Milch: Aktionspaket für Milchbauern geplant
Bund und Länder planen Aktionspaket für Milchbauern
Agrarheute.com / dpa, Berlin (29.07.08) - Angesichts andauernder Proteste der Milchbauern wollen Bund und Länder im Kampf für höhere Milchpreise ein Aktionspaket schnüren.
Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) machte sich am Dienstag bei der Spitzenrunde der Milchbranche in Berlin dafür stark, Möglichkeiten zur Senkung der Milchmenge zu prüfen, um Druck aus dem Markt zu nehmen. Nur in einer gemeinsamen Kraftanstrengung könne es gelingen, eine leistungsstarke deutsche Milchwirtschaft zu sichern, betonte er nach dpa-Informationen vor rund 50 Vertretern des Deutschen Bauernverbands, des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, von Molkereien, Einzelhandel und den Ländern. Seehofer kündigte demnach an, ein Verbot überhöhter Milchlieferungen zu prüfen. Darüber soll der Bundesrat auf Antrag Bayerns beraten.
Der Minister will die Milchmenge zudem senken, indem die Umrechnung von Liter in Kilogramm bei der Milchlieferung geändert wird. Er forderte erneut einen EU-Milchfonds von 300 Millionen Euro pro Jahr für Bauern in benachteiligten Regionen, um die Folgen des für 2015 geplanten Wegfalls der Milchquote - der EU- weiten Mengenbeschränkung - zu mildern. Die Molkereien sollten sich stärker zusammenschließen, um mehr Marktmacht gegenüber dem Handel zu haben. Seehofer forderte den Einzelhandel auf, die heimische Vermarktung zu stärken. Damit greift er Forderungen des Bauernverbands sowie der Milchviehhalter auf.
Die Milchbauern riefen Seehofer zu schnellem Handeln für höhere Preise auf. "Minister Seehofer ist gefordert", sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner vor rund 100 demonstrierenden Bauern. Er appellierte an den Einzelhandel, kein "Preisdumping" von Lebensmitteln zuzulassen. Der Chef des Bundesverbands der Milchviehhalter, Romuald Schaber, sagte, es müsse schnell Signale geben, um die Milchmenge zu senken. Das Aktionspaket muss allerdings in einigen Punkten auch noch mit der EU-Kommission abgestimmt werden. Der Einzelhandelsverband HDE versicherte, er sei sich seiner Verantwortung bewusst. Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg (CDU) rechnet damit, dass sinkende Milchpreise verhindert werden können. Die Verbraucher sollten sich darauf einstellen, dass sich die Milchpreise mittelfristig stabilisieren. "Wir sind da ein gutes Stück weitergekommen, was die Frage der Milchmenge angeht." Seehofer habe ein Papier für die Bundesregierung vorgelegt, das alle Länder- Agrarminister unterstützten.
Der Bundesverband der Milchviehhalter hatte im Mai und Juni mit einem zehntägigen Milch-Lieferstopp höhere Verbraucherpreise im Handel für Trinkmilch und später auch Butter durchgesetzt. Die Milchbauern bekamen im Juni allerdings nur 0,3 Cent mehr pro Liter von den Molkereien, unter anderem, weil nur ein Teil der produzierten Menge an den Einzelhandel geht.