Richard Ebert
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Malawi: Revolution im afrikanischen Maisfeld

Malawi: Revolution im afrikanischen Maisfeld

Von Ranty Islam

Deutsche Welle (07.12.07) - 2005 stand Malawi am Rande einer Hungersnot, jetzt fährt es Rekord-Ernten ein. Der Grund: Mehr Regen und die Entscheidung des Präsidenten, Düngemittel zu subventionieren - entgegen der Meinung der Weltbank.

Noch vor zwei Jahren warnten Hilfsorganisationen vor einer neuen Hungersnot im südlichen Afrika. Vier Millionen Menschen in Simbabwe sowie eine Million Einwohner Sambias wären nicht mehr in der Lage, sich über die folgenden sechs Monaten aus eigener Kraft selbst zu versorgen, warnte Oxfam im September 2005. In Malawi war jeder dritte der rund 13 Millionen Einwohner von der Hungersnot bedroht.

Weltbank - nein danke!

Die gleichen Warnungen gab es für Simbabwe auch in diesem Jahr. In Sambia und Malawi aber hat sich die Lage geändert, die Mais-Ernten sind besser geworden. In Malawi hat sich die Situation sogar völlig ins Gegenteil verkehrt: Im Jahr 2006 war die Ernte gut, 2007 holten die Malawier nach Regierungsangaben 3,4 Millionen Tonnen Mais von den Feldern - fast drei Mal so viel wie zwei Jahre zuvor und ein neuer Rekord. Das kleine Land exportiert nach Angaben der "New York Times" nun hunderttausende Tonnen Mais nach Simbabwe und verkauft mehr Mais an die Vereinten Nationen als jedes andere Land im südlichen Afrika.

Das liegt auch an den vielen Regenfällen - die waren in den Jahren zuvor ausgeblieben. Der Hauptgrund aber ist ein anderer: Präsident Bingu wa Mutharika, seit 2004 im Amt, entschied, Subventionen für den Kauf von Dünger auf rund zwei Drittel des Marktpreises zu erhöhen. Damit schlug er die Forderung der Weltbank und einiger Geberländer, die Sanktionen abzuschaffen, in den Wind - nach Ansicht der Weltbank helfen liberalisierte Märkte der Entwicklung. Ohne Subventionen und angesichts schwacher Wechselkurse waren Düngemittel für die meisten Malawier zuvor unerschwinglich gewesen - und doch so wichtig für die ausgemergelten Böden.

Subventionen: wenig nahrhaft, wenig nachhaltig

Dünger-Subventionen als Geheimwaffe gegen den Hunger? Beobachter sind skeptisch. Bleiben die Regenfälle in Zukunft aus, dann könnte es selbst mit dem Billig-Dünger wieder eng werden.

Kinder stehen an und um eine Wasserpumpe auf einem Dorfplatz (Quelle: Aliaa Tayea)Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Neben dem Dünger ist ausreichend Wasser für die Ernte am wichtigstenWeil das Land über reichlich Oberflächenwasser verfügt, könnte eine bessere Bewässerungsinfrastruktur die Abhängigkeit vom Regen aber mindern, sagt Aliaa Tayea. Doch langfristig reiche auch das nicht, warnt die Umweltmedizinerin, die im Süden Malawis arbeitet. "Mais-Mahlzeiten alleine enthalten zu wenig Nährstoffe - zu wenig Mineralien, Vitamine und Eiweiß." Andere Ernten wie etwa Soja könnten helfen, sagt Tayea.

Mutharikas Entscheidung für Subventionen, die die Not für den Augenblick gebannt hat, könnte mittelfristig zum Bumerang werden. Die Malawier würden zwar genug für den Eigengebrauch ernten, "doch die Preise werden so verzerrt, dass sich kein Markt etablieren kann", sagt Stephen Devereux, Experte für Hunger und Lebensmittelsicherheit in Afrika am britischen Institut für Entwicklungsstudien. Gerade dieser Markt sei aber wichtig, damit das Land auf Dauer sein Einkommen verdienen könne.

Dass aber die Subventionen als Teil einer nachhaltigen Strategie wieder abgeschafft werden könnten, ist aus innenpolitischen Gründen fraglich: Der billige Dünger hat soviel Mais in die Kochtöpfe Malawis gebracht, dass jede Bestrebung, die Subventionen abzubauen, an der Wahlurne böse abgestraft werden könnte.

Internationale Geber können lernen

Das Beispiel von Malawi hält nach Ansicht von Tayea und Devereux generelle Lehren auch für Hilfsorganisationen und Geberländer bereit. Wenn es darum geht, kurzfristig Not abzuwenden, "dann kann die gezielte Finanzierung von Maßnahmen, wie Dünger-Subventionen, viel effektiver helfen, als Unmengen Geld in Hilfslieferungen zu pumpen", sagt Devereux.

"Die Menschen wissen selbst am besten, was funktioniert - sie brauchen nur die Ressourcen", sagt Tayea. Deshalb sei es wichtiger, dass Hilfsorganisationen und die internationalen Geber diesen Menschen "besser zuhören, statt den Regierungen vorzuschreiben, wie sie ihr Land zu führen haben", betont Tayea. "Die bestehenden Kapazitäten müssen nur gestärkt werden. Wir brauchen das Rad nicht neu zu erfinden."

(Quelle: http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2984395,00.html)

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