Richard Ebert
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Milch: Alpenland und Bio Austria streiten um Biomilch

Alpenmilch: Streit um Biomilch entbrannt

Von Thomas Hödlmosern

Salzburger Nachrichten, Salzburg (26.05.10) - Biobauern werfen der Alpenmilch vor, die Standards herunterzuschrauben. Die Molkerei kritisiert die Auflagen bei Bio Austria.

Eigentlich könnten die Landwirte aufatmen, dürfen sie doch wieder auf einen Anstieg der Milchpreise hoffen.

Dennoch herrscht gerade jetzt dicke Luft zwischen der größten Salzburger Molkerei und der größten Biobauernorganisation: zwischen Alpenmilch und Bio Austria. Grund ist, dass die Alpenmilch jetzt auch Milch jener Biobauern unter dem Titel „Bio“ vermarktet, die nicht Mitglied bei Bio Austria sind. Bisher wurde die Milch dieser „Kodex“-Bauern lediglich als konventionelle Milch verwertet. Die Bauern bekamen auch nur den Preis für herkömmliche Milch.

Beim Verband Bio Austria sieht man in der neuen Vorgangsweise der Alpenmilch einen Rückschritt, weil die „Kodex“-Bauern nur nach EU-Kriterien produzieren, nicht aber nach den strengeren Verbandskriterien. So muss ein Landwirt bei Bio Austria den Gesamtbetrieb auf „Bio“ umstellen, nicht nur Teile des Betriebs. Auch bei den Futtermitteln gelten strengere Standards.

„Für mich liegt der Verdacht nahe, dass die Alpenmilch die Biomilch verramscht, indem sie billig in Deutschland in den Markt reinfährt“, sagt Bio-Austria-Bauer Matthias Quehenberger aus Abtenau. „Das ist für mich eine kurzsichtige Aktion. Wenn die Qualität und der Preis unten sind, bringt man das nicht mehr rauf.“ Kritik kommt auch von Sepp Machreich, Obmann von Bio Austria Salzburg: „Für mich ist das eine klare Qualitätsminderung.“ Zwar müsse man die Entscheidung der Alpenmilch zur Kenntnis nehmen. Dieser Kurswechsel sei aber „nicht gut“ für das Bioimage.

Für Rudi Vierbauch vom Bundesverband Bio Austria ist die Vorgehensweise der Alpenmilch „unverständlich“.

Alpenmilch-Obmann Paul Bankhammer lässt die Kritik nicht gelten. Bankhammer nennt mehrere Gründe für den Kurswechsel. Es gebe nun einmal eine große Nachfrage nach Biomilch. Außerdem reagiere man damit auf die Politik von Bio Austria, mit der viele Bauern nicht mehr zufrieden seien, weil die Richtlinien dauernd weiter verschärft würden. „Sie schrauben das Level immer weiter nach oben.“ Diesen Kurs wollten viele Bauern nicht mehr mittragen.

Dazu kommt, dass für die Bio vermarktung die strengen Verbandsrichtlinien von Bio Austria keine zwingende Voraussetzung sind. Es genügten die EU-Vorgaben, sagt Alpenmilch-Geschäftsführer Christian Leeb. „Der Handel verlangt nicht mehr. Wenn Sie nach Deutschland gehen zu Edeka, fragt niemand nach dem Bio-Austria-Standard.“

Bei manchem Bio-Austria-Funktionär läuten aber auch aus einem anderen Grund die Alarmglocken. Die „Kodex“-Bauern bekommen jetzt von der Alpenmilch erstmals einen Biozuschuss ausbezahlt. Deshalb geht die Sorge um, dass Landwirte auf die Idee kommen könnten, ihre Mitgliedschaft bei Bio Austria zu kündigen, wenn ihnen die Alpenmilch ohnehin in jedem Fall den Biozuschlag zahlt. Alpenmilch-Vertreter würden den Landwirten offen sagen, dass eine Mitgliedschaft bei Bio Austria jetzt nicht mehr nötig sei, um einen Biozuschlag zu bekommen, heißt es.

Tatsächlich kündigten einzelne Mitglieder bereits die Verträge mit dem Verband auf. Obmann Machreich sieht das aber demonstrativ gelassen: „Wir bekamen mehr Neuzugänge, als wir Kündigungen hatten.“

Am Konflikt um die „richtige“ Biomilch zeigt sich erneut, dass es im Biosektor zwei Parteien gibt: auf der einen Seite die „Pioniere“ und Vorreiter in der Szene, die hohe Standards festschreiben und die Richtlinien kontinuierlich verschärfen wollen; auf der anderen Seite jene Landwirte, die zwar gern mit „Bio“ werben, aber keine große Freude mit noch weiter gehenden Einschränkungen und Vorschriften haben. Das zeigte sich zuletzt in Salzburg vor allem am Streit um das Verbot der Anbindehaltung für große Biobetriebe.

(Quelle: http://www.salzburg.com/online/salzburg/salzburger+wirtschaft/Alpenmilch-Streit-um-Biomilch-entbrannt.html?article=eGMmOI8Vg7rGZSMOPUXqLY1VGC4xlwR0xHsul1F&img=&text=&mode=)

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