise und kaum Änderung (1997)
niedrige Startpreise mit leichtem Anstieg (2009 und 2011)
mittlere Startpreise und kaum Änderung (2007)
mittlere Startpreise mit starkem Anstieg (1998)
und zum Glück auch ein ganz normales durchschnittliches Jahr (2008)
Bei der Analyse der Durchschnittswerte zeigt sich eine Preisdifferenz von 1,75 €/dt zwischen September- und Oktoberpreisen. Diese war vor 1990 mit bis zu 3 €/dt wesentlich ausgeprägter, in den neunziger Jahren und bis 2007 mit ca. 1 €/dt deutlich geringer und ist jetzt wieder ansteigend. Weil hier „der frühe Vogel den Wurm fängt“, gehören die Septemberkartoffeln eher sofort auf den Markt als ins Lager.
Für den wirtschaftlichen Erfolg der Kartoffellagerung ist aber entscheidend, welcher Preisanstieg durch die Kartoffellagerung auf der Preisbasis „Anfang Oktober“ (Ernte 2011 für Optierer (netto): 7,97 EUR/dt) im Laufe des Jahres bis zur nächsten Frühkartoffelsaison erreicht werden kann. In diesem Jahr zeichnet sich ab, dass es nach dem ungünstigen Start und einer leichten Stabilisierung bei etwa 10 €/dt zu einer Seitwärtsbewegung kam. Für die letzten 10 Jahre (Ernten 2002 bis 2011) wird mit 11,58 EUR/dt ein um 1,50 EUR/dt gegenüber dem langjährigen Mittelwert (10,14 €/dt) höherer Durchschnittspreis ermittelt. Bis Januar war dann noch ein Preisanstieg von etwa 1 €/dt, bei längerer Lagerung von 2 €/dt drin. Auch wenn im fünfjährigen Mittel das sehr gute Jahr 2006 schon wieder draußen ist, liegt dieser Durchschnitt mit 11,95 €/dt für Anfang Oktober und Preisanstiegen bis Januar von 2,62 und bis März/April von ca. 4 €/dt auf einem deutlich höheren Niveau. Interessante Nebenbeobachtung: Bis auf 2007 kam es in den letzten 8 Jahren (seit 2004) immer zu einem deutlichen nacherntigen Preisanstieg. Eine derart lange Konstanz war in der Vergangenheit vorher nie zu beobachten.
Aus dem Vergleich der zehnjährigen Durchschnittswerte (unterer Teil der Übersicht 2) ist langfristig eine leichte Aufwärtsbewegung bei den Kartoffelpreisen erkennbar. Wurde in der ersten Zehnjahresperiode von 1983 bis 1992 ein Preisniveau von 9,16 €/dt ermittelt, so stieg der Durchschnitt bis auf 11,58 €/dt in der Periode von 2002 bis 2011 an. Der beobachtete Anstieg betrug 26%; auf den ersten Blick beachtlich, hat aber allerdings auch 19 Jahre gedauert, so dass sich (nach Zinseszinsrechnung) eine durchschnittliche Preissteigerung von 1,24%/Jahr ergibt. Da dies deutlich unter der allgemeinen Inflationsrate liegt, sind die Kartoffelpreise langfristig eher als stabilisierend denn als inflationstreibend anzusehen.
Als Quintessenz für den eigentlichen Zweck des Beitrages bleibt festzuhalten, dass der Preisanstieg, der bei Lagerung realisierbar war, im zehnjährigen Mittel bis zu 2,08 €/dt betrug, während sich im fünfjährigen Schnitt bis März 3,91 €/dt Preisdifferenz gegenüber Anfang Oktober ergeben.
(Quelle und sehr ausführlich weiter lesen: http://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/6/nav/360/article/21104.html )