Richard Ebert
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Landvolk-Geschäftsführer und die bösen Spekulanten an der Börse

Weizen an der Börse gefragt - Energienachfrage verdrängt kein Getreide vom Feld - Hoffen auf neue Ernte

HNA Online / shx (25.05.08) - Je höher der Ölpreis klettert, umso emsiger wird die Suche nach Alternativen. In Form von Biodiesel aus Raps kommt die Energie auch vom Acker. Sind die Getreidepreise darum so hoch wie nie zuvor?

Sind die Getreidepreise darum so hoch wie nie zuvor? "Mit Sicherheit nicht", sagt Willi Teutsch, Geschäftsführer des Landvolks Northeim-Osterode. Weltweit würden nur 1,5 Prozent der Flächen zur Gewinnung nachwachsender Rohstoffe genutzt. Auch in Deutschland sei dies nicht mehr. Entscheidend für die hohen Getreidepreise seien die weltweit gestiegene Nachfrage nach Getreide und Ernteausfälle in verschiedenen Erdteilen im vergangenen Jahr.

Eine Parallele zwischen Öl- und Getreidepreisen sieht der Landvolk-Geschäftsführer dennoch: "Dass Nahrungsmittel von Spekulanten an der Börse gehandelt werden, ist neu." Wie Rohöl werden Getreide-, Reis- und Sojabestände aufgekauft, um das Angebot künstlich zu verknappen und die Preise nach oben zu treiben. "Das ist eine schlimme Entwicklung", sagt Teutsch.

Wie stark die Preise schwanken, zeigt das Beispiel Weizen: 2006 kostete der Doppelzentner neun bis zwölf Euro. Im vergangenen Jahr wurden im Schnitt 20 Euro verlangt. Zeitweise kletterte der Preis auf 25 Euro und liegt gegenwärtig bei 18 bis 20 Euro. Für die weitere Entwicklung ist laut Teutsch die nächste Ernte wichtig. "Wenn die gut ausfällt, könnten die Getreidepreise sinken."

Im Landkreis Northeim wird auch wieder Getreide angebaut. Die Ackerfläche nimmt zu, weil die einst von der EU wegen Überproduktion verordnete Flächenstilllegung bereits 2007 aufgehoben wurde. Von den 35 000 Hektar Ackerfläche im Kreis waren etwa 2500 stillgelegt, die nun wieder bewirtschaftet werden.

Mehr Getreidefelder gibt es auch, weil nach der Reform des EU-Zuckermarktes weniger Rüben angebaut werden. Bundesweit gehe der Anbau von Energiefrüchten für Biogas zurück, weil den Vorgaben des Gesetzgebers nicht getraut werde, sagt Teutsch.

Für den Weltmarkt und damit für den Getreidepreis ist die Ernte in Deutschland allerdings nur ein Aspekt. Aus Sicht der deutschen Landwirte ist das Getreide ohnehin nicht zu teuer. "Wir freuen uns über höhere Preise", sagt Willi Teutsch. Die brauche man, weil die Preise für Dünger und Pflanzenschutz ebenfalls deutlich gestiegen seien.

1,5 Cent im Brötchen

"Außerdem ist dahin gestellt, ob der Verbraucher durch niedrigere Preise überhaupt entlastet würde", sagt Teutsch und rechnet vor, dass der Getreidepreis den Brotpreis nur wenig bestimmt. "Der Anteil des Getreides am Brötchenpreis beträgt ganze 1,5 bis 2 Cent."

(Quelle: http://www.hna.de/northeimstart/00_20080525173202_Weizen_an_der_Boerse_gefragt.html)

(Überschrift und Hervorhebung von der Redaktion rmx-forum.de)

Geschrieben von Richard Ebert am
Richard Ebert
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Hat der Landvolk Geschäftsführer tatsächlich seine Meinung so verbreitet oder ist er völlig falsch zitiert worden ?

Ich meine:

Die Getreidepreise sind nicht 'so hoch wie nie zuvor', sondern in Hannover seit seinem Hoch zu 300 Euro in 2007 um derzeit 37 % gefallen. In den USA, Chicago und besonders Minneapolis, noch weit mehr.

"Dass Nahrungsmittel von Spekulanten an der Börse gehandelt werden, ist neu."

Mir ist das nicht neu. Seit dem vorletzten Jahrhundert ist dies Teil des täglichen Geschehens an den Getreidebörsen, wie CBOT. Ich habe bereits vor 30 Jahren Getreide und Sojafutures in Chicago gehandelt.

"Wie Rohöl werden Getreide-, Reis- und Sojabestände aufgekauft, um das Angebot künstlich zu verknappen und die Preise nach oben zu treiben."

Ich bezweifle, ob wirklich Kassa-Weizen zu Höchstpreisen aufgekauft wird. In Lagerhäusern hält er sich nicht lange, ausserdem kommt die neue Ernte auf den Markt. Wenn die bösen Spekulanten dann ihren Weizen verkaufen, sorgen sie für fallende Preise und alles gleicht sich wieder (mehr oder weniger) aus. Nur dass die Spekulanten das größere Risiko eingehen.

Insgesamt frage ich mich, was der Landvolk Geschäftsführer möchte: Niedrigere Getreidepreise oder höhere ? Oder geht es nur darum, die Spekulanten, die mit ihrer Liquidität einen funktionierenden Börsenhandel erst möglich machen, zu verteufeln ?

Bild entfernt.

Asamat
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"Dass Nahrungsmittel von Spekulanten an der Börse gehandelt werden, ist neu."

Die technische Analyse in Form von Candlesticks ist in Japan seit ca 1550 bekannt. Bereits damals wurden „leere Reiskontrakte" gehandelt, d.h. Reis, der nicht vorhanden war. Also Reis-Futures. Hintergrund ist, daß die Samurai als Lehensleute der Fürsten nominell mit Reis entlohnt wurden. Genauer: mit Reis zur Erntezeit, also eigentlich mit Versprechen auf Reis.

Ich überschlag mal kurz ... und komme auf 460 Jahre ...

Gruß,
Asamat

Asamat
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Allgemein mit Nahrungsmitteln, vornehmlich Getreide, spekuliert wurde vermutlich schon immer. Dokumentiert ist es auf jeden Fall bereits in Ägypten (vor 4000 Jahren) und bei den Römern (2000 Jahre). Allerdings hieß "spekulieren" damals, physisch kaufen & verkaufen. Also nicht im Sinne einer Börse, keine Futures.

Gruß,
Asamat

dhp05
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ich kauf jetzt mal die Jahresproduktion 3er BMW auf und verknappe das Angebot künstlich. Mal schauen welche Preise ich erziele, für die 3 Wagen, die ich in den Markt stelle.

gautama2
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@ dhp05 [#5]

Du wirst auf Deinen Schrotthaufen sitzen bleiben, denn es gibt gute Alternativen, die die Nachfrage befriedigen können.

@ Richard Ebert [#2]

Er meinte nicht, dass der Handel von Lebensmitteln neu ist, sondern der Handel von Spekulanten mit Lebensmitteln. Er geht wohl davon aus, dass bisher nur Parteien gehandelt haben, die sich absichern wollten, weil sie mit dem Produkt etwas zu tun hatten und reine Spekulanten, die nur die Preisbewegung interessiert, außen vor blieben. Ist trotzdem Quatsch, aber er unterstützt damit des Herrn Sonnleitners Behauptung und hält damit seinem Verbandsboss die Stange. Er kommt damit ungeschoren davon, weil die Mehrheit nicht merkt, dass er genauso viel Mist erzählt, wie er vor seinem Stall lagert (wenn er noch einen haben sollte).
Gut ist wohl auf alle Fälle, wenn ein anderer Schuld an hohen Preisen hat und keiner den schwarzen Peter auf die Bauern schiebt, die z.B. gerade mit Boykotten den Milchpreis zu erhöhen versuchen.

Da müssen eben die Spekulanten her. Machte die SocGen ja auch vor. Miese gemacht? Waren wohl Spekulanten im Haus. Aber sofort rauswerfen.
Wann gibt es an der Börse die Parole: "Kauft nicht von Spekulanten"? ;)
Herr Teutsch ist außerdem Pro Biogas und kann daher schon gar nicht akzeptieren, dass der Anbau von Pflanzen zur Energiegewinnung Preise treiben soll.

http://www.landkreis-northeim.de/gra/aktuelles/707_8013_DEU_HTML.php

AAA
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@ gautama2 [#6]
"Wann gibt es an der Börse die Parole: "Kauft nicht von Spekulanten"? ;)"

*g*

Was ich aber nicht verstehen, zum Thema "Spekulanten, Lebnsmittel, Agrar etc." gibt es jetzt vier verschiedene Threads:
- Landvolk-Geschäftsführer und die bösen Spekulanten an der Börse
- Kommt die Regulierung der Rohstoffmärkte ?
- Agrarrohstoffe: Ein freier Markt ist nichts unmoralisches
- DBV über 'ganze Herden voller Zocker' an den Agrarmärkten

Im Prinzip wird doch aber immer das gleiche diskutiert, oder nicht?
Welchen Einfluß haben Spekulanten auf die Rohstoff- und Agrarmärkte, also auf die physische Ware?

Richard Ebert
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@ gautama2 [#6]

"Er kommt damit ungeschoren davon, weil die Mehrheit nicht merkt, dass er genauso viel Mist erzählt, wie er vor seinem Stall lagert (wenn er noch einen haben sollte)."

Ich werde mich hüten, Ihnen zu widersprechen. Vielleicht einigen wir uns aber darauf, dass er keine gut informierten Redenschreiber hat. Die sollten alle mal ein Seminar auf der Bundeslehranstalt Burg Warberg mitmachen.

Argumente gegen Spekulanten werden vielfach aus Unwissen so gedreht, wie sie das Volk gerne hören möchte: Sie sind schuld an den niedrigen Preisen und an den hohen Preisen.

Die Geschäftsführer sollten besser fragen: Ist unsere Produktion zu hoch und drückt aus diesem Grund den Preis ? Und bei hohen Weizenpreisen sollten sie sich freuen, endlich Kohle in die Scheuer zu fahren.

gautama2
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@ Richard Ebert [#8]

Ich würde mich hüten so tief zu sinken, dass ich nicht einmal mehr merke, wenn mir die Redenschreiber Unsinn in den Mund legen.

Mir geht auch nicht in den Kopf, welches Selbstbild die Herren Bauernvertreter eigentlich haben. Sie können doch froh sein, wenn die Preise steigen, denn sie sind doch Produzenten. Sie reden aber wie Verbraucherschützer.

Ich habe noch keinen Herrn Fites oder Vanderslice oder El Badri klagen hören, dass die Öl- und Benzinpreise zu hoch sind.

tantan
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1,5% der Fläsche an die Energiegewinnung abzutreten, scheind wohl nicht viel zu sein. Ich sage, zwischen 1,5% Überschuß und 1,5% Defizit steckt eine riesige Kursspanne.

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