Meinungen: Die CMA war für uns erfolgreich / Die ZMP wird uns fehlen
Effektiv oder Klotz am Bein? - Meinungen zum Ende der CMA-Zwangsgebühr - "Die ZMP wird fehlen"
Das Urteil der Bundesverfassungsrichter zu den Zwangsabgaben für die CMA war ein- deutig. Vertreter des Bauernverbands, der BAGeno und der UEG sowie Landwirte äußern sich unterschiedlich.
Von Hans-Peter Kuhnhäuser
Südwest-Presse, Main-Tauber-Kreis (20.02.09) - Ob und in welcher Form künftig die Aufgaben der CMA (Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft) und der in der Öffentlichkeit weniger bekannten ZMP (Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle) übernommen werden, "ist offen. Klar ist nur, dass diejenigen über Inhalte und Aktivitäten entscheiden, die das Geld bringen", meint der Geschäftsführer des Kreis-Bauernverbands, Thomas Leingang. Er bedauert das Urteil, denn "die CMA hat für ein Grundrauschen in den Medien gesorgt. Außerdem wurden erfolgreich Auslandsmärkte wie China und Russland erschlossen und so unsere Bauern unterstützt."
Zwar sei für die Landwirte in der Vergangenheit das Wirken der CMA nicht immer nachvollziehbar gewesen, "in jüngerer Zeit war aber durchaus Interesse vorhanden. Bei der Obleute-Tagung im November in Elpersheim gab es viel Lob für CMA-Geschäftsführer Markus Kraus, der die Absatz-Förderungsmaßnahmen vorstellte. Insbesondere die Aktiviäten im Auslandsmarketing fanden Zustimmung", berichtet Leingang. Was die ZMP angehe, so "wird den Bauern diese neutrale Info-Stelle sicherlich fehlen".
Von einem "lachenden und einem weinenden Auge" spricht der Geschäftsführer der UEG in Adolzhausen, Herbert Klein. "Gut ist, dass die Mitglieder unserer Erzeugergemeinschaft die Beiträge sparen" - zusammen zwischen 180 000 und 200 000 Euro pro Jahr. Die Anzeigen hätten die Verbraucher nicht animiert, "die Begleitmaßnahmen waren nicht sehr effektiv". Allerdings habe die CMA erfolgreich neue Märkte außerhalb Deutschlands erschlossen, verweist Klein auf China, wo Schweinefüße als Delikatesse gälten. "Die CMA hat die Vermarktung der Schweinefleisch-Überschüsse - vor allem von Partien, die hier niemand will - möglich gemacht." Die ZMP sei ebenfalls wichtig und habe die Vermarktung unterstützt. "Da brauchen wir eine Lösung", betont Klein.
Für seine Genossenschaft seien die Gebühren ein "durchlaufender Posten" gewesen, erklärt BAGeno-Direktor Berthold Walter. "Ich begrüße alles, was die Bauern auf der Kostenseite entlastet." Die CMA-Aktivitäten hätten den hiesigen Höfen und der BAGeno wenig gebracht, meint Walter.
"Die Arbeit der CMA war auch für uns hier erfolgreich", sagt dagegen der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, Alois Fahrmeier. Er verweist auf Raps und Milch. "Rapsöl wurde früher nur in der gehobenen Gastronomie eingesetzt. Dank der CMA wurde es einer großen Verbraucherschicht nahe gebracht. Auch hiesige Landwirte produzieren und verkaufen Rapsöl an den Lebensmitteleinzelhandel und an Discounter." Die Milchwerbung vor der Sportschau sei ein weiteres positives Beispiel. "Die Milch wurde so vor allem Jugendlichen näher gebracht." Die Erhebung von Zwangsbeiträgen habe "Trittbrettfahrer verhindert", ist der Vorsitzende überzeugt. "In irgendeiner Form muss die Arbeit von CMA und ZMP weitergehen."
Die Zwangsgebühr war "ein Klotz am Bein", sagt der Löffelstelzer Nebenerwerbslandwirt Thomas Tremmel. "Da wurden teure Agenturen beauftragt, die für uns hier nichts getan haben, denn die Verbraucher in der Region wurden nicht angesprochen." Das sieht auch der Igersheimer Landwirt Hermann Michel so: "Die Werbung wurde nicht regional abgestimmt." Er sei gegen Zwangsabgaben, zumal wenn die damit bezahlten Aktivitäten "meinem Betrieb nichts bringen", sagt Michel.