Mais: Ungebetene Gäste unter ständiger Beobachtung
Mais: Ungebetene Gäste unter ständiger Beobachtung
Drahtwurm, Maiszünsler und Wurzelbohrer im Visier des Pflanzenschutzdienstes
LWK Hannover (21.07.10) - Während die Fachwelt intensiv über die Schädlinge Maiswurzelbohrer und Maiszünsler diskutiert, war es im letzten Jahr ein alter Bekannter, der Probleme im niedersächsischen Maisanbau machte: der Drahtwurm. Massive Ertragsverluste waren nach Informationen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen unter anderem auf das Verbot von Pflanzenschutzmitteln zurückzuführen.
Hielten sich bis 2008 die Verluste im Mais durch Drahtwürmer in Grenzen, stieg der Anteil betroffener Flächen drastisch an, nachdem der Einsatz sogenannter Insektizidbeizen untersagt worden war. Der Pflanzenschutzdienst ermittelte für 2009 rund 34.500 Hektar drahtwurmgeschädigte Flächen, das sind sieben Prozent des gesamten niedersächsischen Maisanbaues. In extremen Fällen mussten die Bestände umgepflügt werden.
Maiszünsler und Maiswurzelbohrer spielen dagegen bisher keine große Rolle, sie bewegen sich aber weiter in Richtung Norden. Der ursprünglich in Südeuropa beheimatete Zünsler wurde bereits 2006 in Südniedersachsen entdeckt. Das Befallsgebiet beschränkt sich zurzeit auf den Süden und Osten Niedersachsen. Die intensiven Maisanbaugebiete im Nordwesten des Landes sind bisher nicht betroffen. Im Nachbarland Nordrhein-Westfalen hat sich der Schädling bis südöstlich von Münster ausgebreitet.
Günstige Witterungsbedingungen können seine Verbreitung in den nächsten Jahren weiter forcieren. Um das so lange wie möglich zu verhindern, appelliert die Kammer an die Landwirte, die auf dem Feld zurückgelassenen Reste der Maisernte intensiv zu zerkleinern und anschließend unterzupflügen. Das kann die Schädlingsdichte im nächsten Jahr deutlich verringern, denn die Larven überwintern in größeren, unbeschädigten Stängelresten.
Der weltweit wichtigste Schädling im Mais, der Westliche Maiswurzelbohrer, wurde im Norden bisher nicht gefunden. Sein Ausbreitungsgebiet in Europa hat sich inzwischen über Ungarn, Polen, Tschechien, Italien, Österreich bis nach Bayern und Baden-Württemberg ausgeweitet.
(Quelle: http://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/landwirtschaftskammer/nav/1095/article/14670.html)
Rheintal: Erste Maiswurzelbohrer festgestellt - Gegenmaßnahmen bereits eingeleitet
Agrarheute.com / PD, Stuttgart (29.07.10) - Im Ortenaukreis und im Landkreis Emmendingen sind die ersten Exemplare des Westlichen Maiswurzelbohrers in diesem Jahr aufgetreten.
Wie das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium mitteilte, sind im Ortenaukreis und im Landkreis Emmendingen die ersten Exemplare des Westlichen Maiswurzelbohrers in diesem Jahr aufgetreten.
Im Rahmen der amtlich vorgeschriebenen Überwachungen wurden in beiden Landkreisen insgesamt 22 Käfer in speziellen Lockstofffallen gefangen. Der Maiswurzelbohrer wurde aus Italien und dem Balkan in die Rheinebene eingeschleppt. Er tritt seit dem Jahr 2007 jährlich im südlichen Rheintal auf.
Maiswurzelbohrer: Ein Quarantäneschädling
Der Westliche Maiswurzelbohrer ist der weltweit bedeutendste Maisschädling. Er ist in Europa als sogenannter Quarantäneschädling eingestuft. Tritt er auf, sind die Behörden unter anderem gehalten, die Überwachung zu intensivieren, Quarantänezonen auszuweisen und Maßnahmen zur Bekämpfung des Schädlings einzuleiten.
Kommende Wochen: Entscheidung über weiteres Vorgehen
Die baden-württembergischen Behörden haben die von der EU-Kommission vorgeschriebenen Schritte eingeleitet. Die Pflanzenschutzexperten haben die Anzahl der Lockstofffallen erhöht und die Überwachung ausgeweitet. Über das weitere Vorgehen wird nach eingehender Analyse der Befallsentwicklung in den kommenden Wochen entschieden.
Maßnahmen: Insektizidbehandlung und andere Fruchtfolge
In den vergangenen Jahren wurden vom Maiswurzelbohrer befallene Maisäcker erfolgreich mit einem zugelassenen und bienenungefährlichen Insektizid behandelt. Flankierend dazu wurde auf bestimmten Feldern eine Fruchtfolge behördlich verfügt.
Hintergrund: Käfer-Monitoring der EU
Das von der EU-Kommission vorgeschriebene landesweite Käfer-Monitoring wurde am 1. Juli begonnen. Für das Grundmonitoring werden in diesem Jahr wieder Fallen an über 500 Standorten aufgestellt. Nach den Erfahrungen der vergangenen drei Jahre werden die Unteren Landwirtschaftsbehörden bis Ende August beziehungsweise Anfang September insgesamt bis zu 1.500 Sexuallockstofffallen ein- bis zweimal pro Woche kontrollieren.
(Quelle: http://www.agrarheute.com/rheintal-erste-maiswurzelbohrer-festgestellt)
Der Maiswurzelbohrer breitet sich in Norditalien weiter aus
Von Bruno Arnold, Agridea Lindau
Schweizerbauer.ch (03.08.10) - Trotz Überwachung und Chemieeinsatz ist der Wurzelbohrer in Norditalien auf dem Vormarsch. Fruchtfolge wäre eine effiziente Bekämpfungsstrategie, ist auf den dortigen Betrieben aber schwierig durchzuführen.
Ende Juli veranstaltete der Internationale Mais-Informationsring IMIR eine Exkursion zum Thema Maiswurzelbohrer nach Norditalien und ins Tessin.
(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.schweizerbauer.ch/htmls/artikel_21895.html)
Der Eine-Milliarde-Dollar-Käfer
bayercropscience.de (03.08.10) - Innerhalb weniger Jahre hat es der westliche Maiswurzelbohrer geschafft, sich in großen Teilen Südeuropas zu verbreiten und bis nach Deutschland vorzudringen.
Im Ortenaukreis und im Landkreis Emmendingen sind vergangene Woche die ersten Exemplare des Westlichen Maiswurzelbohrers für dieses Jahr aufgetreten. Der Maiswurzelbohrer wurde aus Italien und dem Balkan in die Rheinebene eingeschleppt. Zu den betroffene Gebieten gehörte in der Vergangenheit immer auch Bayern. Natürlich fragen sich Pflanzenschutzexperten in anderen Bundesländern nun, ob der Schädling überhaupt noch zu stoppen ist, zumal die Bekämpfungsmaßnahmen nur eingeschränkt wirken. Für die Pflanzenschutzexperten der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen beispielsweise ist es lediglich eine Frage der Zeit, wann der Westliche Maiswurzelbohrer auch NRW erreicht. Sie haben deshalb in einem Beitrag, veröffentlicht in der LZ Rheinland Ausgabe 30, die Landwirte aufgefordert, soweit wie möglich auf den Anbau von Mais nach Mais zu verzichten oder zumindest über einen Flächentauch nachzudenken. Doch auch andere Bundesländer, wie beispielsweise das an Baden-Württemberg beziehungsweise Bayern angrenzende Rheinland-Pfalz oder Hessen, betreiben in der Fachpresse umfangreiche Aufklärungsarbeit, damit die Maisanbauer einen möglichen Befall rechtzeitig erkennen und entsprechende Maßnahmen ergreifen können. Doch auch damit lässt sich allenfalls Zeit gewinnen und das Vordringen verlangsamen - verhindern kann man es nicht. Die Fachleute erwarten, dass der Maiswurzelbohrer früher oder später in allen großen europäischen Anbaugebieten ankommt.
Sollte Diabrotica sich in Deutschland ausbreiten, wären nach Schätzungen des Julius-Kühn-Instituts etwa 350.000 der inzwischen auf 1,8 Millionen Hektar (2010 2,1 Millionen Hektar) angewachsenen Maisanbaufläche gefährdet. Ohne Gegenmaßnahmen wird ein möglicher Schaden auf jährlich mindestens 25 Millionen geschätzt. (Stand 2008). Wie transgen.de veröffentlicht, zählt Diabrotica in den USA bereits heute zu den bedeutendsten Maisschädlingen. Die Kosten für die durch ihn verursachten Schäden und seine Bekämpfung summieren sich jährlich auf etwa eine Milliarde US-Dollar. Weltweit wird eine Anbaufläche von etwa 20 Millionen Hektar durch den Maiswurzelbohrer befallen, davon allein 13,5 in den USA. Diabrotica ist der Schädling, gegen den sich die meisten Insektizidanwendungen weltweit richten. Jährlich werden auf 5,2 Millionen Hektar Insektizide gegen den Maiswurzelbohrer eingesetzt.
http://www.maiskomitee.de und http://www.transgen.de
(Quelle: http://www.bayercropscience.de/Der_Eine_Milliarde_Dollar_Kaefer.cms)
Schlupfwespe kontra Maiszünsler
Südwest Presse, Dietenheim (13.08.10) - Ob die Schlupfwespen ganze Arbeit geleistet haben, wird sich im September zeigen. Dann ernten Strohmayers den Mais von ihren Feldern.
Schlupfwespen kontra Maiszünsler-Larven, das klingt martialisch. Tatsächlich ist dies ein Vorgang, der in der Natur des öfteren zu beobachten ist.
(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.swp.de/ulm/lokales/alb_donau/art4299,593400)
Neuer Mais-Schädling erstmalig in Nordrhein-Westfalen gefunden
Umweltruf.de (17.08.10) - Auf einem Feld in Köln ist erstmals in Nordrhein-Westfalen ein Befall mit dem Westlichen Maiswurzelbohrer festgestellt worden. Der Käfer ist der bedeutendste Mais-Schädling in Nordamerika und wurde von der Europäischen Union als Quarantäneschaderreger eingestuft.
Entsprechend greifen jetzt Vorgaben der Europäischen Union für Maßnahmen, die zum Ziel haben, den Schädling hier auszurotten. Sie werden im Befallsgebiet durch den Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen organisiert, durchgeführt und durch ein intensives Monitoring begleitet.
Um den Befallsort wird im Umkreis von einem Kilometer eine Zone ausgewiesen, die eine Fläche von 314 Hektar umfasst. Innerhalb dieser Befallszone wird zum jetzigen Zeitpunkt auf etwa 80 Hektar Mais angebaut. Dort werden in den nächsten Tagen Pflanzenschutzmittel zur direkten Bekämpfung der ausgewachsenen Schädlinge ausgebracht.
Das Mittel ist für Bienen ungefährlich, trotzdem werden vorsorglich alle Imker im betroffenen Gebiet rechtzeitig vor der Bekämpfung durch den Pflanzenschutzdienst informiert. Darüber hinaus werden Vorgaben für einen Fruchtwechsel verfügt. Das heißt, in der Befallszone darf in den nächsten zwei Jahren kein Mais angebaut werden.
Um die Befallszone wird im Umkreis von fünf Kilometern eine Sicherheitszone (10.990 Hektar) eingerichtet, in der ebenfalls ein Fruchtwechsel verbindlich vorgeschrieben wird. Dort darf auf dem gleichen Feld nur in jedem zweiten Jahr Mais stehen. Diese Maßnahmen gelten bis zur amtlichen Feststellung der Befallsfreiheit.
Der Maiswurzelbohrer gilt als einer der bedeutendsten Schädlinge: Weltweit werden etwa 20 Millionen Hektar, davon allein 13,5 Millionen Hektar in den USA, befallen. In Deutschland ist der Westliche Maiswurzelbohrer erstmals im Jahr 2007 in Bayern und Baden Württemberg gefunden worden. Auch in 2008, 2009 und 2010 wurde dort erneut Befall festgestellt.
Details zu den entsprechenden Rechtsgrundlagen, der Biologie des Schädlings, den Ausrottungsmaßnahmen und dem Befallsgebiet sind im Internet auf der Seite des Pflanzenschutzdienstes der Landwirtschaftskammer NRW http://www.pflanzenschutzdienst.de zu finden.
(Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen)
(Quelle: http://www.umweltruf.de/news/111/news0.php3?nummer=43449)
Die Zeitungen sind voll mit Berichten über die Auswirkungen des Maiswurzelbohrers, hier stellvertretend ein Beitrag aus den Westfälischen Nachrichten:
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Sein Sextrieb wird ihn verraten
Von Achim Giersberg, Steinfurt
Westfälische Nachrichten, Saerbeck/Kreis Steinfurt - auszugsweise - (09.09.10) - Der Feind ist klein und unscheinbar - aber brandgefährlich. Eine Milliarde Dollar Schäden verursacht er pro Jahr alleine in den USA. Und allmählich rückt er auch in Deutschland vor. Kein Wunder, dass die Bauern im Kreis Steinfurt vor ihm zittern. Denn der Westliche Maiswurzelbohrer und seine Larven fressen die Wurzeln der Maispflanze, schwächen sie und lassen sie schließlich umkippen. Käme der Käfer in der hiesigen Region an - die Folgen wären verheerend. Denn schließlich werden 45 Prozent der Ackerfläche im Kreis für den Maisanbau genutzt. Mais ist mit Abstand das wichtigste Tierfutter und auch als Energiepflanze für Biogasanlagen längst unverzichtbar. Anbauverbote und Ernteausfälle würden im Ernstfall viele Millionen Euro kosten.
Das zu verhindern ist die Aufgabe von Marion Zäpernick, Pflanzenschutzberaterin bei der Kreisstelle Steinfurt der Landwirtschaftskammer im Saerbecker Grünen Zentrum. Sie beobachtet die Maisäcker genau - und würde sofort Alarm auslösen, würde auch nur ein einziger Schädling gesichtet. Dabei überlässt sie nichts dem Zufall, sondern sucht systematisch nach dem Horror-Käfer.
[...]
Was passiert, wenn ein Käfer gefunden wird? „Wir haben einen fertigen Notfallplan in der Schublade“, sagt die Pflanzenschutzberaterin. Darin ist geregelt, wie die entsprechenden EU-Vorschriften umgesetzt werden sollen. So darf in der gesamten Befallszone im Radius von einem Kilometer zwei Jahre lang kein Mais angebaut werden. Fünf Kilometer um die Befallszone wird der Anbau von Mais nach Mais verboten. Und natürlich kommen dann auch Pflanzenschutzmittel zum Einsatz. „Die beste Vorbeugung ist, dass die Fruchtfolge eingehalten wird“, appelliert Zäpernick an die Landwirte.
Ein anderer gefürchteter Mais-Schädling hat es derweil schon bis in den Kreis Warendorf geschafft: Der Maiszünsler. Er könne leicht mit dem Wurzelbohrer verwechselt werden, sei aber eigentlich ein Schmetterling, erklärt Zäpernick, und fährt fort: . „Wir informieren die Landwirte derzeit über beide Schädlinge. Noch sind beide nicht bei uns angekommen, aber das kann ganz schnell geschehen.“
Zäpernick und ihre Pflanzenschutzkollegen bilden also so etwas wie die letzte Verteidigungslinie gegen den zu erwartenden Angriff. „Wenn sie da sind, rotten wir sie aus. Ich glaube da haben wir gute Chancen“, macht sich die Expertin Mut. Denn der Feind ist zwar klein und gemein - aber sein Sex-Trieb wird ihn in ihre Falle gehen lassen, hofft Zäpernick. Denn erst wenn er entdeckt ist, kann er bekämpft werden.
(Quelle und ausführlich lesen: -> http://www.westfaelische-nachrichten.de/lokales/kreis_steinfurt/kreis_steinfurt/1389158_Sein_Sextrieb_wird_ihn_verraten_._._..html)