Milch: Bald Börse für Kassahandel mit Milch ?
Schweiz: VMI will Milchbörse
Bauernzeitung.ch / hs, Bern (13.10.08) - Markus Willimann, Präsident der Vereinigung der Schweizer Milchindustrie (VMI), lanciert die Idee einer Milchbörse für den Milchkauf auf dem Spotmarkt.
Die Fronten zwischen den Verarbeitern und der Organisation der Schweizer Milchproduzenten (SMP) sind verhärtet: Die Milchindustrie lehnt den von der SMP vorgeschlagenen nationalen Milchpool kategorisch ab, und die Milchbauern befürchten, bei den künftigen Preisverhandlungen am kürzeren Hebel zu sitzen. Jetzt bringt die Milchindustrie die Idee einer Milchbörse ins Spiel.
Industrie bietet langfristige Abnahmeverträge an
Mit der Aufhebung der staatlichen Milchkontingentierung zieht sich der Bund Ende April 2009 vom Milchmarkt definitiv zurück. Auch für die Milchindustrie ist klar, dass infolge des Wegfalls der staatlichen Instrumente nun andere Instrumente funktionieren müssen. «Wir sind überzeugt, dass die Verwerter auch weiterhin ihren Grundbedarf über langfristige Abnahmeverträge sichern werden», betont VMI-Präsident Markus Willimann im Interview mit der «BauernZeitung». Für die Vertragsmilch will die VMI einen Preisindex für Industriemilch einführen. Dieser Richtpreis soll der aktuellen Marktentwicklung periodisch angepasst werden.
Neben der Vertragsmilch wird es temporär mehr oder weniger anfallende Regulier- und «vertragsfreie Milch» geben. Der Preis für diese Milch soll sich in Zukunft am Spotmarkt ergeben.
Eine Milchbörse für Reguliermilch
Damit dieser Spotmarkt für alle Produzenten nutzbar wird, will die Milchindustrie eine Milchbörse entwickeln. Bei der Milchbörse handelt es sich um eine klassische Rohstoffbörse. In dieser Börse wird für ein Produkt jeweils ein Grundpreis angesetzt, der sich anschliessend nach unten bewegt, bis ein Käufer ein Kaufangebot macht. Auf diesem Weg geht die Milch zu jenen Verarbeitern, die beim Verkauf an der Börse das zum Verkaufszeitpunkt beste Angebot machen.
Markus Willimann weist darauf hin, dass die Milchindustrie ein Chaos auf dem Milchmarkt verhindern wolle. «Ein Chaos schadet allen Parteien und zuletzt auch unserem Herkunftslabel Schweiz», sagt Willimann. Ebenso klar für die Milchindustrie sei aber, dass die Weiterführung einer Kontingentierung auf privatrechtlicher Basis nicht in Frage komme. Wie man ein Chaos ohne Mengenführung verhindern kann, müssen nun Verhandlungen zwischen den Branchenpartnern zeigen.
Mehr Informationen in der «BauernZeitung» Nr. 41 vom 10. Oktober 2008
(Quelle: http://www.bauernzeitung.ch/?page_id=1&l=2&node=1&lvl=&navi_array=1&mod=news&news_id=3674)