Milch: Bauernverband droht mit massiven Kampagnen
Gleichgewicht statt Menge - Milcherzeuger wollen in Berlin demonstrieren
Rothenburger Rundschau / hm (14.10.08) - Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) lädt ein zur Milchparade am Donnerstag, 16. Oktober, in Berlin. Die Landwirte wollen für die Umsetzung ihrer Forderungen in Sachen Milchwirtschaft demonstrieren.
Der BDM erklärt, dass der Milchindustrieverband über zu viel Milch auf dem Markt klagt. Enttäuscht sind die Milchbauern, dass die Molkereiwirtschaft durch ihre Passivität verhindert habe, "dass angesichts dieser Marktsituation rechtzeitige und deutliche Marktsignale gesetzt wurden“. Zu befürchten sei, dass stattdessen der Lebensmitteleinzelhandel die Situation nutzt, die Preise für Molkereiprodukte zu senken.
Deshalb mahnt der BDM erneut die schon beim Lieferboykott geforderten mengenwirksamen Maßnahmen an. Dazu gehören die Angleichung des Umrechnungsfaktors, damit die Milchbauern nicht de facto ein Prozent mehr Milch erzeugen müssen, um ihre Lieferquote voll auszuschöpfen. Außerdem soll nach Ansicht des BDM die Molkerei- und Bundessaldierung abgeschafft werden, um mehr Mengendisziplin durchzusetzen. Letzte Forderung: Die von der EU beschlossene Erhöhung der Milchquote soll nicht an die Landwirte weitergegeben, sondern in der Länderreserve belassen werden.
So will der BDM Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht bringen. Für unsinnig halten die Erzeuger die Forderung nach einem freien Markt mit gleichzeitiger Subventionierung, um den Preisverfall für die Bauern abzumildern. Wie notwendig das sein wird, zeigt eine Momentaufnahme. BDM-Teamleiter Jörg Hüner: "Der Preis auf dem Spot-Markt, die Summe, die ich für frei verfügbare Milch bezahlen muss, ist auf 21 Cent je Kilogramm abgestürzt. Das ist etwa die Hälfte dessen, was wir als angemessenen Preis für die Milch ansehen. Und da sollen Milchquoten erhöht werden?“
Den Forderungen des BDM entsprechende Veränderungen der Verordnungen sind beim Milchgipfel im Juli in Aussicht gestellt worden. Am 7. November könnten sie vom Bundesrat durch die Länder beschlossen werden. Insofern misst der BDM der Sitzung des Agrarausschusses am 20. Oktober große Bedeutung bei. Allerdings gingen Molkereiwirtschaft und Bauernverband nach Auskunft des BDM gegen diese Maßnahmen "mit massiven Kampagnen“ vor.
Die Milchparade soll darum die Forderungen der Milchbauern noch einmal deutlich machen. Am 16. Oktober, startet die um 13 Uhr am Brandenburger Tor und hat vier Stationen: den Milchindustrieverband, den Bundesrat, das Agrarministerium und den Reichstag.
Für die Milcherzeuger im Landkreis Rotenburg stellt der BDM Busse zur Verfügung. Start ist um 6.30 Uhr bei Hoyers Eck in Visselhövede und anschließend auf dem Lidl-Parkplatz in Rotenburg (Brauerstraße). Wer mitfahren möchte, kann sich anmelden unter Telefon 0172/ 8626447 (Jörg Hüner).
(Quelle: http://www.rotenburger-rundschau.de/index.php?menu=13000&dataid=65376)